Star Trek: Strange New Worlds - 4x02: Der Griffin-Vorfall
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Originaltitel: The Griffin Incident Episodennummer: 4x02 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 23. Juli 2026 (Paramount+) Drehbuch: Akiva Goldsman & Henry Alonso Myers Regie: Chris Fisher Stammbesetzung:
Anson Mount als Captain Christopher Pike,
Ethan Peck als Lieutenant Spock,
Jess Bush als Nurse Christine Chapel,
Christina Chong als Lieutenant La'an Noonien-Singh,
Celia Rose Gooding als Ensign Nyota Uhura,
Melissa Navia als Lt. Erica Ortegas,
Babs Olusanmokun als Dr. Joseph M'Benga,
Martin Quinn als Lieutenant Montgomery Scott,
Rebecca Romijn als Commander Una Chin-Riley.
Gaststars:
Adrian Holmes als Admiral Robert April,
Saffron Burrows als Commander Cassel,
Dan Jeannotte als Lieutenant George Samuel 'Sam' Kirk,
Carol Kane als Commander Pelia,
Bianca Nugara als Cadet A'Sha,
Dane Gulston als Martian Guard 1,
Colby Dean Turner als Martian Guard 2,
Alex Kapp als USS Enterprise Computer u.a.
Kurzinhalt:
La'An Noonien Singh, Spock und James T. Kirk haben gemeinsam an einem Treffen für zukünftige Anführer der Föderation teilgenommen. Nun fliegen sie zusammen mit einem Shuttle zurück Richtung Enterprise, von wo aus Jim zu seinem eigenen Schiff überwechseln soll. Dann jedoch empfangen sie in einem Asteroidenfeld plötzlich das Notsignal eines Sternenflottenschiffs. Dieses stellt sich als die seit neun Jahren verschollene U.S.S. Griffin heraus. Als sie an Bord gehen, scheint niemand an Bord zu sein – bis sie in der Krankenstation auf ein paar Leichen stoßen. Der Rest der Crew wurde offenbar von einer Offizierin, die den Verstand verloren hat – Rose Harper – ins All gebeamt. Während sie versuchen, das Geheimnis hinter dem Untergang der U.S.S. Griffin zu ergründen, werden La'An, Spock und Jim mit ihren tiefsten Ängsten konfrontiert…
Review (kann Spoiler enthalten):
Das erste Drittel von "Der Griffin-Vorfall" fand ich ja noch gar nicht mal so schlecht. Zu kritisieren hatte ich daran lediglich den neuerlichen Auftritt von Paul Wesley als James T. Kirk, aus mehreren Gründen (die ich, auch wenn sie mittlerweile bekannt sein sollten, hier nochmal kurz aufrollen will). Erstens wirkt es mittlerweile echt einfach nur mehr erzwungen und konstruiert, wie oft der spätere Enterprise-Captain im Prequel auftaucht. Zweitens finde ich es generell schade, dass man "Strange New Worlds" nicht ihr eigenes Ding machen (und sein) lässt, und sich stattdessen viel zu sehr auf den Prequel-Aspekt fokussiert (ganz ehrlich: Wäre ich Anson Mount, wäre ich mittlerweile doch ziemlich sauer). Vor allem aber hat sich nichts daran geändert, dass ich mit Wesley in der Rolle einfach überhaupt nichts fangen kann. Schlimm genug, dass ihm der für Kirk so typische Charme, und dieses Augenzwinkern (und auch -funkeln) fehlt, und er in der Rolle die Ausstrahlung eines handelsüblichen Toasters an den Tag legt (der ihn vermutlich noch an die Wand spielen würde). Aber insbesondere hier hatte ich darüber hinaus den Eindruck, dass er Kirk so spielt, als hätte er einen Stock im Arsch.
Zugegeben, auch die Darstellung in den J.J. Abrams-Filmen war nicht perfekt, da sie sich wiederum zu sehr auf seinen Charakter als Rebell und Adrenalinjunkie fokussierte (und damit die Figur in meinen Augen falsch verstand bzw. interpretierte). Aber Chris Pine brachte zumindest das nötige Charisma ein. Für mich ist Wesley als Kirk jedenfalls die größte Fehlbesetzung der "New Trek"-Ära. Dessen ungeachtet fand ich den Einstieg eigentlich noch ziemlich interessant und gelungen. Zu verdanken ist dies in erster Linie der verdammt atmosphärischen Inszenierung von Axelle Carolyn – eine Stärke, die sich zwar grundsätzlich durch die ganze Folge zog, für mich aber insbesondere im ersten Drittel besonders gut zur Geltung kam. Szenen wie die Leichen in der Krankenstation, der Korridor den La'An auf Deck 17 – welches sie mit dem Turbolift partout nicht verlassen kann (und wo ich an "Das Rätsel von Grau 17" von "Babylon 5" denken musste) – betritt, oder auch so manche Begegnung mit dem "Geist" von Rose Harper, waren schon sehr gruselig inszeniert. Aber auch die Musik von Nami Melumad – die hier stärker auf atmosphärische Sounds als einen klassischen Score setzt – trägt viel zur düster-gruseligen Stimmung bei. Ich mochte auch das Rätsel rund um die Vorgänge auf der U.S.S. Griffin – und auch, dass dieses Rätsel hier letztendlich nicht aufgelöst wird, hat mich nicht gestört. Und auch die Idee, dass wir über die Ereignisse hier mehr über die Figuren – und ihre Ängste – erfahren, war ein interessantes Konzept.
Damit sind wir aber leider auch gleich bei den Kritikpunkten, denn bedauerlicherweise fand ich, dass "Der Griffin-Vorfall" eben daraus zu wenig gemacht hat. Aus meiner Sicht blieb man hier viel zu oberflächlich, bzw. wirkte manches auch aufgesetzt, wie wenn Kirk meint, das Babygeschrei von David zu hören. Aber auch Spocks inneren Kampf zwischen seiner menschlichen und vulkanischen Hälfte hätte man besser darstellen können als mit einem Auftritt von T'Pring, bzw. auch der Szene, wo sich Spock die spitzen Ohren abschneidet. Womit wir gleich beim nächsten ganz großen Kritikpunkt bin: Ich bin bekanntlich mit "Star Trek" – genauer gesagt, der klassischen Serie – aufgewachsen. Im Hinblick auf Science Fiction, aber auch meine Faszination für das Weltall, war Gene Roddenberrys Serie eine ganz entscheidende Einstiegsdroge – und ich fände es wichtig, dass "Star Trek" eben diese Rolle (und diesen "Bildungsauftrag") aufrecht erhält (zusammen natürlich mit einer positiven Vision der Zukunft). Szenen rund um Verstümmelung, so wie sie hier auftreten, passen dazu einfach nicht.
Ich habe die klassische Serie mit fünf oder sechs Jahren gesehen; da waren auch ein paar Dinge drin, die (zumindest für mich als Kind) gruselig waren, wie z.B. die Todeswolke in der (fast) gleichnamigen Episode. Dennoch hätte ich kein Problem damit, einem (fiktiven) Nachwuchs meinerseits diese Folge zu zeigen. "Der Griffin-Vorfall" ist aber ausgeschlossen; und das finde ich dann doch schade (versetzt euch mal in die Lage von Eltern, ihr schaut "Star Trek: Strange New Worlds" mit euren Kindern gemeinsam, und dann müsst ihr ihnen sagen, dass sie just diese eine Folge nicht schauen dürfen; das ist doch kacke?!). Und generell finde ich, dass man sich hier etwas zu sehr an Vorbildern wie "Event Horizon" orientiert hat. Als weiteren Kritikpunkt würde ich dann auch noch Anspielungen auf spätere Ereignisse sehen. Wie gesagt, ich habe grundsätzlich kein Problem damit, dass das Rätsel der U.S.S. Griffin nicht aufgeklärt wird; aber wenn La'An hier James T. Kirk genau erzählt, wie sein Sohn David einst sterben wird, ist mir das der (unerklärten) übernatürlichen Elemente zu viel. Last but not least: Man hätte bei Spock, La'an und Firk (= fake Kirk) bleiben, und sich die Finte mit den anderen Enterprise-Crewmitgliedern sparen sollen. Denn spätestens wenn Sam Tod durchs All treibt (eine Szene, die ohnehin keinen Sinn macht) ist klar, dass sie nicht echt sind, woraufhin die Spannung ins Nichts verpufft. Und so hat sich "Der Griffin-Vorfall", nach einem durchaus interessanten, vielversprechenden Auftakt, doch noch zur ersten (kleineren) Enttäuschung der vierten Staffel gemausert. Im Hinblick darauf, dass es sich bei ihr gerade mal um die zweite Folge handelt, doch eher suboptimal.
Fazit:
Sieht man vom sehr konstruiert wirkenden, neuerlichen Auftritt von Paul Wesley als Firk ab, beginnt "Der Griffin-Vorfall" eigentlich ziemlich gut. Das Rätsel rund um das Schicksal der U.S.S. Griffin hat mich sofort abgeholt, und die atmosphärische Inszenierung durch Axelle Carolyn sorgt in Verbindung mit Nami Melumads Musik für eine höchst effektive und ansprechende Gruselstimmung. Leider aber, je länger die Episode dauerte, desto mehr fiel sie in meinen Augen in sich zusammen. Angefangen bei den völlig überflüssigen und mich bei "Star Trek" richtiggehend störenden Splatter-Einlagen, über die unerklärlichen Anspielungen auf die Zukunft mancher Figuren, bis hin zum Auftritt weiterer Enterprise-Crewmitglieder, der spätestens wenn einem bewusst wird, dass auch diese nur eingebildet sind, die Spannung ins Nichts verpuffen lässt. Weil sobald ich weiß, dass "nichts" hiervon real ist, habe ich auch keinen Grund mehr, mitzufiebern. Last but not least fand ich leider, dass man aus der grundsätzlich interessanten und vielversprechenden Grundidee, La'An, Spock und Firk mit ihren Ängsten zu konfrontieren, viel zu wenig herausgeholt hat. Die relativ (und potentiell um einen halben Punkt zu) gnädige Wertung ist wirklich nur der starken Inszenierung, und der daraus resultierenden großartigen Stimmung, zu verdanken. Weil inhaltlich war das leider ein ziemlicher Griff ins Klo.