Originaltitel: Logan's Run Episodennummer: 1x01 Bewertung: Erstausstrahlung US: 16. September 1977 Erstausstrahlung D: - Drehbuch: William F. Nolan, Saul David & Leonard Katzman Regie: Robert Day Besetzung:
Gregory Harrison als Logan,
Heather Menzies als Jessica,
Donald Moffat als Rem,
Randy Powell als Francis,
Lina Raymond als Siri,
Keene Curtis als Draco,
Wright King als Jonathon,
E.J. André als Martin,
Morgan Woodward als Morgan,
Ron Hajak als Riles,
Gary Dontzig als Akers,
Anthony De Longis als Ketcham,
Cal Haynes als Rider #3,
Mary Hamill als Marianne,
Ted Markland als Karlin,
Sandy McPeak als Rider #4,
Kimberly Woodward als Leanna,
Patrick Gorman als David,
Gilbert Girion als Man,
Dean Stewart als Paine,
Michael Biehn als Sandman,
Constance Ball als Woman,
Gary Davis als Barryu.a.
Kurzinhalt:
Wir schreiben das Jahr 2319. Vor langer Zeit hat ein nuklearer Krieg die Menschheit dahingerafft. Die letzten Überlebenden leben in einer Stadt, die aufgrund einer Kuppel von der Außenwelt abgeschnitten sind. Eben deshalb ist es notwendig, die Anzahl der Menschen unter Kontrolle zu halten. Dafür ist jeder verpflichtet, sich an seinem dreißigsten Geburtstag der "Karussell"-Zeremonie zu unterziehen, die angeblich Erneuerung bedeutet, in Wahrheit jedoch eine Hinrichtung ist. Einige sind sich dessen bewusst, weshalb es immer wieder jene gibt, die am Tag des Karussells zu fliehen versuchen. Diese Läufer werden von den sogenannten Sandmännern gejagt. Logan ist einer von ihnen. Zusammen mit seinem Freund und Kollegen Francis wohnt er der jüngsten Zeremonie bei, als sie von einem Läufer benachrichtigt werden. Als sie diesen stellen, meint dessen Freundin Jessica, dass die Erneuerung eine Lüge sei. Zwar erwischt Francis den Flüchtigen, doch Logan – der lange schon ähnliche Vermutungen gehegt hat – hindert ihn daran, auch Jessica zu töten. Zusammen mit ihr wird er nun selbst zum Läufer. Zusammen begeben sie sich in die Außenwelt, wo sie sich auf die Suche nach der sagenumwobenen Zuflucht machen, die allen, die aus der Kuppelstadt geflohen sind, eine neue, sichere Heimat bieten soll…
Review:
Auf den ersten Blick zeigt sich bei "Logan's Run" ein sehr ähnliches Bild wie bei der "Planet der Affen"-Serie. In beiden Fällen folgte diese rund ein Jahr nach dem letzten (bzw. bei "Flucht ins 23. Jahrhundert" auch ersten und einzigen) Film. Und doch gibt es vom Zugang her einen wesentlichen Unterschied: Wo sich die "Planet der Affen"-Serie als Fortführung der Filmreihe verstand, ist "Logan's Run" eine Neuinterpretation des Films. Eben deshalb dachte ich (Anmerkung: Im Gegensatz zu "Planet der Affen" hatte ich sie bisher nicht gesehen), dass die extralange Pilotfolge im Wesentlichen die Geschichte des Films nacherzählen würden – nur das Ende konnte man fast unweigerlich nicht 1:1 übernehmen. Tatsächlich sind die Parallelen aber sehr überschaubar. Natürlich, das Setting ist nahezu identisch: Es gibt da diese Kuppel, in der nach einem atomaren Holocaust die (vermeintlich) letzten Überlebenden der Menschheit leben, jedoch zu ihrem dreißigsten Geburtstag an der Karussell-Zeremonie teilnehmen müssen; vermeintlich, um "erneuert" zu werden. In Wahrheit jedoch handelt es sich um Hinrichtungen. Jene, die das durchschaut haben, treten die Flucht an. Diese Läufer werden von den sogenannten Sandmännern gejagt. Unsere Hauptfigur, Logan, ist einer von ihnen – bis er eines Tages selbst zum "Runner" wird. So weit, so bekannt.
Angesichts des identischen Setups (no na, sonst hätte man ja erst gar keine Serie mit dem Namen "Logan's Run" machen müssen) überrascht es nicht, dass in den ersten Minuten einiges an Material aus dem Kinofilm recycelt wird. So gelang es dem Pilotfilm, das hierfür verwendete Budget deutlich größer aussehen zu lassen, als es eigentlich war. Allerdings: Im Vergleich zu "Flucht ins 23. Jahrhundert" (im Übrigen ein selten dämlicher deutscher Titel, da er eine Art Zeitreise suggeriert) hält man sich hier nicht lange mit dem Setup auf. Auch die Figuren werden uns hier erstmal nur sehr rudimentär vorgestellt. Und Logan und Jessica lernen sich hier letztendlich eigentlich auch erst bei der Flucht kennen. All dies sorgt dafür, dass unsere Bindung zu den Figuren nicht ganz so stark ist, wie dies (idealerweise) beim Film der Fall war – hat andererseits aber den Vorteil, dass es hier deutlich schneller zur Sache geht. Und so wird jener Teil, der im Film eine knappe Stunde eingenommen hat, hier in rund einer Viertelstunde abgehandelt. Und sobald die beiden die Kuppelstadt hinter sich gelassen haben, schlägt die Serie dann eine gänzlich andere Richtung ein. Dort war die Suche nach der Zuflucht ja bald abgeschlossen, stellte sich eben jene jedoch als Fantasie heraus. Stattdessen traf man auf einen alten Mann, der einst von zwei Flüchtigen außerhalb der Kuppel zur Welt gekommen ist – und kehrte dann wieder zur Stadt zurück, um alle anderen zu befreien. Die Serie schlägt hier eine ganz andere Richtung ein. Statt eines alten Mannes findet man in der Ruine vielmehr ein Fahrzeug, welches man (da es solarbetrieben ist) auch wieder funktionstüchtig bekommt. Mit eben diesem ziehen Logan und Jessica los, um sich auf die Suche nach der sagenumwobenen Zuflucht zu machen. Diese Quest ist dann auch jener rote Faden, der das Grundgerüst für die Serie bietet.
Nachdem man das Grundkonzept etabliert hat, erzählt man dann auch gleich zwei Abenteuer der beiden, die letztendlich sehr unabhängig voneinander sind – und wo man rückblickend festhalten muss, dass ihnen wohl mit jeweils einer eigenen Episode besser gedient gewesen wäre. Die beiden treffen zuerst auf Überlebende, die sich in einen Bunker zurückgezogen haben, dort jedoch von einer anderen Gruppe, die an der Oberfläche lebt, wiederholt terrorisiert wird – da diese regelmäßig Bewohner aus dem Bunker entführen, damit diese als Sklaven für sie arbeiten. Es ist eine nette kleine Story, die in erster Linie mit dem Gastauftritt von Morgan Woodward (der bei "Planet der Affen" ja ebenfalls bei einer Episode dabei war, dem Genre-Fan aber natürlich in erster Linie aus seinen zwei Rollen in der klassischen "Star Trek"-Serie – 1x als Simon van Gelder, und 1x als Captain Ronald Tracey – ein Begriff ist) besticht. Davon abgesehen ist sie jetzt weder sonderlich spannend noch interessant, wenn auch das Ende, wo es Logan und Jessica gelingt, die Schreckensherrschaft der Ritter zu beenden, durchaus zu gefallen weiß.
Deutlich interessanter fand ich da denn zweiten Teil. Dort werden die beiden Flüchtigen von zwei Wesen begrüßt, die im ersten Moment wie gewöhnliche Menschen aussehen, sich dann jedoch als Androiden herausstellen. Diese beten ihre – längst verstorbenen – Schöpfer an, und sind verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Aufgabe; oder, anders ausgedrückt, neuen Menschen, denen sie dienen können. Eben deshalb sollen, wenn es nach ihnen geht, Logan und Jessica ihre Heimat (für die ein wunderbares matte painting geschaffen wurde; während ich bei den Außenaufnahmen auf dem Weg zur Stadt den Eindruck hatte, dass Sets der "Planet der Affen"-Serie wiederverwendet wurden) nie wieder verlassen sollen. Wie die beiden nach anfänglicher Begeisterung zunehmend ein unheimliches Gefühl beschleicht, ehe sie erkennen, was hier gespielt wird – und dass sie in Wahrheit Gefangene sind – war schon ziemlich gut aufgebaut. Ich mag auch das Zusammenspiel zwischen Gregory Harrison und Heather Menzies (wenn auch beide jetzt nicht unbedingt herausragende schauspielerische Leistungen zeigen). Vor allem aber lernen sie zum Ende hin Rem kennen, bei dem es sich ebenfalls um einen Androiden handelt – der ihnen jedoch im Vergleich zu den anderen deutlich freundlicher gesinnt ist. Dieser wird von Donald Moffat überaus sympathisch verkörpert, so dass man sich freut, wenn er sich am Ende ihrer Suche nach der Zuflucht anschließt. Neben dieser dient dann die Jagd durch Francis und die anderen Sandmänner als weiterer roter Faden, durch den ständig ein Gefühl der Bedrohung aufrecht erhalten werden soll. Was grundsätzlich auch nicht schlecht funktioniert. Nur ist es halt schon sehr unglaubwürdig, dass es ihnen ohne Fahrzeug gelingen soll, sie immer wieder einzuholen. Und nicht zuletzt war das mit einer Flucht vor irgendwelchen Häschern in den 70ern ein beliebtes Motiv (man denke nur an "Der unglaubliche Hulk", oder eben auch die "Planet der Affen"-Serie). Immerhin bietet der Handlungsstrang rund um Francis aber die interessanteste Umdeutung der Mythologie aus dem Film: Hier nämlich steht die Kuppelstadt nicht unter der Kontrolle eines Computers, sondern vielmehr eines Ältestenrats – und damit einer selbst erwählten Elite, die sich über die von ihnen aufgestellte und durchgesetzte Karussell-Regel erhebt. Diese Kritik an jenen, die gleicher sind als andere, hat in knapp fünfzig Jahren nicht einfach nur nichts an Aussagekraft verloren, sondern vielmehr sogar noch gewonnen.
Fazit:
Mit der gleichnamigen Pilotfolge legt die auf dem Film "Flucht ins 23. Jahrhundert" basierende Serie "Logan's Run" einen mehr als soliden Start hin. Entgegen meiner Erwartung verlässt man die im Film erzählte Story sehr früh, und ist dementsprechend auch die Wiederverwertung von Material aus eben diesem größtenteils auf die ersten paar Minuten begrenzt. Danach geht "Logan's Run" in eine völlig andere Richtung, mit der Suche nach der sagenumwobenen Zuflucht als zentrales Konzept der Serie, und den Logan und Jessica verfolgenden Sandmännern als konstante Bedrohung. Insgesamt offenbaren sich für mich hier ein paar interessante Parallelen zur "Planet der Affen"-Serie, und wird es nun in weiterer Folge nicht zuletzt darauf ankommen, inwieweit es ihnen gelingt, sich Woche für Woche ein interessantes Abenteuer für die beiden auszudenken. In "Logan's Run" fand ich dabei in erster Linie die mittlerweile Geschichte ein bisschen schwächer, demgegenüber konnten mir der flott erzählte Einstieg, sowie das zweite Abenteuer rund um die Androiden-Gemeinschaft, dann gut gefallen. Und nicht zuletzt die Änderung am Konzept des Films – mit dem Ältestenrat – stach für mich hervor. Zumindest auf Basis des Pilotfilms finde ich es jedenfalls mal unverständlich, dass es diese Serie nie in den deutschsprachigen Raum geschafft hat.