Wenig spektakulärer "TV-Film der Woche"Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Mittwoch, 17 Dezember 2025
Originaltitel:
Timestalkers
Produktionsland/jahr:
USA 1987
Bewertung:
Studio/Verleih:
Fries Entertainment/CBS
Regie:
Michael Schultz
Produzenten:
U.a. Richard Maynard & John Newland
Drehbuch:
Brian Clemens
Filmmusik:
Craig Safan
Kamera:
Harry Mathias
Schnitt:
Conrad M. Gonzalez
Genre:
Science Fiction/Thriller
Video-Premiere BRD:
Dezember 1987
TV-Ausstrahlung USA:
10. März 1987
Laufzeit:
100 Minuten
Altersfreigabe:
FSK ab 16
Mit: William Devane, Lauren Hutton, John Ratzenberger, Forrest Tucker, Klaus Kinski, Tracey Walter, James Avery u.a.
Kurzinhalt:
Der Geschichtsprofessor Scott McKenzie ist vor allem vom Wilden Westen fasziniert. Eines Tages besucht er mit einem Freund eine Auktion, bei der u.a. auch Memorabilia aus dieser Zeit versteigert wird. Die beiden bieten auf eine Kiste, deren Inhalt sie teilen wollen. Scott findet darin unter anderem ein Foto. Als er dieses näher betrachtet, erkennt er, dass der darauf abgebildete Revolverheld eine 357er Magnum in der Hand hält. Eine Waffe, die erst knapp hundert Jahre später auf den Markt kommt. Scott ist schon sein ganzes Leben von der Möglichkeit, durch die Zeit zu reisen, fasziniert. Wäre es möglich, dass er hier auf dem Foto den ersten Beweis für einen Zeitreisenden gefunden hat? Kurz darauf lernt er Georgia Crawford kennen. Wie sich herausstellt, ist sie tatsächlich eine Zeitreisende. So wie der Mann, den Scott auf dem Foto gesehen hat – den sie ihm als Joseph Cole vorstellt – stammt sie aus dem Jahr 2586. Sie befürchtet, dass Cole in der Zeit zurückgereist ist, um die Geschichte zu verändern – und braucht Scotts Hilfe, um eben dies zu verhindern…
Review:
Im modernen Streaming-Zeitalter spielen sie kaum mehr eine Rolle, aber früher waren TV-Filme, die an bestimmten Abenden als Events platziert wurden, in der Hoffnung, möglichst viele Zuschauer:innen vor den Fernseher zu versammeln und die Sender-Konkurrenz auszustechen, gang und gebe. Für "Die Zeitfalle", der auf dem US-Sender CBS ausgestrahlt wurde, ließ man sich offensichtlich von der damaligen Zeitreise-Welle ("Terminator", "Zurück in die Zukunft") inspirieren (wobei ich es interessant finde, dass die Mischung aus Zeitreisen und Western wiederum den dritten Teil der "Back to the Future"-Reihe vorwegzunehmen scheint). Da das ganze eben von vornherein nicht fürs Kino, sondern nur den kleinen Fernsehschirm gedacht war, muss man im Hinblick auf die Produktionsqualität – aufgrund des deutlich geringeren Budgets – von vornherein Abstriche machen. Letztendlich bewegen wir uns hier auf dem Niveau der damals üblichen Pilotfilme – nur, dass "Die Zeitfalle" halt ein einmaliges Ereignis war, dem keine Serie nachfolgte.
Am ehesten sticht noch die Verpflichtung von Klaus Kinski hervor (dessen Karriere sich allerdings zu dem Zeitpunkt, aufgrund der wiederkehrenden Berichte über erratisches Benehmen am Set, bereits am absteigenden Ast befand), der dem Film (was immer man von ihm persönlich halten mag) einen gewissen Star-Faktor verleiht; während der Rest der Besetzung damals wie heute doch eher "nur" aus TV-Rollen bekannt ist. Dessen ungeachtet machen sie ihre Sache allesamt gut, insbesondere William Devane in der Hauptrolle (wenn ich ihn auch nicht unbedingt als "leading man" sehe, und in Nebenrollen besser aufgehoben halte). Die Idee ist ja auch ganz nett. Ich mag ja bekanntermaßen Zeitreise-Geschichten, und insbesondere in der ersten Viertelstunde, wo wir teilweise zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin- und herspringen, ist das noch ziemlich pfiffig erzählt. Die typische 80er-Jahre-Synthie-Musik (komponiert von Craig Safan, auf dessen Konto u.a. der Score zu "The Last Starfighter" geht) hatte es mir auch angetan. Und der Western-Showdown macht dann auch durchaus Laune. Allerdings tut sich "Die Zeitfalle" leider ein bisschen schwer, die Laufzeit von eineinhalb Stunden zu füllen. Nach dem noch durchaus gefälligen Einstieg zieht sich das ganze stellenweise doch ordentlich dahin. Zwar gibt es zwischendurch immer wieder gelungene Momente, wie z.B. der kurze Ausblick in die Zukunft. Dazwischen macht sich aber auch immer wieder Langeweile breit. Den Ausgang des Geschehens – insbesondere rund um den Fremden im Country-Song – fand ich zudem etwas gar vorhersehbar. Alles rund um Josephs Versuche, einen Urahn von Crawford zu töten, weckt zudem etwas gar große Erinnerungen an "Terminator" (mit dem Unterschied, dass dort in die damalige Gegenwart, und hier in auch aus unserer Sicht die Vergangenheit gereist wird). Vor allem aber fand ich das Ende übertrieben glücklich (wobei ich die Parallelen zum im gleichen Jahr veröffentlichten "Masters of the Universe" spannend finde; allerdings hatte ich es dort ja ebenfalls kritisiert). Insgesamt ist "Die Zeitfalle" somit in meinen Augen ein doch eher schwacher Vertreter des Zeitreisen-Subgenres.
Fazit:
Ich mag Zeitreisegeschichten ja eigentlich, und von der Grundidee her ist "Die Zeitfalle" auch durchaus interessant. Aus meiner Sicht leidet das Endresultat aber einerseits aufgrund des Charakters als TV-Film – was unweigerlich bedeutet, dass er den Vergleich mit den (Science Fiction-)Kinofilmen der damaligen Zeit (natürlich) nicht stand hält. Und andererseits scheint man sich schwer getan zu haben, mit der Grundidee die ohnehin nur knapp über eineinhalb Stunden Laufzeit zu füllen. Man hatte einen Anfang, und ein Ende; dazwischen muss aber einiges an Zeit geschunden werden. Das Endresultat ist ein zwar teilweise interessanter, insgesamt aber doch etwas zäher TV-Film, an dem in erster Linie noch Klaus Kinski als Bösewicht hervorsticht; während es William Devane und Lauren Hutton für eine potentielle Liebesgeschichte leider an Chemie vermissen lassen. Als Fan der (TV-Kost der) 80er macht "Die Zeitfalle" zwar vereinzelt schon Laune; aber zu wenig, um über die (eh nur) neunzig Minuten hinweg durchgehend unterhalten zu können.