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Poirot - 6x02: Die Kleptomanin Drucken E-Mail
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Episodenbild (c) BBC

Originaltitel: Hickory Dickory Dock
Episodennummer: 6x02
Bewertung:
Erstausstrahlung UK: 12. Februar 1995
Erstausstrahlung D: 16. Januar 2019
Drehbuch: Anthony Horowitz
Regie: Andrew Grieve
Besetzung: David Suchet als Hercule Poirot, Philip Jackson als Chief Inspector Japp, Pauline Moran als Miss Lemon, Paris Jefferson als Sally Finch, Jonathan Firth als Nigel Chapman, Damian Lewis als Leonard Bateson, Gilbert Martin als Colin McNabb, Elinor Morriston als Valerie Hobhouse, Polly Kemp als Patricia Lane, Jessica Lloyd als Celia Austin, Sarah Badel als Florence Hubbard, Rachel Bell als Mrs Nicoletis, Granville Saxton als Mr Casterman, David Burke als Sir Arthur Stanley, Bernard Lloyd als Mr Endicott u.a.

Kurzinhalt: Hercule Poirot ist erschüttert, als er im Text, den ihm Miss Lemon übergeben hat, drei Fehler findet – sieht ihr das doch so gar nicht ähnlich. Daraufhin erzählt sie, dass sie im Hinblick auf ihre Schwester besorgt ist. Diese arbeitet in einem Studentenwohnheim, wo zuletzt scheinbar beliebige Gegenstände abhandengekommen sind. Poirot wird sofort hellhörig – weniger wegen der Diebstähle an sich, als er befürchtet, dass es bei diesen nicht bleiben wird. Er nimmt die Ermittlungen auf, und kann schließlich die vermeintliche Kleptomanin Celia für einen Großteil – wenn auch nicht alle – der gestohlenen Gegenstände als die Schuldige identifizieren. Am nächsten Morgen wird sie jedoch im Wohnheim tot aufgefunden. Offenbar hat jemand ihr Pulver, welches sie zum Einschlafen nimmt, mit Morphium versetzt. Poirot glaubt nicht an einen direkten Zusammenhang mit ihren Diebstählen, sondern vielmehr, dass sie von ihrem Fenster aus etwas gesehen hat, was sie nicht hätte sehen sollen. Der Mord im Studentenwohnheim scheint dabei einerseits mit dem Schmuggel von Diamanten, und andererseits einem alten Fall von Inspektor Japp in Verbindung zu stehen…


Review (kann Spoiler enthalten): Episodenbild (c) BBC Im Fall von "Die Kleptomanin" hatte ich (wieder einmal) nicht auf die Credits geachtet – und dennoch nach wenigen Minuten den dringenden Verdacht, dass sich Anthony Horowitz für diese Adaption verantwortlich zeichnet. Was dann auch ein kurzer Blick in die IMDB bestätigte. Nun mag man ihm das als Pluspunkt anrechnen, dass sein persönlicher "Stil" so unverkennbar war, dass ich es sofort bemerkte. Ich sehe es im Hinblick darauf, dass es sich hier ja um die Adaption eines Werks von Dame Agatha Christie handelt, eher kritisch – weil es für mich zeigt, dass er sich für wichtiger nimmt/hält, als die Königin der Krimis. Besonders lästig fand ich alles rund um die Maus. Bereits der entsprechende Einstieg war ja höchst seltsam, aber danach zeigt sie uns Horowitz immer wieder. Der "Sinn" dahinter offenbart sich dann am Ende, als sie just nach der Offenbarung des Mörders für eine Ablenkung sorgt, die dieser nutzen kann, um einen Fluchtversuch zu unternehmen. Nicht nur fand ich das sehr konstruiert, ich fand die Verfolgungsjagd auch sehr aufgesetzt, ineffektiv, und zutiefst entbehrlich. Insofern finde ich, dass sich Horowitz insgesamt auch hier wieder nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat.

Immerhin zählt "Die Kleptomanin" aber auch nicht zu seinen schlechtesten Episoden (wenn zugleich leider auch nicht zu seinen besten). Wie gewohnt kenne ich auch hier die Vorlage (noch) nicht, und kann dementsprechend nicht einschätzen, wie viele der von mir verorteten Stärken und Schwächen auf ihn bzw. auf Christie zurückgehen. Abseits des irgendwie eigenwilligen Stils, sowie der störenden Szenen mit der Maus, fand ich den Fall aber eigentlich recht nett. Er war jedenfalls wieder sehr komplex, was sich nicht zuletzt auch schon daran zeigt, dass nicht etwa eine Person für alle Diebstähle verantwortlich war, sondern verschiedene Gegenstände von verschiedenen Leuten – und aus unterschiedlichen Gründen – entwendet wurden. Das zieht sich dann auch bei den anderen Verbrechen durch, mit Diamantenschmuggel auf der einen, und einen früheren (damals von Inspektor Japp untersuchten) Mord, der den/die Schuldigen verfolgt, auf der anderen Seite. Die Fülle an damit verbundenen Wendungen machte auch "Die Kleptomanin" durchaus wieder kurzweilig, wenn auch nicht ganz so durchgehend unterhaltsam wie die Episode davor; vor allem im Mittelteil schlichen sich dann doch kleinere Längen ein. Überwiegend hat es vom Erzähltempo her aber schon gepasst. Darüber hinaus freut man sich unter den Gaststars über den Auftritt des einen oder anderen bekannten Gesichts, wie Damian Lewis (dem ein paar Jahre später mit "Life" der große internationale Durchbruch gelingen sollte), oder dem ersten Watson der "Sherlock Holmes"-Serie, David Burke. Inszenatorisch war "Die Kleptomanin" auch gewohnt hochwertig, wenn auch, ohne diesbezüglich jemals wirklich hervorzustechen. Und auch, dass Miss Lemon hier doch eher nur für die Initialzündung dient, dann im eigentlichen Fall aber keine große Rolle mehr spielt, fand ich schade. Lustig war allerdings das meiste rund um Japps kurzzeitigen Einzug bei Poirot, insbesondere im Hinblick auf die diversen Essen, die sie sich gegenseitig vorsetzen – wo jeweils immer mindestens eine Person alles andere als glücklich ist. Nur die Gags rund um das Bidet fielen bei mir flach.

Fazit: Episodenbild (c) BBC "Die Kleptomanin" – oder, wie ich sie nenne, "Die Sendung mit der Maus" – fand ich leider, trotz vielversprechender Ansätze, einem durchaus wieder schön verzwickten Fall, sowie der einen oder anderen amüsanten Szene – doch eher nur durchschnittlich. Das mit den unterschiedlichen Dieben für die verschiedenen verschwundenen Gegenstände war zwar recht gewitzt, aber irgendwie kamen die Figuren für mich hier nie so recht zur Geltung; dementsprechend habe ich auch weder richtig mitgeraten noch mitgefiebert. Generell schlichen sich, insbesondere im Mittelteil, ein paar Längen ein. Und die ständigen Einlagen mit der Maus sind mir mit der Zeit echt nur mehr auf die Nerven gegangen. Abseits der unnötigen Verfolgungsjagd war die ausführliche Auflösung am Ende dann aber recht gelungen. Und rund um den kurzzeitig bei Poirot wohnenden Japp gab es auch ein paar lustige Momente. Insgesamt war "Die Kleptomanin" somit schon ok; mit den besseren bis besten Folgen/Adaptionen konnte sie in meinen Augen aber nicht mithalten.

Wertung: 2.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © iTV)







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