Originaltitel: The Chocolate Box Episodennummer: 5x06 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 21. Februar 1993 Erstausstrahlung D: 05. Dezember 2018 Drehbuch: Douglas Watkinson Regie: Ken Grieve Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Rosalie Crutchley als Madame Deroulard,
Anna Chancellor als Virginie Mesnard,
David de Keyser als Gaston Beaujeu,
Jonathan Hackett als Claude Chantalier,
Geoffrey Whitehead als Xavier St. Alard,
Mark Eden als Boucher,
Jonathan Barlow als Jean-Louis Ferraud,
James Coombes als Paul Deroulard,
Preston Lockwood als Francois,
Linda Broughton als Denise,
Kirsten Clark als Jeanette,
Michael Beint als Coroner,
Lucy Cohu als Marianne Deroulard,
Richard Derrington als Henri u.a.
Kurzinhalt:
Inspektor Japp wurde nach Brüssel eingeladen, wo er eine Auszeichnung der belgischen Regierung erhalten wird. Als seine Frau erkrankt, springt Hercule Poirot kurzfristig ein, und begleitet seinen Freund in seine alte Heimat. Kurz nach ihrer Ankunft kommt es zum Treffen mit Poirots altem Kollegen von der Polizei, Claude Chantalier, der ihn an einen Fall erinnert, bei dem ihn die kleinen grauen Zellen – vermeintlich – im Stich gelassen haben. Daraufhin erzählt Hercule Inspektor Japp von den damaligen Ereignissen, die sich zwanzig Jahre zuvor zugetragen haben. Damals starb Paul Deroulard nach einem gemeinsamen Abendessen mit Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern. Obwohl das Gericht urteilte, dass er eines natürlichen Todes – genauer gesagt einen Herzinfarkt – starb, war Poirot davon überzeugt, dass er ermordet wurde. Auf Bitten von Virginie Mesnard, der Cousine von Pauls verstorbener Frau, setzte Hercule die Ermittlungen gegen den Willen seines damaligen Vorgesetzten fort. Davon überzeugt, dass Paul vergiftet wurde, richtete Hercule seine Aufmerksamkeit dabei auf eine Pralinenschachtel…
Review (kann Spoiler enthalten):
"Die Pralinenschachtel" sticht gleich in mehrerlei Hinsicht hervor. Einerseits mit dem "Einsatzort", wo man London wieder einmal verlässt, und sich in Poirots alte Heimat Belgien, genauer gesagt Brüssel, begibt. Dann mit der Paarung Poirot/Japp, die – ohne Hastings und Lemon – doch eher Seltenheitswert hat, und der Episode damit von Beginn an eine ganz eigene, interessante Dynamik verlieh. Vor allem aber natürlich damit, dass hier ein alter Fall von Hercule Poirot nochmal aufgerollt wird – und wir somit (ähnlich wie bei "Eine Familie steht unter Verdacht", wo man uns die erste Begegnung zwischen Hastings und Poirot zeigte, nachdem der Meisterdetektiv nach England ausgewandert ist) einen Blick in die Vergangenheit der Figur werfen. Ob David Suchet/Hercule Poirot in den betreffenden Szenen jetzt wirklich ganze zwanzig Jahre jünger aussieht, darüber kann man zwar zugegebenermaßen diskutieren, grundsätzlich fand ich die Verjüngung aber – auf subtile Art und Weise – sehr gut gemacht.
Darüber hinaus war es zweifellos sehr interessant, ihn damals bei der Arbeit für die belgische Polizei zu erleben – und dort einerseits seine Freundschaft zu Claude zu sehen, und andererseits, wie er mit seinen Theorien sowohl bei Verdächtigen als auch seinen Vorgesetzten oftmals aneckte; umso mehr, als er aufgrund seiner Überzeugungen standhaft bleibt, statt den Fall, wie es ihm befohlen wurde, fallen zu lassen. Damit sehen wir hier auch schon beim jüngeren Poirot zahlreiche Charaktereigenschaften, die ihn auch in der "Gegenwart" auszeichnen; insbesondere natürlich seine Hartnäckigkeit, aber auch sein Mitgefühl – wird er doch in erster Linie auf Bitten von Virginie aktiv. Apropos Virginie: Poirot hier – für seine Verhältnisse – liebestrunken zu sehen (jedoch ohne, dass es seine detektivische Arbeit beeinflussen würde – eben ganz im Gegensatz zu "Die russische Gräfin"), gab der Episode ebenfalls einen ganz eigenen Reiz. Umso mehr, als ihm ja kein Happy End beschert war (wobei man am Ende merkt, dass er sich ehrlich für sie freut). Und dann ist da noch der Fall an sich. Auch der hat es mir überaus angetan, und war vor allem auch wieder fantastisch aufgebaut und erzählt. Vor allem die Rückblende zum Abendessen, bei der man uns auch gleich die wichtigsten Figuren kurz vorstellte, hatte es mir dabei angetan. Sie gab uns alle Informationen, die wir brauchten, um uns selbst einen Eindruck zu verschaffen, und dementsprechend auch eigene Überlegungen anzustellen, wer wohl hinter dem Mord stecken könnte. Und auch die Auflösung hatte es mir dann sehr angetan, wobei ich vor allem das mit der Farbenblindheit ziemlich clever fand. Last but not least war auch die Produktionsqualität wieder über jeden Zweifel erhaben, wobei es mir neben der einen oder anderen netten Location vor allem auch die stilvolle Inszenierung durch Ken Grieve angetan hatte. Damit zählt "Die Pralinenschachtel" für mich insgesamt definitiv zu den (bisher) besten Folgen der Serie!
Fazit:
Mit "Die Pralinenschachtel" werfen wir zusammen mit Poirot, Japp und Hercules früherem Kollegen Chantalier einen Blick in die Vergangenheit. Schon allein, Poirot hier als jungen Polizisten zu sehen, der – gegen die Anweisung seines Vorgesetzten – seinem Instinkt folgt, und die Ermittlungen im Fall Paul Deroulard fortführt, war höchst aufschlussreich. Aber auch die offenkundige Zuneigung, die Hercule für Virginie empfindet, hatte es mir angetan. Dass hier mal die Paarung Poirot/Japp im Mittelpunkt stand, fand ich ebenfalls sehr nett. Und auch der Location-Wechsel nach Brüssel wertete die Episode für mich auf. Neben dem interessanten Einblick in Poirots Vergangenheit war es aber nicht zuletzt der Fall an sich, der es mir angetan hatte. Zumal dieser hier famos erzählt wird, und eben damit so richtig zum Miträtseln einlädt. Die überaus gefällige Auflösung rundet das höchst positive Gesamtbild dann schließlich ab.