Originaltitel: Lonely Souls Episodennummer: 2x07 Bewertung: Erstausstrahlung US: 10. November 1990 Erstausstrahlung D: 06. Dezember 1991 Drehbuch: Mark Frost Regie: David Lynch Besetzung:
Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper,
Michael Ontkean als Sheriff Harry S. Truman,
Madchen Amick als Shelly Johnson,
Dana Ashbrook als Bobby Briggs,
Richard Beymer als Benjamin Horne,
Sherilyn Fenn als Audrey Horne,
Lara Flynn Boyle als Donna Hayward,
Warren Frost als Dr. Will Hayward,
Peggy Lipton als Norma Jennings,
James Marshall als James Hurley,
Everett McGill als Big Ed Hurley,
Jack Nance als Pete Martell,
Kimmy Robertson als Lucy Moran,
Ray Wise als Leland Palmer,
Joan Chen als Jocelyn Packard,
Eric DaRe als Leo Johnson,
Harry Goaz als Deputy Andy Brennan,
Michael Horse als Deputy Tommy 'Hawk' Hill,
Sheryl Lee als Maddy Ferguson,
Grace Zabriskie als Sarah Palmer,
Wendy Robie als Nadine Hurley,
Al Strobel als Phillip Michael Gerard,
David Lynch als FBI Regional Bureau Chief Gordon Cole,
Piper Laurie als Mr. Tojamura,
Gary Hershberger als Mike Nelson,
Catherine E. Coulson als The Log Lady,
Julee Cruise als Singer,
Carel Struycken als Giant,
Hank Worden als Waiter u.a.
Kurzinhalt:
Der Besuch von Mr. Gerard – bzw. seinem Alter Ego Mike – im Great Northern Hotel bringt leider nicht den erhofften Erfolg. Dafür erhält man dank Audrey eine neue, heiße Spur. Diese hat nämlich ihren Vater im Hinblick auf seine Rolle als Besitzer des One-Eyed Jacks zur Rede gestellt. Dieser gesteht ihr daraufhin, mit Laura Palmer geschlafen – und mehr noch, sie geliebt – zu haben. In Verbindung mit Informationen, die sie aus Lauras geheimen Tagebuch entnehmen, macht ihn dies zum neuen Hauptverdächtigen, weshalb Agent Cooper und Sheriff Truman einen Haftbefehl gegen ihn ausstellen lassen, und ihn kurz darauf – unmittelbar, nachdem er sein Geschäft mit Mr. Tojamura abgeschlossen hat – in Gewahrsam nehmen. Daraufhin folgen die beiden Margaret und ihrem Holzscheit ins Roadhouse. Dort sieht Dale plötzlich wieder den Riesen auf der Bühne, der ihm eine verzweifelte Warnung übermittelt: "Es passiert wieder"…
Review:
"Einsame Seelen" wird für mich klar vom erschütternden Finale dominiert, weshalb ich auch auf einige Entwicklungen in meiner kurzen Inhaltsangabe nicht näher eingegangen bin. Dennoch möchte ich mich diesen hier noch kurz widmen. So wird hier unter anderem endlich aufgeklärt, was es mit Mr. Tojamura auf sich hat. Ich finde, dass dieser Handlungsstrang nicht sonderlich gut gealtert ist, und zu jenen gehört, die maximal bei der Erstsichtung funktioniert, bei Wiederholungen aber enorm verlieren. Dessen ungeachtet ist es schon ganz spaßig, wie Catherine Benjamin hier hereinlegt – und weiß auch die Szene, wo sie sich Pete offenbart, durchaus zu gefallen. Shelley wiederum sieht sich hier dazu gezwungen, vorerst ihren Job im Diner aufzugeben, um sich um Leo zu kümmern. Dessen gebrabbelter Hinweis führt Bobby zu einem Schuh, in dessen Sohle sich eine Kassette versteckt, deren Inhalt uns vorerst noch verborgen bleibt. Nicht vergessen werden soll auch der Selbstmord von Harold, der – auch wenn er einen unheimlichen Eindruck machte – dafür sorgt, dass Donnas und Maddys Schnüffelei tragische Konsequenzen mit sich bringen. Und im Hinblick auf das – extrem starke – letzte Drittel ist natürlich auch jene Szene relevant, wo Audrey ihren Vater zur Rede stellt.
All diese, teilweise ebenfalls schon guten bis sehr guten Momente (die auch die wenigen Aspekte, die ich nicht so gelungen fand – und ihr ahnt es vielleicht schon, aber dies bezieht sich vor allem auch auf Nadine und Big Ed im Diner) werden dann allerdings von den letzten paar Minuten überschattet. Einerseits aufgrund der tragischen Ereignisse, die sich dort zutragen. Der wieder einmal phänomenalen Inszenierung durch David Lynch (wenn ich allein nur an das weiße Pferd im Wohnzimmer der Palmers denke!). Die eindringlichen Musikeinlagen. Der Auftritt des Riesen, und seine fast schon verzweifelten Worte in Richtung Dale Cooper. Vor allem aber natürlich der Offenbarung des Killers von Laura Palmer. Wer mit dem Werk von David Lynch vertraut ist, den wird es nicht überraschen, zu erfahren, dass er ursprünglich nicht die Absicht hatte, jemals eine definitive Antwort zu geben. Und auch wenn ich normalerweise in kreativen Angelegenheiten auch auf Seiten der Kreativen stehe, muss ich gestehen: In diesem Fall fand ich es richtig, dass sich das Studio durchgesetzt und ihn sowie Mark Frost dazu gezwungen hat, dies aufzuklären. Immerhin war "Wer hat Laura Palmer getötet?" die zentrale Frage, mit der "Twin Peaks" gestartet ist. Sie nie definitiv zu beantworten, hätte ich als bestenfalls frustrierend und schlimmstenfalls als Verrat am Publikum empfunden (weil das hätte bedeutet, dass man diesen Mord nur dazu genutzt hätte, um Zuschauer anzulocken). Zumal man ja mittlerweile nach den Stunden, die wir in Twin Peaks verbracht haben, und in denen wir in die Story eingetaucht sind, involviert (und im Idealfall auch emotional verbunden). Um das Geheimnis so lange als möglich zu wahren, wurden bewusst drei Varianten gedreht: Eine mit Bob, eine mit Leland (diese beiden wurden dann schließlich zusammengeschnitten), und eine mit Benjamin. Kurios finde ich, dass die Zuschauerzahlen bei "Einsame Seelen" noch – ein letztes Mal – nach oben schnellen sollten, obwohl ja eigentlich im Vorfeld niemand wissen konnte, dass Lauras Mörder hier entlarvt werden würde?! Aber das nur als Randnotiz.
Jedenfalls sind die letzten zehn bis fünfzehn Minuten von "Einsame Seelen" eine Lehrstunde des Grauens. Spätestens ab dem Zeitpunkt, wo Dale, Harry und Margaret das Roadhouse betreten, baut sich eine unheimliche, bedrohliche Stimmung auf. Die Offenbarung des Mörders ist ebenfalls phänomenal gelöst, und eine Meisterleistung im Spannungsaufbau, mit der die Stiegen herunterkriechenden und dann im Wohnzimmer (nachdem sie ein weißes Pferd gesehen hat; zweifellos eine der denkwürdigsten Einstellungen der gesamten Serie!) zusammenbrechenden Sarah, dem sie ignorierenden Leland, der verängstigten Maddy, und wie wir dann schließlich als Leland vor dem Spiegel seht in seiner Reflexion Bob erkennen. Das war echt phänomenal gemacht. Der Mord war ebenfalls extrem kompromisslos und dementsprechend erschütternd umgesetzt. Dann sind da die Reaktionen der Leute im Roadhouse, die ja eigentlich nicht wissen können, was gerade passiert ist, aber es dennoch irgendwie zu spüren scheinen. Und last but not least sorgt die Tatsache, dass wir zwar nun Lauras (und Maddys) Killer kennen, die Polizei aber nicht, für eine extrem interessante Ausgangssituation für die nächste(n) Folge(n).
Fazit:
Die erste halbe Stunde bot zwar auch schon das eine oder andere Highlight, war aber für mich genommen jetzt noch nicht ganz so mitreißend. Dies verhindert dann in meinen Augen die Höchstwertung – wenn man auch durchaus argumentieren kann, dass das letzte Drittel eben gerade aufgrund der noch eher unaufregenden dreißig Minuten davor, die das Finale nur umso überraschender und hervorstechender machen, nicht ganz diese Wirkung entfalten hätte. Weil die letzte Viertelstunde war dann eine absolute Meisterleitung, angefangen bei der Inszenierung, der ganzen alptraumhaft-unheimlichen Atmosphäre, dem absolut erschütternd umgesetzten Mord, bis hin zur Offenbarung von Laura Palmers Mörder. So grandios wie das umgesetzt war, würde man nie auf die Idee kommen, dass David Lynch diese Frage eigentlich nie so eindeutig beantworten wollte – was zwar zu seinem allgemein sehr rätselhaft-mysteriösen Werk passt, in diesem Fall aber in meinen Augen die falsche Entscheidung gewesen wäre. Umso mehr, als uns dann auch das grandiose Finale von "Einsame Seelen", das zu den besten und stärksten Momenten der Serie zählt, entgangen wäre.