Originaltitel: Step Into My Office Episodennummer: 1x01 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 25. Mai 2026 Drehbuch: Oren Uziel Regie: Harry Bradbeer Besetzung:
Jon Bernthal als Frank Castle,
Nicolas Cage als Ben Reilly/The Spider,
Lamorne Morris als Robbie Robertson,
Li Jun Li als Cat Hardy,
Karen Rodriguez als Janet Ruiz,
Abraham Popoola als Lonnie Lincoln/Tombstone,
Jack Huston als Flint Marko/Sandman,
Brendan Gleeson als Silvermane,
Lukas Haas als Winston,
Michael Kostroff als Mayor Morris,
Cameron Britton als Donegal,
Scott MacArthur als Perry,
Joe Massingill als Pudge,
Jack Mikesell als Addison,
Brian Howe als Carmedy,
Cary Christopher als Frankie,
Randy Oglesby als Chief McNamara,
Amanda Schull als Ruby,
Colleen Elizabeth Miller als Gertrude u.a.
Kurzinhalt:
In den 1920ern war Ben Reilly als die Spinne als maskierter Rächer tätig – bis er nach dem Tod seiner Verlobten, Ruby Williams, das Kostüm an den Nagel gehängt hat. Seither arbeitet er als Privatdetektiv, wo es ihm mehr schlecht als recht gelingt, sich und seine Sekretärin Janet Ruiz, mit belanglosen Aufträgen – meist beim Verdacht des Ehebruchs – über Wasser zu halten. Auch sein jüngster Auftrag beginnt auf diese Weise: Carmedy befürchtet, dass seine Frau Cat Hardy – die in einem Nachtclub singt – ihn betrügt. Ben soll herausfinden, ob dieser Verdacht gerechtfertigt ist, und wenn ja, handfeste Beweise liefern. Tatsächlich sieht es so aus, als würde sich Cat mit einem Mann zu einem Tête-à-Tête treffen – doch nicht nur handelt es sich dabei um den Bürgermeister, die beiden besprechen vor allem auch geschäftliche Dinge, statt sich gemeinsam ins Bett zu begeben. Also gibt Ben gegenüber Carmedy zuerst Entwarnung – um danach zu versuchen, Cat mit den Fotos ihres Treffens mit dem Bürgermeister zu erpressen. Diese setzt daraufhin ihren Rausschmeißer Flint Marko – der seinen Körper in Sand verwandeln kann – auf ihn an…
Review:
"Spider-Noir" ist ein Ableger des animierten Films "Spider-Man: Into the Spider-Verse", der mit dem Multiversum spielte, noch bevor die Idee im MCU Fuß fasste. Dort traten verschiedenste Versionen von Spider-Man auf, inklusive dem Spider-Schwein (oder Spider-Schinken). Eine Variante dort war auch eine nur Spinne genannte Noir-Version des bekannten Superhelden, die auch dort bereits von Nicolas Cage gesprochen wurde. Offenbar sah man in diesem Charakter das Potential zu mehr, weshalb nun, acht Jahre später, diese Serie – die zwar eine Sony-Produktion ist, aufgrund der Ko-Finanzierung von Amazon aber weder auf Netflix noch Disney+, sondern vielmehr Prime, zu sehen ist – ihre Premiere feiert. Und das in gleich zwei Versionen, nämlich – getreu des Noir-Settings – in "authentischem" schwarz/weiß, sowie in "echter" Vollfarbe. Gestartet habe ich mit ersterer, was ich auch sehr atmosphärisch fand. Beim Nachtclub habe ich dann aber kurz die Farbversion ausprobiert, und war von der Optik derart angetan, dass ich momentan dazu tendiere, bei dieser zu bleiben.
Doch kommen wir zum Serienauftakt an sich: Im ersten Moment macht "Spider-Noir" einen durchaus interessanten Eindruck. Die Serie profitiert dabei in erster Linie vom Setting, welches sie auch aus dem aktuellen Superhelden-Einheitsbrei hervorstechen lässt. Dabei hilft es allerdings zweifellos, ein Faible für die guten alten Noir-Klassiker des letzten Jahrhunderts mitzubringen (wie es bei mir der Fall ist). Zumindest mal bei "Flammendes Geheimnis" gelang es aus meiner Sicht jedenfalls gut, einerseits die bekannten Elemente dieser Art von Film zu übernehmen, jedoch ohne dabei zu einer reinen Klischee-Galerie zu verkommen. Neben dem reizvollen Setting geht es aber natürlich auch darum, uns die wichtigsten Figuren vorzustellen, insbesondere natürlich Ben Reilly, den ich für eine faszinierende Neuinterpretation von Spider-Man halte, der bekannte Elemente (Verlust, "Aus großer Kraft folgt große Verantwortung") mit neuen Twists vereint. Auch visuell ist "Spider-Noir", wie gerade schon erwähnt, ganz groß, und das in meinen Augen sowohl in der schwarz/weiß-Version, die mit starken Kontrasten und dem typischen Noir-Flair aufwartet, als auch der Farbfassung, die vor allem in UHD mit ihren kräftig-leuchtenden Farbgebung, und generell der sehr bewussten und intensiven Farbgebung besticht. Besetzungstechnisch sticht natürlich in erster Linie der Clou rund um Nicolas Cage in seiner ersten Serienrolle hervor. Aber auch Lamorne Morris, Lukas Haas und nicht zuletzt Brendan Gleeson sind bekannte Gesichter. Von ihnen abgesehen war es dann in erster Linie noch Li Jun Li als Cat Hardy, die mit ihrer Eleganz und Ausstrahlung hervorsticht. Inhaltlich köchelt "Flammendes Geheimnis" allerdings erstmal eher noch auf Sparflamme. Auch dem Fall wollte es hier (vorerst?) noch nicht gelingen, mich so richtig zu packen. Cool fand ich dafür den Auftritt von Flint Marko aka Sandman zum Ende hin, und daraus resultierend dann auch seinen Kampf mit Ben. Der anfängliche Mord deutet zudem darauf hin, dass es Ben noch mit ein paar anderen Menschen mit Superkräften zu tun bekommen wird. Es scheint somit nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er das Spider-Kostüm wieder anlegt.
Fazit:
Schon allein aufgrund des Settings hebt sich "Spider-Noir" wohltuend vom aktuell dominierenden Superhelden-Einheitsbrei ab. Als großer Fan des Film Noir hatte es mir die Serie schon allein damit von Beginn an angetan. Interessant auch die Möglichkeit, die Serie in zwei visuell unterschiedlichen Fassungen zu erleben, wobei beide für mich ihren Reiz haben (ich aber aktuell dazu tendieren, bei der Farbversion zu bleiben). Und auch die erste Serien-Hauptrolle von Nicolas Cage sticht zweifellos hervor. Inhaltlich und spannungstechnisch war "Flammendes Geheimnis" allerdings noch nicht das Gelbe vom Ei; dafür ist die erste Folge etwas zu sehr damit beschäftigt, das Setup und die Figuren vorzustellen. Das Potential für eine Bereicherung der aktuellen Serienlandschaft, insbesondere im Superhelden-Bereich, ist aber jedenfalls gegeben.