Französische Variante vom "Millionenspiel"Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Montag, 15 Dezember 2025
Originaltitel:
Le prix du danger
Produktionsland/jahr:
Frankreich 1983
Bewertung:
Studio/Verleih:
Avala Film/Ascot Filmverleih
Regie:
Yves Boisset
Produzenten:
Jacques Clément & Norbert Saada
Drehbuch:
Yves Boisset & Jean Curtelin, nach der Kurzgeschichte von Robert Sheckley
Filmmusik:
Vladimir Cosma
Kamera:
Pierre-William Glenn
Schnitt:
Michelle David, Nicole Gauduchon & Elisabeth Guido
Genre:
Science Fiction/Thriller
Kinostart BRD:
27. Mai 1983
Kinostart Frankreich:
26. Januar 1983
Laufzeit:
98 Minuten
Altersfreigabe:
FSK ab 16
Mit: Gérard Lanvin, Michel Piccoli, Marie-France Pisier, Bruno Cremer, Andréa Ferréol, Jean Rougerie, Jean-Claude Dreyfus u.a.
Kurzinhalt:
Gefährliche Gameshows sind der neueste Hit im französischen Fernsehen. Am erfolgreichsten ist dabei "Der Preis der Angst", wo live ausgestrahlt wird, wie ein Kandidat versucht, fünf Verfolgern vier Stunden lang zu entkommen. Gelingt ihm dies, winkt ihm ein hohes Preisgeld. Verliert er, bezahlt er dafür mit seinem Leben. Nachdem die Show zum mittlerweile vierten Mal ausgestrahlt wurde, wieder Rekordquoten erzielte, und der Kandidat, wie seine Vorgänger, vor laufender Kamera ermordet wurde, meldet sich Francois Jacquemard an. Er möchte ebenfalls in der Show teilnehmen, da er davon überzeugt ist, gewinnen zu können – und darin die Möglichkeit sieht, seiner Verlobten Elisabeth jenen Lebensstandard bieten zu können, den sie in seinen Augen verdient. Zuerst gilt es, seine Befähigung in ein paar kleineren, aber ebenfalls bereits gefährlichen Shows unter Beweis zu stellen. Schließlich ist der große Tag gekommen. Dann jedoch muss Francois feststellen, dass das Spiel manipuliert ist…
Review:
Nach "Das Millionenspiel" war die französische Produktion "Kopfjagd" die nächste Adaption von Robert Sheckleys Kurzgeschichte (und eben nicht, wie viele denken/behaupten, Stephen Kings "The Running Man" – auch wenn es zwischen den beiden natürlich deutliche Parallelen gibt, und ich tatsächlich den Eindruck hatte, dass sich Richard Dawson bei seiner Darstellung von Damon Killian von Michele Piccoli inspirieren ließ). Im Gegensatz zum deutschen Fernsehfilm war diese von vornherein fürs Kino gedacht, und kam dementsprechend auch mit einem höheren Budget daher – was man dem Film von Beginn an anmerkt. Sprich, in produktionstechnischer Hinsicht hat "Kopfjagd" ganz klar die Nase vorn. Auffällig auch, wie sehr sich die Adaption von der deutschen Variante unterscheidet. Das beginnt dabei, dass der Kandidat hier nicht eine ganze Woche, sondern nur vier Stunden – eben die Dauer der Live-Show – gejagt wird. Geht darüber, dass wir zuerst das Ende der vorhergehenden Show erleben. Bis hin dazu, wie sehr hier der Casting-Prozess, in dem sich Francois beweisen muss, im Mittelpunkt steht. Und so vergeht gut eine Hälfte des Films, ehe die eigentliche titelspendende Kopfjagd losgeht.
Darüber hinaus setzt sich "Kopfjagd" auch stärker mit dem Widerstand gegen die Sendung auseinander. So zeigt man uns die Proteste vor dem Studiengelände, sowie eine Gerichtsverhandlung, als eine politisch engagierte Frau den Sender verklagt, weil sie die Kandidaten zu Komplizen des Mordes an ihnen selbst macht. All diese Aspekte sind grundsätzlich interessant; mir gefiel jedoch die Erzählweise in "Das Millionenspiel" insofern besser, als all diese Nebenerscheinungen in die laufende Jagd eingebunden wurde. Weil dort steigen wir ja in medias res, am letzten der sieben Tage, in die Sendung ein, was dem Film von vorherein einen spannungstechnischen Unterbau gibt, auf den "Kopfjagd" die längste Zeit verzichten muss. Dementsprechend dreht die französische Variante dann erst im letzten Drittel so richtig auf. Und selbst dieses fand ich nicht perfekt. So überraschte mich die Regel, dass sich der Kandidat nicht wehren und seinerseits die Jäger die angreifen/umbringen darf. In der Kritik am blutrünstigen Publikum ist "Kopfjagd" zudem teilweise (insbesondere dann am Ende, wenn Francois sie vor laufender Kamera eben damit konfrontiert) schrecklich plakativ. Vor allem aber: Nachdem offenbart wird, dass der Sender die Show insofern manipuliert, als einige der guten Samariter direkt vom Sender stammen, damit der Kandidat so lange als möglich – bis kurz vor Ende der Live-Sendung – durchhält, verschiebt sich der Fokus auf einmal von "Wahnsinn, hier werden Menschen vor laufender Kamera umgebracht" hin zu "Das ist ja geschoben!". Was dann halt, zumindest in meinen Augen, der deutlich kleinere Skandal ist. Last but not least sei als letzter Kritikpunkt vermerkt, dass sich Francois teilweise echt saudämlich anstellt – wie z.B., wenn er nach Beginn der Jagd noch munter Autogramme verteilt. Positiv erwähnen möchte ich dafür Michel Piccoli, der zwar als Gameshow-Host nicht ganz so ein Clou war wie Dieter Thomas Heck, die Rolle aber ebenfalls fantastisch ausfüllt. Insgesamt hat für mich aber – trotz der höheren Produktionsqualität der französischen Version – der der Fernsehfilm von Tom Toelle und Wolfgang Menge für mich klar die Nase vorn.
Fazit:
Wie zuvor der deutsche (Skandal-)TV-Film "Das Millionenspiel" greift auch diese französische Kinoproduktion die Kurzgeschichte von Robert Sheckley auf. Die beiden Adaptionen sind dabei unterschiedlich genug, um auch für Leute, welche eine von ihnen schon kennen, interessant zu sein. So mochte ich durchaus, dass "Kopfjagd" auf das, was sich Backstage (auch vor der Produktion der eigentlichen Show) abspielt, näher eingeht. Auch das im Vergleich zur deutschen Version größere Budget kommt ihm zu Gute. Und das Finale mit der Live-Show ist dann durchaus spannend. Allerdings fand ich den Aufbau der Story bei "Das Millionenspiel" insofern gelungener, als die Hintergrundinformationen dort während der eigentlichen Jagd eingespielt wurden, und damit die Spannung konstant hoch gehalten wurde. Auch fand ich das Finale dort deutlich stärker. Vor allem aber ging der Trubel rund um die manipulierte Show für mich auf Kosten des eigentlichen Skandals: Dass hier Menschen vor laufender Kamera in den Tod getrieben werden. Das fand ich somit doch eher ungeschickt umgesetzt. Somit muss ich insgesamt festhalten: Als Adaption bzw. Erweiterung der Kurzgeschichte, bzw. ganz allgemein als Film, gefiel mir "Das Millionenspiel" dann doch besser.