Originaltitel: The Adventure of the Western Star Episodennummer: 2x09 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 04. März 1990 Erstausstrahlung D: 11. Dezember 1993 Drehbuch: Clive Exton Regie: Richard Spence Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Pauline Moran als Miss Lemon,
Barry Woolgar als Inspector Dougall,
Struan Rodger als Henrik Van Braks,
Rosalind Bennett als Marie Marvelle,
Oliver Cotton als Gregorie Rolf,
Alister Cameron als Lord Yardly,
Caroline Goodall als Lady Yardly,
Stephen Hancock als Mullings,
Ian Collier als Sergeant,
Bruce Montague als Hoffberg,
Julian Gartside als Hotel Receptionist,
Bill Thomas als Steward u.a.
Kurzinhalt:
Hercule Poirot ist ganz aufgeregt, wird er doch in Kürze die berühmte belgische Schauspielerin Marie Marvelle kennenlernen. Diese lädt in zu einem Besuch in ihren Hotelzimmer ein, wo sie ihm ihr Problem schildert: Sie hat im Hinblick auf einen wertvollen Diamanten einen Drohbrief erhalten. Der westliche Stern wurde vor rund drei Jahren von ihrem Ehemann gekauft, aufgrund des günstigen Preises ist jedoch nicht auszuschließen, dass dieser gestohlen wurde. Der Diamant soll Teil eines zweiteiligen Sets sein, die – als westlicher und östlicher Stern – die Augen der Statue eines chinesischen Gottes bilden. Daraus schließt Hercule Poirot, dass die Besitzerin des östlichen Sterns, Lady Yardly, einen ganz ähnlichen Brief erhalten haben könnte. Er und Captain Hastings statten dieser und ihrem Ehemann einen Besuch ab, als der Edelstein gestohlen wird…
Review (kann Spoiler enthalten):
"Die Augen des chinesischen Gottes" beginnt wieder überaus spaßig. Wir erleben einen ungewohnt aufgewühlten Hercule Poirot, der ganz aus dem Häuschen ist, weil ihn in Kürze die berühmte belgische Schauspielerin Marie Marvelle besuchen wird. Umso unverständlicher sind für ihn die Reaktionen von Miss Lemon und Captain Hastings, welche die Darstellerin – natürlich – nicht kennen, und dementsprechend seine Aufregung nicht wirklich nachvollziehen können. David Suchet spielte das jedenfalls wieder ganz ausgezeichnet, vor allem auch dann, wenn er vor der Hoteltür von Mrs. Marvelle steht, und sie kennenlernt. Aber auch davor, mit dem Besuch beim Friseur, wo sich der belgische Meisterdetektiv über die vor einer Woche nicht ganz symmetrisch geschnittenen Koteletten mokierte, und sich somit wieder mal von seiner schrulligen Seite zeigte, zauberte mir "Die Augen des chinesischen Gottes" ein Lächeln ins Gesicht.
Den Fall an sich fand ich hingegen eher nur ok. Teile davon fand ich wieder recht vorhersehbar; dies gilt insbesondere dafür, dass der Diebstahl des Diamanten von Lady Yardly nur inszeniert war. Ich fand zudem seltsam, dass sie eigentlich schon zu Poirot gegangen ist, um ihm alles anzuvertrauen, am Abend dann erst recht dieses Theaterstück abliefert, nur um am nächsten Morgen dann doch noch reumütig zu beichten. Ich weiß nicht; das schien mir in erster Linie nur deshalb nötig gewesen zu sein, um krampfhaft zu versuchen, das Publikum auf eine falsche Fährte zu führen (was eben zu allem Überfluss in meinem Fall nicht funktioniert hat). Und generell hat mich die Auflösung dahingehend, dass letztendlich beide Paare in den Fall verwickelt waren, nicht wirklich überzeugt. Gut fand ich allerdings den Einfall, dass das mit dem Diamantenpaar frei erfunden war, und es in Wahrheit immer nur ein Original und eine billige Nachahmung gegeben hat. Auch die Nebenhandlung rund um Inspektor Japp, der versucht, Henrik Van Braks auf frischer Tat zu ertappen (was dann am Ende unabsichtlich von Poirot vereitelt wird), war amüsant. Und nicht zuletzt die letzte Szene hatte es mir angetan. Dort wirken Poirot und Hastings fast schon ein bisschen wie ein altes Ehepaar, mit Poirot, der sich darüber beschwert, dass Hastings das Essen welches es stundenlang und mit viel Sorgfalt zubereitet hat einfach so ignoriert. Von seiner Reaktion, als Hastings fragt, was denn eigentlich mit dem zweiten Edelstein passiert ist, ganz zu schweigen. Das sorgt für einen durchaus amüsanten Abschluss der Episode, und damit zugleich auch der zweiten Staffel der Serie.
Fazit:
Auch bei "Die Augen des chinesischen Gottes" waren in erster Linie die humoristischen Elemente, die mir gefallen konnten. Angefangen beim anfänglich ungewohnt aufgeregten Hercule Poirot, über seinen Besuch beim Friseur, und wie Japp am Flughafen erneut daran scheitert, Van Braks festzunageln, bis hin zur köstlichen abschließenden Szene rund um das Abendessen. Der Fall an sich war zwar auch in Ordnung, in Teilaspekten für mich aber wieder etwas zu absehbar, und zugleich vereinzelt irgendwie auch wenig überzeugend (gerade auch im Hinblick auf das Verhalten von Lady Yardly). Da hat Dame Agatha Christie in meinen Augen definitiv auch schon besseres/ausgeklügelteres geschrieben; andererseits darf man sich auch von der "Queen of Crime" – gerade auch im Hinblick auf ihren umfangreichen Output – nicht erwarten, diesbezüglich jedes Mal einen Volltreffer zu landen (das ist Sir Artur Conan Doyle mit seinen Holmes-Abenteuern ja auch nicht gelungen). Und eben dafür ist letztendlich die wunderbar schrullige Hauptfigur dar; die zudem auch hier wieder von David Suchet überaus spielfreudig verkörpert wird.