Originaltitel: One Last Kill Episodennummer: Sx01 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 06. Mai 2026 Drehbuch: Jon Bernthal & Reinaldo Marcus Green Regie: Reinaldo Marcus Greend Besetzung:
Jon Bernthal als Frank Castle,
Judith Light als Ma,
Deborah Ann Woll als Karen Page,
Jason R. Moore als Curtis Hoyle,
Kelli Barrett als Maria Castle,
Andre Royo als Dre,
John Douglas Thompson als Old Vet,
Addie Bernthal als Lisa,
Mila Jaymes als Charli,
Eduardo Campirano als Frank Jr.,
Mugga als Debbie,
Dónall Ó Héalaí als Mickey,
Jamal Lloyd Johnson als Barry,
Rafael R. Green als Isaiah,
Evelyn O. Vaccaro als Isaiah's Mother u.a.
Kurzinhalt:
Frank Castle hat für den Mord an seiner Frau und seinem Sohn bittere Rache genommen. Doch fast scheint es, als hätte er nun, da er dieses Ziel erfolgreich abgeschlossen hat, nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt. Er ist kurz davor, sich das Leben zu nehmen, als ihn die Vision seiner Frau rettet, und er doch wieder zu seinem Apartment zurückkehrt. Dort erwartet ihn bereits Ma Gnucci, die Patriarchin der Familie, die er – von eben dieser ausgenommen – ausgelöscht hat. Sie will Blut mit Blut vergelten, und hat ein hohes Kopfgeld auf Frank ausgesetzt, welches alle Killer in der Nähe zum Apartmentkomplex locken wird, um ihn auszuschalten. Und so muss der gebrochene Frank, wenn er Überleben will, wieder zum Punisher werden…
Review:
Zuerst einmal: Man kann durchaus argumentieren, dass ich für dieses "Punisher"-Special nur bedingt die Zielgruppe bin. Zwar mag ich die Figur grundsätzlich, allerdings war ich – abseits einzelner hervorstechender Episoden – nicht unbedingt der größte Fan seiner eigenen Netflix-Serie, und habe ich in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen, dass Frank Castle für mich in Kombination mit anderen Figuren, insbesondere natürlich Matt Murdock/Daredevil (für den er quasi ein mahnendes Beispiel darstellt, wohin er sich eines Tages entwickeln könnte) besser funktioniert, als wenn er im Mittelpunkt steht. "One Last Kill" hat es mir jetzt insofern nicht leichter gemacht, als mir die zeitliche Einordnung nicht klar war (nachdem man die Netflix-Serien nun ja – aus meiner Sicht richtigerweise – kanonisiert hat). Spielt das noch vor den beiden Netflix-Staffeln (und auch seinen Auftritten bei "Daredevil" dort), oder zwischen denen und "Daredevil: Born Again", oder überhaupt erst nach deren ersten Staffel? Nichts genaues weiß man – oder zumindest ich – nicht.
Aber auch davon abgesehen hat man mir bei "One Last Kill" insofern den Einstieg nicht leicht gemacht, als ich die Darstellung der unkontrollierten Kriminalität zu übertrieben fand. Das erinnerte mich an den Auftakt von "Predator 2", und schien mir fast schon zur Parodie zu verkommen. Ich bin auch im Allgemeinen kein Freund davon, wenn sich Figuren andere (verstorbene) Personen einbilden. Dementsprechend war auch das ein Aspekt, mit dem ich mir hier schwer tat (insbesondere bei der Szene mit Karen, wo sie sich ja sogar noch umarmen). Vor allem aber vermochte ich nicht einzuschätzen, was – wenn überhaupt etwas – uns "One Last Shot" sagen will. Die Szene am Grab seiner Familie, wo Frank kurz davor ist, sich das Leben zu nehmen, schien mir sagen zu wollen, dass der Weg, den er eingeschlagen hat, eben doch nicht der richtige ist – da ihm die Rache keine Erlösung gebracht hat. Dann ist er jedoch dazu gezwungen, ums Überleben zu kämpfen, und findet durch eben diesen Kampf letztendlich auch wieder ins Leben zurück, um sich am Ende dann eben doch wieder ins Punisher-Shirt zu schmeißen. Zusammen mit eben der ausufernden Kriminalität im Viertel, der offenbar mit gewöhnlichen, legalen Mitteln nicht Herr zu werden ist, schien mir das Franks Vorgehensweise wiederum zu legitimieren. Was denn also nun? Aber vielleicht mache ich mir hier auch einfach zu viel Gedanken, und jedenfalls mehr, als es von Jon Bernthal und Reinaldo Marcus Green gedacht war (bzw. auch, als es bei ihnen selbst der Fall war).
Immerhin: Ab dem Zeitpunkt, wo es dann zu krachen beginnt (wenn auch zu dem Zeitpunkt schon die Hälfte der Laufzeit rum ist), dreht "One Last Kill" doch nochmal auf. Zwar fand ich die Action jetzt nicht unbedingt herausragend inszeniert, sie ist aber definitiv sehr temporeich, lässt Frank Castle (und uns) keine Zeit zum Verschnaufen, und ist vor allem, "Punisher"-typisch, auch wieder sehr schonungslos und brutal umgesetzt. In diesen adrenalingeladenen zehn bis fünfzehn Minuten vermochte mich das Special tatsächlich gut zu unterhalten – wohl auch, weil mir in diesen keine Zeit blieb, um mir über die zuvor genannten Kritikpunkte Gedanken zu machen. Einzig sein typisches Punisher-Shirt ist mir in diesen Szenen doch ein bisschen abgegangen (weshalb ich dann auch die letzte Einstellung, wo er dieses wieder trägt, wirklich cool fand). Dessen ungeachtet war dies aber jener Teil von "One Last Kill", der für mich funktioniert hat – eben im Gegensatz zum ganzen Drumherum, leider.
Fazit:
Mancherorts wird "One Last Kill" in den höchsten Tönen gelobt. Dem kann ich, so fürchte ich, in dieser Form leider nicht zustimmen. Ja, die 10-15 Minuten knallharte, schonungslose und ununterbrochene Action ist - wenn ich sie jetzt auch nicht übermäßig spektakulär inszeniert fand – durchaus eingefahren; an dieser Stelle vermochte es das "Punisher"-Special durchaus, mich gut zu unterhalten. Abseits dieser Einlage ließ mich "One Last Kill" aber doch eher ratlos zurück. Weder kann ich ihn zeitlich im Hinblick auf die bisherigen Serien/Staffeln so richtig einordnen, noch einschätzen, was man mir – wenn denn überhaupt etwas – damit sagen will. Die überbordende Gewalt auf den Straßen wurde mir zudem deutlich zu überzogen dargestellt (es fiel mir schwer, das als "echt" zu akzeptieren). Und von Szenen, in denen sich Charaktere einbilden, andere Figuren zu sehen/treffen, halte ich überwiegend ebenfalls nichts. Einzelne gute Momente – wie der gebrochene Frank am Grabstein – mag es zwar auch abseits der Action gegeben haben. Und darstellerisch wusste Jon Bernthal hier ebenfalls wieder voll und ganz zu überzeugen; er ist zweifellos der bisher beste Punisher, Punkt. Inhaltlich lässt man sich mit diesem One-Shot aber für eine allfällige Serien-Rückkehr der Figur in meinen Augen doch noch einiges an Luft nach oben.