Poirot - 5x05: Das Abenteuer des italienischen Edelmannes
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Originaltitel: The Adventure of the Italian Nobleman Episodennummer: 5x05 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 14. Februar 1993 Erstausstrahlung D: 05. Dezember 2018 Drehbuch: Clive Exton Regie: Brian Farnham Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Pauline Moran als Miss Lemon,
Leonard Preston als Mr. Graves,
Anna Mazzotti als Margherita Fabbri,
David Neal als Bruno Vizzini,
Vincent Riotta als Mario Ascanio,
Sidney Kean als Count Foscatini,
Alberto Janelli als Darida,
Arthur Cox als Dr. Hawker,
Vittorio Amandola als 1st Secretary,
Ben Bazell als Sergeant Beddoes,
David Verrey als Chef,
Janet Lees-Price als Miss Rider,
Barrie Wilmore als Manager,
Michael Tudor Barnes als Neighbour,
David Willoughby als Lad u.a.
Kurzinhalt:
Im Büro von Hercule Poirot wird Mr. Graves vorstellig, der Miss Lemon den Hof macht. Dieser arbeitet seit kurzem für den italienischen Grafen Foscatini. Am Abend isst man gemeinsam mit dessen Hausarzt Dr. Hawker, als dieser auf das Anwesen des Grafen gerufen wird. Sein Butler ist besorgt, weil die Tür versperrt ist, und er sich nicht mehr meldet. Dort angekommen, findet man Foscatini erschlagen an seinem Schreibtisch vor. Die Beobachtungen des Butlers in den Tagen davor weisen darauf hin, dass der Graf im Hinblick auf wichtige Unterlagen erpresst wurde. Poirot vermutet schon bald, dass es eine Verbindung mit einer berüchtigten italienischen Verbrecherorganisation, die sogar noch älter ist als die Mafia, geben könnte…
Review (kann Spoiler enthalten):
Der Auftakt mit dem mysteriösen Treffen der beiden Männer war ja durchaus interessant. Nett – und amüsant – auch die Szene rund um den Autokauf, wo sich Captain Hastings von der Expertise der Frau – nachdem ihr Ehemann, dem das Geschäft gehört, weggerufen wurde – überrascht zeigt. Aber auch in weiterer Folge gibt es immer wieder humoristische Szenen, sei es der rauchende Koch, der die Hygiene seiner Küche hervorhebt, oder Poirots Reaktion darauf, dass Miss Lemon Graf Foscatinis Katze "adoptiert" hat. Vor allem aber: Aufgrund ihres Verehrers, Mr. Graves, erleben wir Miss Lemon hier mal von einer anderen Seite (auch wenn sie im Hinblick darauf, dass sie sich, hätte sie seine wahre Stellung gekannt, nicht mit ihm getroffen hätte, doch als etwas oberflächlich erweist – andererseits war das vor rund neunzig Jahren halt natürlich auch eine ganz andere Zeit).
Dem Fall an sich kann ich eigentlich grundsätzlich auch nicht wirklich etwas vorwerfen. Er ist nett ausgeklügelt, und bietet eine nette Mischung aus versteckten Hinweisen und falschen Fährten. Nicht zuletzt die Offenbarung, dass Graf Foscatini im Hinblick auf die Erpressung nicht etwas das Opfer, sondern vielmehr der Täter war, hatte durchaus etwas für sich. Und doch: Irgendwie hat mich das alles nicht abgeholt. Vielleicht lag es daran, dass wir die handelnden Personen nur sehr oberflächlich kennenlernen. Für mich blieb auch lange Zeit sehr diffus, was hier denn eigentlich vor sich geht. Auch die potentielle Bedrohung rund um die Mafia-Variation (den Namen habe ich leider nicht mehr im Gedächtnis, und konnte somit auch nicht eruieren, ob historisch oder fiktiv) wollte sich für mich nie wirklich manifestieren. Und ganz allgemein kann ich nicht sagen, dass mich die Auflösung sonderlich interessiert hätte, ich auf diese gespannt war, und/oder mich die Episode dazu eingeladen hätte, mir meine eigenen Gedanken diesbezüglich zu machen (was sonst für mich bei den Agatha Christie-Whodunits einen wesentlichen Reiz ausmacht). Die Produktionsqualität ist zwar gewohnt hoch, sticht aber weder inszenatorisch noch darstellerisch (also natürlich abseits der wie immer verlässlichen und gut aufgelegten Stammbesetzung) sonderlich hervor. Und ich denke, letztendlich ist genau das mein Hauptproblem mit "Das Abenteuer des italienischen Edelmannes": Nichts hier ist wirklich irgendwie schlecht – aber es sticht auch nichts als sonderlich positiv heraus. Die Folge… ist einfach. Und mittlerweile habe ich halt gelernt, von "Poirot" mehr zu erwarten als nur das.
Fazit:
Im Gegensatz zu den wenigen Episoden, die mir bislang bei "Poirot" nicht wirklich gefallen haben (insbesondere "Die russische Gräfin"), kann ich "Das Abenteuer des italienischen Edelmannes" nicht wirklich viel vorwerfen. Es wäre nett gewesen, wenn es gelungen wäre, mich im Hinblick auf das Setup, die Figuren und auch den Mord etwas mehr abzuholen, damit ich einerseits ins Geschehen stärker involviert bin, und andererseits bei den Ermittlungen besser miträtseln kann. Davon abgesehen macht man hier aber nicht wirklich etwas falsch – nur halt leider in meinen Augen jetzt auch nicht unbedingt viel richtig. Klar, auf die Stammbesetzung ist wie immer Verlass. Es gab auch wieder ein paar nette humoristische Einschübe. Und angesichts des ihr den Hof machenden Mr. Graves erleben wir Miss Lemon hier mal von einer anderen, neuen Seite. Davon abgesehen blieb von dieser Episode aber irgendwie nichts haften.