Originaltitel: Death in the Clouds Episodennummer: 4x02 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 12. Januar 1992 Erstausstrahlung D: 25. Dezember 1994 Drehbuch: William Humble Regie: Stephen Whittaker Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Sarah Woodward als Jane Grey,
Shaun Scott als Norman Gale,
Cathryn Harrison als Lady Horbury,
David Firth als Lord Horbury,
Amanda Royle als Venetia Kerr,
Richard Ireson als Inspector Fournier,
Jenny Downham als Anne Giselle,
Eve Pearce als Madame Giselle,
Roger Heathcott als Daniel Clancy,
Guy Manning als Jean Dupont,
Gabrielle Lloyd als Elise,
John Bleasdale als Mitchell,
Harry Audley als Raymond Barraclough u.a.
Kurzinhalt:
Während des Tennisturniers von Roland Garros hat Hercule Poirot für ein paar Tage Paris besucht – und dabei die Stewardess Jane Grey kennengelernt. Als er wieder nach London zurückfliegt, ist sie ebenfalls als Teil der Crew mit an Bord. Während des Fluges kommt es zu einem medizinischen Notfall, bei dem Madame Giselle verstirbt. Zuerst vermutet man einen anaphylaktischen Schock aufgrund eines Wespenstichs, dann jedoch stellt sich heraus, dass sie vielmehr von einem Pfeil gestochen und so vergiftet wurde. Ein Blasrohr, welches nach der Landung an Bord gefunden wird, scheint die Mordwaffe zu sein. Das Gepäck aller Passagiere wird durchsucht, zudem alle von Inspektor Japp sowie Hercule Poirot befragt. Doch die Frage, wie es dem Mörder gelungen sein soll, den Pfeil aus dem Blasrohr – noch dazu derart zielgenau – auf Madame Giselle abzufeuern, gibt Rätsel auf…
Review (kann Spoiler enthalten):
Zum Auftakt von "Die Wespe" sehen wir Poirot (und die anderen Charaktere, die uns in diesem TV-Film begleiten werden) auf Urlaub in Paris. Während dort das legendäre Tennis-Turnier von Roland Garros stattfindet (wo die Männer damals offensichtlich noch mit langen Hosen angetreten sind), begibt sich der Belgier auf eine kleine Sightseeing-Tour, bei der es ihm u.a. in ein Museum verschlägt, in dem avantgardistische Kunst ausgestellt wird, und bei der er vor allem auch die Stewardess Jane Grey kennenlernt. Diese nimmt hier quasi – da Hugh Fraser hier mit Abwesenheit glänzt – die Rolle von Captain Hastings ein, sowohl als Assistent (wie z.B. wenn sie die Bücher des Autors der an Bord des Fliegers war besorgt) als auch als Soundingboard für Poirots Überlegungen – allerdings mit dem nicht unwesentlichen und durchaus interessanten Unterschied, dass sie zum Kreis der Verdächtigen zählt. Eben dies gibt ihren gemeinsamen Szenen einen ganz eigenen Reiz – wobei Sarah Woodward sie derart charmant spielt, dass ich im Hinblick darauf, dass sie doch wohl hoffentlich nicht die Schuldige sein wird, wirklich mitgefiebert habe.
Generell fand ich den Auftakt noch ziemlich nett und kurzweilig – ehe es dann im Flugzeug zum Mord kommt. Das Setting und der Ablauf waren ebenfalls zweifellos sehr interessant, wie auch so Details wie das mit der Wespe, sowie natürlich dem vermeintlich aus einem Blasrohr abgefeuerten Pfeil (ich dachte ja im ersten Moment, der wäre vielleicht aus Lady Horburys Zigarettenhalter gekommen). Aber auch die Befragung der Zeugen, die Durchsuchung des Flugzeugs sowie des Gepäcks usw. waren noch spannend. Leider ist sobald all dies abgeschlossen ist immer noch rund eine Stunde Laufzeit übrig – und das sollte sich dann doch als ein bisschen zu viel erweisen. Zwar gibt es zwischendurch auch immer wieder ein paar interessante neue Entwicklungen – wie z.B. wenn die vermeintliche Tochter des Opfers plötzlich auftaucht – nette Momente (beispielsweise wenn Poirot und Japp nochmal von London nach Paris fliegen, um ein paar Theorien auszutesten), und vor allem auch denn auch hier wieder vorhandenen, feinen Humor (nicht zuletzt rund um Japps französischem Kollegen Inspector Fournier). Dennoch tat sich insgesamt etwas zu wenig, weshalb sich "Die Wespe" im Mittelteil doch ein bisschen zu ziehen begann. Wunderbar dann aber die klassische Poirot-Auflösung vor versammelter Mannschaft, wo er nicht nur alles aufrollt und den Fall knackt, sondern dem Täter auch gleich noch eine Falle stellt, damit dieser sich selbst verrät. Besonders clever fand ich bei der Auflösung den Hinweis mit der leeren Streichholzschachtel, wo man sich denkt "Auf das hätte ich auch draufkommen können!". Und generell war das mit dem doppelten falschen Indiz (zuerst die Wespe, dann das Blasrohr) durchaus gewitzt – aber halt natürlich nicht ausgefuchst genug, um unseren belgischen Meisterdetektiv zu täuschen!
Fazit:
Im heutigen Streaming-Zeitalter, wo Episoden so kurz oder lang dauern dürfen, wie sie halt dauern, kritisiere ich gerne mal, dass man bezüglich der Laufzeit manchmal das richtige Maß aus den Augen verliert (viele moderne Folgen hätten davon profitiert, wenn man sie auf die traditionellen 45 Minuten hätte runterkürzen müssen). Die Kehrseite dieser Medaille liegt darin, dass es früher eben halt nur zwei Möglichkeiten gab, eine ca. 45-50minütige Einzelfolge, oder einen 90-100 minütigen TV-Film. Für "Die Wespe" wäre irgendwas dazwischen optimal gewesen; insofern hätte diese in meinen Augen von der größeren Laufzeit-Freiheit der Gegenwart im Vergleich zum rigorosen Korsett von einst profitieren können. Dessen ungeachtet hat mir "Die Wespe" aber sehr gut gefallen. Vor allem die erste halbe Stunde, wo uns die Charaktere vorgestellt wurden, wurde ich noch bestens unterhalten, wobei das Highlight natürlich der Flug, der dort dann stattfindende Mord, sowie die Ermittlungen unmittelbar darauf waren. Und auch das Ende, mit der typischen Versammlung der Verdächtigen, war klasse. Dazwischen schlichen sich aber doch ein paar Längen ein.