Originaltitel: Realization Time Episodennummer: 1x07 Bewertung: Erstausstrahlung US: 17. Mai 1990 Erstausstrahlung D: 18. Oktober 1991 Drehbuch: Harley Peyton Regie: Caleb Deschanel Besetzung:
Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper,
Michael Ontkean als Sheriff Harry S. Truman,
Madchen Amick als Shelly Johnson,
Dana Ashbrook als Bobby Briggs,
Richard Beymer als Benjamin Horne,
Lara Flynn Boyle als Donna Hayward,
Sherilyn Fenn als Audrey Horne,
Warren Frost als Dr. Will Hayward,
Peggy Lipton als Norma Jennings,
James Marshall als James Hurley,
Everett McGill als Big Ed Hurley,
Jack Nance als Pete Martell,
Ray Wise als Leland Palmer,
Joan Chen als Jocelyn Packard,
Piper Laurie als Catherine Martell,
Eric Da Re als Leo Johnson,
Harry Goaz als Deputy Andy Brennan,
Michael Horse als Deputy Tommy 'Hawk' Hill,
Sheryl Lee als Maddy Ferguson,
Russ Tamblyn als Dr. Lawrence Jacoby,
Chris Mulkey als Hank Jennings,
David Patrick Kelly als Jerry Horne,
Walter Olkewicz als Jacques Renault,
Kimmy Robertson als Lucy Moran,
Wendy Robie als Nadine Hurley,
Don Amendolia als Emory Battis,
Victoria Catlin als Blackie O'Reilly u.a.
Kurzinhalt:
Im Polizeirevier von Twin Peaks wartet man gespannt auf die Aussage eines wichtigen Zeugen: Dem Vogel Waldo. Bei diesem handelt es sich um einen Hirtenmaina, der – so wie Papageien – Dinge die er gehört hat, wiedergibt. So hofft man, zu erfahren, was sich in der Mordnacht zugetragen hat. Parallel dazu will man das One-Eyed Jacks besichtigen, in dem Laura Palmer dem Vernehmen nach gearbeitet hat. Da sich dieses hinter der Grenze nach Kanada befindet, und sie daher dort keine Zuständigkeit haben, schmeißen sich Agent Cooper und Big Ed in eine Verkleidung, um Undercover zu ermitteln. Audrey verfolgt einen ähnlichen Plan: Ihr ist es gelungen, herauszufinden, wie Laura Palmer und andere junge Mädchen für das One-Eyed Jacks rekrutiert wurden. Sie alle arbeiteten nämlich zuvor am Parfümschalter des Kaufhauses. So gelangt sie schließlich auch an die Telefonnummer des Etablissements, um sich zu bewerben. Madeline hat indes die Tonbänder gefunden, die Laura für Dr. Jacoby aufgenommen hat. Als sich herausstellt, dass jenes von der Nacht ihrer Ermordung fehlt, schmiedet sie zusammen mit James und Donna einen Plan, um Dr. Jacoby aus seiner Ordination zu locken, und danach zu suchen…
Review:
Gleich zu Beginn musste ich vor Agent Cooper wieder einmal meinen Hut ziehen: Wie er Audreys "Angebot" ablehnt, rang mir echt Hochachtung ab. Welcher (heterosexuelle) Mann von uns wäre an seiner Stelle wohl auch so standhaft gewesen? Kurios dann die Szenen mit Waldo dem Vogel im Verhörraum, bei dem man ein (stimmaktiviertes) Aufzeichnungsgerät zurücklässt, in der Hoffnung, dass er das, was er in der Mordnacht gehört hat, zum Besten gibt. Dabei überrascht (schockiert?) Cooper mit der Offenbarung, keine Vögel zu mögen. Es gibt also tatsächlich etwas, dass den FBI-Agenten nicht in Begeisterung versetzt! Am Ende begeben sich er und Big Ed dann "Undercover" ins One-Eyed Jacks. Das Undercover ist dabei ganz bewusst unter Anführungszeichen gesetzt, weil ich ihre "Verkleidung" echt köstlich fand. Ed bekommt einen furchtbaren Fifi und einen Schnurrbart aufgesetzt, während Dale (in einer Anspielung auf Clark Kent/Superman?) die undurchschaubarste Verkleidung aller Zeiten wählt, und sich… eine Brille aufsetzt! Klar kann man jetzt sagen, er ist erst kurz in der Stadt, und es gibt daher keinen Grund, warum er befürchten müsste, dort erkannt zu werden (was dann aber wiederum die Frage aufwirft, warum er sich überhaupt die Brille aufsetzt?!). Jedenfalls musste ich, als ich seine und Eds Verkleidung gesehen habe, doch herzhaft lachen.
Zusammen mit Ed und Dale verschlägt es auch Audrey ins One-Eyed Jacks. Sie wandelt dabei ganz bewusst auf den Spuren von Laura Palmer, in der Hoffnung, so einen entscheidenden Hinweis auf ihren Mord zu erhalten. Die Szene, wo sie sich bei Blackie bewirbt, hinterlässt dabei definitiv Eindruck. Besonders spannend ist es aber natürlich im Hinblick auf unser Wissen, wer üblicherweise die ersten Kunden von neuen Mädchen sind. Erschreckend fand ich auch die Art und Weise, wie vom Manager des Kaufhauses die jungen Frauen für den Dienst im Etablissement angeworben werden. Wie mir generell fast scheint, als wäre "Twin Peaks" mit dieser kritischen Auseinandersetzung der (sexuellen) Ausbeutung junger Mädchen seiner Zeit voraus gewesen (also nicht, dass es das nicht – leider – schon immer gegeben hätte; aber immerhin hat in den letzten Jahren das Bewusstsein diesbezüglich zugenommen, weshalb man es in einer aktuellen Serie eher erwarten würde, als in einer aus 1990). Neben diesen Storyline stach dann für mich insbesondere noch das rund um Maddy, Donna und James positiv hervor. Angefangen dabei, wie sie sich Jessicas Aufnahmen für Dr. Jacoby anhören, über die Entdeckung, dass just das Band vom Tag ihres Mordes fehlt, bis hin zu ihrem Plan, Dr. Jacoby aus seiner Ordination zu locken, in dem sie ihm Glauben machen, Laura wäre noch am Leben (was dank des fast identischen Aussehens – kein Wunder dank der gleichen Darstellerin, Sheryl Lee). Und auch abseits dieser Storylines (die sich für mich am Positivsten bemerkbar machten) war einiges los. So ergibt sich eine Vermutung, warum Lucy Andy zuletzt so schroff behandelte. Bobby erschießt zwar Waldo, ist jedoch zu spät, um dessen "Aussage" zu verhindern. Und Catherine erhält überraschenden Besuch von einem Makler, der mit ihr über ihre neue Lebensversicherung sprechen will – von der sie nichts weiß. Die Fülle an Handlungssträngen sorgte auch dafür, "Zeit des Erkennens" sehr kurzweilig zu machen. Das Ende machte sich bei mir aber insofern etwas negativ bemerkbar, als es eher einem Abbruch gleich kam; man könnte meinen, dass das Staffelfinale (bestehend aus dieser und der nächsten Folge) analog zu "Das Geheimnis von Twin Peaks" als zweistündiger Film geplant war. Es war ja noch nicht mal ein wirklicher, typischer Cliffhanger. Das fand ich ein bisschen unglücklich gemacht.
Fazit:
Mit "Zeit des Erkennens" nähert sich das Staffelfinale mit Riesenschritten (tatsächlich handelt es sich hier eher um den ersten Teil von eben diesem), was man der Folge was Erzähltempo und Inhalt betrifft auch anmerkt. Während sich zur Season-Hälfte doch ein kleiner Durchhänger bemerkbar machte, wo es schien, als müsse man künstlich Laufzeit (bzw. Episoden) schinden, war hier sehr viel los, und auch wenn mich manches davon mehr interessiert, angesprochen und gepackt hat als anderes, so fand ich doch immerhin auch nichts davon langweilig. Am Positivsten fand ich dabei alles rund um Audreys Ermittlungen, und wie sie hier Lauras Weg zum One-Eyed Jacks nachvollzieht. Aber auch alles rund um die Art und Weise, wie hier Dr. Jacoby aus seiner Ordination gelockt wird, fand ich spannend. Und über die "Verkleidung" von Cooper und Big Ed bei ihrem Undercover-Einsatz im One-Eyed Jacks habe ich mich köstlich amüsiert. Nur mit dem Ende war ich nicht ganz glücklich, da es auf mich so wirkte, als würde "Zeit des Erkennens" einfach so mittendrin aufhören/abblenden.