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Twin Peaks - 2x03: Der Mann hinter Glas Drucken E-Mail
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Episodenbild (c) ABC

Originaltitel: The Man Behind Glass
Episodennummer: 2x03
Bewertung:
Erstausstrahlung US: 13. Oktober 1990
Erstausstrahlung D: 08. November 1991
Drehbuch: Robert Engels
Regie: Lesli Linka Glatter
Besetzung: Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper, Michael Ontkean als Sheriff Harry S. Truman, Madchen Amick als Shelly Johnson, Dana Ashbrook als Bobby Briggs, Richard Beymer als Benjamin Horne, Lara Flynn Boyle als Donna Hayward, Sherilyn Fenn als Audrey Horne, Warren Frost als Dr. Will Hayward, Peggy Lipton als Norma Jennings, James Marshall als James Hurley, Everett McGill als Big Ed Hurley, Jack Nance als Pete Martell, Kimmy Robertson als Lucy Moran, Ray Wise als Leland Palmer, Joan Chen als Jocelyn Packard, Michael Horse als Deputy Tommy 'Hawk' Hill, Sheryl Lee als Maddy Ferguson, Russ Tamblyn als Dr. Lawrence Jacoby, Miguel Ferrer als FBI Agent Albert Rosenfield, Ian Buchanan als Dick Tremayne, Lenny von Dohlen als Harold Smith, Wendy Robie als Nadine Hurley, Don Amendolia als Emory Battis, Victoria Catlin als Blackie O'Reilly, Michael Parks als Jean Renault, Galyn Görg als Nancy, Al Strobel als Phillip Michael Gerard, Phoebe Augustine als Ronette Pulaski, Mak Takano als Asian Man u.a.

Kurzinhalt: Die gerade aus dem Koma erwachte Ronette Pulaski wird im Krankenhaus angegriffen. Danach findet man unter einem ihrer Fingernägel einen weiteren Buchstaben. Mit Hilfe der Aussage von Leland, der den Unbekannten auf der Skizze erkannt hat, schließen Agent Dale Cooper, Sheriff Harry Truman und Agent Albert Rosenfeld schließlich, dass es sich dabei um die Buchstaben des Täters handelt – Robert aka Bob. Kurz darauf stattet der einarmige Schuhverkäufer Mr. Gerard der Polizeistation einen Besuch ab. Nachdem er die Skizze von Bob gesehen hat, zieht er sich auf die Toilette zurück, wo sich seine Persönlichkeit plötzlich verändert. Donna lernt indes auf ihrer "Essen auf Rädern"-Tour den agoraphobischen Harold Smith kennen, der mit Laura befreundet war. Von ihm hofft sie, mehr über die letzten Tage und Wochen aus dem Leben ihrer Freundin zu erfahren. Nadine erwacht nach ihrem Selbstmordversuch aus dem Koma, scheint jedoch ihre Erinnerungen an die letzten dreißig Jahre verloren zu haben, und glaubt, sie wäre achtzehn Jahre alt. Jean Renault, Bruder des verhafteten und dann im Krankenhaus von Leland ermordeten Jacques, besucht das One-Eyed Jacks, und lässt Audrey unter Drogen setzen. Und während Donna auf den Spuren von Laura wandelt, kommen sich James und Maddy immer näher…


Review: Episodenbild (c) ABC Es ist ja nicht so, als ob das Ensemble der Serie bislang klein gewesen wäre. Dennoch lernen wir in "Der Mann hinter Glas" wieder ein paar neue Figuren kennen. Allen voran Harold Smith, der in der Siedlung nebenan von Mrs. Tremond wohnt, und der unter Agoraphobie leidet, und deshalb sein Haus nie verlässt (weshalb er auch auf das "Essen auf Rädern"-Service zurückgreift). Dank der sehr präzischen Darstellung von Lenny von Dohlen wirkt der Kerl von Beginn an unheimlich, was den Szenen mit Donnas Besuch eine nette Grundspannung gab – es mir allerdings zugleich nicht wirklich verständlich machte, dass sie ihn irgendwie sympathisch findet, und nach dem James-Maddy-Drama (dazu gleich noch) zu ihm flüchtet. Aber ok. Dann ist da der schleimige Dick Tremayne (grandios gespielt von Ian Buchanan), der einem mit seiner Art auf Anhieb enorm unsympathisch ist. Last but not least lernen wir hier Jean Renault (gespielt vom in erster Linie aus "Red State" bekannten Michael Parks) kennen, Jacques Bruder, der in Audreys "Besuch" eine Gelegenheit sieht, Lösegeld von Benjamin Horne zu erpressen – was Audreys Situation im One Eyed-Jacks alles andere als verbessert.

Aber auch rund um die uns bekannten Figuren tun sich einige interessante Dinge. So gibt es einige spannende Erkenntnisse und Entwicklungen rund um den Mord an Laura Palmer, wie z.B. im Hinblick auf die Bedeutung der Buchstaben, die unter den Nägeln der Opfer gefunden wurden. Eine der interessantesten Szenen war zweifellos auch die Veränderung der Persönlichkeit, die wir bei Mr. Gerard miterleben, nachdem dieser die Skizze von Bob gesehen hat. Diesbezüglich wird dann auch der dritte Hinweis des Riesen aufgegriffen – womit nur mehr "The owls are not what they seem" unbeantwortet bleibt (ein Ausspruch, der inszenatorisch auf überaus gefällige Art und Weise aufgegriffen wird, als man uns unmittelbar vor der Szene von Donna an Lauras Grab eine Eule einblendet). Generell weiht Agent Cooper Sheriff Truman und Agent Rosenfeld gleich zu Beginn in sein Erlebnis mit dem Riesen, und dessen Hinweise, ein (was Albert mit dem wunderbar trocken-ironischen Kommentar "Any relation to the dwarf?" quittiert). Kurz darauf überrascht Albert, nachdem Sheriff Truman ihn zurechtwies, mit unerwartet wertschätzenden Worten gegenüber ihn. Nach seiner Frage, ob es Dale gut gehe am Beginn der letzten Folge, lässt Albert damit ein weiteres Mal eine unverhoffte Seite von sich erkennen. Einer meiner Kritikpunkte an "Der Mann hinter Glas" richtet sich dann gegen die Charakterveränderung von Nadine, nachdem sie aus dem Koma erwacht. Die Idee, dass sie auf einmal wieder achtzehn Jahre alt ist, und die Erinnerungen an die Zeit dazwischen verloren hat, könnte ja noch interessant (oder erschreckend?) sein, die Umsetzung hat mich aber leider überhaupt nicht überzeugt; was nicht zuletzt auch daran liegen dürfte, dass sie sich in meinen Augen eher wie eine acht- denn eine achtzehn-jährige gebart. Und auch die Story rund um die im One-Eyed Jacks festsitzende Audrey beginnt sich meinem Empfinden nach langsam aber sicher doch ein wenig hinzuziehen (wobei Dale Benjamin hier zumindest mal fragt, wo seine Tochter ist, und auch auf ihren mysteriösen Anruf zu sprechen kommt).

Episodenbild (c) ABC Und dann ist da noch das Beziehungsdreieck zwischen James, Donna und Maddy, welches hier nun nach den aussagekräftigen Blicken in der Episode davor aufgegriffen und vertieft wird. Dort spricht man auch, sehr zu meiner Freude, Donnas sehr untypisches und Verhalten in "Der Riese sei mit dir" nochmal an (welches mir daraufhin in "Koma" ja irgendwie wieder in Vergessenheit zu geraten schien). All dies kumuliert im Kuss zwischen James und Maddy, und das Donna (was Timing-technisch den Rahmen des glaubwürdigen zu sprengen droht) just in diesem Moment bei der Tür hereinkommt. Nun kann ich solche Szenen normalerweise ja nicht ausstehen, da ich sie a) für extrem klischeehaft und b) vom ungünstigen Timing her auch für höchst unglaubwürdig halte. Zumal bei "Der Mann hinter Glas" im Prinzip das gleiche 2x passiert, da Donna die beiden zuvor ja bereits beim Händchenhalten im Diner erwischt hat. ABER: Wie die Kamera hier während dem Kuss die beiden umkreist, und wir als sie sich voneinander trennen dann Donna hinter ihnen erkennen, war derart großartig inszeniert, dass ich mich tatsächlich darüber nicht aufregen konnte. Insgesamt kommt Lesli Linka Glatter Regie zwar (no na) nicht an Lynch heran; aber das war großartig!

Fazit: : Im Gegensatz zu einigen Episoden aus der Mitte der ersten Staffel kann man Season Zwei bislang nicht vorwerfen, dass sich die Folgen ziehen bzw. zu wenig in ihnen tun würde. Vielmehr war auch "Der Mann hinter Glas" wieder voller starker Szenen, interessanten Entwicklungen, und neuen Erkenntnissen. Auffällig war dabei nicht zuletzt, dass sich hier gleich drei neue Charaktere dem ohnehin schon umfangreichen Ensemble hinzugesellen. Dabei hinterließ der gruselige Harold bei mir definitiv am meisten Eindruck. Aber auch die kleinen Schritte bei den Ermittlungen im Mordfall Laura Palmer fand ich interessant. Faszinierend war wiederum alles rund um Mr. Gerards plötzliche Verwandlung. Die sich langsam entwickelnden Gefühle zwischen James und Maddy waren von James Marshall und Sheryl Lee überzeugend gespielt. Und die Verhaftung von Leland nach Dr. Jacobys Aussage sorgte zusammen mit Donnas Entdeckung bei Harold für einen Ausklang, der neugierig auf die Fortsetzung macht. Einzig das mit Nadine hat mich nicht so recht überzeugt. Und so hochwertig die Inszenierung auch bleibt, aber mit David Lynchs Arbeit in den beiden Episoden davor kann sich Lesli Linka Glatter nicht ganz messen.

Wertung: 3.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © ABC)







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