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Faszinierend-surreal-verstörende Charakterstudie Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 13 Oktober 2018
 
Halloween-SPECiAL

 
Piercing
Originaltitel: Piercing
Produktionsland/jahr: USA 2018
Bewertung:
Studio/Verleih: BorderLine Films/Universal Pictures Home Entertainment
Regie: Nicolas Pesce
Produzenten: U.a. Antonio Campos, Josh Mond, Jacob Wasserman & Schuyler Weiss
Drehbuch: Nicolas Pesce, nach dem Roman von Ryû Murakami
Filmmusik: -
Kamera: Zack Galler
Schnitt: Sofía Subercaseaux
Genre: Thriller/Drama
Kinostart Deutschland: noch nicht bekannt
Heimkino-Premiere USA: 07. Dezember 2018
Laufzeit: 81 Minuten
Altersfreigabe: noch nicht geprüft
Trailer: Noch kein Trailer vorhanden
Kaufen: Noch nicht verfügbar
Mit: Christopher Abbott, Mia Wasikowska, Laia Costa, Maria Dizzia, Marin Ireland, Dakota Lustick, Wendell Pierce u.a.


Kurzinhalt: Gerade erst ist Reed Vater einer bezaubernden Tochter geworden. Zudem hat er eine wunderschöne Frau, einen guten Job – also alles, um ein erfülltes Leben führen zu können. Sollte man zumindest meinen. Denn Reed wird von schrecklichen, finsteren Trieben geplant: In seiner Fantasie stellt er sich immer wieder vor, wie er jemanden auf brutale Art und Weise mit einem Messer zu ermorden. Als der Drang zu groß wird, und er schön befürchtet, dass er sie im schlimmsten Fall an seinen Liebsten auslassen könnte, schmiedet er einen Plan, um ihn auszuleben. Dafür mietet er sich ein Hotelzimmer – seiner Frau sagt er, er wäre auf einer Konferenz – und bestellt sich eine Prostituierte. Er bereitet den Mord minutiös vor – doch als Jackie dann auf der Bildfläche erscheint, verläuft der Abend so überhaupt nicht nach Reeds Plan…

Review: Szenenbild. "Piercing" fand ich wirklich faszinierend, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass er nicht auf alle eine ähnlich verstörende Wirkung haben wird. Ein guter Gradmesser ist hier wohl "Audition", dem er von der Thematik her teilweise ähnelt (dass die Vorlagen für beide Filme vom gleichen Autor stammen, überrascht somit nicht), und mit dem er sich, auch wenn sie grundsätzlich sehr unterschiedliche Geschichten erzählen, doch einiges an gemeinsamer DNA teilt. Was den Film dabei u.a. auszeichnet – und zugleich auch stark vom gerade erwähnten "Audition" unterscheidet, ist das surreale, dass er bereits ab der ersten Einstellung verströmt. Denn statt klassischer Stadtaufnahmen echter Gebäude setzt Nicolas Pesce vielmehr auf Modelle – was dem Film von Anfang an eine interessante, hervorstechende Optik verleiht. Die auch abseits der Modellaufnahmen für mich zu den größten Stärken des Films zählt. Vor allem das Setdesign – insbesondere beim Hotelzimmer, sowie Jackies Wohnung – sticht hervor. Und auch sonst hatte es mir "Piercing" inszenatorisch durchaus angetan.

Wie er einem gefällt, wird letztendlich aus meiner Sicht aber vor allem von zweierlei Kriterien abhängen. Erstens: "Piercing" beginnt als recht klassischer, moderner Giallo (und bedient sich im – ausschließlich anderen Filmen entlehnten – Soundtrack u.a. bei Dario Argento's "Tenebre"). Wenn man sich genau einen solchen Film erwartet und eben darüber gefreut hatte, so besteht doch die Chance, dass der radikale Kurswechsel ab Jackies Ankunft im Hotelzimmer den einen oder anderen vor den Kopf stößt, dem der klassischere Zugang besser gefallen hätte. Und zweitens wird sehr viel davon abhängen, ob man mit den Figuren kann oder nicht – sind diese doch sehr speziell. Ich persönlich hatte damit nicht einfach nur kein Problem, sondern fand sie vielmehr überaus faszinierend, und zähle sie deshalb auch zu den größten Stärken des Films. Ich persönlich kann zwar das, was sie antreibt, (zum Glück) überhaupt nicht nachvollziehen, und im echten Leben wäre so etwas natürlich höchst bedenklich. Innerhalb einer fiktiven Erzählung fand ich es aber doch sehr interessant. Einen wesentlichen Anteil daran haben natürlich auch die Darsteller. Christopher Abbot, mir u.a. aus "Girls" bekannt, spielt hier eine deutlich komplexere Rolle, als ich das bislang gesehen habe – und meistert sie mit Bravour. Dennoch hat mich Mia Wasikowska letztendlich mehr beeindruckt – wobei es bei ihr insofern halt auch weniger überraschend war, als die Frau für mich zu den interessantesten jungen Darstellerinen der Gegenwart zählt. Ich habe sie mittlerweile in unzähligen Filmen gesehen, und nie spielte sie genau die gleiche Rolle (wobei es hier zum ersten Mal, nämlich zu Ava aus "Only Lovers Left Alive", doch gewisse Parallelen gibt). Und auch hier zog sie mich mit ihrem Schauspiel vom ersten Moment an, wo sie auf der Leinwand zu sehen war, in den Bann.

Szenenbild. Auch wenn die Thematik eine düstere ist, durchzieht den Film doch auch ein netter Sinn an (schwarzem) Humor. So fand ich z.B. Reeds methodisch-pedantisches Vorgehen bei seinen Vorbereitungen durchaus amüsant. Und auch später gab es noch einige amüsante Momente, jedoch möchte ich über die weitere Entwicklung des Films nicht zu viel verraten. Denn genau darin liegt dann auch der letzte große Pluspunkt des Films: "Piercing" ist nach langer Zeit wieder einmal ein Film, wo ich keine Ahnung hatte, wo sich das hinbewegt. Und eben dies gemeinsam mit den Figuren herauszufinden, fand ich ungemein spannend. Der einzige wesentliche Kritikpunkt ist, dass ich leider mit der Destination, die sich letztendlich erreichen, nicht 100%ig glücklich war. "Piercing" endet auf ziemlich offene Art und Weise, und noch dazu in einem doch eher billigen Abschlussgag. Hier hätte man sich doch etwas mehr Mühe geben können, um einen zufriedenstellenden Abschluss für die Geschichte zu finden. Davon abgesehen sei er jedoch allen Fans psychologischer Thriller wärmstens empfohlen!

Fazit: Mittlerweile ist es mehr als zwei Wochen her, dass ich den Film gesehen habe – und immer noch fällt es mir schwer, meine Gedanken zu ihm – und insbesondere den Figuren, und was sich zwischen ihnen abspielt – einzuordnen. Und ja, das ist positiv gemeint – immerhin kam es schon länger nicht mehr vor, dass mich ein Film nachdem ich ihn gesehen habe so lange beschäftigt hat. Dabei ist das Setup ja eigentlich noch ziemlich geradlinig. Was sich dann jedoch in weiterer Folge daraus entspinnt, fand ich ungemein fesselnd, und so faszinierend wie verstörend. Was ebenfalls bestach, waren die schauspielerischen Leistungen. Christopher Abbott spielt den von seinen dunklen Gelüsten gequälten Reed ausgesprochen gut, und schafft es, für diesen trotz seines abscheulichen Plans doch irgendwie Sympathie zu wecken. Und Mia Wasikowska war auch gewohnt großartig. Wieder einmal erweist sie sich als Chamäleon, das hinter der Figur verschwindet, und begeistert mit einer spielfreudigen Performance. Aber auch die Inszenierung stach hervor. Angefangen dabei, den gesamten Soundtrack aus Genre-Klassikern zu entnehmen (darunter u.a. auch aus "Tenebre"), über das grandiose Setdesign (das Hotelzimmer, Jackies Wohnung) bis hin zur interessanten Idee mit den Modellaufnahmen, die dem Film von Anfang an etwas Surreales verleihen. Einzig das offene, in einem doch eher billigen Gag mündende Ende fand ich etwas unbefriedigend. Davon abgesehen aber eine faszinierende Charakterstudie zweier überaus problemgebeutelter Figuren, die wie für einander geschaffen scheinen.

Wertung:8 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2018 Universal Pictures Home Entertainment)


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Weiterführende Links:
Halloween-SPECiAL 2018





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