Originaltitel: Five Little Pigs Episodennummer: 8x02 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 14. Dezember 2003 Erstausstrahlung D: 24. Dezember 2005 Drehbuch: Kevin Elyot Regie: Paul Unwin Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Rachael Stirling als Caroline Crale,
Aidan Gillen als Amyas Crale,
Toby Stephens als Philip Blake,
Marc Warren als Meredith Blake,
Aimee Mullins als Lucy Crale,
Julie Cox als Elsa Greer,
Gemma Jones als Miss Williams,
Sophie Winkleman als Angela Warren,
Talulah Riley als Young Angela,
Patrick Malahide als Depleach,
Annette Badland als Mrs. Spriggs,
Roger Brierley als Judge,
Richard Teverson als Hollinghurst u.a.
Kurzinhalt:
Vor vierzehn Jahren wurde Amyas Crale ermordet aufgefunden. Seine Frau Caroline war rasch die Hauptverdächtige; vor allem auch, da niemand ihrer Theorie, dass er sich selbst das Leben genommen haben soll, glauben schenken wollte. Und so wurde sie für den Mord an ihrem Gatten gehängt. Da sie jedoch selbst in ihrem Brief an ihre Tochter Lucy unmittelbar vor ihrer Hinrichtung immer noch ihre Unschuld beteuerte, ist diese davon überzeugt, dass jemand anders für den Mord an ihrem Vater verantwortlich war. Sie wendet sich deshalb an Hercule Poirot, der den wahren Schuldigen finden und Carolines Namen reinwaschen soll. Der belgische Meisterdetektiv besucht daraufhin nacheinander alle an diesem Wochenende Anwesenden, um ihre Schilderung der Ereignisse zu hören. Aus diesen einzelnen Puzzlestücken ergibt sich für ihn schon bald ein stimmiges Gesamtbild – welches er allen Verdächtigen schließlich am Ort des Verbrechens offenbart…
Review (kann Spoiler enthalten):
Nach einer kleinen Pause von knapp zweieinhalb Jahren (ausgehend von der Erstausstrahlung im britischen Fernsehen) kehrte Hercule Poirot mit "Das unvollendete Bildnis" im Dezember 2003 zurück – allerdings mit kleineren Änderungen sowohl vor als auch hinter der Kamera. So ist hier von der alten Garde auch wirklich nur David Suchet (no na; ohne den geht es natürlich nicht) wieder mit von der Partie; auf Pauline Moran, Philip Jackson und selbst Hugh Fraser muss der geneigte Fan der Serie indes verzichten. Mit Drehbuchautor Kevin Elyot und Regisseur Paul Unwin nahmen indes für diese Adaption Neuzugänge das Zepter in die Hand; lediglich die musikalische Untermalung blieb in den Händen des "Poirot"-Veterans Christopher Gunning. Nun verleiht all dies zugegebenermaßen "Das unvollendete Bildnis" von Beginn an irgendwie einen frischen Eindruck. Ich wünschte fast, man hätte erst ab dieser Folge auf das 16:9-Format umgestellt, weil dies die Zäsur sogar noch stärker und deutlicher gemacht hätte.
In jedem Fall will ich diese Anmerkung aber nicht als Kritik verstanden wissen. Ja, die Episode wirkt von Beginn an anders, als das, was davor kam. Manche mögen sich daran stören, oder es zumindest ein bisschen gewöhnungsbedürftig finden. In meinem Fall ist es aber insofern als Kompliment gemeint, als alles von Beginn an sogar irgendwie noch hochwertiger wirkt, als man das von der Serie bisher schon gewohnt war. Ein Eindruck, zu dem auch die Besetzung beiträgt. War diese in der Vergangenheit mit – aus heutiger Sicht – bekannten Gesichtern eher sparsam, freut man sich hier über Auftritte von (unter anderem) Aidan Gillen ("Game of Thrones"), Toby Stephens ("Die Another Day", "Black Sails", "Lost in Space"), Julie Cox (die beiden "Dune"-Miniserien des SciFi-Channels), Annette Badland ("Jabberwocky", "Ted Lasso"; und nicht zuletzt natürlich auch die "Miss Marple"-Episode "Das Geheimnis der Goldmine"), Gemma Jones (Madam Pomfrey aus den "Harry Poter"-Filmen), sowie eine junge Talulah Riley ("Westworld"). Aber auch alle, die mir persönlich jetzt nichts gesagt hätten, zeigen eine bestechende Leistung, wobei ich insbesondere die bezaubernde Rachael Stirling als Caroline Cale hervorheben will. Neben dem immer verlässlichen David Suchet war ich allerdings von Julie Cox – nicht zum ersten Mal – am meisten angetan. Die hat einfach eine ganz eigene Ausstrahlung, welche auch diese Rolle für mich wieder stark aufwertete. Aber auch die Inszenierung von Paul Unwin stach positiv heraus (nicht zuletzt in der Art und Weise, wie er die Flashbacks teilweise aus Sicht der jeweiligen Person umsetzte), weshalb ich es doch ein bisschen schade finde, dass dies sein einziger "Poirot"-Einsatz bleiben sollte. Und die Musik von Christopher Gunning war auch wieder fantastisch (wenn man auch bis zum bekannten Titelthema bis zum Abspann warten muss; was den Eindruck eines "Neustarts" verstärkt). Er unterstütze mit seiner Komposition die der Geschichte zugrundeliegende Tragik perfekt.
Womit wir auch schon bei der letzten wesentlichen Stärke angekommen wären, und das ist die Story an sich. Ich kann noch keinen Vergleich zur Vorlage ziehen, gehe aber anhand einiger Informationen im Internet von einer weitgehend werkgetreuen Adaption aus (neben dem vielleicht die Spur zu dramatischen Ausgang – mit der Waffe – dürfte wohl in erster Linie das Outing einer Figur auf sein Konto gehen; eine Änderung/Ergänzung, die ich begrüße). Wie ich jedoch – gerade auch im Hinblick auf vereinzelte Negativbeispiele aus der Serie – nicht müde werde zu betonen, mag in so einem Fall zwar natürlich Dame Agatha Christie einen großen Anteil am Erfolg haben; es ist aber letztendlich halt schon auch dem Autor des Drehbuchs/der Adaption anzurechnen, diese werkgetreu übernommen zu haben. So oder so, ich fand den hier erzählten Fall großartig. Angefangen beim dramatischen Auftakt, über das Konzept der Ermittlung eines Mordes, der vor vierzehn Jahren geschehen ist (was für "Poirot" definitiv als ungewöhnlich heraussticht) bis hin zu den ausführlichen Zeugenaussagen, die hier nacheinander erzählt werden, und von denen jede weitere spannende Puzzlestücke für uns bereit hält. Am Ende haben wir genau die gleichen Informationen wie Poirot, und könnten so den gleichen Schluss ziehen – woran ich in diesem Fall gescheitert bin, hatte ich doch eine andere Person in Verdacht. So oder so: (Auch) die (Poirot-typische) Auflösung war phantastisch umgesetzt, und zementierten den Status von "Das unvollendete Bildnis" als eine der besten Episoden der Serie.
Fazit:
Zugegebenermaßen sticht "Das unvollendete Bildnis" aus der Serie ein bisschen heraus (ob als einzige oder als erste Folge, werde ich erst nach der Sichtung vom Rest beurteilen können); nicht zuletzt, als wir hier auf Miss Lemon, Chief Inspector Japp und Captain Hastings verzichten müssen. Doch so sehr ich diese auch mag, muss ich gestehen, sie hier nicht vermisst zu haben. Die hochkarätige und hier durch die Bank famos aufspielende Besetzung hatte daran ebenso ihren Anteil, wie die hochwertige Inszenierung durch Paul Unwin. In erster Linie liegt es aber am Fall an sich. Schon allein das Setup – die Aufklärung eines Mordes, der sich vierzehn Jahre zuvor zugetragen hat – sticht heraus. Aber auch die Art und Weise, wie die damaligen Ereignisse aufgerollt werden, war meisterhaft – und lud so sehr wie kaum eine andere "Poirot"-Episode zum Miträtseln ein. Und auch die Auflösung am Ende hatte es mir dann sehr angetan. Macht insgesamt eine fantastische Folge, die ich nicht nur zu den besten Episoden der Serie, sondern den besten Agatha Christie-Verfilmungen generell zählen würde.