Originaltitel: The Bridge Episodennummer: 5x07 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 25. Dezember 2025 (Netflix) Drehbuch: The Duffer Brothers Regie: The Duffer Brothers & Shawn Levy Besetzung:
Winona Ryder als Joyce Byers,
David Harbour als Jim Hopper,
Millie Bobby Brown als Eleven,
Finn Wolfhard als Mike Wheeler,
Gaten Matarazzo als Dustin Henderson,
Caleb McLaughlin als Lucas Sinclair,
Noah Schnapp als Will Byers,
Sadie Sink als Max Mayfield,
Natalia Dyer als Nancy Wheeler,
Charlie Heaton als Jonathan Byers,
Joe Keery als Steve Harrington,
Maya Hawke als Robin Buckley,
Brett Gelman als Murray Bauman,
Priah Ferguson als Erica Sinclair,
Linda Hamilton als Dr. Kay,
Cara Buono als Karen Wheeler,
Jamie Campbell Bower als Vecna,
Linnea Berthelsen als Kali,
Sherman Augustus als Lieutenant Colonel Sullivan,
Jake Connelly als Derek Turnbow,
Randy Havens als Mr. Clarke,
Alex Breaux als Lieutenant Robert Akers,
Amybeth McNulty als Vickie,
Nell Fisher als Holly Wheeler u.a.
Kurzinhalt:
Max erlangt in Lucas' Armen wieder das Bewusstsein. Sie erzählt den anderen von ihren Erlebnissen in Vecnas Gedankenwelt – und der Flucht von Holly. Diese ist zur gleichen Zeit in Vecnas Versteck erwacht und geflohen, wurde dann jedoch von ihm wieder eingefangen. Somit ist es an der Gruppe, sie und die anderen Kinder aus Vecnas Fängen zu befreien – und damit zugleich seinen Plan zu vereiteln. Dieser besteht darin, den anderen Planeten, Abyss genannt, mit der Erde kollidieren zu lassen. Damit steht nicht weniger als das Schicksal der gesamten Menschheit auf dem Spiel. Nachdem alle in Hawkins wieder vereint sind, schmiedet man gemeinsam einen tollkühnen Plan: Da es vom Upside Down aus schwierig ist, auf den anderen Planeten zu gelangen, will man Vecna seinen Plan so lange ausführen lassen, bis Abyss in Reichweite der Funkantenne im Upside Down liegt. Dann soll Eleven ihn mit ihren telepathischen Fähigkeiten – und unterstützt von Kali und Max – aufhalten. Doch will befürchtet, dass Vecna seine größte Angst als Waffe gegen ihn verwenden, und somit sein Geheimnis den gesamten Plan gefährden könnte. Und so beschließt er sich, bevor sie gemeinsam in den Kampf ziehen, den anderen sein Herz auszuschütten…
Review (kann Spoiler enthalten):
Bevor wir zur Folge an sich kommen, eine kleine Brandrede: Wie in den letzten Tagen wohl kaum zu übersehen war, hat "Die Brücke" in einigen Teilen der Gesellschaft einen Shitstorm ausgelöst. Grund ist Wills Coming Out, das einigen rechten Recken ein Dorn im Auge ist. Da wird behauptet, das sei unnötig gewesen, und völlig absurderweise teilweise auch, dass es aus dem Nichts gekommen sei. Als Fan der Serie liest man das, und weiß nicht, ob die das echt selber glauben (wenn ja, haben die die letzten paar Staffeln verpasst? Wills Gefühle für Mike sind ja nun echt schon lange ein offenes Geheimnis), oder einfach nur behaupten, um ihre Blase gegen die Serie aufzuhetzen. So oder so, das Resultat ist sogenanntes "review-bombing" gegen die Folge (also auf Plattformen eine negative Wertung zu hinterlassen). Bezeichnend: Ich war am 26.12. neugierig, wie die neuen Folgen angekommen sind, und habe einen Blick auf die IMDB geworfen. Damals lag "Die Brücke" noch bei 7.9; bereits etwas niedriger als die Episode davor, aber in einem realistischen Rahmen. Nach – unter anderem – Elon Musks Tirade auf Twitter rasselte sie auf aktuell 5.6 runter. Ganz ehrlich: Ich habe für diese Individuen nicht einmal mehr Verachtung übrig. Ich finde diese armen Würschteln, die eine schlechte Wertung vergeben, und sich daraufhin selbst fist bumpen, weil sie es damit dem linkswokeversifften Gesindel mal so richtig gezeigt haben, einfach nur mehr peinlich.
Jedenfalls: Für mich war das ganz klar die beste Szene der Folge – und ein Schlüsselmoment, auf den die Serie nun schon seit mehreren Staffeln hingearbeitet hat (ganz egal, was diese Spackos behaupten). Es machte auch im Kontext der Handlung Sinn, dass Will genau diesen Moment auswählt. Sie stehen vor der entscheidenden Schlacht gegen Vecna, der Wills Bewusstsein genau kennt, und die Schwächen und Ängste seiner Opfer auszunutzen versteht. Mit seinem Coming Out nimmt Will ihm die Munition. Und ich fand auch wunderbar, wie dieses hier umgesetzt wurde. Zuerst dachte ich, er erzählt es nur Joyce, was ja schon schön genug gewesen wäre. Dann kommt Mike dazu, der es wohl ebenfalls hören musste. Aber dann entscheidet er, es überhaupt gleich der ganzen Gruppe zu sagen – und das war einfach so ein wahnsinnig berührender Moment (und zudem von Noah Schnapp einfach nur phänomenal gespielt). Und das sage ich als heterosexuelle Person; ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sich das für jene anfühlen muss, die eine ähnliche Erfahrung bereits hinter, oder vielleicht auch noch vor sich haben. Die verständnisvollen Reaktionen von allen atmen den Grundgeist der Serie, die seit jeher Außenseiter in den Mittelpunkt gerückt, und zu den Helden der Geschichte gemacht haben. Besonderes Augenmerk möchte ich dabei auch auf Jonathans Reaktion legen, der ebenfalls erleichtert wirkt, dass Will nun endlich zu sich selbst und seinen Gefühlen steht (weiß er von diesen doch seit dem Finale der vierten Staffel). Das zweite große Highlight war der Einstieg, mit Max' Erwachen (wenn man auch hier bei der Songauswahl geschummelt und die Periode, in der die Serie angesiedelt ist, um ein paar Jahre verlassen hat). Zwar bleibe ich dabei, dass es besser gewesen wäre, es gleich noch an das Ende der Folge davor zu stellen. Doch egal wo es platziert ist, es war zweifellos (ebenfalls) ein sehr erhebender Moment. Diese beiden Szenen sind somit die emotionalen Buchrücken von "Die Brücke". Leider konnte mich das, was dazwischenlag, nicht ganz so überzeugen. Hier wurde in meinen Augen wieder einiges an Wasser getreten und Laufzeit geschunden. Ich war deshalb skeptisch, ob es "Stranger Things" gelingen würde, das alles was nach dieser Folge offen bleibt in einer einzigen (wenn auch spielfilmlangen) Episode zu einem zufriedenstellenden Abschluss führen. Ob sich diese Befürchtung bewahrheitet hat, lest ihr heute Abend.
Fazit:
An "Die Brücke" konnten mir vor allem die beiden "Buchrücken" – sprich, die erste sowie die letzte Szene – sehr gut gefallen. Erstere bot uns endlich das lang ersehnte Erwachen von Max (wobei ich dabei bleibe, dass der Moment als Abschluss der Folge davor noch besser gepasst hätte), letztere das noch länger erwartete Coming Out von Will – auf das die Serie nun schon seit mindestens zwei Staffeln hingearbeitet hat. Wie ihn alle umarmen und einfach als das akzeptieren was er ist, war auch für mich, der als heterosexueller Mann auf eine ähnliche Erfahrung (oder Ängste) zurückblicken kann, ein ungemein berührender und erhebender Moment. Ich wünsche allen, die ein ebensolches Coming Out noch vor sich haben, eine ähnliche Reaktion von ihren Freunden und ihrer Familie. Zwischen diesen beiden emotionalen Höhepunkten machte sich allerdings auch bei "Die Brücke" wieder etwas Langeweile breit, weshalb die Folge insgesamt für mich nicht ganz an "Die Flucht von Camazotz" anknüpfen konnte.