Originaltitel: One, Two, Buckle My Shoe Episodennummer: 4x03 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 19. Januar 1992 Erstausstrahlung D: 26. Dezember 1994 Drehbuch: Clive Exton Regie: Ross Devenish Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Joanna Phillips-Lane als Gerda/Helen,
Peter Blythe als Blunt,
Carolyn Colquhoun als Mabelle,
Christopher Eccleston als Frank Carter,
Karen Gledhill als Gladys Neville,
Laurence Harrington als Henry Morley,
Rosalind Knight als Georgina Morley,
Sara Stewart als Jane Olivera,
Helen Horton als Julia Olivera,
Kevork Malikyan als Amberiotis,
Trilby James als Agnes Fletcher,
Joe Greco als Alfred Biggs,
Oliver Bradshaw als Mr Hendry,
Jean Ainslie als Alison Hendry,
Bruce Alexander als Albert Chapman,
Mary Healey als Beryl Chapman,
Tom Durham als Lionel Arnholt,
John Carlin als Dr Bennett u.a.
Kurzinhalt:
Nur kurz nachdem Hercule Poirot seinen Zahnarzt Dr. Morley besucht hat, wird dieser mit einer Schusswunde im Kopf tot in seiner Ordination aufgefunden. Als Inspektor Japp den Tatort besucht, sieht in ersten Moment alles nach einem Selbstmord aus. Als kurz darauf bekannt wird, dass ein Patient von Dr. Morley, Mr. Amberiotis, an einer Überdosis Schmerzmittel verstorben ist, scheint dies die Selbstmordtheorie zu stützen. Doch Hercule Poirot bleibt dabei: Für ihn ist es unvorstellbar, dass sich Dr. Morley das Leben genommen hat. Er lässt seine eigenen Beobachtungen an diesem Morgen Revue passieren, und befragt die anderen Patienten, sowie die anwesenden Angestellten. Kurz darauf wird im Apartment einer weiteren Patienten von Dr. Morley die Leiche einer Frau gefunden, die schließlich vom Gerichtsmediziner als Mrs. Chapman identifiziert wird. Während der Fall für Inspektor Japp damit noch undurchsichtiger wird, fügen sich die einzelnen Elemente für Hercule Poirot immer mehr zu einem so stimmigen wie erschütterndem Gesamtbild zusammen, welches er dann schließlich bei einer Versammlung aller Zeugen und Verdächtigen präsentiert…
Review (kann Spoiler enthalten):
Der Auftakt von "Himmel und Hölle" ist, für "Poirot"-Verhältnisse, ungewöhnlich unheimlich und düster inszeniert, mit der Zeitlupe, dem gänsehauterzeugenden (und im englischen titelspendenden) Kinderlied, sowie dem Mord an Dr. Morley, den wir hier miterleben – ehe es dann für eine Rückblende rund zwölf Jahre in die Vergangenheit (und nach Indien) geht. Aber auch nach diesem auffälligen Einstieg, der mich sofort in die Folge hineinzog, blieb die Inszenierung bis zuletzt auf einem für die Serie überdurchschnittlichen Niveau, welches "Himmel und Hölle" für mich definitiv aufwertete. Nicht zuletzt der wiederholte Einsatz des Kinderliedes, das zum zentralen Motiv der musikalischen Untermalung der Folge wurde (Christopher Gunning, Stammkomponist der Serie, hat hier echt ganze Arbeit geleistet), trug viel zur Atmosphäre bei. Was die Gaststars betrifft, sticht natürlich aus heutiger Sicht in erster Linie der Auftritt des damals noch vergleichsweise unbekannten Christopher Eccleston hervor. Aber auch alle anderen gaben sich keine Blöße – wenn sie auch nicht an die Veteranen David Suchet und Philip Jackson (Hugh Fraser hat auch hier wieder Pause) herankommen.
Inhaltlich war ich von "Himmel und Hölle" ebenfalls sehr angetan. Der TV-Film präsentiert einen überaus verzwickten und verschachtelten Fall, der deutlich komplexer ist als der Großteil dessen, was man uns bislang im Verlauf der Serie präsentierte. Ein kurzer Blick auf die IMDB (auf die ich immer für die Produktionsdaten und die Besetzung zurückgreife) offenbarte, dass damit nicht alle glücklich waren, wird die Episode doch von manchen als konstruiert und unnötig komplex bezeichnet. Weder das, noch die in einem Review aufgestellte Behauptung, ohne Kenntnis der Vorlage wäre der Geschichte hier nicht zu folgen, kann ich unterschreiben. Stimmt schon, "Himmel und Hölle" ist nichts für moderne Sehgewohnheiten, wo man nur mit einem Auge hinsieht und Ohr hinhört, während die andere Hälfte des jeweiligen Paares mit dem Handy o.ä. beschäftigt ist. Vielmehr erfordert der TV-Film, dass man ihm die vollständige Aufmerksamkeit schenkt, um bei der Fülle an Figuren und dem verzwickten Plot nicht den Überblick zu verlieren. Ich empfand das aber eher als positiv denn negativ; zumal es "Himmel und Hölle" nicht schwer gefallen ist, mein Interesse mit dem atmosphärischen Einstieg zu gewinnen, und auch danach mit einem angemessenen Erzähltempo zu halten. Es war hier einfach, im Vergleich zu "Die Wespe", immer genug los, Lediglich zwei Kritikpunkte würde ich der Folge gegenüber ins Treffen führen. So würde ich in Zweifel stellen, dass der anfängliche Flashback nach Indien notwendig war; vielmehr nahm der in meinen Augen schon zu viel vorweg, und machte die Auflösung für mich etwas zu offensichtlich (wobei ich dabei bleibe, dass Agatha Christies Geschichten gut genug geschrieben/erzählt sind, dass sie selbst dann noch funktionieren, wenn die Auflösung keine Überraschung mehr ist, oder aber man sie überhaupt schon kennt). Und das mit dem Identitätsdiebstahl hätte man sowohl was die Inszenierung als auch die schauspielerische Leistung betrifft besser verschleiern können. Diese Kritikpunkte mögen eine (noch) bessere Wertung verhindern; wirklich gravierend fand ich sie aber nicht.
Fazit:
"Himmel und Hölle" profitiert nicht zuletzt von der hervorragenden Inszenierung durch . Zwar ist die Serie ja allgemein sehr hochwertig produziert (vor allem im Hinblick auf die überzeugende Umsetzung des zeitlichen Settings in den 1930ern), aber dieser TV-Film stach für mich – nicht zuletzt aufgrund der atmosphärischen musikalischen Untermalung mit dem Kinderlied, welches der Geschichte im Englischen ja auch ihren Titel gab – diesbezüglich nochmal ganz besonders positiv heraus. Aber auch die Story selbst konnte mir gefallen. Zwar fand ich, dass man sich den Prolog in Indien besser hätte schenken sollen, und auch das mit dem Identitätsklau hätte man besser (und nicht so offensichtlich) umsetzen können. Allerdings stört es mich im Allgemeinen bei Agatha Christie aufgrund der Stärke ihrer Erzählung (und den wunderbaren Figuren) nicht, wenn ich die Auflösung schon entweder kenne oder errate, weshalb dies auch in diesem Fall für mich kein großes Manko war. Und insgesamt hatte es mir der durchaus komplexe Fall, der (im Gegensatz zu der aktuellen TV- und Serienunterhaltung) meine ganze Aufmerksamkeit erforderte, durchaus angetan. Für mich zählt "Himmel und Hölle" jedenfalls ganz klar und den bisherigen Highlights der Serie.