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The Favourite - Intrigen und Irrsinn Drucken E-Mail
Unterhaltsames Kostümdrama mit Biss Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Dienstag, 19 Februar 2019
 
Oscar-SPECiAL

 
The Favourite
Originaltitel: The Favourite
Produktionsland/jahr: UK/USA 2018
Bewertung:
Studio/Verleih: Film4/20th Century Fox
Regie: Yorgos Lanthimos
Produzenten: U.a. Ceci Dempsey, Ed Guiney, Lee Magiday & Yorgos Lanthimos
Drehbuch: Deborah Davis & Tony McNamara
Filmmusik: -
Kamera: Robbie Ryan
Schnitt: Yorgos Mavropsaridis
Genre: Komödie, Drama
Kinostart Deutschland: 24. Januar 2019/3
Kinostart USA: 21. Dezember 2018
Laufzeit: 119 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 12
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu-Ray, DVD
Mit: Olivia Colman, Rachel Weisz, Emma Stone, Nicholas Hoult, James Smith, Mark Gatiss u.a.


Kurzinhalt: Am Hof der englischen Königin Anne im frühen 18. Jahrhundert: Die Königin leidet unter einer fragilen Gesundheit; vor allem ihre Beine machen ihr immer wieder zu schaffen. Die Staatsgeschäfte scheinen sie zunehmend zu ermüden und langweilen – weshalb ihr diese mittlerweile überwiegend von ihrer engsten Vertrauten – und Geliebten – Lady Sarah abgenommen werden. Ein für beide Seiten vorteilhaftes Arrangement – das jedoch von der jungen Zofe Abigail zunehmend bedroht wird. Diese wurde recht unzeremoniell aus der Kutsche mit der sie anreiste geworfen, und wird von den anderen Bediensteten des Hauses gemobbt. Trotzdem lässt sie sich davon nicht unterkriegen, oder gar in ihrem Ziel beirren: Denn Abigail, die ihren Adelstitel verloren hat, hofft durch ihre neue Beschäftigung – ganz in der Nähe der Königin – ihre Stellung verbessern zu können. Langsam schleicht sie sich immer näher an Königin Anne heran, und gewinnt ihr Vertrauen. Doch ihr Tun bleibt Lady Sarah nicht verborgen – und so entspinnt sich zwischen den beiden ein gefährliches Katz- und Maus-Spiel aus Konkurrenz und Intrigen…

Review: Szenenbild. Yorgos Lanthimos' zählt sicherlich zu den interessantesten – und kuriosesten – Stimmen des modernen Autorenkinos. Mit "The Favourite" hat er nun seinen bislang zugänglichsten und massentauglichsten Film vorgelegt – jedoch ohne dabei gänzlich auf seine typische, ureigene schräge Handschrift zu verzichten. Diese zeigt sich u.a. in der Inszenierung, bei der er immer wieder auf starke Fischaugenlinsen setzt, was für eine ungewöhnliche und ganz eigenwillige Optik sorgt. Am Drehbuch selbst hat er zwar laut den Credits nicht mitgewirkt, diese dürften jedoch mit ihrer Schrulligkeit ebenfalls genau auf seiner Wellenlänge liegen – was wohl auch der Grund dafür war, warum er sich just "The Favourite" als sein nächstes Projekt (nach "The Lobster" und "The Killing of a Sacred Deer", wo er jeweils am Drehbuch mitgewirkt hatte) ausgesucht hat. Jedenfalls sollte man sich kein gewöhnliches Kostümdrama erwarten – und in eben dieser ganz eigenwilligen Stimmung, den schrägen Figuren und der ungewohnten Inszenierung liegen dann auch einige der größten Stärken des Films.

Vor allem die angenehm ambivalenten Figuren hatten es mir dabei angetan. "The Favourite" verweigert sich nämlich einer klassischen schwarz/weiß-Zeichnung, und einer deutlichen Trennung in Gut und Böse. Zwar ist man anfangs geneigt, sich auf Abigails Seite zu schlagen, mit der Zeit wird jedoch klar, dass Lady Sarah mit ihren Warnungen durchaus recht hat. Etwas, dass in der eindringlichen letzten Szene dann auch der Königin – zu spät? – bewusst wird. Aber auch Lady Sarah ist keine Heilige. Sie manipuliert die Königin, und versucht, ihre eigene Agenda voranzubringen – die auch nicht unbedingt immer im Interesse Englands liegen muss. Und Queen Anne wiederum ist zu sehr mit ihrem Kummer und ihren Leiden beschäftigt, um sich um Staatsangelegenheiten zu kümmern – wovon aber wiederum das Wohl ihres Volkes abhängt. Insofern fand ich das Ende dann auch sehr passend. Ohne zu viel verraten zu wollen, sei gesagt, dass sie letztendlich alle drei in einer eher miserablen Situation landen – und man kommt nicht umhin, sich zu fragen, ob dieses Ende nicht letztendlich nur fair und gerecht ist, und sie es nicht anders verdienen. Eben dieser Ausgang ist dann auch hauptverantwortlich dafür, dass "The Favourite" mehr ist als nur belanglose Unterhaltung – auch wenn man vor allem zu Beginn noch diesen Eindruck erhalten könnte, und der Film letztendlich die ganze Laufzeit hinweg überaus kurzweilig ist, was er nicht zuletzt dem wunderbaren Humor und den teils köstlichen Dialogen verdankt. Neben Drehbuch und Lanthimos liegt die größte Stärke von "The Favourite" aber im Darstellerinnen-Triumvirat, dass für die drei zentralen Rollen gewonnen wurde, und ihrem wunderbaren Zusammenspiel. Am meisten beeindruckt hat mich dabei Olivia Colman, die ich in ihrer Rolle als Königin Anne einfach nur phantastisch fand. Aber auch Rachel Weisz war großartig; anfangs mag sie noch hart wirken, später merkt man aber, dass ihr die Königin (im Gegensatz zu Abigail, die in dieser nur ein Mittel zum Zweck sieht) wirklich am Herzen liegt. Und Emma Stone spielt das Unschuldslamm perfekt, und nutzt ihren Charme, um den Zuschauer ebenso wie die Königin um ihren intriganten Finger zu wickeln. Alle drei hätten sich für ihre Leistung hier Preise verdient – bei den Oscars können jedoch maximal zwei von ihnen triumphieren (außer, es gäbe einen – seltenen – Gleichstand). Insofern könnte man sagen, dass der Wettstreit zwischen Sarah und Abigail am kommenden Sonntag bei den Academy Awards in die Verlängerung geht.

Fazit: Szenenbild. Es schadet wohl nicht, eine gewisse Vorliebe für Kostümfilme und/oder (vor allem britische) Geschichte mitzubringen – letzten Endes halte ich "The Favourite" dank der wunderbaren Figuren, des köstlichen Humors, und des hohen Unterhaltungswerts aber auch abseits dieser Interessengruppen für geeignet. "The Favourite" besticht dabei mit drei glänzenden zentralen schauspielerischen Leistungen der drei Hauptdarstellerinnen, die ihre durchaus komplexen Rollen sehr überzeugend spielen. Sowohl dank ihrer Leistung, als auch dem Drehbuch, wird der Zuschauer wohl mehrmals während des Films erkennen, wie seine eigene Loyalität wechselt. Denn während man vor allem zu Beginn Abigail noch große Sympathien entgegenbringt, wird von Minute zu Minute deutlicher, dass auch sie letztendlich in erster Linie nur ihre eigenen Interessen verfolgt. Grandios fand ich auch den Ausgang des Geschehens, der für alle drei Beteiligten nicht gerade glücklich ist. Und auch die ungewöhnliche Inszenierung von Yorgos Lanthimos, der stark auf Fischauge-Linsen setzt, sticht hervor. Eine gewisse Belanglosigkeit mag zwar, trotz der ambivalenten Figuren, nicht von der Hand zu weisen sein – solange das Endergebnis so unterhaltsam ist wie hier, sei "The Favourite" diese aber gern verziehen.

Wertung:9 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2019 20th Century Fox)


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Weiterführende Links:
Advents-SPECiAL 2018





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