Originaltitel: The Tragedy at Marsdon Manor Episodennummer: 3x06 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 03. Februar 1991 Erstausstrahlung D: 05. November 1994 Drehbuch: David Renwick Regie: Renny Rye Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Ian McCulloch als Jonathan Maltravers,
Geraldine Alexander als Susan Maltravers,
Alastair Duncan als Captain Black,
Anita Carey als Miss Rawlinson,
Desmond Barrit als Samuel Naughton,
Ralph Watson als Danvers,
Edward Jewesbury als Dr. Bernard,
Geoffrey Swann als Police Sergeant,
Hilary Sesta als Doctor's Receptionist,
David Lloyd als Museum Attendant,
Pat Keen als Civil Defence Organiser u.a.
Kurzinhalt:
Susan Maltravers fühlt sich auf dem Anwesen, auf dem sie zusammen mit ihrem Ehemann Jonathan lebt, zunehmend unwohl – hat sie doch das Gefühl, dass auf diesem der Geist eines Mädchens, welches dort jung verstorben ist, herumspukt. Wenig später wird Jonathan, der kürzlich erst eine Operation hinter sich gebracht hat, von der er sich noch erholte, tot aufgefunden. Hat er etwa tatsächlich den Geist des Mädchens gesehen, und wurde ihm der daraus resultierende Schock zum Verhängnis? Als Hercule Poirot – der sich zufällig zusammen mit Captain Hastings gerade in der Nähe des Anwesens befindet – davon hört, beschließt er, Marsdon Manor einen Besuch abzustatten. Während die Polizei von einer natürlichen Todesursache ausgeht, ist Poirot schon bald davon überzeugt, dass Jonathan ermordet wurde. Doch um den Täter zu stellen, muss er sich einer List bedienen…
Review (kann Spoiler enthalten):
Nachdem die Episode davor, trotz einzelner amüsanter Momente, doch sehr tragisch ausgefallen war, ist "Geistergeschichten" wieder stärker von jenem feinen Humor durchzeichnet, der die Krimis von Dame Agatha Christie für mich so auszeichnet. Das beginnt schon damit, dass der Hotelmanager Hercule Poirot zu sich gerufen hat, um einen Mord aufzuklären – der sich als von ihm geschriebenes Buch herausstellt. Und eben dabei ist Samuel Naughton insofern mit seinem Latein am Ende, als er sich in eine Ecke geschrieben, und allen ein wasserdichtes Alibi verschafft hat. Wer also könnte den Mord begangen haben? Zuerst ist Poirot vor den Kopf gestoßen, dass er wegen einer solchen Lappalie gerufen wurde – kann dann aber der Herausforderung, den (fiktiven) Fall aufzuklären, doch nicht wiederstehen. Aber auch die beiden Besuche im Wachsfigurenkabinett, wo Poirot ein Abbild von sich selbst vorfindet, sorgen für ein paar witzige Momente – insbesondere natürlich am Ende, wo Hastings und Japp ihn damit aufziehen, sich nur auf die Figur von Charlie Chaplin zu konzentrieren, und Poirots Ebenbild zu ignorieren.
Der Fall an sich hingegen ist leider nicht etwas Besonderes. Er litt nicht zudem darunter, dass die Auflösung für mich hier viel zu früh viel zu offensichtlich war. Bereits beim ersten "Anfall" von Susan war mir klar, dass sie das nur spielt, um so den Mord an ihrem Ehemann vorzubereiten. Unter diesem Gesichtspunkt fand ich dann auch die "Falle" am Ende seltsam. Weil wenn sie das alles nur gespielt hat, und somit vermeintlich nicht wirklich an Geister glaubt, warum sollte sie Poirot darauf hereinfallen, dass der Geist ihres Ehemannes zu ihr kommt, um für den Mord Rache zu nehmen? Irgendwie ergibt das für mich nicht wirklich Sinn. Und auch das mit dem Gewehr hat mich nicht wirklich überzeugt; es erschien mir unplausibel, dass diese Kugeln tatsächlich eine solch geringe Durchschlagskraft hätten, um den Schädel unversehrt zu lassen (andererseits, ich bin kein Ballistiker). Vor allem aber war mir Susan aber halt einfach von vornherein verdächtig, und ließ ich mich auch vom vermeintlichen Anschlag mit der Giftgasmaske von dieser Überzeugung nicht abbringen. Und spätestens dann, wenn sie Hastings ihr Leid klagt, und meint, dass sie Angst hätte, dass es Miss Rawlinson auf sie abgesehen haben könnte, war der Fall einfach sonnenklar. Normalerweise mache ich mir ja nicht so viel daraus, wenn ich als alter Krimihase eine Auflösung schon kommen sehe, aber hier war es mir dann doch etwas zu offensichtlich. Trotz dieser zwei Kritikpunkte (die Vorhersehbarkeit, und das mich nicht überzeugende Theater am Ende) schafft es aber auch "Geistergeschichten" insgesamt (gerade noch so) auf eine solide Wertung; auch, weil die Episode zumindest nie langweilig wurde. Und auch wenn ich mit der Auflösung ein bisschen gehadert habe, aber zumindest das mit dem Schatten auf dem Gemälde war echt clever.
Fazit:
"Geistergeschichten" war ganz ok, litt aber ein bisschen darunter, dass mir die Auflösung des Falls praktisch ab der ersten Minute – und damit sogar noch, bevor der eigentliche Mord geschah – klar war. Das nahm dem Ganzen leider doch ein bisschen an Reiz. Im Hinblick darauf, dass die ganzen Geistererscheinungen von ihr ja nur gespielt waren, tat ich mir auch mit der Falle, die Poirot am Ende stellt, etwas schwer. Warum sollte sie darauf hereinfallen? Und auch das mit dem Gewehr hat mich nicht zu 100% überzeugt. Dafür war das mit dem Gemälde cool. Vor allem aber profitierte "Geistergeschichten" wieder einmal vom netten Humor, angefangen bei Poirots Entrüstung, dass er ins Hotel gerufen wurde, um einen fiktiven Mord in einem Kriminalroman aufzuklären, bis hin zum abschließenden Besuch im Wachsmuseum, wo sich Hastings und Japp mit ihrem Freund einen kleinen Scherz erlauben. Vor allem dies machte "Geistergeschichten", trotz der zu offensichtlichen Auflösung, doch noch ganz kurzweilig.