Daredevil: Born Again - 2x03: Die Waage & das Schwert
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Originaltitel: The Scales & the Sword Episodennummer: 2x03 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 01. April 2026 Drehbuch: Heather Bellson Regie: Solvan Naim Besetzung:
Charlie Cox als Matt Murdock / Daredevil,
Vincent D'Onofrio als Wilson Fisk,
Margarita Levieva als Heather Glenn,
Arty Froushan als Buck Cashman,
Nikki M. James als Kirsten Mcduffie,
Ayelet Zurer als Vanessa Fisk,
Michael Gandolfini als Daniel Blake,
Zabryna Guevara als Sheila Rivera,
Deborah Ann Woll als Karen Page,
Genneya Walton als BB Urich,
Hamish Allan-Headley als Powell,
Jeremy Isaiah Earl als Cole North,
Camila Rodriguez als Angela,
Ashley Marie Ortiz als Soledad,
Felix Torrez-Ponce als Task Force Saunders,
Annie Parisse als Ariana,
Lenny Platt als Lt. Governor Gomez,
Roberto Lopez als Berto,
Lili Taylor als Gov Marge McCaffrey,
Dede Lovejoy als Chief Justice Waters,
Dustin Tucker als Judge Grimes,
John Hedges als Judge Luna,
Carol Jeong als Vanessa's Aide u.a.
Kurzinhalt:
Die Gerichtsverhandlung von Duquesne, dem – zu Recht – vorgeworfen wird, der als Swordman bekannte maskierte Rächer zu sein, steht unmittelbar bevor. Die Verteidigerin Kirsten McDuffie bekommt nur eine minimale Zeit, um sich auf den Prozess vorzubereiten, wofür sie ihren Klientin im Gefängnis, welches im Red Hook-Lagerhaus eingerichtet wurde, besucht. Parallel dazu fertigt Heather Glenn, die nach wie vor unter dem Trauma des Angriffs von Muse leidet, das psychologische Gutachten über Duquesne an. Diesem wird bei der bevorstehenden Verhandlung entscheidende Bedeutung zukommen. Diese offenbart sich dann jedoch als Scheinprozess. Nach nur zwei kurzen Zeugenaussagen, und obwohl gegen ihn keine handfesten Beweise vorliegen, wird Duquesne verurteilt. Parallel dazu bereitet sich Matt darauf vor, ins Red Hook-Lagerhaus einzubrechen. Eigentlich möchte er nur die Waffen, die Fisk dort gelagert hat, unschädlich machen. Als er jedoch erkennt, dass dort Menschen in Käfigen festgehalten werden, kann er die Gefangenen – einschließlich Duquesne – nicht einfach so ihrem Schicksal überlassen…
Review:
In "Die Waage & das Schwert" findet nun der erste Prozess gegen einen angeblichen maskierten Rächer statt. Ich gebe zu: Die Aufregung, welche die Episode mit dem Urteil erzeugen will, wird ein bisschen davon konterkariert, dass wir nun mal wissen, dass Duquesne der Swordsman und damit im Sinne der Anklage dieses neuen Gesetzes, welches maskierte Rächer verbietet, schuldig ist. Natürlich macht dies die Verhandlung um nichts weniger zu einer Farce, einerseits aufgrund ihrer Kürze, und andererseits angesichts der Verurteilung, die sich einzig und allein auf das (gefälschte) Gutachten von Heather stützt, ohne handfeste Beweise als Grundlage. Trotzdem wäre die Kritik an einem korrupten Rechtssystem, die "Daredevil: Born Again" hier anbringen will, in meinen Augen mit einem Unschuldigen noch effektiver gewesen (wobei man durchaus argumentieren kann, dass genau das der Punkt ist, den sie machen wollten: Nämlich dass auch Schuldige das Recht auf ein faires Verfahren haben).
Was mir allerdings an diesem Handlungsstrang sehr gut gefiel, ist die nähere Betrachtung von Heather. Vor allem jene Szene, wo sie sich dazu zwingt, die Maske von Muse – die sie in einer Schublade aufbewahrt – anzusehen (wohl, um sich so in einer Radikalkur von ihrem Trauma zu befreien), blieb dabei in Erinnerung. Aber auch das Treffen zwischen ihr und Vanessa, die vom Angriff durch Bullseye ein ähnliches Trauma davontrug, hatte es mir angetan. Höchst interessant auch, dass selbst Karen – ja eigentlich auf der Seite der Guten – ähnliche Symptome zeigt. So zeigt sich Matt zunehmend besorgt über die Grenzen, die sie zu überschreiten bereit ist – während er selbst (wie wir dann insbesondere beim Angriff auf Red Hook am Ende sehen) verzweifelt bemüht ist, den in ihm schlummernden Teufel nicht herauszulassen. Diese psychologische Komponente zeichnet "Daredevil: Born Again" für mich, insbesondere in der zweiten Staffel, bisher wirklich aus. Am Ende gibt es zudem auch wieder ein bisschen mehr Action und Spannung, eben mit Matts besagtem Angriff auf die Red Hook-Einrichtung. Die betreffende Einlage war wieder sehr gut inszeniert (und choreographiert), machte aber eben mit Matts brutaler Vorgehensweise auch deutlich, wie sehr er sich am Rande des Abgrunds bewegt. Unerwartete Hilfe erhalten er und Karen am Ende dann auch von Angela – der Nichte von Hector Ayala aka dem White Tiger – die hier somit aktiv dazu beiträgt, dass ihre Mutter aus dem Gefängnis befreit wird, und der wohl im weiteren Verlauf der zweiten Staffel noch eine größere Rolle bzw. Bedeutung zukommen wird. Die Freude über den Sieg – nämlich, mit dem Gefangenen entkommen zu sein – währt jedoch nicht sehr lange, denn als Reaktion darauf lässt Wilson Fisk die Northern Star in die Luft jagen; wofür er natürlich Daredevil die Schuld in die Schuhe schiebt, in der Hoffnung, einen Großteil der Öffentlichkeit so weiter gegen den maskierten Rächer aufzubringen. Mal gewinnt man, mal verliert man.
Fazit:
Die Kritik an einem korrupten Gerichtssystem fand ich im Hinblick darauf, dass Duquesne ja tatsächlich der Swordsman ist – und das Urteil somit, wenn auch die Art und Weise wie es getroffen wird skandalös ist, nicht grundsätzlich falsch ist – nicht ganz so effektiv, wie sie hätte sein können. Davon abgesehen hat mir aber auch "Die Waage & das Schwert" wieder gut gefallen. Einerseits mit dem starken psychologischen Kern, und andererseits den interessanten Parallelen zwischen den "Guten" und den Bösen". Am Ende gab es zudem rund um Matts Angriff auf die Red Hook-Einrichtung wieder eine nette, gut inszenierte und typisch brutale Actioneinlage. Das große Überdrüber-Highlight war zwar auch hier noch nicht dabei, bislang hält die zweite Staffel aber konstant ein gefällig hohes Niveau.