Originaltitel: Requiem Episodennummer: 2x06 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 22. April 2026 Drehbuch: Devon Kliger & Jesse Wigutow Regie: Angela Barnes Besetzung:
Charlie Cox als Matt Murdock / Daredevil,
Vincent D'Onofrio als Wilson Fisk,
Margarita Levieva als Heather Glenn,
Arty Froushan als Buck Cashman,
Ayelet Zurer als Vanessa Fisk,
Michael Gandolfini als Daniel Blake,
Zabryna Guevara als Sheila Rivera,
Deborah Ann Woll als Karen Page,
Genneya Walton als BB Urich,
Wilson Bethel als Benjamin Poindexter,
Krysten Ritter als Jessica Jones,
Hamish Allan-Headley als Powell,
Jeremy Isaiah Earl als Cole North,
Camila Rodriguez als Angela,
Matthew Lillard als Mr. Charles,
Ashley Marie Ortiz als Soledad,
Felix Torrez-Ponce als Task Force Saunders,
Annie Parisse als Ariana,
Lenny Platt als Lt. Governor Gomez,
Lindsay Nicole Chambers als Jo Cooper,
Lili Taylor als Governor Marge McCaffrey u.a.
Kurzinhalt:
Wilson Fisk trauert um seine geliebte Vanessa. Alle um ihn herum sprechen ihnen ihr Mitleid aus, doch nichts scheint ihm Trost zu spenden. Neben dem persönlichen Verlust droht ihr Tod aber auch seinen Plänen für die Stadt einen Strich durch die Rechnung zu machen. Immerhin war Vanessa federführend dabei, ihm die Unterstützung von Gouverneurin McCaffrey zu sichern. Nun droht sie diese wieder zurückzuziehen. Und auch Mr. Charles macht im Hinblick auf die Waffenlieferung zunehmend Druck. Parallel dazu erhält Matt unerwarteten Besuch von einer alten Bekannten: Jessica Jones. Diese wurde von einer Spezialeinheit in jenem Haus angegriffen, wo sie zusammen mit ihrer Tochter Danielle lebt. Sie möchte herausfinden, wer die Männer geschickt hat, und warum sie in diesen Krieg hineingezogen wurde. Die beiden greifen daraufhin das Lager der Anti-Maskierten-Taskforce an. Karen spielt indes ernsthaft mit dem Gedanken, Bullseye kaltblütig zu ermorden. Am Abend, als sich eine große Demonstration gegen Wilson Fisk und seine Politik bildet, sucht Matt seine Nemesis auf, um ihm ein Angebot zu machen…
Review:
Es wurde ja während der Produktion der zweiten Staffel bereits bekannt gegeben, und hier war es nun endlich soweit: Kyrsten Ritter kehrt (als erste Figur aus einer anderen Marvel-Netflix-Serie als "Daredevil" selbst) als Jessica Jones zurück. Ich habe mich über das Wiedersehen enorm gefreut, und sehe darin letztendlich auch die größte Stärke der Folge. Umso mehr, als wir hier auch Jessicas Tochter Danielle kennenlernen. Aber auch davon abgesehen gab es ein paar interessante Offenbarungen, wie z.B., dass Mr. Charles sie und andere Superhelden kontaktiert hat, um sie zu rekrutieren (und im Gegensatz zu ihr haben andere nicht abgelehnt – wen sie damit wohl meint? Luke? Danny?), oder auch, dass seit der Geburt ihrer Tochter (Wer wohl der Vater ist?) ihre Kräfte immer wieder mal aussetzen – wie es auch kurz darauf dann beim Angriff auf das AVTF-Lager geschieht. Eine plausible Erklärung, um das Problem auszuschalten, dass Actionszenen rund um Jessica Jones aufgrund ihrer Verwundbarkeit in der Vergangenheit wenig packend waren (es hat einen Grund, warum ihr Hauptgegner Kilgrave eine Figur war, die den Geist, statt den Körper, angegriffen hat).
So sehr ich mich über das Wiedersehen auch gefreut habe, komme ich aber doch nicht umhin, anzumerken, wie kurios es ist. Insofern, als "Daredevil: Born Again" ja eigentlich als völliger Reboot gedacht war, der zwar Charlie Cox als Matt Murdock/Daredevil und Vincent D'Onofrio als Wilson Fisk/Kingpin übernommen, davon abgesehen aber die alte Netflix-Serie völlig ignoriert hätte. Wie sehr die Serie hier nun von der Rückkehr von Jessica Jones profitiert, aber auch generell auf eben diese Serie als Fundament aufbaut (man nehme nur die Episode davor), macht deutlich, wie falsch diese Entscheidung gewesen wäre. Und so ist es nur folgerichtig, dass für die dritte Staffel (die zum Glück – trotz leider rückläufiger Zugriffszahlen, die dem qualitativen Anstieg in der zweiten Staffel überhaupt nicht gerecht werden – bereits bestätigt und auch schon in Produktion ist) auch bereits die Rückkehr von Luke Cage und Iron Fist angekündigt wurden, um dort dann die Netflix-"Defenders" wieder zu vereinen. Doch zurück zu "Requiem": Abseits der Rückkehr von Jessica Jones und dem netten Zusammenspiel zwischen Charlie Cox und Krysten Ritter (die Jessica hier wieder ihren gewohnt trockenen Humor gibt) hatte es mir vor allem noch die Szene angetan, als Karen kurz davor ist, Benjamin Poindexter zu erschießen. Das war wirklich ein starker Moment. Aber auch ihr Vorwurf an Matt, dass er ständig die falschen Personen rettet, und deshalb andere Menschen sterben, ist nicht ganz von der Hand zu weisen.
Und auch das Finale war durchaus stark. Einerseits mit den Protesten, in die dann auch Karen hineingezogen wird – was am Ende sogar dazu führt, dass sie auffliegt, und verhaftet wird. Und andererseits – endlich – einer weiteren Konfrontation zwischen Matt und Wilson. Murdock bietet seinem Erzfeind dort an, dass sie beide die Stadt verlassen sollen, um so ihre Fehde ein für alle Mal zu beenden. Doch Fisk ist – trotz aller Hindernisse, wie dem drohenden Rückzug der Gouverneurin – ist fest entschlossen, den eingeschlagenen Kurs beizubehalten. Und doch löst sein spöttischer Kommentar am Ende, dass Matt ihn weder verhaften kann, noch töten wird, in der Tat die Frage auf, wie dieser Konflikt je enden soll. Leider fand ich, dass die Nebenhandlung rund um Daniel und BB – die seine Mutter besuchen, während er überlegt, wie er sie im Hinblick auf die Leaks zur Rede stellen soll – hier nicht mithalten konnte. Und auch die Storyline rund um Dr. Glenn scheint sich seit dem Staffelauftakt im Stillstand zu befinden (und kam generell bislang für mich, abseits von ein bis zwei netten Momenten, nicht wirklich zur Geltung). Trotz dieser schwächeren Handlungsstränge, die den Gesamteindruck ein bisschen nach unten drücken, war aber auch "Requiem" insgesamt wieder stark.
Fazit:
"Requiem" punktete bei mir in erster Linie mit der (im Vorfeld ja bereits bekannt gewordenen) Rückkehr von Jessica Jones – die für mich auch deutlich machte, wie sehr sich Marvel/Disney mit ihrem ursprünglichen Plan, die Netflix-Serien zu ignorieren, auf dem Holzweg empfangen. Denn nicht nur lag im Wiedersehen mit Kyrsten Ritter in der Rolle für mich die größte Stärke der Episode, die Serie war generell bisher eigentlich fast immer dann am besten, wenn man auf die alte Serie Bezug genommen hat (siehe den Serienauftakt, oder auch die Folge davor). Neben diesem Aspekt hatten es mir vor allem die starke Szenen zwischen Karen und Benjamin, sowie die Konfrontation zwischen Matt und Wilson am Ende angetan. Demgegenüber hat mich alles rund um Daniel und BB leider nicht wirklich interessiert. Und Heather kommt für mich in der zweiten Staffel (abseits ihres durchaus nachvollziehbaren Traumas) bislang auch noch nicht wirklich zur Geltung. Insgesamt stellt Season Zwei im Vergleich zur ersten aber eine deutliche qualitative Steigerung dar – wie auch "Requiem" wieder veranschaulichte.