Beklemmende Science Fiction aus der UkraineKategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Sonntag, 14 Dezember 2025
Originaltitel:
U Are the Universe
Produktionsland/jahr:
Ukraine 2025
Bewertung:
Studio/Verleih:
ForeFilms/Pandastorm Pictures
Regie:
Pavlo Ostrikov
Produzenten:
U.a. Anna Yatsenko & Volodymyr Yatsenko
Drehbuch:
Pavlo Ostrikov
Filmmusik:
Mykyta Moiseiev
Kamera:
Nikita Kuzmenko
Schnitt:
Ivan Bannikov & Oleksiy Shamin
Genre:
Science Fiction/Drama
Kinostart Deutschland:
04. September 2025
Kinostart Ukraine:
20. November 2025
Laufzeit:
90 Minuten
Altersfreigabe:
FSK ab 12
Mit: Volodymyr Kravchuk, Alexia Depicker, Leonid Popadko, Daria Plakhtii, Maksim Maksimyuk, Larysa Rusnak u.a.
Kurzinhalt:
In naher Zukunft sind Raumschiffe im Sonnensystem unterwegs, um Atommüll zu entsorgen. Andriy Melnyk ist einer der betreffenden Weltraum-Trucker, der allein durchs All reist. Er befindet sich gerade auf dem Rückflug zur Erde, als diese explodiert. Es gelingt ihm gerade noch rechtzeitig, sein Raumschiff hinter einen Mond zu fliegen, so dass er nicht von den Trümmern getroffen wird. Schon bald ist er sich jedoch nicht sicher, ob es nicht besser gewesen wäre, zusammen mit dem Rest der Menschheit zu sterben – machen sich doch, trotz seines Computer-Begleiters, der versucht, ihn aufzumuntern, schon bald Einsamkeit und Verzweiflung breit. Dann jedoch empfängt er auf einmal einen Funkspruch von einer Raumstation im Orbit des Saturn. Auch dort hat eine Astronautin überlebt – und ist so wie er alleine. Zudem wurde die Station beschädigt, und wird der aus Frankreich stammenden Catherine nicht mehr lange als sicheres Zuhause dienen. Andriy setzt nun alles daran, um sie mit seinem Raumschiff zu erreichen…
Review:
"U Are the Universe" ist ein Science Fiction-Film aus der Ukraine, und zugleich das Spielfilmdebüt des Filmemachers Pavlo Ostrikov. Er hat zehn Jahre an dem Film gearbeitet, und auch über mehrere Jahre hinweg gedreht, wobei der russische Angriffskrieg die Fertigstellung – aus verständlichen Gründen – noch einmal verzögert hat. Heuer konnte er sich aber endlich seinen Traum verwirklichen, den Film zu veröffentlichen, und auch wenn dieser wie gesagt die Produktion lange vor Kriegsausbruch begann, ist er gerade auch in dieser Hinsicht mit einer beklemmenden Thematik erschreckend aktuell. Hilflos muss Andriy mit ansehen, wie seine Heimat vernichtet wird, und daraufhin dennoch irgendwie einen Weg finden, um weiterzuleben. Man kann sich schwer vorstellen, wie Ukrainer:innen den Film gerade empfinden müssen.
Doch auch losgelöst von den aktuellen Ereignissen hat mir "U Are the Universe" ausgesprochen gut gefallen. Der erste Clou ist dabei natürlich das Grundkonzept. Nun muss ich gleich erwähnen: Bereits als Jugendlicher, vor über fündundzwanzig Jahren, mal eine ganz ähnliche Idee zu einem Buch oder Film gehabt zu haben. Es ist auch nicht das erste Mal, dass man sich im Genre einer solchen Thematik widmet. Man denke nur an (den insgesamt in meinen Augen leider eher misslungenen) "Love", oder den erst vor ein paar Jahren entstandenen österreichischen Science Fiction-Beitrag "Rubikon". Darüber hinaus zeigen sich – sowohl was die Isolation der Hauptfigur, die einem wenig schillernden Job im All nachgeht – auch einige Parallelen zu Moon; denen sich Ostrikov wohl auch bewusst war, denn das Design des Computers, der Andriys einziger Begleiter ist, ist ganz offensichtlich eine Hommage an Duncan Jones' Meisterwerk. Aber auch davon abgesehen zollt er den großen Klassikern des Genres immer wieder Tribut, darunter nicht zuletzt Stanley Kubricks "2001 – Odyssee im Weltraum" (für mich ja bekanntlich der beste Film aller Zeiten). Letztendlich ist er aber eigenständig genug, um ebenfalls eine Bereicherung für das Genre darzustellen. Neben dem Grundsetting sowie der hohen Produktionsqualität, wobei neben den Sets nicht zuletzt auch die Weltraumaufnahmen gefallen können, besticht "U Are the Universe" aber vor allem auch mit seiner überaus charmanten Hauptfigur. Volodymyr Kravchuk schafft es, uns seinen Andriy auf Anhieb sympathisch zu machen, was essentiell ist, damit wir auf seinem Leidensweg mit ihm mitfühlen. Auch seine Sehnsucht nach einer Verbindung zu einem anderen Menschen ist nachempfindbar. Allerdings: Ich fand leider, dass sich der Film zum Ende hin ein bisschen verliert. Wie ich generell mit dem Finale dann nicht ganz glücklich war. Zumal Pavlo Ostrikov hier dann kurz mit einer Idee spielt, die er dann jedoch wieder verwirft – die mir aber wohl als Ausgang des Geschehens besser gefallen hätte. Trotz dieses Mankos ist Pavro Ostrikov mit "U Are the Universe" aber ein großartiges Spielfilmdebüt geglückt, dass aufgrund der schwierigen Produktionsbedingungen umso mehr beeindruckt – dies aber in meinen Fall durchaus auch abseits von diesen vermocht hätte.
Fazit:
"U Are the Universe" hat mir ausgesprochen gut gefallen. Aus der so faszinierenden wie beklemmenden Prämisse (auch wenn diese nicht ganz neu gewesen sein mag) entspinnt sich hier ein höchst gefühlvoller Film, der trotz der tristen Ausgangslage bis zuletzt nie in Trostlosigkeit verfällt, sondern vielmehr das Leben und die Hoffnung hochhalten. Den Film durchzieht darüber hinaus ein sehr feiner Humor, der ihn für mich ebenfalls aufwertet. Die von Volodymyr Kravchuk gespielte Hauptfigur ist mir zudem rasch ans Herz gewachsen. Und auch die teils direkten Referenzen auf Science Fiction Klassiker (wie z.B. Stanley Kubriks zeitloses Meisterwerk "2001 – Odyssee im Weltraum") werteten den Film für mich auf. Einzig mit dem Ende war ich dann nicht 100%ig glücklich – auch insofern, als der Film zuvor mit einem Twist flirtet, der mir rückblickend glaube ich sogar noch besser gefallen hätte. Davon abgesehen ist "U Are the Universe" aber – nicht nur aufgrund der schwierigen Produktionsbedingungen aufgrund des von Russland initiierten Krieges – ein höchst beachtliches (Spielfilm-)Debüt des ukrainischen Filmemachers Pavlo Ostrikov, das ich allen Science Fiction-Fans nur wärmstens ans Herz legen kann.