Originaltitel: Wasps' Nest Episodennummer: 3x05 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 27. Januar 1991 Erstausstrahlung D: 29. Oktober 1994 Drehbuch: David Renwick Regie: Brian Farnham Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Pauline Moran als Miss Lemon,
Martin Turner als John Harrison,
Melanie Jessop als Molly Deane,
Peter Capaldi als Claude Langton,
John Boswall als Dr. Belvedere,
Kate Lynn Evans als Mrs. Henderson,
Serena Scott Thomas als Model Girl,
Hilary Tindall als Commere at Fashion Show,
Julian Forsyth als Waiter u.a.
Kurzinhalt:
John Harrison ist ein alter Freund von Hercule Poirot. Die beiden treffen sich zufällig auf einem Karneval, wo Hercule auch dessen Verlobte Molly Deane kennenlernt. Aufgrund seiner Beobachtungen sieht er sich zu einer kleinen Showeinlage animiert, wo er vermeintlich aus den Teeblättern herausliest, dass dem jungen Paar Unheil droht. Er sucht daraufhin das Anwesen von John Harrison noch einige Male auf, um seinen Verdacht zu verhärten. Sein Ziel liegt dabei diesmal nicht etwa darin, einen Mörder zu finden, sondern vielmehr, einen Mord zu verhindern. Ein Wespennest, welches auf Harrisons Anwesen gefunden wird, und um das sich Claude Langton – der einst mit Molly zusammen war – kümmern soll, spielt dabei eine entscheidende Rolle…
Review (kann Spoiler enthalten):
"Das Wespennest" sticht gleich in mehrerer Hinsicht heraus. Zuerst haben wir hier wieder einmal einen prominenten Gaststar, ist hier doch Peter Capaldi aka der zwölfte Doktor mit von der Partie. Ich finde es immer wieder interessant, aus heutiger Sicht auf frühe Auftritte von Schauspieler:innen zurückzublicken, die einem damals gar nicht aufgefallen wären (da sie zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt/berühmt waren). Für mich wertet das solche Episoden auch immer ein bisschen auf. Mehr noch als dieser Aspekt ist an "Das Wespennest" aber beachtenswert, dass es diesmal nicht darum geht, einen Mord aufzuklären, als vielmehr, ihn zu verhindern. In den früheren Episoden sahen wir immer wieder, wie Poirot zu spät dran war, um ein Verbrechen zu verhindern – zuletzt z.B. in "Edle Düfte" – und sich dafür verfluchte. Hier nun möchte er es besser machen – umso mehr, als es sich bei John Harrison um einen guten, alten Freund von ihm handelt. Insofern hat Poirot hier, im Vergleich zu anderen Fällen, einen persönlichen Bezug zum Geschehen.
Auch der Krankenhausaufenthalt von Inspektor Japp hebt "Das Wespennest" von anderen Episoden ab (und löst zudem auf geschickte Art und Weise das Problem, dass dieser – da ja noch kein Verbrechen verübt wurde – sonst nicht wirklich etwas zu tun gehabt hätte). Der Auftakt mutet allerdings zugegebenermaßen noch ein bisschen eigenwillig an. Wir wissen von Poirot, dass er keinerlei Hang zum Übersinnlichen verspürt, weshalb es doch etwas seltsam ist, wenn er sich der vermeintlichen Kunst des Teeblattlesens bedient, um Molly Deane eine Warnung zu übermitteln. Generell braucht "Das Wespennest" ein bisschen, um so richtig Fahrt aufzunehmen. Und so sehr die Tatsache, dass Poirot hier einen Mord verhindert, auch hervorstechen mag, aber ein eben solcher (oder ein anderes Verbrechen, welches es aufzuklären gilt) gibt den Episoden/Geschichten halt auch immer gleich mal einen effektiven Auftakt, der sofort das eigene Interesse weckt. Demgegenüber ist der Fall hier längere Zeit doch eher schwammig, dahingehend, wer wem an den Kragen will. All dies wird dann jedoch durch den extrem starken Ausklang mehr als kompensiert. Hier wird dann endlich der – tatsächlich clever ausgeklügelte – Plot offenbart, und auch, wie es Poirot gelang, diesen zu vereiteln. Das Gespräch zwischen Poirot und Harrison war dabei eben vor allem aufgrund der Freundschaft, die sie verbindet, etwas Besonderes – und erhielt durch die medizinische Diagnose noch einmal eine zusätzliche Tragik. Eben diese letzten paar Minuten waren wirklich hervorragend – nicht zuletzt auch wieder dank der wie immer wunderbaren Performance von David Suchet in der Titelrolle (wobei auch Martin Turner hier eine bestechende Leistung zeigte) – und bringen "Das Wespennest" nochmal einen halben Extrapunkt ein.
Fazit:
In den letzten Folgen sahen wir immer wieder mal, dass Hercule Poirot zu spät kam, um einen Mord zu verhindern, und sich dafür selbst verfluchte. Bei "Das Wespennest" ist der Fall nun anders: Hier geht es ihm tatsächlich darum, ein Verbrechen aufzuklären, welches noch gar nicht stattgefunden hat, um es dadurch zu verhindern. Dies allein lässt die Episode herausstechen. Dann ist da noch die Freundschaft zwischen Poirot und Harrison, durch die er stärker als sonst persönlich im Fall involviert ist. Aus heutiger Sicht macht sich zudem der frühe Auftritt von Peter Capaldi positiv bemerkbar. Zwar braucht die Folge eben mangels eines Verbrechens gleich zu Beginn ein bisschen länger als üblich, um so richtig in Schwung zu kommen. Die wirklich starken letzten paar Minuten, wo Poirot die clever ausgeklügelte Intrige auffliegen lässt, können dafür jedoch dann mehr als nur entschädigen.