Originaltitel:Please, Carol Episodennummer: 1x04 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 21. November 2025 (Apple TV+) Drehbuch: Alison Tatlock Regie: Zetna Fuentes Besetzung:
Rhea Seehorn als Carol Sturka,
Karolina Wydra als Zosia,
Carlos-Manuel Vesga als Manousos,
Jeff Hiller als Larry,
Soledad Campos als Maternal Other,
Tim Keller als Mayor Tim,
J Diego Gonçalves als Nurse,
David Wiater als Pharmacy Worker,
Jenelle Baptiste als Calm Person u.a.
Kurzinhalt:
Nachdem die Handgranate, die ihr gebracht wurde, explodiert ist, kehrt Carol aus dem Krankenhaus wieder nach Hause zurück. Dort sind die Arbeitsbienen des Schwarmbewusstseins gerade dabei, ihr Haus wieder auf Vordermann zu bringen. Es scheint, als hätte der Vorfall Carol aus ihrer Lethargie – und ihrer Resignation – gerissen. Sie fasst zusammen, was sie bislang alles über das Schwarmbewusstsein in Erfahrung gebracht hat – und stellt kurz darauf ihre Theorie auf die Probe: Aufgrund ihrer konfliktscheue, und weil sie es Carol immer recht machen wollen, sind sie unfähig, zu lügen. Eben diese Erkenntnis will sich Carol zu Nutze machen: Sie fährt zurück ins Krankenhaus, und fragt Zosia geradeheraus, ob es einen Weg gibt, den Prozess wieder umzukehren…
Review (kann Spoiler enthalten):
Gleich zu Beginn von "Bitte, Carol" schauen wir kurz bei Manousos vorbei, jenem in Paraquay lebenden Menschen, der ebenfalls gegen die Verwandlung immun war, jedoch kein Englisch spricht, und deshalb beim Treffen in "Piraten-Lady" nicht dabei war. Dabei erleben wir u.a. das Telefonat, welches Carol mit ihm in "Handgranate" führte, aus seiner Perspektive. Es ist davon auszugehen, dass die Figur im weiteren Verlauf der Serie noch eine größere Rolle spielen wird. Einerseits, weil sie ihn uns sonst hier ja wohl kaum auf diese Art und Weise vorgestellt hätten, und andererseits, weil er Carols ablehnende Haltung gegen das Schwarmbewusstsein teilt (wenn es mir auch etwas übertrieben scheint, statt deren Essen anzunehmen auf Hundefutter zurückzugreifen; aber jeder, wie er meint). Danach schwenken wir wieder zu Carol zurück – die, nach ihrer depressiv-resignierenden Phase in der letzten Folge nun wieder in die Offensive geht, und wie ein Kind bei den Eltern beginnt, ihre Grenzen auszutesten.
Dafür holt sie zuerst eine jener Arbeitsbienen, die ihr Haus repariert haben, zu sich. Sie fragt ihn, was das Schwarmbewusstsein denn eigentlich von ihrem literarischen Werk hält. In der Antwort zeigt sich eine der frustrierenden Eigenschaften der Gemeinschaft: Sie mögen alles und jeden, und auch alles und jeden gleichermaßen. Carols eigene Arbeit ist für sie nicht weniger wert, als das Gesamtwerk von Shakespeare. Als Carol nachhakt und wissen will, was Helen von ihren Büchern hielt – etwas, dass sie wohl genau wusste; sie stellt sie somit hier auf die Probe – erkennt sie schließlich ein entscheidendes Detail: Da das Schwarmbewusstsein immer freundlich bleiben und alle glücklich machen will, bleiben sie freundlich zurückhaltend, und drücken sich um die Antwort – die Variante einer höflichen Lüge, die uns als Individuen zur Verfügung steht, ist ihnen jedoch verwehrt. So sehr sie sich auch bemühen, und das vielleicht sogar wollen würden, um Carol zufriedenzustellen, aber sie können nicht die Unwahrheit sagen. Dies führt uns dann auch zur Schlüsselszene, als sie Zosia direkt fragt, ob sich der Prozess wieder umkehren lässt. Ihre ausweichende Antwort sagt ihr alles, was sie wissen muss. Die nachfolgende Sequenz, wo sie sich das Mittel injiziert und sich mit einer Videokamera beobachtet, fand ich dann insofern schräg, als zumindest mir der Sinn der Sache erst nachher bewusst wird. Dafür steigert sich "Bitte, Carol" aus diesem Moment heraus zu einem echt starken Höhepunkt, als Carol Zosia nach der Möglichkeit fragt, den Prozess umzukehren – und das Schwarmbewusstsein zwar alle möglichen "Bienen" um sie scharrt, jedoch nicht direkt eingreifen kann. Das sorgte definitiv für einen starken und mitreißenden Ausklang.
Fazit:
Aus meiner Sicht setzt "Bitte, Carol" den leicht abnehmenden Trend der "Pluribus"-Episoden weiter fort. Vor allem den Einstieg rund um Manousos fand ich leider nicht wirklich interessant (auch wenn deutlich ist, dass dieser im weiteren Verlauf noch eine größere Rolle spielen wird, und man eben dies hier vorbereiten wollte). Aber auch nach dem Schwenk zu Carol braucht die Folge ein bisschen, um so richtig Fahrt aufzunehmen. Vor allem aber fehlte es mir hier ein bisschen an den interessanten Ideen, wie eben allem rund um die Handgranate (oder das Gedankenexperiment rund um eine Atombombe) in der letzten Folge. Dafür dreht "Bitte, Carol" aber immerhin zum Ende hin nochmal so richtig auf. Alles rund um Zosias Entführung durch Carol war packend; so wie Carol hofft man darauf, dass diese ihr antworten wird. Ihr Zusammenbruch – und ungewisses Schicksal – sorgten dann für einen höchst effektiven Cliffhanger.