Originaltitel: The Affair at the Victory Ball Episodennummer: 3x10 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 03. März 1991 Erstausstrahlung D: 03. Dezember 1994 Drehbuch: Andrew Marshall Regie: Renny Rye Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Pauline Moran als Miss Lemon,
Mark Crowdy als Viscount Cronshaw,
David Henry als Eustace Beltaine,
Haydn Gwynne als Coco Courtenay,
Nathaniel Parker als Chris Davidson,
Natalie Slater als Mrs Davidson,
Kate Harper als Mrs Mallaby,
Andrew Burt als James Ackerley,
Charles Collingwood als BBC Announcer,
Brian Mitchell als Second Actor,
Sarah Crowden als Receptionist,
Bryan Matheson als Butler u.a.
Kurzinhalt:
Hercule Poirot und Captain Hastings wurden zum Victory Ball, einem Maskenball, eingeladen. Neben ihnen nimmt daran auch eine Schauspieltruppe teil, die gerade für die BBC in einer Radiosendung ein italienisches Theaterstück zum Besten gaben, und die nun in Verkleidung jenes Charakters den sie dort gespielt haben erscheinen. Einer von ihnen, der Harlequin, wird kurz nach Mitternacht mit einem Messer in der Brust aufgefunden. Hinter der Maske versteckt sich Viscount Cronshaw. Am Tag darauf wird eine weitere Person aus der Gruppe, Coco Courtney, nach einer Kokain-Überdosis tot in ihrem Haus aufgefunden. Poirot ist überzeugt, dass zwischen beiden Todesfällen ein Zusammenhang besteht. Er lässt seine eigene Beobachtungen nochmal Revue passieren, und vermag es schließlich, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Um den Mörder zu überführen, lädt er die vier verbliebenen Mitglieder der Schauspieltruppe in eine von ihm moderierte Radiosendung der BBC ein…
Review (kann Spoiler enthalten):
Wie der Titel schon verrät, besuchen Poirot und Hastings in dieser Episode einen Maskenball, genauer gesagt dem sogenannten "Victory Ball". Amüsant war dabei nicht zuletzt, dass es Poirot nicht für notwendig erachtet, sich zu verkleiden – immerhin ist es üblich, dort als eine berühmte Persönlichkeit zu erscheinen, und da Poirot nun mal schon berühmt ist, beschließt er, einfach als er selbst zu gehen. Das war wirklich typisch Poirot, und fing die Quintessenz der Figur perfekt ein. Dann jedoch kommt es – wie man es als Zuschauer ja fast schon erwartet – während des Balls zu einem Mord. Die ganzen Kostüme erschweren Poirot im Hinblick darauf, den Fall aufzuklären, natürlich seine Arbeit. Wobei ich gestehen muss, dass eben aufgrund der Verkleidungen der zentrale Clou – nämlich, dass der Harlequin den die Lady bei Poirot sah nicht etwa Viscount Cronshaw war, sondern jemand, der sich in das gleiche Kostüm geworfen hatte, um eben diesen Anschein zu erwecken (und so sich selbst für den vermeintlichen Tatzeitpunkt ein Alibi zu verschaffen) – recht offensichtlich war. Dessen ungeachtet sorgten aber sowohl der Mord als auch der zweite Todesfall rund um die Überdosis aber für einen interessanten Auftakt.
Davon abgesehen hatte es mir dann in erster Linie noch die Art und Weise angetan, wie Poirot hier am Ende den Fall aufklärt, und den Täter überführt. Die klassische Versammlung der Zeugen und Verdächtigen erhält hier nämlich durch die Live-Übertragung im Radio einen interessanten, eigenen Touch, der die Szene hervorstechen lässt. Den entscheidenden Beweis fand ich dann allerdings doch ein bisschen schwach; ich bin mir nicht sicher, ob das für eine Verurteilung vor Gericht wirklich reichen würde. Da ich die Szene aber cool gemacht fand, bin ich geneigt, wohlwollend über dieses Manko hinwegzusehen. Schwerer wiegt da schon, dass ich leider fand, dass sich die Episode im Mittelteil doch ziemlich dahinzieht. Im Gegensatz zu so manchen "Sherlock Holmes"-Folgen hatte ich bislang ja eigentlich den Eindruck, dass es ihnen sehr gut gelungen ist, aus einer oftmals sehr dünnen Kurzgeschichte eine rund fünfzigminütige Episode zu schmieden. Hier hingegen schien man mir eben damit doch etwas schwer zu tun. Es hilft auch nicht, dass wir die Personen nur sehr flüchtig kennenlernen, was es einerseits erschwert, eine Bindung zu ihnen aufzubauen, und andererseits nur bedingt dazu einlädt, mitzuraten. Und das mit der Quaste war dann doch ein etwas zu offensichtlicher roter (oder in diesem Fall grüner) Hering. Zu den Highlights der Serie (bisher) kann ich "Maskenball" somit leider nicht zählen. Insgesamt bot sie aber solide Krimi-Unterhaltung.
Fazit:
"Maskenball" bietet eine durchaus interessante Ausgangssituation, einige spaßige Momente (insbesondere natürlich, wenn Poirot als er selbst "verkleidet" zum Victory Ball geht), sowie eine – im Hinblick auf das Setting im BBC-Studio und einer Live-Radiosendung – recht coole Auflösung. Allerdings ist es früheren Episoden in meinen Augen auch schon besser gelungen, aus einer recht dünnen Kurzgeschichte eine fünfzigminütige Folge zu machen. Zudem war die Auflösung in Teilbereichen recht offensichtlich, und überzeugte mich auch die Art und Weise, wie Poirot den Täter am Ende vermeintlich dingfest macht, nur bedingt. Insgesamt ist aber "Maskenball" aber eine durchaus solide Folge – die natürlich auch nicht zuletzt wieder vom gewohnt gut aufgelegten David Suchet in der Titelrolle lebt.