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Armageddon - Das jüngste Gericht Drucken E-Mail
Review zu Michael Bays bombastischem Weltuntergang Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 06 Dezember 2018
 
Advents-SPECiAL

 
Armageddon
Originaltitel: Armageddon
Produktionsland/jahr: USA 1998
Bewertung:
Studio/Verleih: Jerry Bruckheimer Films/Buena Vista International
Regie: Michael Bay
Produzenten: U.a. Michael Bay, Jerry Bruckheimer & Gale Anne Hurd
Drehbuch: Jonathan Hensleigh & J.J. Abrams
Filmmusik: Trevor Rabin
Kamera: John Schwartzman
Schnitt: Mark Goldblatt, Chris Lebenzon & Glen Scantlebury
Genre: Action/Science Fiction
Kinostart Deutschland: 16. Juli 1998
Kinostart USA: 01. Juli 1998
Laufzeit: 151 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 12
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu-Ray, DVD
Mit: Bruce Willis, Ben Affleck, Liv Tyler, Billy Bob Thornton, Will Patton, Steve Buscemi, William Fichtner, Owen Wilson, Michael Clarke Duncan, Peter Stormare, Ken Hudson Campbell, Jessica Steen, Keith David, Jason Isaacs u.a.


Kurzinhalt: Ein Meteoritenschauer regnet auf New York herab, verwüstet zahlreiche Gebäude, und tötet dabei auch einige Menschen. Kurz darauf findet die NASA heraus, dass dies nur der Vorbote für eine drohende Katastrophe war, die das Ende der Menschheit bedeuten würde – fliegt doch ein Asteroid in der Größe von Texas auf die Erde zu. Eilig stellt man mehrere Aktionspläne zusammen, mit denen sich die Katastrophe vielleicht doch noch abwenden lässt. Letztendlich entscheidet man sich für jenen Plan, der vorsieht, mit einem Space Shuttle Astronauten zum Asteroiden zu fliegen, mit einem Bohrer der für Ölbohrungen verwendet wird ein Loch hineinzuschlagen, darin eine Atombombe hineinzusenken und rechtzeitig zu zünden, ehe der Asteroid eine bestimmte Grenze überschreitet – dann jedoch würden die beiden Hälften erst recht wieder auf die Erde knallen. Als Berater wird Harry S. Stamper hinzugezogen, der eine Bohrfirma betreibt. Dieser besteht jedoch darauf, dass es einfach nicht möglich ist, Astronauten die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu lehren – nicht in der wenigen Zeit, die zur Verfügung steht, ehe die Mission starten muss. Vielmehr besteht er darauf, die Mission mit seinem Team selbst zu übernehmen. Ein paar Wochen später starten sie dann in zwei von NASA-Astronauten gesteuerten Space Shuttles zuerst in Richtung der russischen Raumstation MIR, und danach weiter zum Asteroiden. Doch beim Anflug verliert man eines der Shuttles, und auch sonst verläuft die Mission alles andere als reibungslos. Ist die Erde dem Untergang geweiht?

Review: Szenenbild. Ich weiß, dass "Armageddon" viele Fans hat, aber es tut mir leid, ähnlich wie bei "Independence Day" (Randnotiz: Der Godzilla-Gag entbehrt insofern nicht einer gewissen Ironie, als "Armageddon" diesem nachempfunden bzw. ihm nachzueifern scheint) konnte ich die Begeisterung damals schon nicht nachvollziehen, und hat sich meine Meinung bei den nachfolgenden beiden Sichtungen (jeweils ca. im Abstand von zehn Jahren) nicht wesentlich geändert. "Armageddon" ist mir auch nach 20 Jahren immer noch zu blöd, zu pathetisch, zu vorhersehbar, zu übertrieben, zu kitschig, zu klischeehaft, und vor allem viel zu theatralisch. Bzw. genau genommen ist er mir auch einfach generell zu viel, von allem. Das Ensemble viel zu groß, weshalb die wenigsten Figuren im Ensemble Eindruck hinterlassen. Der Film ist insgesamt zu lang, wobei neben dem viel zu ausgedehnten Einstieg auf der Erde vor allem der Ausflug zur MIR wie ein narrativ völlig überflüssiger Umweg erscheint. Michael Bays Inszenierung ist für ihn derart typisch, dass es fast schon zur Selbstparodie verkommt (vor allem die unzähligen Sonnenaufgangs- und untergangsszenen fand ich ab einem gewissen Punkt einfach nur mehr lächerlich). Und wie schon bei "Independence Day" liegt die Rettung der Welt hier wieder einmal ausschließlich in amerikanischer (und männlicher) Hand. "Murica, fuck yeah!"

Eines meiner Hauptprobleme am Film sind die klischeehaften und eindimensionalen Figuren. Michael Bay nimmt sich in der ersten Stunde ausreichend Zeit, um zumindest einige von ihnen vorzustellen (wobei das Ensemble ganz einfach zu groß ist, um jedem von ihnen gerecht zu werden), was letztendlich aber nichts hilft, wenn sie alle so flach sind wie ein Abziehbild. Und das sind noch diejenigen, die uns überhaupt halbwegs vernünftig vorgestellt werden (Harry, A.J., Grace); der Rest hinterlässt überwiegend gar keinen Eindruck, oder hat mich – wie der unerträgliche Rockhound – genervt. Womit ich auch nicht konnte, ist der – vor allem in der ersten Stunde immer wieder auftretende – bestenfalls unreife und schlimmstenfalls abwechselnd sexistische, rassistische und/oder geschmacklose Bubenhumor (oder bin ich der Einzige, der Pädophilen-Witze nicht lustig findet?). Und lasst mich bitte erst gar nicht mit der Darstellung des Russen (und ihrer Technologie) anfangen; von der hirnrissigen Idee, durch ein bisserl drehen Schwerkraft auf der MIR zu erzeugen, ganz zu schweigen. Fast noch schwerer wiegt allerdings, dass selbst zum Ende hin keinerlei Spannung aufkam, ganz egal, wie sehr sich Michael Bay auch bemüht. Manches, wie der ursprüngliche Versuch von der Erde aus, die Atombombe zu zünden obwohl sie noch auf der Oberfläche liegt (und dies laut allen Experten nichts nützen würde; andererseits, seit wann hören Präsidenten und/oder Regierungen schon auf Wissenschaftler?), erschien mir extrem konstruiert, anderes war mir dann auch einfach zu übertrieben, wie z.B. wenn Harry am Ende den Zünder verliert. Wir wissen ja eh, dass er rechtzeitig draufdrücken, die Bombe zünden und damit die Erde retten wird – weshalb ich dieses ewig lange hinauszögern (ein bisschen so wie der unerträgliche Mario Barth bei seinen "Gags") einfach nur nervig fand. Ich hätte den Fernseher am liebsten angeschrien "Jetzt drück endlich drauf!" – aber nicht, weil es ich es so unerträglich spannend fand, sondern einfach wollte, dass es endlich vorbei ist. Und das Ende war mir dann halt leider auch viel zu pathetisch und theatralisch, als dass ich beim Abschied zwischen Vater und Tochter hätte eine Träne verdrücken können.

Szenenbild. Aber keine Sorge, liebe Bay- und/oder "Armageddon"-Fans, eine Katastrophe (ha ha) ist der Film dann eh doch nicht. So ist die Besetzung – und hier einfach generell die Anzahl an bekannten Gesichtern (Bruce Willis, Ben Affleck, Liv Tyler, Billy Bob Thornton, Will Patton, Steve Buscemi, William Fichtner, Owen Wilson, Michael Clarke Duncan, Peter Stormare, Ken Hudson Campbell, Keith David, Marshall R. Teague, Jason Isaacs, und Udo Fucking Kier) zweifellos beeindruckend. Von der Produktionsqualität her gibt es ebenfalls nichts zu mäkeln. Der Film sieht auch 20 Jahre später immer noch klasse bzw. um keinen Tag gealtert aus. Den peitschend-bombastischen Score von Trevor Rabin finde ich ebenfalls fantastisch. Die Idee hinter dem Film ist auch grundsätzlich nett (oder fällt zumindest unter die Kategorie "so blöd, dass es schon wieder gut ist"). Die Romanze zwischen A.J. und Grace klappt dank der überzeugenden Chemie zwischen Ben Affleck und Liv Tyler recht gut. In erster Linie sind es aber einzelne Sequenzen, die es mir angetan hatten, und die gewünschte adrenalinsteigernde Wirkung bei mir nicht verfehlten. Wie der Meteoritenschauer über New York, die Startsequenz, sowie vor allem auch der Anflug auf den Asteroiden. Letztere Szene ist – nicht zuletzt auch dank des grandiosen Schnitts – nicht nur der mit Abstand beste Moment des Films, sondern ist für mich generell zu den besten Actionsequenzen der Dekade zu zählen. Das war wirklich spitze. Der Rest des Films hingegen – zumindest in meinen Augen – leider weniger.

Fazit: "Armageddon – Das jüngste Gericht" ist der möglicherweise bay-igste Michael Bay-Film aller Zeiten. Und auch wenn ich nicht sein größter Kritiker bin und einige seiner Filme (insbesondere den großartigen "The Rock") überaus schätze, war es mir bei "Armageddon" sowohl an Bayigkeit als generell an allem zu viel. Zu viel Laufzeit. Zu viele Figuren. Zu viel Blödheiten. Zu viel unreifer Bubenhumor. Zu viel Kitsch. Zu viel Bombast. Zu viele Sonnenauf- und untergänge. Und vor allem viel zu viel Pathos. Der Film ist dabei leider von Beginn an sehr vorhersehbar, weshalb es an den entscheidenden Stellen an Spannung mangelt. Die meisten aufopfernden Heldentode der Mission betrauert man zudem insofern nicht, als die Figuren eindimensionale Abziehbilder sind, und generell nur Harry, A.J. und Grace näher beleuchtet werden; der Rest ist Schaufensterdekoration. Und sowohl die Mission am Ende als auch der einstündige Prolog sind viel zu lang, und stellten meine Geduld sehr auf die Probe. Aus reiner produktionstechnischer Sicht kann der Film jedoch auch zwanzig Jahre später immer noch begeistern (da sind andere Filme der Epoche weitaus schlechter gealtert). Das hier versammelte Ensemble ist ebenfalls beeindruckend. Die Spezialeffekte sehen immer noch klasse aus. Die Musik von Trevor Rabin hat's mir ebenso angetan. Die Aerosmith-Nummer "I don't wanna miss a thing" ist natürlich ebenso unsterblich (wobei ich das Musikvideo letztendlich besser finde als den Film; vor allem ist es kürzer). Und einzelne wirklich starke Momente gibt's dann ja doch, wobei vor allem der Anflug auf den Asteroiden hervorsticht, der für mich zu den besten und packendsten Szenen der Dekade zählt. Der Film selbst ist hingegen weit davon entfernt, zu ähnlichen Ehren zu gelangen.

Wertung:5 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 1998 Buena Vista International)


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