Originaltitel: Coma Episodennummer: 2x02 Bewertung: Erstausstrahlung US: 06. Oktober 1990 Erstausstrahlung D: 01. November 1991 Drehbuch: Harley Peyton Regie: David Lynch Besetzung:
Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper,
Michael Ontkean als Sheriff Harry S. Truman,
Madchen Amick als Shelly Johnson,
Dana Ashbrook als Bobby Briggs,
Richard Beymer als Benjamin Horne,
Lara Flynn Boyle als Donna Hayward,
Sherilyn Fenn als Audrey Horne,
Warren Frost als Dr. Will Hayward,
Peggy Lipton als Norma Jennings,
James Marshall als James Hurley,
Everett McGill als Big Ed Hurley,
Jack Nance als Pete Martell,
Kimmy Robertson als Lucy Moran,
Ray Wise als Leland Palmer,
Joan Chen als Jocelyn Packard,
Piper Laurie als Catherine Martell,
Eric Da Re als Leo Johnson,
Harry Goaz als Deputy Andy Brennan,
Sheryl Lee als Maddy Ferguson,
Chris Mulkey als Hank Jennings,
Miguel Ferrer als FBI Agent Albert Rosenfield,
David Patrick Kelly als Jerry Horne,
Don S. Davis als Major Garland Briggs,
Victoria Catlin als Blackie O'Reilly,
Don Amendolia als Emory Battis,
Frances Bay als Mrs. Tremond,
Grace Zabriskie als Sarah Palmer,
Catherine E. Coulson als The Log Lady,
Phoebe Augustine als Ronette Pulaski u.a.
Kurzinhalt:
Ronette Pulaski erwacht aus dem Koma, ist jedoch nicht ansprechbar. Eine Skizze von Bob – die auf Basis der Beobachtung von Sarah Palmer angefertigt wurde – lässt sie jedoch, trotz ihres ansonsten katatonischen Zustands, plötzlich panisch reagieren, was Agent Cooper und Sheriff Truman alles sagt, was sie wissen müssen. Nun gilt es "nur" noch, ihn zu finden. Donna Hayward wandelt indes insofern auf den Spuren von Laura Palmer, als sie deren frühere Stelle bei "Essen auf Rädern" angenommen hat. Dabei trifft sie auf eine ältere Dame und ihren unheimlichen Enkelsohn. Nach dem Verschwinden – und möglichen Tod – von Catherine Martell müssen Benjamin und Jerry Horne entscheiden, welches der Bücher mit der Buchhaltung des Sägewerks sie verbrennen. Audrey Horne stellt im One-Eyed Jacks Emory Battis zur Rede – muss jedoch kurz darauf im Gespräch mit Blackie O'Reilly erkennen, dass sie aufgeflogen ist. Und die Log Lady hat eine Nachricht für Major Briggs: Nämlich, dass dieser wiederum seine Nachricht für Agent Cooper an eben diesen weitergeben soll…
Review:
Wie der Staffelauftakt wurde auch "Koma" wieder von David Lynch inszeniert – was man der Folge auch anmerkt, und für mich auch ihre größte Stärke darstellt. Ganz besonders lobend erwähnen möchte ich hier die Sequenz, als Donna Mrs. Tremond (gespielt von Frances Bay) das Essen bringt. Schon allein die Art und Weise, wie der erste Blick in das Haus inszeniert war (mit Mrs. Tremond im Bett, und dem kleinen Jungen im Sessel), verströmte eine ungemein beunruhigende Atmosphäre – die dann im Verlauf der Szene konstant zunahm. Der Reiz liegt dabei darin, dass es nicht einfach "nur" unheimlich war (weil das verstehe viele andere Regisseur:innen auch), sondern zusätzlich diese ganz eigene, surreale Komponente bekam, die für David Lynch eben so typisch ist. Dabei stach mir auch die Art und Weise ins Auge, wie der kleine Junge hergerichtet ist – der wie eine kindliche Vision von Lynch selbst aussieht (kein Wunder, steckt ja sein eigener Sohn im Anzug). Aber auch dessen Warnung "She seemed like a very nice girl" als Donna beim Nachbarn anklopft, ließ mich Erschaudern. Zuletzt sei noch angemerkt, dass ich es sehr auffällig fand, dass die Siedlung die wir hier besuchen wie die Blaupause einer essentiellen Location aus "Mulholland Drive" wirkt.
Das mit Mrs. Tremond mag für mich die beste und hervorstechendste Szene gewesen sein – war aber natürlich längst nicht die einzig gute und/oder bemerkenswerte. Relativ zu Beginn fand ich zum Beispiel interessant, dass sich Agent Rosenfield bei Dale Cooper tatsächlich nach dessen Wohlbefinden erkundigt; eine für ihn höchst ungewöhnliche Frage, die ein gewisses Maß an persönlicher Weiterentwicklung erkennen lässt. Dann ist da alles rund um Ronette, die hier aus dem Koma erwacht, vorerst aber in einem katatonischen Zustand verbleibt – zumindest, bis sie die Zeichnung von Bob sieht, und in Panik verfällt. Aber auch an absurdem Humor mangelt es wieder nicht – wie z.B., wenn sich Cooper und Truman mit dem Stühlen im Krankenzimmer herumschlagen. Aber auch die Diskussion der Horne-Brüder, welche der beiden Ordner mit der Buchhaltung des Sägewerks sie verbrennen sollen, war amüsant. Dort kommt dann auch die Frage auf "Is this real, Ben, or some strange and twisted dream?" – und ich dachte mir nur: Ja, die Frage stellt man sich bei David Lynch (bzw. Twin Peaks) öfter. Sehr gelungen fand ich auch die Musikeinlage, wo James zusammen mit Donna und Maddy "Just You and I" singen; nicht nur, weil es sich (nicht zuletzt aufgrund des eingängigen Refrains) um einen echten Ohrwurm handelt, sondern vor allem auch, weil uns hier allein durch ihre Blicke ungemein viel vermittelt wird. Nicht vergessen werden darf auch alles rund um Leo, Shelly und Bobby. Mein Mitleid mit ersterem hält sich zwar nach seinem Verhalten in der ersten Staffel in argen Grenzen, aber wie sich die letzteren beiden hier ausmalen, wie sie ihn am Leben lassen und in seinem Zustand nach Hause schaffen, "nur" um für seine Pflege abzukassieren, ist schon ziemlich hart (was wie gesagt nicht heißt, dass er es nicht verdient hat, und ich – da ich den beiden ihr Glück gönne – nicht eine gewisse Genugtuung verspürte).
Neben der Szene rund um Donnas Besuch bei Mrs. Tremond (im Übrigen fand ich es auffällig, dass diese hier – nach ihrem "Flirt" mit der dunklen Seite in der letzten Folge – wieder stärker zu ihrem alten, unschuldigeren Selbst zurückzufinden schien; charakterentwicklungstechnisch wirkt das allerdings, um bei allem Lob auch ein bisschen Kritik zu üben, doch ein bisschen inkonsequent) stachen für mich aber in erster Linie noch zwei Momente hervor. Einerseits das Gespräch zwischen der Log Lady und Major Briggs im Diner, und andererseits die eben daraus resultierende Szene zwischen Briggs und Cooper in dessen Hotelzimmer. Der Einblick, den wir hier in seine streng geheime Tätigkeit gewinnen, die eigentlich die ganze Zeit keinen Sinn ergebenden Signale, die man aus dem All erhält (und analysiert), und wie ziemlich genau zum Zeitpunkt, als er angeschossen wurde (oder ihm der Riese erschien?) auf einmal die Worte "The owls are not what they seem" erschienen sind (was ihm ja auch der Riese so gesagt hat), ist einfach nur faszinierend. Vor allem hier macht sich der Mystery-Aspekt der Serie, der für mich zu den interessantesten Elementen zählt, wieder deutlich bemerkbar.
Fazit:
Der Staffelauftakt war zwar eine Spur stärker, dennoch fand ich auch "Koma" wieder ausgezeichnet. Neuerlich hatte es mir dabei insbesondere David Lynchs atmosphärische und generell hochwertige Inszenierung angetan (dabei stach für mich nicht zuletzt Donnas Besuch bei Mrs. Tremond hervor). Die Folge zeichnete sich zudem wieder durch einige wunderbar seltsame, unheimliche und/oder mysteriöse Momente und Elemente aus. Auch die eine oder andere amüsante und/oder absurde Szene fand ich hier wieder, wie z.B. das mit den Krankenhaussesseln. Und alles rund um die Nachrichten aus dem All fand ich einfach nur faszinierend. Einzig Donnas etwas unstimmige Charakterzeichnung in diesen beiden Folgen würde ich kritisieren. Davon abgesehen hat die zweite Staffel von "Twin Peaks" mit dieser und der Episode davor aber ausgesprochen stark begonnen.