Ein Predator als Held der GeschichteKategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 18 Dezember 2025
Originaltitel:
Predator: Badlands
Produktionsland/jahr:
USA 2025
Bewertung:
Studio/Verleih:
20th Century Studios/Walt Disney Studios Motion Pictures
Regie:
Dan Trachtenberg
Produzenten:
U.a. John Davis, Brent O'Connor, Ben Rosenblatt & Marc Toberoff
Drehbuch:
Patrick Aison
Filmmusik:
Sarah Schachner & Benjamin Wallfisch
Kamera:
Jeff Cutter
Schnitt:
Stefan Grube & David Trachtenberg
Genre:
Science Fiction/Action
Kinostart Deutschland:
06. November 2025
Kinostart USA:
07. November 2025
Laufzeit:
107 Minuten
Altersfreigabe:
FSK ab 16
Mit: Elle Fanning, Dimitrius Schuster-Koloamatangi, Ravi Narayan, Michael Homik,
Stefan Grube, Reuben de Jong, Cameron Brown, Alison Wright u.a.
Kurzinhalt:
Dek bereitet sich auf dem Heimatplaneten der Yautja – so der Name des Predator-Volkes – auf seinen Aufstiegsritus vor. Um sich seinem Vater zu beweisen, der ihn für schwach hält, hat er sich eine ganz besonders gefährliche Beute ausgesucht: Den legendären Kalisk, der auf dem Planeten Genna beheimatet ist, und der für unverwundbar gehalten wird. Doch davon überzeugt, dass er seinem Klan nur Schande bringen wird, befiehlt Njohrr Deks Bruder Kwei, ihn zu töten. Als dieser sich weigert, muss Dek hilflos mit ansehen, wie sein Bruder vor seinen Augen von ihrem Vater hingerichtet wird. Dek flüchtet sich ins Schiff, und nimmt Kurs auf Genna. Nun hat er ein neues, größeres Ziel: Er möchte den Kalisk nicht mehr bezwingen, um sich seinem Vater zu beweisen, sondern vielmehr, um diesen als Anführer des Klans abzulösen. Doch auch abseits des Kalisk wimmelt es auf Genna – unter den Yautja auch als Todesplanet bekannt – nur so vor Gefahren. In der beschädigten Weiland-Yutani-Androidin Thia findet er dort jedoch auch eine Verbündete…
Review:
Nach vier eigenständigen und zwei Crossover-Filmen schien beim "Predator"-Franchise die Luft doch ordentlich heraußen zu sein. Nicht zuletzt "Upgrade", immerhin von Shane Black geschrieben und inszeniert, sollte sich als Enttäuschung erweisen. Bis auf einmal "Prey" auf der Bildfläche erschien. Völlig aus dem Nichts wurde der Film mitten in der Pandemie auf Hulu bzw. Disney+ eröffnet. Mit ihm sollte es Dan Trachtenberg gelingen, dem totgeglaubten Franchise neues Leben einzuhauchen. Es überrascht daher nicht, dass ihm seither die Verantwortung über eben dieses übertragen wurde. Nach einem (von mir noch nicht gesichteten) animierten Episodenfilm kehrte das Franchise nun im Herbst mit "Badlands" ins Kino zurück. Und wieder überrascht Trachtenberg mit einer Variation des bekannten Konzepts (nachdem er in "Prey" die Ereignisse in die Vergangenheit verlagerte, und einen indigenen Stamm gegen einen der gefürchteten außerirdischen Jäger antreten ließ): Diesmal ist der Predator nämlich nicht der Schurke, sondern vielmehr der Held der Geschichte.
Damit das funktioniert, ist Dek a) von Beginn an etwas anders angelegt, als man dies von den Predators bislang gewohnt ist (während sein Vater ziemlich genau der bisherigen Darstellung entspricht; wenn man will, kann man hierin übrigens auch gut eine Kritik an toxischer Männlichkeit, und einem archaischen Bild von Stärke, hineininterpretieren), und b) macht er zudem im Verlauf des Films dann auch noch eine Entwicklung durch. Federführend dabei ist Thia, Zwischen den beiden entwickelt sich eine klassische Buddy-Dynamik, die wesentlich zum Gelingen des Films beiträgt. Mehr noch: Die Dualität zwischen dem "guten" Dek und dem "bösen" Njohrr spielgelt sich auch bei Thia und ihrer "Zwillingsschwester" Tessa wieder. Beide lernen im Verlauf des Films, sich von ihrer "leiblichen" Familie zu lösen, und sich gegenseitig als neue Familie bzw. neuer Clan zu akzeptieren. Mit diesem gänzlich unterschiedlichen Zugang im Vergleich zu den bisherigen Filmen bringt Dan Trachtenberg nach "Prey" zum zweiten Mal frischen Wind ins Franchise hinein. Damit das so funktioniert, haben auch die Darsteller:innen einen wesentlichen Anteil. Dimitrius Schuster-Koloamatangi schafft es, uns die Gedanken und die Gefühle seiner Figur durch die Predator-Maske hinweg zu vermitteln. Noch besser war aber Elle Fanning. Die zählt für mich ja generell zu einer der besten Darsteller:innen unserer Zeit, die jeden Film allein mit ihrer Anwesenheit aufwertet. Man mag die Aufgabe, eine Androidin in einem "Predator"-Film zu spielen, für unter ihrer Würde und/oder eine Verschwendung ihres Talents halten. Ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass sie den Job nur des Geldes wegen angenommen hat; sie ist mit vollem Elan bei der Sache, und grenzt vor allem auch die beiden Varianten ihrer Figur perfekt voneinander ab. Ohne sie würde der Film nur halb so gut funktionieren.
Woraus der Film in meinen Augen einiges ebenfalls an Reiz bezieht, ist in der Vermischung des "Predator"- mit dem "Alien"-Universum – da es sich bei Thia/Tessa um Androiden des Weyland-Yutani-Konzerns handelt. Die beiden Crossover-Filme waren ja eigentlich eine ziemliche Enttäuschung. Nach "Badlands" wünsche ich mir aber nun definitiv einen dritten Versuch, mit Dan Trachtenberg am Steuer. Ich glaub, das könnte geil werden. "Badlands" ist jedenfalls für mich – als jemand, der den zweiten noch nie so zu schätzen wusste, wie man andere – nach "Predator" und "Prey" (den ich doch noch eine Spur besser fand) zweitbeste Film der Reihe. Und das, obwohl er seinen stärksten Teil im Mittelteil hat, und der Showdown dann, wenn auch grundsätzlich gelungen, für mich doch ein bisschen abfällt. Auch den Sequel-Köder am Ende hätte ich nicht gebraucht. Und die Action ist zwar grundsätzlich solide, jedoch nicht unbedingt herausragend inszeniert. Insgesamt ist "Predator: Badlands" zwar kein Überdrüber-Highlight, bietet aber mehr als solides Science Fiction-Blockbuster-Futter, welches es versteht, über die (angenehm überschaubare; man muss sich heutzutage ja schon richtiggehend darüber freuen, wenn ein solcher Film unter zwei Stunden bleibt) Laufzeit hinweg gut zu unterhalten.
Fazit:
"Predator: Badlands" hat mich ein bisschen an den letztjährigen "Alien: Romulus" erinnert. Was beiden Filmen in meinen Augen sehr gut gelingt, ist, einerseits den bisherigen Filmen gegenüber respektvoll und ähnlich zu sein, zugleich aber auch neue Wege einzuschlagen. Was Letzteres betrifft, sticht nicht zuletzt die Idee hervor, den Predator mal als Protagonisten, statt Gegner, zu präsentieren. Auch die Buddy-Dynamik zwischen ihm und Thia ist innerhalb der Reihe etwas Neues, und wertet den Film definitiv aus. Der Todesplanet Genna wartet zudem mit einigen interessanten Einfällen rund um die gefährliche Flora und Fauna auf. Auch die eine oder andere nette Anspielung auf frühere Vertreter beider Franchises ist dabei. In erster Linie ist es allerdings Elle Fanning, die den Film mit ihrer engagierten Performance nochmal auf ein höheres Level hebt. Zwar wurde der Showdown dem Aufbau in meinen Augen nicht ganz gerecht. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich das am Ende angeteaserte Sequel (welches im ersten Moment ein bisschen gar nach einer Wiederholung von "Badlands" klingt) unbedingt brauche. Was ich von Dan Trachtenberg nach diesem Flirt mit der Vermischung der beiden Franchises aber wirklich gern sehen würde, ist ein neuer "Alien vs. Predator". Mit ihm hinter der Kamera könnte das (im Gegensatz zu den ersten beiden Versuchen) nämlich wirklich etwas werden.