Originaltitel: Peril at End House Episodennummer: 2x01 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 07. Januar 1990 Erstausstrahlung D: 25. September 1993 & 02. Oktober 1993 Drehbuch: Clive Exton Regie: Renny Rye Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Pauline Moran als Miss Lemon,
Polly Walker als Magdala 'Nick' Buckley,
John Harding als Commander George Challenger,
Jeremy Young als Bert Croft,
Mary Cunningham als Ellen,
Paul Geoffrey als Jim Lazarus,
Alison Sterling als Freddie Rice,
Christopher Baines als Charles Vyse,
Carol MacReady als Milly Croft,
Elizabeth Downes als Maggie Buckley,
Godfrey James als Inspector,
John Crocker als Dr Graham,
Geoffrey Greenhill als Wilson,
Joe Bates als Alfred,
Jane Paton als Hotel Receptionist,
Fergus McLarnon als Hood,
Jenny Funnell als Nurse Andrews,
Janice Cramer als Maid,
Edward Pinner als Pageboy u.a.
Kurzinhalt:
Hercule Poirot und Captain Hastings machen Urlaub an der Küste von Cornwall. Dort lernen sie Miss Magdala Buckley kennen. Diese erwähnt beiläufig, dass sie in den letzten Tagen aufgrund von Unfällen fast mehrmals gestorben wäre. Als Poirot ihren Hut untersucht, entdeckt er darin eine Kugel – und erkennt, dass es sich dabei gar nicht um Unfälle handelte, sondern ihr vielmehr jemand nach dem Leben trachtet. Er lernt daraufhin ihr Umfeld kennen – in der Hoffnung, den geplanten Mord so verhindern zu können. Bei einer nächtlichen Party in Miss Buckleys Anwesen wird dann schließlich eine Leiche gefunden. Das Opfer ist jedoch nicht sie selbst, sondern vielmehr ihre Cousine. Die beiden sehen sich ähnlich, und waren auch fast identisch gekleidet, weshalb die Polizei – und Poirot – von einer Verwechslung ausgehen. Nun gilt es, den oder die Schuldigen ausfindig zu machen, ehe ihnen auch Magdala zum Opfer fällt…
Review (kann Spoiler enthalten):
Bei "Das Haus auf der Klippe" bot nun das erste Mal nicht "nur" eine Kurzgeschichte, sondern ein von Agatha Christie für den Meisterdetektiv geschriebener Roman die Grundlage. Dementsprechend wurde die Geschichte statt als Einzelepisode vielmehr als Doppelfolge bzw. in England ursprünglich überhaupt als zusammenhängender TV-Film veröffentlicht. Da die Vorlage mehr Material bot, machte sich die längere Laufzeit nicht negativ bemerkbar: Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass sich die Geschichte dahinziehen würde, sondern fühlte mich vielmehr von Anfang bis Ende gut unterhalten. Einen wesentlichen Anteil daran hatte auch hier wieder der Humor, wie z.B. gleich zu Beginn, wenn Poirot vom Flug im Kleinflugzeug alles andere als begeistert ist, oder später dann mit den zwei unterschiedlichen Eiern. Aber auch die Location – wieder mal nicht London, sondern ein an der Küste gelegenes Urlaubsressort in Cornwall – wertet die Folge (bzw. den TV-Film) merklich auf. Und auch die Riege an Figuren – und Verdächtigen – trägt einen wesentlichen Teil zum Gelingen bei, wobei vor allem Miss Buckley (Polly Walker in einer ihrer ersten TV-Rollen) hervorsticht.
Darüber hinaus freut man sich aber auch über das Wiedersehen mit den Stammfiguren. Zu Beginn müssen wir erstmal "nur" mit David Suchet als Poirot (der hier in der Rolle wieder einmal brilliert) und Hugh Fraser als Captain Hastings vorlieb nehmen. Nach dem Mord schließen sich dann jedoch auch zuerst Philip Jackson als Chief Inspector Japp und zuletzt auch Pauline Moran als Miss Lemon den Ermittlungen an. Zugegeben, ersteres könnte man insofern kritisieren, als man sich doch fragen muss, wie weit Japps Zuständigkeit denn eigentlich reicht. Ein anderer Inspektor wäre wohl glaubhafter gewesen; aber ok. Jedenfalls gefiel mir sehr gut, wie in weiterer Folge auch Hastings und Lemon ein bisschen etwas zu den Ermittlungen beitragen können. Die größte Stärke von "Das Haus auf der Klippe" liegt aber im Fall selbst, der wunderbar ausgeklügelt ist. Da macht es auch nichts, dass ich beim Mord an ihrer Cousine als alter Krimi-Fuchs wieder mal den richtigen Riecher haben und gleich vermuten sollte, dass es sich nicht wie gedacht um eine Verwechslung handelt, sondern sie das beabsichtigte Opfer war – weshalb mein Verdacht auch sofort auf Miss Buckley fiel. Mit ihrem vermeintlichen Tod gelang es Christie dann jedoch, mich erfolgreich von dieser Fährte abzubringen; erst am Ende, als diese dann auf einmal wieder auf der Bildfläche erscheint, und wir herausfinden, dass Poirot mit ihrer Einwilligung ihren Tod nur vorgetäuscht hat (in der Hoffnung, so herausfinden zu können, wer ihr nach dem Leben trachtet), war klar, dass ich eh die ganze Zeit richtig lag. Gestört hat mich das jedoch nicht; denn genau darin liegt für mich eine wesentliche Stärke der Geschichten von Agatha Christie: Sie sind so unterhaltsam, dass man die Fälle auch dann genießen kann, wenn man die Auflösung kennt; egal ob deswegen, weil man die Story schon gesehen/gelesen hat, oder eben, weil man sie errät.
Fazit:
Mit "Das Haus auf der Klippe" startet die zweite "Poirot"-Staffel gleich mal mit einem kleinen Highlight. Zum ersten Mal lag hier keine Kurzgeschichte, sondern ein Roman zugrunde, weshalb die Geschichte als Doppelfolge bzw. TV-Film umgesetzt wurde. Zum Glück ist die Story dicht und der Fall ausgeklügelt genug, um die doppelte Laufzeit mühelos zu tragen. Aber auch das Setting, welches uns wieder mal raus aus London führt, wertet die Story zweifellos aus. Neben den bekannten Veteranen David Suchet, Hugh Fraser, Philip Jackson und Pauline Moran brilliert insbesondere noch Polly Walker als Magdala "Nick" Buckley. Und auch der zwischendurch immer wieder eingestreute Humor trägt wesentlich zum hohen Unterhaltungswert der Episode bei. Vor allem aber ist der Fall einfach wunderbar ausgeklügelt, schön komplex, und bietet eine Fülle an Figuren und Verdächtigen. Und nicht zuletzt spielt Christie hier wieder einmal sehr fair, und gibt sowohl Leser:innen als auch Zuschauer:innen (fast) alle Hinweise in die Hand, um den Fall zusammen mit Poirot zu lösen. Insgesamt macht das wunderbare Krimi-Kost, die mich von Anfang bis Ende bestens unterhalten konnte.