Originaltitel:After Hours Episodennummer: 1x01 Bewertung: Erstausstrahlung USA: 19. September 2024 (HBO Max) Erstausstrahlung D: 20. September 2024 (Sky) Drehbuch: Lauren LeFranc Regie: Craig Zobel Besetzung:
Colin Farrell als Oswald 'Oz' Cobb,
Cristin Milioti als Sofia Falcone,
Rhenzy Feliz als Victor Aguilar,
Deirdre O'Connell als Francis Cobb,
Clancy Brown als Salvatore Maroni,
Carmen Ejogo als Eve Karlo,
Michael Zegen als Alberto Falcone,
Berto Colon als Castillo,
James Madio als Milos Grapa,
Joshua Bitton als Mikey Stone,
David H. Holmes als Nick Fuchs,
Daniel J. Watts als Bruno Tess,
Ben Cook als Calvin,
Jayme Lawson als Bella Reál,
Michael Kelly als Johnny Viti,
Mark Strong als Carmine Falcone,
Eugene Solfanelli als Mirti,
Eric Berryman als Dr. Desoto,
Alex Anagnostidis als Ray,
Myles Humphus als Dom u.a.
Kurzinhalt:
Durch den Tod von Carmine Falcone ist in der Unterwelt Gothams ein Machtvakuum entstanden. Dies, sowie das aktuelle Chaos aufgrund der Überflutung durch den Riddler, möchte sich der langjährige treue Handlanger Oswald "Oz" Cobb zunutze machen, um endlich selbst aufzusteigen. Deshalb schnappt er sich die kompromittierenden Unterlagen, die Carmine Falcone in seinem Safe aufbewahrt hat. Als er dabei von dessen Sohn Alberto erwischt wird, eskaliert das Gespräch, und als sich Alberto über ihn und seine Ambitionen lustig macht, lässt er sich zu einer Kurzschlusshandlung hinreißen, und erschießt ihn. Damit droht er sich die gesamte restliche Familie – und deren Organisation – zum Feind zu machen. Mit Hilfe von Victor Aguilar, der zufällig Zeuge wurde, wie er die Leiche fortschaffte, versucht Oswald den Mord zu vertuschen. Doch Carmines Tochter Sofia hat ihn schon bald in Verdacht, etwas mit dem Verschwinden ihres Bruders zu tun zu haben…
Review (kann Spoiler enthalten):
Da ich "The Batman" bisher nicht rezensiert habe, möchte ich – da "The Penguin" ja direkt an ihn anknüpft – kurz meine Meinung zu ihm zu Protokoll geben. Ich muss gestehen, von ihm nicht ganz so begeistert gewesen sein, wie viele andere. Beim ersten Mal fand ich ihn überhaupt "nur" ok, nun bei der Zweitsichtung (eben bevor ich mir "The Penguin" vorknöpfe" gefiel er mir zumindest eine Spur besser. Ich mochte vor allen Dingen, wie man sich hier auf einen Aspekt konzentriert, der bei den Filmen bislang zu kurz kam: Batman als Detektiv. Dafür fehlte mir der Kontrast zwischen der Playboy-Persona und dem dunklen Ritter; wie ich mir generell mit "Emo-Bruce" eher schwer tat. Auch designtechnisch war ich wieder einmal schwer enttäuscht. Nach zwei diesbezüglich bodenständigen Interpretationen von Nolan und selbst Snyder (dessen Inszenierung zwar überhöht war, designtechnisch aber auch sehr reduziert und "realistisch" blieb) hätte ich mir einfach eine Rückkehr zu einem stilisierteren Ansatz á la Burton erhofft. Vor allem der Regenmantel vom Riddler war eine einzige Enttäuschung. Und generell war es mir halt irgendwie eine cineastische Neuinterpretation in zu kurzer Zeit.
Da "The Batman" ja vielerorts hochgelobt wurde, ich von ihm wie gesagt nicht ganz so begeistert war, wusste ich auch nicht so recht, wie ich die Lobeshymnen in Richtung "The Penguin" einstufen soll. Würde es mir hier ähnlich gehen, wie beim Film, dem er folgt? Zumal es ja auch serientechnisch ein paar Adaptionen des Superhelden – oder seiner Welt – gab; nicht zuletzt "Gotham", wo insbesondere Riddler und Penguin in coolen Neuinterpretationen zu sehen waren. Dennoch machte mich die positive Resonanz neugierig genug, um – insbesondere auch jetzt, wo die Serie auf HBO Max verfügbar ist (Sky war für mich einfach nie eine Option) – mal hineinzuschauen. Und ja, ich muss/kann sagen, das hat durchaus vielversprechend angefangen. Natürlich, allzu viel war hier erstmal noch nicht los. Es geht darum, den Übergang vom Film zu schaffen, und nicht zuletzt allen, die diesen vielleicht nicht gesehen haben, die notwendigen Hintergrundinformationen zu vermitteln, um der Serie dennoch folgen zu können. Das macht man hier, mit den anfänglichen Newsmeldungen, durchaus geschickt. Danach gilt es, tiefer in die Unterwelt Gothams einzutauchen, die zwar in "The Batman" ebenfalls schon eine gewichtige Rolle gespielt hat, hier aber stärker in den Fokus rückt. Vor allem aber steht hier natürlich erstmal die Titelfigur im Mittelpunkt. Im Film noch eine Randfigur, ist der Pinguin hier in fast jeder Szene zu sehen. Dank einiger Hintergrundgeschichten, seinem Verhalten, aber auch in der Art und Weise, wie seine Umgebung auf ihn reagiert, lernen wir Oswald "Oz" Cobb so langsam näher kennen. Er offenbart sich dabei hier bereits als klassischer Antiheld, und hinterlässt als solcher einen angenehm ambivalenten Eindruck. Auf der einen Seite bringt man da und dort durchaus Mitgefühl für ihn auf. Und nicht zuletzt verschont er hier – vorerst? – Victors Leben, trotz des Risikos, das er damit eingeht. Auf der anderen Seite agiert er hier schon ziemlich verschlagen. Vor allem aber offenbart er im Gespräch mit Alberto eine kurze Zündschnur, die einen doch auch ziemlich verängstigt (und mich ein bisschen an den Kingpin denken ließ). Von den anderen Figuren hinterlässt hier in erster Linie noch Sofia Eindruck; dem Rest wird man sich wohl im Verlauf der weiteren Episoden widmen.
Inszenatorisch ist "Nach der Flut" durchaus fein, und gelingt es Craig Zobel vor allem auch sehr gut, optisch Kontinuität zu Matt Reeves Film zu wahren. Musikalisch ist dies wiederum dadurch gegeben, dass Michael Giacchinos Sohn Mick hier den Taktstock von seinem Vater übernimmt. In erster Linie sticht "The Penguin" aber besetzungstechnisch heraus. So wie schon im Film ist Colin Farrell in der Titelrolle praktisch nicht wiederzuerkennen, wertet die Figur aber dennoch mit seiner Präsenz und seinem schauspielerischen Talent enorm auf. Mit u.a. Clancy Brown, Carmen Ejogo und Michael Kelly (sowie in meiner Minirolle – da im Film ja ermordet – Mark Strong als Carmine Falcone) sind auch noch weitere (mir) bekannte Gesichter mit von der Partie. Der – bzw. die – MVP von "Nach der Flut" (und dem Vernehmen nach der gesamten Serie) ist jedoch Cristin Milioti (ja, die Mutter aus "How I Met Your Mother") als Sofia Falcone. Diese strahlt ab der ersten Sekunde eine ungemein bedrohliche Präsenz aus. Besonders ihr kurzes "I've always known you were capable of more" nach dem Essen mit Oswald – und der Blick, dem sie ihm daraufhin zuwirft – hinterließ bei mir Eindruck. Aber auch beim Verhör war sie stark. Und ihr verzweifelter Schrei, als sie die Leiche ihres Bruders sieht, ging mir durch Mark und Bein. Das verspricht jedenfalls überaus spannend zu werden. Abschließend ziehe ich noch meinen Zylinder vor dem netten kleinen Easter Eggs für den ersten Pinguin Burgess Meredith!
Fazit:
"Nach der Flut" war ein ziemlich guter und vielversprechender Auftakt des "The Batman"-Ablegers "The Penguin", den ich in etwa auf dem guten, wenn auch in meinen Augen nicht überragenden, Niveau des Films sehe. Ich fand es durchaus interessant, tiefer in die Unterwelt von Gotham vorzudringen (nachdem der Film dies doch eher nur gestreift hatte), und insbesondere den Pinguin näher kennenzulernen. Colin Farrell, nach wie vor unter der Maske nicht wiederzuerkennen, macht seine Sache nach wie vor ausgezeichnet – wird jedoch bereits in der ersten Folge von Cristin Miliotis Sofia Falcone gnadenlos an die Wand gespielt. Ihre gemeinsamen Szenen waren fantastisch, mit Abstand das Beste an der Folge, und sind auch der Hauptgrund, warum ich mich auf den Rest der Serie schon sehr freue.