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Twin Peaks - 2x09: Selbstjustiz Drucken E-Mail
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Episodenbild (c) ABC

Originaltitel: Arbitrary Law
Episodennummer: 2x09
Bewertung:
Erstausstrahlung US: 01. Dezember 1990
Erstausstrahlung D: 20. Dezember 1991
Drehbuch: Mark Frost, Harley Peyton & Robert Engels
Regie: Tim Hunter
Besetzung: Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper, Michael Ontkean als Sheriff Harry S. Truman, Madchen Amick als Shelly Johnson, Dana Ashbrook als Bobby Briggs, Richard Beymer als Benjamin Horne, Sherilyn Fenn als Audrey Horne, Lara Flynn Boyle als Donna Hayward, Warren Frost als Dr. Will Hayward, Peggy Lipton als Norma Jennings, James Marshall als James Hurley, Everett McGill als Big Ed Hurley, Jack Nance als Pete Martell, Kimmy Robertson als Lucy Moran, Ray Wise als Leland Palmer, Joan Chen als Jocelyn Packard, Piper Laurie als Catherine Martell, Eric DaRe als Leo Johnson, Harry Goaz als Deputy Andy Brennan, Michael Horse als Deputy Tommy 'Hawk' Hill, Sheryl Lee als Maddy Ferguson/Laura Palmer, Miguel Ferrer als FBI Agent Albert Rosenfield, Ian Buchanan als Dick Tremayne, Jane Greer als Vivian Smythe Niles, Don S. Davis als Maj. Garland Briggs, Al Strobel als Phillip Michael Gerard, Michael J. Anderson als Man From Another Place, Clive Rosengren als Mr. Zipper, Frank Silva als Bob, Carel Struycken als Giant, Mae Williams als Mrs. Tremond, Hank Worden als Waiter u.a.

Kurzinhalt: Die Polizei hat Maddys Leiche gefunden, und Agent Cooper sowie Sheriff Truman zum Tatort gerufen. Diese beschließen jedoch, diese Tatsache vorerst noch für sich zu behalten. Als Agent Rosenfield nach Twin Peaks zurückkehrt, bittet ihm Dale um eine letzte Frist von vierundzwanzig Stunden, um den Fall aufzuklären. Nachdem sie zusammen mit Donna Mrs. Tremond einen Besuch abgestattet haben – bei der es sich jedoch um eine ganz andere Person handelt, als jene alte Frau sowie ihren unheimlichen Enkel, den Donna vor ein paar Tagen im Haus kennenlernte – und Donna einen Brief von Harold mit den Tagebucheinträgen von Lauras letzten beiden Tagen erhalten hat, lädt Agent Cooper schließlich alle Schlüsselfiguren ins Roadhouse ein, wo ihm schließlich der Riese erscheint – woraufhin er sich endlich an die Worte, die Laura ihm in seinem "Traum" ins Ohr geflüstert hat, erinnern kann, und somit nun auch die Identität des Mörders kennt…


Review: Episodenbild (c) ABC In "Selbstjustiz" rückt nun zum letzten Mal der Mordfall Laura Palmer so richtig in den Mittelpunkt des Geschehens, und wird dieser nicht nur für das Publikum, sondern auch innerhalb der Serie, aufgeklärt. Da eben dies doch einiges an Zeit einnimmt, fehlt von einigen Charakteren und Handlungssträngen hier jede Spur – was ich allerdings teilweise als Wohltat empfand. Abseits der Mordermittlungen machten sich hier in erster Linie zwei Storylines bemerkbar. Einerseits das Dreiecksverhältnis rund um Lucy, Andy und Dick – und die Frage, wer der Vater ist, bzw. wie Lucy mit der Situation umzugehen gedenkt. Und andererseits die Gefühle zwischen Donna und James. Erstere hat zu Beginn eine unheimliche Begegnung mit Leland (nicht ahnend, dass dieser nach wie vor von Bob besessen ist), und bekommt aufgrund ihres Besuchs mit, dass Maddy tot aufgefunden wurde. Die Szenen, wo sie James dies erzählt (und es vermeintlich doch kein Happy End für sie gibt), sowie jene mit Lauras letzter Tagebuchseite ("Tonight is the night that I die.") zählen zu den stärksten der ersten halben Stunde der Episode – bevor "Selbstjustiz" dann zum Ende hin noch einmal so richtig aufdreht.

Denn: Rückblickend erweist sich die letzte Episode ein bisschen als Zwischenspiel, während "Selbstjustiz" in vielerlei Hinsicht "Einsame Seelen" widerspiegelt (dass auch dort die letzte Viertelstunde nochmal deutlich stärker war als die halbe Stunde davor, passt sehr gut in dieses Bild). Dort konnte man ja den Eindruck gewinnen, dass die Serie nun, nachdem wir erfahren haben, wer Laura ermordet hat, sich mit der Aufklärung innerhalb der Serie – sprich, bis dies auch Dale und den anderen bewusst wird – noch ein bisschen Zeit lassen würde. Eben diese (potentielle) Erwartungshaltung wird nun – so wie ich bei der Erstsichtung auch nicht erwartet hatte, dass man in der siebenten Folge von Staffel zwei (uns) Lauras Mörder offenbaren würde – gebrochen. Die Szene im Roadhouse mag dabei vielleicht nicht ganz so hochwertig (und träumerisch) inszeniert sein, als zwei Folgen zuvor mit Lynch auf dem Regiestuhl, dennoch macht Tim Hunter seine Sache mehr als ordentlich. Mir gefielen dabei vor allem die Rückgriffe auf eine der absoluten Schlüsselstellen der Serie, nämlich der Szene im Roten Raum aus "Zen, oder die Kunst, einen Mörder zu fangen" – und auch, dass man diese nicht übererklärt. Diesbezüglich denke ich vor allem an das direkte Zitat "That gum that you like is going to come back in style." (dort – rückwärts – vom ominösen Kleinwüchsigen gesprochen, und hier nun vom Kellner an Leland gerichtet). Aber auch die Wiederholung des Moments, wo Laura dem älteren Dale Cooper etwas ins Ohr flüstert – und wir hier nun endlich ihre (natürlich neu aufgenommenen, weil damals wussten sie selber noch weder, wer sie ermordet hat, denn was sie ihm gesagt haben könnte) Worte hören.

Episodenbild (c) ABC Dies führt uns dann direkt zum Showdown in der Polizeistation, wo es Dale gelingt, Leland bzw. Bob in eine Falle zu locken – denn er nutzt Lelands Beruf, um ihn dazu zu bringen, mit ihnen mitzukommen, eben vermeintlich, um als sein Anwalt bei Bens Verhör anwesend zu sein. In Wahrheit flüstert er Harry zu, worum es ihm eigentlich geht – und wird statt Benjamin vielmehr Leland in die Zelle geworfen, woraufhin Bob jedwede Täuschung aufgibt, und seine schreckliche Fratze offenbart. Sowohl dies, als dann insbesondere auch seine Verzweiflung, als Bob seinen Körper verlassen hat, spielt Ray Wise absolut phänomenal. Zwar kann ich verstehe, wenn man die Art und Weise, wie hier Lauras Ermordung durch ihren eigenen Vater auf eine übernatürliche Präsenz geschoben wird, kritisiert. Zumindest für mich war jedoch mit der eindeutigen Teilschuld, die mal Leland zuschreibt (da sich Bob an jenem Ort eingenistet hat, wo sich einst sein Gewissen befand), sowie den abschließenden Worte darüber, was Bob denn eigentlich ist – ob wirklich ein Dämon, oder einfach eine Personifizierung unserer schlimmsten Tendenzen und Bedürfnisse ("Maybe that’s all Bob is. The evil that men do.") – dieser potentiellen Kritikpunkt ausreichend relativiert.

Fazit: Mit "Selbstjustiz" wird nun endgültig jener Handlungsstrang abgeschlossen, mit dem "Twin Peaks" seinen Anfang nahm: Der Mord an Laura Palmer. Zwar wird sich dies in weiterer Folge – so sehr ich die Entscheidung von ABC auch begrüße, darauf bestanden zu haben, diese offene Frage zu beantworten – als zweischneidiges Schwert erweisen, und dürfte wohl auch das vorläufige Ende der Serie eingeläutet haben. Betrachtet man "Selbstjustiz" aber für sich, ist die Episode als Ende dieser Storyline aber absolut gelungen. Mir gefiel vor allem auch, wie man hier abseits kleinerer Unterbrechungen den Schwerpunkt auch wirklich und eindeutig auf die Ermittlungen im Mordfall Laura bzw. Maddy legt. Ähnlich wie bei "Einsame Seelen", wo erstmal nur wir die Identität des Mörders erfuhren, dreht die Episode dann insbesondere im letzten Drittel nochmal so richtig auf, mit ein paar wirklich starken (und teils erschütternden) Szenen, sowie einem wunderbaren Callback zur bisher nach wie vor besten Folge der Serie, "Zen oder die Kunst, einen Mörder zu fassen". Meiner Erinnerung nach wird es nun zwar leider eine ganze Weile dauern, bis "Twin Peaks" dieses Niveau wieder erreicht. Das ist allerdings nichts, was auch nur im Entferntesten "Selbstjustiz" an sich anzulasten ist.

Wertung: 4 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © ABC)







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