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Poirot - 6x04: Der ballspielende Hund Drucken E-Mail
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Episodenbild (c) BBC

Originaltitel: Dumb Witness
Episodennummer: 6x04
Bewertung:
Erstausstrahlung UK: 16. März 1997
Erstausstrahlung D: 30. Januar 2019
Drehbuch: Douglas Watkinson
Regie: Edward Bennett
Besetzung: David Suchet als Hercule Poirot, Hugh Fraser als Captain Hastings, Ann Morrish als Emily Arundel, Patrick Ryecart als Charles, Kate Buffery als Theresa, Paul Herzberg als Jacob, Julia St John als Bella, Norma West als Wilhemina, Jonathan Newth als Dr. Grainger, Pauline Jameson als Isabel Tripp, Muriel Pavlow als Julia Tripp, Pat O'Toole als Sarah, Geoffrey Freshwater als Sgt Keeley, Jestyn Phillips als Steward, Tobias Saunders als Alexis, Layla Harrison als Katya, Stephen Tomlin als Vicar, Tim Williams als American, Sarah Stephenson als Mrs. Finch, Geoffrey Banks als Starter, Snubby als Bob u.a.

Kurzinhalt: Hercule Poirot und Captain Hastings reisen nach Lake Windermere. Dort versucht Arthurs Freund Charles Arundel, einen neuen Rekord für Schnellboote aufzustellen – was ihm jedoch misslingt, da ihn der Motor im Stich lässt. Seine reiche Tante Emily verkündet daraufhin sehr zu seinem Ärger, sein kostspieliges Hobby nicht länger finanzieren zu wollen. Noch am gleichen Abend stürzt sie die Treppen herunter. Zwar überlebt sie, weiht jedoch Poirot in ihren Verdacht ein, dass ihr Sturz kein Unfall war, sondern einer ihrer Familienmitglieder – die im Falle ihres Todes ein Vermögen erben würden – versucht, sie zu ermorden. Er rät ihr daraufhin, diese zu enterben, und ihr Vermögen jemand anderen zu vermachen. Sie ändert unmittelbar darauf tatsächlich ihr Testament – was jedoch ihren Tod nicht verhindern kann. Obwohl sie unter höchst mysteriösen und verdächtigen Umständen stirbt, weigert sich die Polizei, eine Autopsie anzuordnen, und geht aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme von einer natürlichen Ursache – genauer gesagt, Leberversagen – aus. Hercule Poirot ermittelt daraufhin auf eigene Faust. Sein wichtigster Zeuge: Emilys Foxterrier Bob…


Review (kann Spoiler enthalten): Episodenbild (c) BBC Neben dem titelspendenden Hund, der eine gewichtige Rolle im Geschehen einnimmt – was zweifellos als besonderer Einfall hervorsticht – tut sich "Der ballspielende Hund" unter anderem auch wieder dadurch hervor, dass dem vermeintlich übernatürlichen Platz eingeräumt wird. Dies in Form der Tripp-Zwillinge, von denen Isabel angeblich Nachrichten aus dem Jenseits erhält. Die Episode macht dabei dankenswerterweise deutlich, dass es sich dabei um völligen Humbug handelt; so gibt es nicht nur für die Szene, in der angeblich Emilys Seele ihren Körper verlässt, eine weltliche Erklärung; dadurch, dass Isabel mit ihren Worten darüber, wer Emily auf dem Gewissen hat, falsch liegt, wird auch nochmal verdeutlicht, dass es sich um Aberglauben handelt. Es ist ja nicht das erste Mal, dass sich die Serie bzw. Christie der Thematik widmen, und eine eindeutig kritische Haltung einnehmen. Für meinen Geschmack hätte diese aber fast noch die Spur kritischer ausfallen können, z.B. in dem man Isabel als Betrügerin offenbart. Stattdessen macht die Folge deutlich, dass sie von dem, was sie sagt, ja tatsächlich überzeugt ist, und wie auch ihre Schwester daran glaubt. Vor allem aber geht Poirot – ohne sie natürlich je ernst zu nehmen – überraschend tolerant und respektvoll mit ihnen um (und nutzt am Ende ihren Aberglauben, um für Bob ein neues Zuhause zu finden).

Jedenfalls: Obwohl die Episode deutlich macht, dass Isabels Verkündungen Blödsinn sind (wobei vor allem die Offenbarung, dass Bob für Emilys Tod verantwortlich sein soll, überhaupt keinen Sinn ergab, und eigentlich von allen sofort als Bullshit erkannt hätte werden müssen – von der Frage, woher Emily überhaupt wissen soll, wer sie ermordet hat, ganz zu schweigen), hätte man für meinen Geschmack diesem Aspekt ruhig weniger Beachtung schenken können. Davon abgesehen habe ich an "Der ballspielende Hund" aber nichts zu kritisieren. Man präsentiert uns hier einen durchaus verzwickten Fall mit einer Fülle an Verdächtigen, wobei es Douglas Watkinson deutlich besser als zuletzt Anthony Horowitz schafft, uns die Figuren vorzustellen, weshalb ich von Beginn an ins Geschehen involviert war. Vor allem aber gelingt es ihm ausgezeichnet, fast jeden der Charaktere früher oder später mal verdächtig zu machen, und mich in meinen Überlegungen, wer den nun der Mörder/die Mörderin sein könnte, von einem zum nächsten springen zu lassen. Was die diversen, teilweise höchst effektiven falschen Fährten betrifft, würde ich "Der ballspielende Hund" fast schon als meisterlich einstufen. Und insbesondere dann auch die Auflösung am Ende – bei einer für Poirot traditionellen Versammlung der Verdächtigen – hatte es mir dann wirklich angetan; zumal es im Hinblick auf die Identität des Mörders gelang, mich doch ordentlich zu überraschen. Auch produktionstechnisch gibt es wieder einmal nicht das geringste zu kritisieren. Und nicht zuletzt das Zusammenspiel zwischen David Suchet und Hugh Fraser war wieder wunderbar. Für eine höhere Wertung fehlte "Der ballspielende Hund" zwar irgendwie das gewisse Etwas. Abseits von Bob als Hauptzeugen war der Fall aber halt doch recht 08/15.

Fazit: Episodenbild (c) BBC In "Der ballspielende Hund" ist zwar Hercule Poirot, zum Glück jedoch nicht auch die Serie, auf den Hund gekommen. Denn vielmehr erweist sich die Episode als gelungener Ausklang der nur aus vier (dafür in Spielfilmlänge) bestehenden sechsten Staffel. Zugegeben, abseits der Rolle von Bob – einem Hund – als einem gewichtigen Zeugen im Fall, gibt es an "Der ballspielende Hund" jetzt nicht wirklich etwas, dass sonderlich hervorstechenden würde. In der Adaption von Douglas Watkinson gelang es dem Fall aber, mich von Anfang an in Beschlag zu nehmen. Dies in erster Linie, weil er es schaffte, die Figuren auf effiziente Art und Weise vorzustellen. Darüber hinaus gelang es ihm aber auch sehr gut, den Verdacht immer wieder auf die oder andere Person zu lenken (und mich damit quasi ständig herumraten zu lassen) – die sich letztendlich fast allesamt als Rote Heringe herausstellen. Dementsprechend hatte es mir dann vor allem auch die Auflösung enorm angetan. Einzig die Rolle der Tripp-Schwestern hätte man in meinen Augen ruhig verkleinern können. Davon abgesehen bot aber auch "Der ballspielende Hund" wieder neunzig Minuten vergnügliche Krimi-Unterhaltung.

Wertung: 3.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © iTV)







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