Originaltitel: Lord Edgware Dies Episodennummer: 7x02 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 19. Februar 2000 Erstausstrahlung D: 31. Januar 2018 Drehbuch: Anthony Horowitz Regie: Brian Farnham Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Pauline Moran als Miss Lemon,
Helen Grace als Jane Wilkinson,
John Castle als Lord Edgware,
Fiona Allen als Carlotta Adams,
Dominic Guard als Bryan Martin,
Deborah Cornelius als Penny Driver,
Hannah Yelland als Geraldine Marsh,
Tim Steed als Ronald Marsh,
Lesley Nightingale als Miss Carroll u.a.
Kurzinhalt:
Hercule Poirot ist offiziell aus dem Ruhestand zurückgekehrt, und hat auch wieder sein altes Apartment bezogen, welches zugleich als sein Büro dient, und in dem ihm Miss Lemon erneut als Sekretärin zur Verfügung steht. Kurz darauf freuen sich die beiden, auch Captain Hastings wieder zurück im Land begrüßen zu können. Gemeinsam besucht man eine Aufführung der berühmten amerikanischen Imitatorin Carlotta Adams – die zum Abschluss ihrer Vorstellung auch eine humoristische Interpretation des Meisterdetektivs zum Besten gibt. Hercule bemüht sich, es mit Humor zu nehmen, und lernt nach der Vorstellung Carlottas Freundin – und Schauspielerin – Lady Edgware kennen, die besser unter ihrem Bühnennamen Jane Wilkinson bekannt ist. Diese bittet ihn sogleich um Hilfe, da sie sich von ihrem Mann scheiden lassen will, dieser sich jedoch weigert. Poirot ist doch ziemlich verwundert, um nicht zu sagen irritiert, als dieser meint, schon längst seine Zustimmung zur Scheidung gegeben zu haben. Noch am gleichen Abend wird er ermordet. Jane Wilkinson ist – natürlich – die Hauptverdächtige, scheint jedoch nicht nur kein Motiv mehr gehabt zu haben, sondern verfügt zudem über ein wasserdichtes Alibi…
Review (kann Spoiler enthalten):
Mit "Dreizehn bei Tisch" muss nun, zum zweiten Mal nach "Mord nach Fahrplan", eine TV-Adaption mit David Suchet in der Hauptrolle gegen eine mir bekannte, frühere Verfilmung antreten (etwas, dass nun in weiterer Folge noch öfter vorkommen wird). Darüber hinaus kommt es hier nun das erste Mal zum direkten Duell zwischen Suchet (der kurioserweise in der früheren Adaption als Inspektor Japp auftrat) und meinem bisherigen Liebling unter den Poirot-Darstellern, Peter Ustinov. Allerdings: Groß war die Hürde, welche die iTV-Verfilmung überspringen musste, nicht. Denn so sehr ich Ustinov in der Rolle mochte, und so ausgeklügelt der Fall grundsätzlich auch ist, aber "Mord á la Carte" (so der, vom Roman abweichende, deutsche Titel) war wohl der schwächste seiner Poirot-Filme. Einerseits weil er nicht mehr, so wie seine ersten Auftritte, fürs Kino gemacht war, und man entsprechend bei der Produktionsqualität Abstriche machen musste. Darüber hinaus machte sich der Sprung in die damalige Gegenwart negativ bemerkbar. In erster Linie litt der Film aber unter dem Gaststar-Syndrom; weil so schön es grundsätzlich auch sein mag, dass die Besetzung dort allein dank Faye Dunaway hochkarätiger war als hier, aber wenn man dadurch von Anfang an weiß, wer den Mord begangen hat, stellt man sich halt eher selbst ein Bein, als dass man sich damit einen Gefallen tun würde.
Eben dieses Problem hat "Dreizehn bei Tisch" nicht. Mehr noch als davon profitiert er allerdings von der Rückkehr Hugh Frasers als Captain Hastings und Pauline Moran als Miss Lemon – womit hier nun, zusammen mit Philip Jackson als Inspektor Japp und selbstverständlich David Suchet als Hercule Poirot, die Stammbesetzung der Serie endlich wieder vereint ist. Damals bei der Erstausstrahlung (zumindest in England und den USA; bei uns haben es die späteren Folgen ja erst sehr spät ins Fernsehen geschafft, und wurden dann ohne große Pause dazwischen ausgestrahlt) war das, nach mehrjähriger Pause, sicherlich sogar noch effektiver, als wenn man sich die Episoden so wie ich im Wochenrhythmus ansieht – und doch hat das Wiedersehen auch bei mir die gewünschte Wirkung nicht verfehlt. Was einerseits an dem wunderbaren Zusammenspiel der vier Darsteller:innen liegt, und andererseits der Warmherzigkeit, welche diese Szenen ausstrahlten. Positiv fand ich darüber hinaus, dass man hier das Ende von "Mord auf dem Golfplatz" aufgreift, und offenbart, dass Captain Hastings auch in der Adaption (wie in der Vorlage) Bella Duveen geheiratet hat. All diese Aspekte überschatteten für mich letztendlich fast schon den Fall an sich – wobei dieser grundsätzlich auch sehr gut gefallen konnte. Zwar hatte ich – noch lange, bevor ich bemerkte, dass ich den Fall bereits kenne (aufgrund des anderen Titels war mir dies im ersten Moment nämlich noch gar nicht klar, sondern erst, als auf die Anzahl der Gäste bei der Dinnerparty angespielt wurde) – einen starken Verdacht, der sich dann auch bestätigen sollte, dennoch war der Fall grundsätzlich nett ausgeklügelt. Und nicht zuletzt die Poirot-typische Versammlung aller Verdächtigen und Zeugen am Ende, wo er dann schließlich alles offenbart, war wieder ein Genuss. Mit den allerbesten Folgen der Serie mag "Dreizehn bei Tisch" zwar nicht mithalten können. Im Vergleich zu "Alibi" stellte sie aber – insbesondere aufgrund der Rückkehr von Miss Lemon und Captain Hastings – eine merkliche Steigerung dar.
Fazit:
Das erste direkte Duell zwischen Peter Ustinov und David Suchet konnte letzterer klar und deutlich für sich entscheiden. Einerseits, weil man hier im Vergleich zu "Mord á la Carte" dem historischen Setting der Story (weitestgehend) treu bleibt, und andererseits, da es hier – mangels einem Gaststar eine Kalibers von Faye Dunaway – nicht zum berüchtigten Gaststar-Syndrom kommt, weshalb die Verfilmung als Whodunit grundsätzlich deutlich besser funktioniert. Vor allem aber profitiert "Dreizehn bei Tisch" davon, dass man hier – bei der Erstausstrahlung in den USA bzw. England zum ersten Mal seit mehreren Jahren – die vierköpfige Stammbesetzung der Serie endlich wieder vereinte, woraus die Verfilmung enorm viel an Reiz gewinnt. Dies macht auch die Tatsache, dass die Auflösung (auch ohne Gaststar-Syndrom) von Beginn an recht offensichtlich war, leichter zu verschmerzen. Davon abgesehen trübte - im wahrsten Sinne des Wortes - lediglich das viel zu dunkle Bild der (französischen) Blu-Ray den Krimispaß.