Gelungenes Zweitwerk der Philippou-BrüderKategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Montag, 20 Oktober 2025
Originaltitel:
Bring Her Back
Produktionsland/jahr:
USA 1968
Bewertung:
Studio/Verleih:
Causeway Films/A24/Sony Pictures
Regie:
Danny Philippou & Michael Philippou
Produzenten:
U.a. Kristina Ceyton & Samantha Jennings
Drehbuch:
Danny Philippou & Bill Hinzman
Filmmusik:
Cornel Wilczek
Kamera:
Aaron McLisky
Schnitt:
Geoff Lamb
Genre:
Horror/Thriller
Kinostart Deutschland:
14. August 2025
Kinostart USA:
30. Mai 2025
Laufzeit:
104 Minuten
Altersfreigabe:
FSK ab 16
Mit: Sally Hawkins, Billy Baratt, Mischa Heywood, Jonah Wren Phillips, Stephen Phillips, Sally-Anne Upton, Sora Wong, Kathryn Adams, Brian Godfrey, Brendan Bacon, Olga Miller, Nicola Tiele, Frances Cassar, Asha O'Connell, Arianny Ross, Amya Mollison u.a.
Kurzinhalt:
Nach dem Tod ihres Vaters – ihre Mutter ist bereits ein paar Jahre zuvor verstorben – kommen die blinde Piper und ihr älterer Halbbruder Andy bei einer Pflegefamilie unter. Ihre Adoptivmutter Laura gibt sich zwar überaus freundlich, dennoch beschleicht insbesondere Andy rasch ein ungutes Gefühl. Dies liegt nicht zuletzt an Lauras Sohn Oliver, bei dem es sich um ein höchst problemgebeuteltes und verhaltensauffälliges Kind handelt, welches die längste Zeit in seinem Zimmer eingesperrt ist. Doch auch davon abgesehen mehren sich die geheimnisvollen bis beängstigenden Vorfälle – bis Andy zur Überzeugung gelangt, dass er und seine kleine Schwester bei Laura nicht sicher sind. Doch wie soll er die Behörde, welche sie an Laura vermittelt hat, davon überzeugen?!
Review (kann Spoiler enthalten):
"Talk to Me" kam vor drei Jahren doch ziemlich aus dem Nichts, und hat im Horror-Bereich ordentlich eingeschlagen. Immerhin handelte es sich um den ersten Film der Brüder Danny und Michael Philippou, die zuvor in erster Linie mit einem YouTube-Kanal von sich reden machten. An einen solchen Debüt-Erfolg anzuknüpfen, ist nie leicht (fragt mal Richard Kelly) – doch auch wenn "Bring Her Back" nicht ganz die Qualität ihres Erstlings erreicht, so bestätigt er jedenfalls, dass es sich bei ihnen nicht um (Horror-)Eintagsfliegen handelt. Zuerst einmal: Ich rechne es ihnen hoch an, nicht den leichten Weg gegangen und als nächstes gleich ein Sequel zu ihrem Erfolgshit umgesetzt zu haben (wobei ein solches grundsätzlich von ihnen nach wie vor geplant ist, und ich mich auch schon sehr darauf freue), sondern etwas Neues gewagt zu haben. Daran ist in meinen Augen zu erkennen, dass sie ihre Filme nicht nur aus finanziellen Motiven machen, sondern sie durchaus einen gewissen künstlerischen Anspruch verfolgen – und sich einfach nur nochmal zu wiederholen, hätte diesem wohl nicht entsprochen.
Doch auch abseits der Tatsache, dass es sich um kein Sequel handelt, ist "Bring Her Back" in vielerlei Hinsicht ein ganz anderer Film als "Talk to Me": Die Thematik bzw. der Inhalt, der Spannungsaufbau, und teilweise auch der Ton… all dies unterscheidet sich doch sehr stark vom "Vorgänger". Nur eine nennenswerte Überschneidung gibt es: So spielen auch hier wieder Trauer und Verlust (eines nahen familiären Angehörigen) eine wesentliche Rolle, und liefern den nötigen Background für die Figuren. Ansonsten eint die beiden nur, dass die Philippou-Brüder nichts von ihrem inszenatorischen Talent eingebüßt haben. Auch hier gelingt es ihnen immer wieder, für eine bedrückende Stimmung zu sorgen. Spätestens sobald die Kinder bei ihrer neuen Pflegemutter einziehen, und sich dort alle möglichen beunruhigenden Dinge ereignen, baut sich eine nette, unheimliche Grundstimmung auf, die sich dann kontinuierlich verstärkt. Neben ihrer Inszenierung hat daran auch die Performance von Sally Hawkins einen ganz wesentlichen Anteil. Bislang – zumindest mir – doch eher aus "freundlichen" Rollen bekannt, brilliert sie hier als zuerst undurchsichtige und danach zunehmend bedrohliche Laura. Ihre Figur ist zudem phantastisch geschrieben, wobei für mich vor allem die Art und Weise, wie sie Andy und Piper manipuliert, hervorstach. Aber auch die Dynamik zwischen diesen beiden Kindern hatte es mir angetan. Und dass mit Piper eine blinde Figur (gespielt von einer blinden Darstellerin) eine prominente Rolle spielt, sehe ich auch überaus positiv. Viele Kritikpunkte gibt es nicht. Ich war mit dem Ende nicht ganz glücklich. Generell konnte das Finale/der Showdown für mich das Versprechen der knapp neunzig Minuten davor nicht ganz einlösen. Und ganz allgemein fand ich "Talk to Me" einfach noch die Spur mitreißender, und was den Ausgang betrifft auch eindringlicher. Dennoch zählt "Bring Her Back" für mich zu den besten Vertretern des überaus starken Horror-Jahrgangs 2025.
Fazit:
Nichts wäre für Danny und Michael Philippou leichter gewesen, als ihrem Überraschungserfolg "Talk to Me" ein schnelles Sequel nachfolgen zu lassen, und damit gleich nochmal so richtig abzucashen. Doch so sehr ich auch nach wie vor auf eine Fortsetzung ihres Debüts hoffe, rechne ich es ihnen hoch an, diese Route nicht gegangen zu sein, und stattdessen als nächstes einen eigenständigen und trotz vereinzelter thematischer Überschneidungen doch ganz anderen Film vorzulegen. "Bring Her Back" besticht dabei wieder mit einem coolen "worldbuilding" im Hinblick auf das zentrale (übernatürliche) Phänomen (welches erst recht spät genauer offenbart wird), einem phantastischen Spannungsaufbau, der bedrohlichen Atmosphäre im Haus von Laura, sowie nicht zuletzt einer starken Performance von Sally Hawkins. Das Ende erreichte für mich dann zwar nicht ganz die (sowohl spannungstechnischen als auch emotionalen) Höhen von "Talk to Me", den ich ganz allgemein noch einen Hauch stärker einschätzen würde. Dennoch beweisen die beiden mit "Bring Her Back" eindrucksvoll, dass es sich bei ihnen nicht um Horror-Eintagsfliegen handelt.