Originaltitel: Beyond the Sky Episodennummer: 1x01 Bewertung: Erstausstrahlung US: 02. Dezember 2002 Erstausstrahlung D: 03. November 2003 Drehbuch: Leslie Bohem Regie: Tobe Hooper Besetzung:
Julie Benz als Kate Keys,
Steve Burton als Captain Russell Keys,
Eric Close als John,
Catherine Dent als Sally Clarke,
Dakota Fanning als Allie Keys,
Jason Gray-Stanford als Howard Bowen,
Joel Gretsch als Captain Owen Crawford,
John Hawkes als Marty Erickson,
Tina Holmes als Anne Campbell,
Michael Moriarty als Colonel Thomas Campbell,
Stacy Grant als Sue,
Stephen E. Miller als Boy Scout's Father,
Rob LaBelle als Dr. Goldin,
Ian Tracey als Bill Walker,
Andrew Johnston als Dr. Helms,
Ryan Robbins als Lt. Lou Johnson,
Jason Grayhm als Sgt. William Toland,
Fred Keating als Tyler,
Fred Henderson als Wilfred Keys,
Colleen Winton als Beth Keys u.a.
Kurzinhalt:
Während des Zweiten Weltkriegs gerät der Kampfpilot Russell Keys in ein Feuergefecht, als auf einmal helle Lichter erscheinen. Nachdem der Krieg vorbei ist, kehrt er in seine Heimat zurück, und heiratet seine Jugendliebe Kate. Rund zwei Jahre später, am 4. Juni 1947, wird in Roswell, New Mexico, der Absturz eines unbekannten Flugobjekts gemeldet. Captain Owen Crawford folgt einem Camper und seinen beiden Jungen zur Absturzstelle, und sieht sich einem Flugobjekt gegenüber, dass eindeutig nicht von Menschen gemacht wurde. Als er das Wrack betrifft, findet er darin fünf Stühle – jedoch nur vier Leichen. Eines der außerirdischen Wesen scheint sich irgendwo herumzutreiben. Parallel dazu findet die in einer zerrütteten Ehe lebende Sally in ihrer Scheune einen fremden Mann, den sie bei sich aufnimmt. Dieser stellt sich als John hervor. Aufgrund ihrer Einsamkeit und ihrer Sehnsucht nach Liebe kommen sich Sally und John näher – bis sich dieser schließlich als jener Außerirdische entpuppt, nach dem das US-Militär verzweifelt sucht…
Review:
Meine Enttäuschung mit Steven Spielbergs letztem Film ließ mich daran zurückdenken, dass er sich auch nach der Jahrtausendwende seiner lebenslangen Faszination mit außerirdischem Leben gewidmet hat; wenn auch "nur" als ausführender Produzent. Die Miniserie "Taken" erzählt über zehn Episoden in Spielfilmlänge hinweg eine epische, mehrere Generationen übergreifende Geschichte rund um Besucher von einer anderen Welt. Die Serie schwamm damals auf der Erfolgswelle von "Akte X" (zu der es, aufgrund der ähnlichen Thematik, ein paar unverkennbare Parallelen gibt), kam allerdings fast schon ein bisschen zu spät, da die Mystery-Welle zu diesem Zeitpunkt bereits wieder merklich am Abklingen war, und selbst Platzhirsch "Akte X" zunehmend Federn lassen musste, und schließlich abgesetzt wurde. "Taken" war zwar ein moderater Erfolg, und konnte sich immerhin über einen Emmy als beste Miniserie freuen, sollte jedoch längst keinen so starken popkulturellen Eindruck hinterlassen wie das große Vorbild, und scheint etwas mehr als zwanzig Jahre später fast schon in Vergessenheit geraten zu sein. Zu Recht?
Zu Beginn fallen jedenfalls gleich mal zwei Dinge auf. Erstens, dass man damals produktionstechnisch doch einiges an Aufwand betrieben, und gerade auch im Hinblick auf die Effekte für damalige Zeit überdurchschnittlich viel Geld in die Hand genommen hat. Und leider zugleich zweitens, dass eben diese Effekte, die damals fürs Fernsehen wenn schon nicht revolutionär so doch zumindest recht beeindruckend gewesen sein mögen, überaus schlecht gealtert sind. Dies gilt nicht zuletzt für die Luftschlacht zu Beginn, die eigentlich spektakulär sein sollte (und es im Fernsehen vielleicht sogar auch gewesen ist), diesen Effekt heutzutage aufgrund der offenkundigen Computerherkunft der Bilder aber leider völlig verfehlt. Gleiches gilt auch für eine Schlüsselszene zum Ende der Folge, wo die CGI-Außerirdischen in Erscheinung treten, dies eigentlich ein erschütternder Moment sein sollte, es aber leider eher unfreiwillig komisch wirkt. Zugegebenermaßen kann es gut sein, dass ich bei billigen und/oder alten CGI-Effekten halt einfach ganz besonders sensibel bin (während ich solche produktionstechnischen Schwächen bei älteren Serien, die noch mit Modellen entstanden sind, wiederum als charmant empfinde; und bei "Babylon 5" blendet mich halt die rosarote Nostalgie-Brille). In jedem Fall finde ich es aber schade, wie diese CGI-Effekte Serien u.a. aus den früheren 0er-Jahren sehr schnell altern ließen. In einer anderen Hinsicht erweist sich das Produktionsdatum allerdings als Plus für mich. Denn: Wäre "Taken" ein paar Jahre später entstanden, hätte man die Geschichte nicht mehr – so wie hier – chronologisch erzählt, sondern wäre zwischen den verschiedenen Zeitebenen hin- und hergesprungen. Und wie ihr ja vielleicht wisst, liegt mir das tendenziell weniger, und ziehe ich eine chronologische Erzählweise im Allgemeinen vor (das "Lost"-Konzept der Rückblenden bietet hiervon – wenn es gut gemacht ist – eine Ausnahme). Insofern war das gleich mal etwas, dass mir von Beginn an positiv ins Auge gestochen ist.
Besetzungstechnisch macht "Taken" in der ersten Folge (aufgrund des Generationenkonzepts wird hier ja im Verlauf noch ein bisschen was dazukommen) ebenfalls gleich einen mehr als soliden Eindruck, und sticht mit (aus heutiger Sicht) bekannten Gesichtern wie Julie Benz ("Defiance"), Eric Close ("Wihout a Trace"), Catherine Dent ("The Shield"), John Hawkes ("Deadwood"), Jason Gray-Stanford ("Monk") und Ryan Robbins (Continuum") hervor. Auffällig zweifellos auch der Auftritt (wenn auch hier erstmal nur akustisch, da sie den Voice Over-Kommentar beisteuert) von Dakota Fanning in ihrer ersten größeren Rolle in einer Spielberg-Produktion. Am meisten beeindruckt hat mich hier aber erstmal Joel Gretsch. Er spielt seinen getriebenen (besessenen?) Owen Crawford mit einer bestechenden Kaltherzigkeit (und -blütigkeit), die mir einen eiskalten Schauer über den Rücken jagte. Generell hinterließ seine Figur, die für seine Ambitionen wortwörtlich über Leichen geht, bei mir hier erstmal am meisten Eindruck. Hier hat man einen wunderbar abscheulichen Bösewicht geschaffen, wo man es bereits nach der ersten Folge schon gar nicht erwarten kann, dass ihm – hoffentlich – im Verlauf der Serie seine gerechte Strafe ereilt.
Neben ihm stehen hier insbesondere noch Russell Keys und Sally Clarke im Mittelpunkt des Geschehens. Letztere erlebt hier, mit dem Besuch von John (Eric Close' Performance schien sich dabei an Jeff Bridges "Starman" zu orientieren), eine unheimliche Begegnung der intimen Art, wobei "Hinter dem Himmel" sehr gelungen und überzeugend eben darauf hinarbeitet. Und insbesondere auch ihr sehr ruhig-zärtlicher Abschied voneinander hatte es mir dann angetan. Deutlich weniger … sind Russels außerirdische Erfahrungen. So wie seine Kameraden wurde er während des Zweiten Weltkriegs entführt, woraufhin Experimente an ihm durchgeführt wurde. In seiner Erinnerung waren sie von Nazis gefangen, und hat er in einem Moment der Unaufmerksamkeit seiner Bewacher zu einem Maschinengewehr gegriffen, um sie auszuschalten, und so sich und die anderen Gefangenen zu rächen. Erst nach einer Begegnung mit dem letzten noch lebenden Mitglied seiner Einheit wird ihm bewusst, dass er in Wahrheit nicht gegen Deutsche, sondern vielmehr Außerirdische, gekämpft hat. Dies ist dann allerdings leider jene besagte Schlüsselstelle, die wie eingangs erwähnt aufgrund der mäßigen CGI-Effekte die gewünschte Wirkung verfehlte. Grundsätzlich ist "Hinter dem Himmel" aber damit erfolgreich, die wichtigsten Figuren vorzustellen, die Geschichte anzustoßen, und dabei auch noch eine für mich genommen spannende Story zu erzählen. Inszeniert wurde die Pilotfolge von Tobe Hooper, der vereinzelt mit netten Einstellungen glänzt (wie den fliegenden Lichtern im Rückspiegel des Autos), insgesamt hier aber eine eher unauffällige Regiearbeit vorlegt. Positiver macht sich da schon die Musik von Laura Karpman bemerkbar, die mit einigen einprägsamen (und teils gefühlvollen) Melodien besticht. Und abseits der schlecht gealterten CGI-Effekte kann die Produktionsqualität generell gefallen (wenn auch direkten Vergleich generell auffällt, welchen Sprung die Serienlandschaft diesbezüglich in den letzten 20-25 Jahren gemacht hat).
Inhaltlich muss man aber anmerken, dass sich "Taken" leider doch ein bisschen klischeehaft, und in Teilbereichen sogar ausgelutscht anfühlt. Das liegt natürlich nicht zuletzt daran, dass man sich hier an den bekannten Elementen der Alien-Entführungs-Mythologie bediente (die kleinen grauen Männchen, wie das Auto stehen bleibt, und so weiter). Das Problem daran ist halt, dass sich rund zehn Jahre zuvor "Akte X" ebenfalls damit auseinandersetzte (und das – trotz der enttäuschenden Entwicklung der Serie – letztendlich erfolgreicher), und eben diese Interpretation aufgrund der zur Jahrtausendwende noch größtenteils ungebrochenen Popularität der Serie damals noch ins kollektive Bewusstsein gebrannt war, weshalb sich "Taken" teilweise fast notgedrungen wie ein Abklatsch anfühlt. Was mich zu folgender kurioser Feststellung führt: Während "Disclosure Day" vor 20-30 Jahren besser aufgehoben gewesen wäre, würde "Taken" jetzt – mit mehr Abstand zu "Akte X" – wohl besser funktionieren; jedenfalls aber eher einen bleibenden Eindruck hinterlassen, als dies Anfang bis Mitte der 0er-Jahre der Fall war, wo sie in der abflauenden Mystery-Welle (vor deren Wiederbelebung mit "Lost") doch etwas unterging.
Fazit:
"Hinter dem Himmel" macht das, was die erste Folge einer solchen Serie machen muss/soll: Die Figuren und das Setting etablieren, vor allem aber, Interesse für den Rest der Geschichte zu wecken. Abseits des epischen Zeitrahmens den man hier abdeckt, der sich aber natürlich erst im Verlauf der Miniserie offenbaren wird, wirkt das inhaltlich zwar – insbesondere auch so kurz nach dem thematisch sehr ähnlichen "Akte X" –etwas altbacken, das zeitliche Setting nach dem Zweiten Weltkrieg lässt "Taken" aber doch ein bisschen hervorstechen. Sowohl die Besetzung als auch die Produktionsqualität machen einen mindestens soliden Eindruck; einzig die CGI-Effekte sind leider überhaupt nicht gut gealtert, und ziehen die Serie aus heutiger Sicht doch etwas hinunter. Dafür gelang "Hinter dem Himmel" aber der schwierige Spagat, einerseits den Rest der Serie vorzubereiten, und andererseits eine eigenständige, interessante Geschichte zu erzählen, ziemlich gut.