Mit: Emily Blunt, Josh O'Connor, Colin Firth, Eve Hewson, Colman Domingo, Wyatt Russell, Henlry Lloyd-Hughes, Elizabeth Marvel, Hettienne Park, Tommy Martiney, Gabby Beans, Jeremy Shamos, Courtney Grace u.a.
Kurzinhalt:
Daniel Keller ist Cybersecurity-Spezialist, und arbeitet bei der privaten Firma Wardex. Auf Initiative von einem seiner Vorgesetzten, Hugo Wakefield, stiehlt er einen Berg von Daten, die belegen, dass die Erde seit Jahrzehnten von Außerirdischen besucht wird – und Wardex dies zusammen mit dem amerikanischen Verteidigungsministerium vor der gesamten Welt vertuschen. Aus Wakefields und seiner Sicht hat die Welt jedoch ein Recht, davon zu erfahren. Während er versucht, seinen Verfolgern von Wardex und dem Militär zu entkommen, offenbaren sich bei der Wetteransagerin Margaret Fairchild auf einmal geheimnisvolle Kräfte, die es ihr erlauben, die Gedanken von anderen zu lesen, quasi in ihren Geist und ihre Vergangenheit zu blicken, und nicht zuletzt auch ihre Sprache zu verstehen und zu sprechen. Doch auch Daniel verfügt seit einem knappen Jahrzehnt über außergewöhnliche Fähigkeiten, genauer gesagt ein instinktives Verständnis für Mathematik. Noch ahnen beide nicht, dass sie Schlüsselfiguren in einem vor langer Zeit ins Rollen gebrachten Plan sind, der die Zivilisation so wie wir sie kennen für immer verändern wird…
Review:
Vorab: Ich bin ein riesiger Spielberg-Fan; ich weiß nicht, ob ich ihn guten Gewissens als den besten Regisseur aller Zeiten bezeichnen kann, er ist aber definitiv mein Lieblings-Regisseur. Im Gegensatz zu manch anderen bin ich auch seinem jüngeren Output gegenüber durchaus wohlwollend eingestellt, auch wenn sein letztes großes Meisterwerk meiner Einschätzung nach "München" war, und damit auch schon mehr als 20 Jahre her ist. Dennoch hat mich alles seither mindestens gut unterhalten (ja selbst der vielgescholtene "BFG"), und teilweise sogar begeistert ("Die Fabelmans", "Ready Player One"; auch wenn mir bewusst ist, dass ich bei letzterem eher gegen den Strom schwimme). Insofern hatte ich mich im Vorfeld, trotz des etwas unterwältigenden Trailers, auf seinen neuesten Film wirklich sehr gefreut. Umso mehr, als "Disclosure Day" sowohl inhaltlich als stilistisch eine Rückkehr zu "classic Spielberg" versprach. Eine Erwartungshaltung, die der Film dann leider – zumindest bei mir – nicht so recht einzulösen vermochte.
Doch bevor ich zu meiner ausführlichen Kritik komme, möchte ich mich zuerst den positiven Aspekten zuwenden. In produktionstechnischer Hinsicht ist "Disclosure Day" nämlich (überwiegend) über jeden Zweifel erhaben. Insbesondere die Kameraarbeit von Janus Kaminski stach dabei für mich positiv hervor. Zwar erfindet er zugegebenermaßen das Rad nicht neu – so fühlte ich mich z.B. bei der rund um Fahrzeuge schwebenden Kamera bei Verfolgungsjagden u.a. an "Krieg der Welten" erinnert – dennoch gelingt es ihm, die Action mitreißend einzufangen. Aber auch bei den ruhigen Szenen besticht er mit der einen oder anderen auffälligen Einstellung. Die schauspielerischen Leistungen sind ebenfalls überwiegend als sehr positiv zu werten. Vor allem Emily Blunt tat sich für mich hier positiv hervor. Aber auch Colin Firth als Haupt-Bösewicht Noah Scanlon fand ich stark. Josh O'Connor fiel im direkten Vergleich für mich zwar ein bisschen ab; kürzlich bei "Wake Up Dead Man: A Knives Out Mysery" hat er mich deutlich mehr begeistert, dennoch zeigt auch er eine mehr als solide Leistung. Gleiches gilt für Eve Hewson, Colman Domingo und Wyatt Russell, wobei sie alle drei unter ihren wenig ausgearbeiteten Rollen liegen; letztendlich scheint es bei ihren Figuren eher darum zu gehen, dass sie eine bestimmte Funktion in der Geschichte erfüllen. Wer aber definitiv positiv hervorsticht, ist Courtney Grace, die in einer kleinen aber bedeutsamen Nebelrolle, in einer der Schlüsselszenen des Films, besticht. Ihre Performance wird gerade in den Sozialen Medien hochgepriesen, und ich kann diesem Lob nur voll und ganz zustimmen. Sie reißt die letzten paar Minuten an sich, und sorgt für den emotionalsten (und zugleich für mich leider auch einzig emotionalen) Moment des Films. Last but not least komme ich als riesengroßer Fan von John Williams nicht daran vorbei, auch seinen Beitrag zu "Disclosure Day" zu loben. Zugegeben, wenn man sich die Musik anhört, kommt man als Kenner seines Werks nicht umhin, immer wieder Kompositionen der letzten Jahrzehnte herauszuhören. Mich persönlich hat das aber nicht im Geringsten gestört; vielmehr freute ich mich, zum vielleicht letzten Mal einen klassischen Williams-Score (wenn auch zurückhaltender eingesetzt als üblich) in einem Spielberg-Film zu erleben.
Die einzige Ausnahme von diesem produktionstechnischen Lob sind die CGI-Effekte, die leider mäßig bis schwach ausfallen. Dies überrascht umso mehr, als Steven Spielberg ja einer der Pioniere war; man denke nur an "Jurassic Park", oder auch so manche Einstellungen/Roboter aus "A.I. – Künstliche Intelligenz". Wenn selbst er es nicht mehr schafft, dass die heutigen CGI-Effekte besser aussehen als jene von vor 20-30 Jahren, macht das die aktuelle Hollywood-Krise in dieser Hinsicht (für die Filmemacher Gore Verbinski die Unreal-Engine verantwortlich machte, auf die heutzutage aus Kostengründen oftmals zurückgegriffen wird) nur nochmal offensichtlicher. Aus meiner Sicht war eben dies jedenfalls ein ganz wesentlicher Punkt, weshalb eine späte Schlüsselszene die gewünschte erhebend-emotionale Wirkung bei mir nicht erzielen konnte (zumal ich generell der Meinung bin, dass sich das problemlos auch mit einer animatronischen Puppe hätte umsetzen lassen), sondern stattdessen völlig flach fiel. Wobei die Tatsache, dass wir solche Momente in den letzten Jahrzehnten zuhauf erlebt haben – und ja Spielberg selbst einen solchen in "Unheimliche Begegnung der dritten Art", ungleich effektiver, präsentierte – sicherlich auch eine gewichtige Rolle dabei spielt.
Die wahren Probleme von "Disclosure Day" liegen aber ohnehin woanders – und nicht zuletzt darin, dass die Geschichte, die hier erzählt wird, enorm ausgelutscht daherkommt. Seit guten achtzig Jahren werden wir jetzt in Film und Fernsehen regelmäßig von Außerirdischen heimgesucht, mal feindlicher, mal freundlicher Natur. Dass Steven Spielberg seit jeher von dieser Thematik fasziniert ist, ist nichts neues, und beweist nicht zuletzt auch seine Filmographie. Bei seiner jüngsten Auseinandersetzung gelang es ihm aber in meinen Augen einfach nicht, diesem Thema wesentliche, neue und vor allem auch spannende Aspekte abzugewinnen. Viele haben es bereits erwähnt, und ich muss in diesen Tenor leider einstimmen: "Disclosure Day" wirkt ein bisschen wie eine zu einem mehr als zweistündigen Film aufgeblasene Doppelfolge von "Akte X" – und kommt damit um gute (und mindestens) dreißig Jahre zu spät. Neben der Alien-Thematik liegt das nicht zuletzt auch an der Verschwörungserzählung; die jedoch darüber hinaus das Problem hat, dass sich diese nie in echter Spannung manifestiert. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Feinde – in der Art und Weise, wie es ihnen, trotz einer vermeintlichen Übermacht, partout nie gelingen will, ihre Beute zu fassen (bzw. dann auch zu behalten) – bestenfalls inkompetent und schlimmstenfalls impotent wirken. Dadurch fehlt dem Film jener David gegen Goliath-Charakter, der für solche Erzählungen essentiell ist. Generell machte das Drehbuch auf mich einen sehr unausgegorenen Ausdruck. Fast wirkt es so, als hätte Spielberg, nach mehreren Versuchen/Entwürfen – immerhin spukt ihm die Idee zu diesem Film nun schon seit Jahrzehnten im Kopf herum – die Geduld verloren, und ihn jetzt unbedingt umsetzen wollen, auch wenn das Drehbuch noch nicht bereit war, und mindestens noch 1-2 Überarbeitungen gebraucht hätte. Einen Aspekt, wo man dringend hätte nachbessern müssen, habe ich ja gerade erwähnt: Die unfähigen Bösewichte. Daraus ergibt sich insofern gleich der nächste, als ihnen die Helden im Hinblick auf Unfähigkeit und/oder die eine oder andere unlogische Aktion teilweise in nichts nachstehen. Allzu oft geschehen Dinge, die nicht wirklich Sinn ergeben wollen, die aber halt passieren müssen, damit sich die Geschichte so entwickeln kann, wie Koepp und Spielberg das wollen. Darüber hinaus macht "Disclosure Day" teilweise einen zerfahrenen Eindruck.
Dazu gesellen sich dann noch die zuvor ebenfalls bereits kritisch erwähnten, teilweise sehr funktionalen Figuren, denen es an Tiefe mangelt. So richtig kam für mich eigentlich nur Margaret zur Geltung; zum Rest, inklusive Daniel, vermochte ich aber im Verlauf des Films nie wirklich eine Bindung aufzubauen. Zugegebenermaßen ein sehr subjektiver Kritikpunkt, aber mir stieß es halt sauer auf: Wie ihr wisst, ist Religion und Science Fiction ein Mix, der für mich selten bis nie funktioniert (darunter hat ja u.a. auch schon der – hochgelobte – "Battlestar Galactica"-Reboot bei mir enorm gelitten). Nachdem bislang in seiner Filmographie Religion im Allgemeinen und Katholizismus im Besonderen nie wirklich eine große Rolle gespielt hat, ist es hier umso auffälliger – wobei ich natürlich nicht abschätzen kann, ob sich Spielbergs dahingehende Einstellung (möglicherweise auch altersbedingt) geändert hat, oder dies vielmehr auf Koepp zurückgeht. So oder so, mir hat es leider nicht wirklich geschmeckt; vor allem aber hatte die Befürchtung, dass die Offenbarung von Aliens das Ende jeglicher Religion bedeuten könnte, bei mir nicht den gewünschten Effekt; für mich wäre das nämlich kein Horrorszenario, sondern vielmehr überaus wünschenswert.
Mein Hauptproblem mit "Disclosure Day" liegt allerdings letzten Endes darin, dass das große Dilemma für mich nicht wirklich funktionieren wollte. Die Figuren im Film – nicht nur die Bösewichte – werfen ja die Frage auf, was das Wissen rund um außerirdische Wesen, die seit Jahrzehnten zu uns auf die Erde kommen, mit unserer Gesellschaft anstellen würde. Die Gefahr, dass unsere Zivilisation im Chaos versinken könnte, ist dabei ein zentrales Motiv. Und es tut mir leid, aber daran glaube ich einfach nicht. Dies ist dann auch jener Aspekt, mehr noch als mit der Thematik an sich, wo "Disclosure Day" für mich seltsam aus der Zeit gefallen wirkt (und weshalb ich denke, dass er mir, hätte Spielberg das Geschehen in der Vergangenheit angesiedelt – die 50er, die 60er oder 70er, maximal noch die 80er, die ja aufgrund des Kalten Krieges allgemein von enormer Anspannung und Unsicherheit geprägt waren – besser gefallen hätte). Denn mittlerweile wurden wir in meinen Augen, aufgrund der zahlreichen Geschichten, die sich mit einer solchen Erkenntnis bzw. der Begegnung mit Aliens beschäftigen, derart "geschult", dass ich nicht glaube, dass eine solche Offenbarung noch große Aufmerksamkeit nach sich ziehen würde. Meiner Ansicht nach gäbe es die UFO-Fanatiker, die jubelnd "Ich habe es ja schon immer gewusst" hinausschreien würden. Ich selbst würde es wohl interessiert, aber keinesfalls schockiert, aufnehmen. Ich behaupte aber: Einen Großteil der Weltbevölkerung würde es schlicht und ergreifend nicht kratzen; auch, weil wir gerade vor ganz anderen (und auch dringlicheren, größeren) Herausforderungen stehen. Insofern wären Spielberg und Koepp in meinen Augen gut beraten gewesen, statt der Existenz von Aliens vielmehr a) die Vertuschung und b) mehr noch unsere Misshandlung von diesen in den Mittelpuntk zu rücken, so wie das ja mit den allerersten Clips die Daniel seiner Freundin Jane zeigt, geschieht. Wäre es stärker darum gegangen, hätte sich auch die Empathie-Message, der ich ja grundsätzlich zustimme, die jedoch im Film seltsam draufgepappt und erzwungen wirkt, stimmiger und natürlicher eingefügt. Oder aber, Spielberg und Koepp hätten das Ende des Films an den Anfang gestellt, und sich vielmehr mit den Auswirkungen einer solchen Offenlegung beschäftigt. Darin hätte ich nicht nur (trotz meiner persönlichen Meinung, dass diese überschaubaren wären) einiges an Potential gesehen, sie hätten damit vor allem auch einen Pfad betreten, der längst nicht so ausgetreten ist, wie jenen, den sie hier stattdessen beschreiten. So hingegen fürchte ich, dass "Disclosure Day" echt nur die größten UFO-Fanatiker hinter dem Ofen hervorholen und so richtig begeistern (können) wird.
Fazit:
Es ist jetzt definitiv so, als hätte Steven Spielberg mit seinen mittlerweile achtzig Jahren das Inszenieren verlernt. Eher im Gegenteil, weil seine Regie sehe ich, zusammen mit der Kameraarbeit von Janusz Kaminski, einem Großteil der schauspielerischen Leistungen, sowie John Williams Musik, als die größte Stärke von "Disclosure Day" an. Der Film beginnt durchaus stark und interessant, bietet zwischenzeitlich einige wirklich tolle (sei es nun lustige, packende oder berührende) Momente, und mündet dann vor allem auch in einem Finale, welches insbesondere auch dank einer den anderen die Schau stehlenden, ungemein authentischen Performance von Courtney Grace durchaus zu gefallen weiß – im Gegensatz zur Szene unmittelbar darauf, die bei mir leider völlig flach fiel. Neben den erschreckend schwachen CGI-Effekten lag dies nicht zuletzt auch an einem Kritikpunkt, der für mich generell im Kern meiner Kritik an "Disclosure Day" steht: Der Film bietet nichts Neues, und wirkt vielmehr in vielerlei Hinsicht enorm ausgelutscht.
Aus meiner Sicht setzten Spielberg/Koepp hier auch inhaltlich die falschen Schwerpunkte. Entweder, man hätte sich mit den Auswirkungen der Offenlegung befasst, oder aber die eigentliche Vertuschung, und insbesondere auch die Misshandlung der Aliens, stärker in den Mittelpunkt rücken sollen. So hingegen fokussiert man sich auf eine Story, die wir einfach in den letzten Jahrzehnten viel zu oft – und das zumeist leider auch noch deutlich besser – gesehen haben. Die Verschwörungserzählung leidet zudem enorm darunter, wie ineffektiv bis impotent die finstere Geheimorganisation hier wirkt. Enttäuschend auch, wie schlecht die Figuren – mit Ausnahme von Margaret – hier ausgearbeitet sind, und dementsprechend auf ihre Funktion in der Geschichte reduziert werden. Vor allem aber tat ich mir schwer damit, mich auf den Gedanken einzulassen, dass eine derartige Offenbarung unsere Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttern würde, weil das sehe ich einfach nicht. Schade ist all dies vor allem auch deswegen, als trotz des schwachen Drehbuchs immer wieder das Potential für einen deutlich besseren und interessanteren Film durchblitzt. Spielberg spielte ja laut eigener Aussage schon seit Jahrzehnten mit dem Gedanken, "Disclosure Day" zu machen. Das Endprodukt schafft nun das Kunststück, den Eindruck zu vermitteln, zugleich zu spät (und das gleich um Jahrzehnte) als auch zu früh zu kommen. Denn mit einem überarbeiteten – bzw. ganz allgemein besseren – Drehbuch hätte der Film ein (weiteres) Highlight im Spätwerk dieses Ausnahme-Regisseurs sein können. So hingegen setzt er (zumindest vermeintlich, bzw. sehr wahrscheinlich) unter die fünfzig Jahre lange Kollaboration zwischen Steven Spielberg und John Williams, die zu den erfolgreichsten und fruchtbarsten der Filmgeschichte gehört, einen doch eher ernüchternden Schlusspunkt.