Originaltitel: Hercule Poirot's Christmas Episodennummer: 6x01 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 01. Januar 1995 Erstausstrahlung D: 27. Dezember 2017 Drehbuch: Clive Exton Regie: Edward Bennett Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Mark Tandy als Superintendent Sugden,
Vernon Dobtcheff als Simeon Lee,
Simon Roberts als Alfred Lee,
Catherine Rabett als Lydia Lee,
Eric Carte als George Lee,
Andree Bernard als Magdalene Lee,
Brian Gwaspari als Harry Lee,
Sasha Behar als Pilar Estravados,
Olga Lowe als Stella,
Ayub Khan-Din als Horbury,
John Horsley als Tressilian,
Scott Handy als Young Simeon Lee,
Liese Benjamin als Young Stella,
Oscar Pearce als Gerrit,
Steve Delaney als Sergeant Coombes,
Colin Meredith als Shopkeeper,
Peter Hughes als Mr Charlton,
Joanna Dickens als Cook,
Michael Keats als Constable,
Christopher Webber als Train Steward u.a.
Kurzinhalt:
Hercule Poirot freut sich auf ein paar besinnliche Weihnachtsfeiertage – als er plötzlich feststellt, dass der Radiator in seiner Wohnung nicht mehr funktioniert. Da kommt ihm die Einladung des wohlhabenden Simeon Lee, die Feiertage auf seinem Anwesen zu verbringen, gerade recht. Dieser wird seine gesamte Familie um sich versammeln, und dort verkünden, dass er gedenkt, ein neues Testament aufzusetzen – und vermutet, dass daraufhin jemand versuchen könnte, ihn zu ermorden, ehe er diese Absicht in die Tat umsetzen kann. Nach dem gemeinsamen Abendessen ist dann plötzlich ein furchtbares Geräusch aus seinem Zimmer zu hören. Nachdem man die Tür – die von innen verschlossen war – aufgebrochen hat, findet man ihn mit zerschnittener Kehle auf dem Boden liegend. Da es ihm nicht gelungen ist, das Leben seines Klienten zu beschützen, bleibt Hercule Poirot nun nur noch, sicherzustellen, dass der Mörder gefasst wird. Unterstützung erhält er dabei von Chief Inspector Japp und Superintendent Sugden. Doch die Liste der Verdächtigen ist lang…
Review (kann Spoiler enthalten):
Zuerst einmal: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, sich eine Weihnachts-Folge anzusehen, während gerade eine extreme Hitzewelle über Europa rollt. Aber das nur am Rande. Deutlich erwähnenswerter erscheint mir da schon folgendes: "Der Juwelenraub im Grand Hotel" war die letzte "reguläre" TV-Episode; soll heißen, mit einer Laufzeit von rund fünfzig Minuten. Ab der sechsten Staffel, die mit "Hercule Poirot's Weihnachten" beginnt, handelt es sich ausschließlich um ca. 100-minütige TV-Filme – vermeintlich, weil man nun die Adaption aller Kurzgeschichten abgeschlossen hat, und nun nur mehr Agatha Christies Romane für den belgischen Meisterdetektiv auf dem Plan stehen (etwas, dass ich allerdings im Detail nicht verifiziert habe). So gesehen – und ausgehend von den bisherigen TV-Filmen – sollte also genug Stoff da sein, um die doppelte Laufzeit tragen zu können. "Hercule Poirot's Weihnachten" ist dafür fast schon ein Paradebeispiel, ist die Episode (bzw. der TV-Film) doch von Anfang bis Ende höchst kurzweilig. Darin liegt dann auch gleich die erste, wesentliche Stärke.
Ein Grund dafür dürfte nicht zuletzt die so umfangreiche wie illustre Figurenriege sein, die uns hier ihre Aufwartung macht. An Verdächtigen mangelt es hier somit nicht. Zumal die Laufzeit auch genutzt wird, um uns zumindest ein paar von ihnen auch etwas näher vorzustellen. Vor allem Pilar machte dabei auf mich von Beginn an einen überaus sympathischen Eindruck. Dies liegt einerseits daran, wie sie geschrieben ist, mindestens so sehr aber auch an Sasha Behars feuriger Performance. Zwar sind die schauspielerischen Leistungen generell wieder sehr stark – nicht zuletzt auch von David Suchet als Hercule Poirot – aber sie stach für mich aus dem Ensemble doch sehr deutlich heraus. Ohne Kenntnis der Vorlage ist es natürlich schwer zu beurteilen, aber auch Clive Extons Adaption machte auf mich einen sehr guten Eindruck. Angefangen beim in Südafrika 1886 angesiedelten Prolog, wo wir auf den jungen Simeon Lee und seinen Partner treffen, während sie nach Edelsteinen suchen – und Simeon schließlich auf Stella trifft, und diese nachdem sie ihn gesund gepflegt hat und sie eine gemeinsame Nacht verbracht haben im Stich lässt. Über die erste halbe Stunde, die uns zeigt, wie sich Simeons Familie im Anwesen einfindet, und wo sie uns nacheinander auch näher vorgestellt werden. Bis hin zu den Ermittlungen, nachdem Simeon ermordet wurde. Was dabei für mich besonders hervorstach: Im Gegensatz zu einigen früheren Episoden tappte ich hier völlig im Dunkeln. Dementsprechend war die Auflösung für mich dann eine echte Überraschung. Aber auch davon abgesehen sah ich in dieser eine ganz wesentliche Stärke von "Hercule Poirot's Weihnachten". Das war schon wirklich cool, interessant, und im Hinblick auf den Ablauf des Mordes auch überaus nett ausgeklügelt.
Neben Clive Extons Drehbuch (natürlich auf Basis von Agatha Christies Roman, der somit ebenfalls ein Lob auszusprechen ist) stach für mich aber auch die Inszenierung durch Edward Bennett positiv hervor. Positiv auch, dass hier auch wieder auf den für die Serie so typischen Humor nicht vergessen wird. Das Duo Poirot/Japp hat für mich hier zudem wieder einmal so gut funktioniert, dass ich Captain Hastings und Miss Lemon nicht wirklich vermisst habe. Und auch wenn es wie gesagt bei fünfunddreißig Grad Außentemperatur (und nur geringfügig weniger innen) schon ein bisschen ein Anachronismus ist, sticht auch das weihnachtliche Setting durchaus positiv heraus. Wenn es etwas gibt, das ich kritisieren würde, dann ist es der Twist rund um Pilar, der für mich eine Wendung zu viel war. Im Hinblick auf das Ende ist zwar klar, warum es notwendig war, da mir dieses aber ohnehin nicht wirklich schmeckte (ich reagiere auf so drastische Altersunterschiede mittlerweile doch eher allergisch) hätte ich es vorgezogen, man hätte sich das geschenkt. Davon abgesehen war "Hercule Poirot's Weihnachten" aber super.
Fazit:
Mit "Hercule Poirot's Weihnachten" sorgen Drehbuchautor Clive Exton und Regisseur Edward Bennett in Verbindung mit (vermeintlich, da ich sie noch nicht kenne) einer phantastischen Vorlage von Agatha Christie für ein weiteres Highlight der Serie. Hier hat wirklich – fast – alles gepasst, angefangen bei den Rückblenden ins Jahr 1886, die sofort mein Interesse weckten, über die Fülle an interessanten – und teils auch wirklich sympathischen – Figuren, bis hin zur Auflösung des Falls am Ende, die es mir sowohl im Hinblick auf die Identität des Täters als auch den Tathergang sehr angetan hatte. Das war von Christie schon sehr clever erdacht. Zudem war dies eine jener Episoden, wo ich wirklich völlig im Dunkeln getappt bin, und dementsprechend die Überraschung am Ende groß war. Auch darstellerisch war "Hercule Poirot's Weihnachten" sehr fein, wobei ich insbesondere Sasha Behar positiv hervorheben möchte. Das wieder wunderbare Zusammenspiel zwischen David Suchet und Philip Jackson, in Verbindung mit dem netten eingestreuten Humor machten "Hercule Poirot's Weihnachten" dann in der Tat zu einem Geschenk für alle Fans des Detektivs.