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Shape of Water: Das Flüstern des Wassers Drucken E-Mail
Doppelreview zu Guillermo del Toros Außenseiter-Märchen Kategorie: Filme - Autor: C. Siegel | M. Spieler - Datum: Freitag, 16 Februar 2018
 
Oscar-SPECiAL

 
Shape of Water
Originaltitel: The Shape of Water
Produktionsland/jahr: USA 2017
Bewertung:
Studio/Verleih: Fox Searchlight Pictures/20th Century Fox
Regie: Guillermo del Toro
Produzenten: U.a. J. Miles Dale & Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro & Vanessa Taylor
Filmmusik: Alexandre Desplat
Kamera: Dan Laustsen
Schnitt: Sidney Wolinsky
Genre: Fantasy/Romanze/Drama
Kinostart Deutschland: 15. Februar 2018
Kinostart USA: 22. Dezember 2017
Laufzeit: 123 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 16
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu-Ray, DVD
Mit: Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins, Octavia Spencer, Doug Jones, Michael Stuhlbarg, David Hewlett u.a.


Kurzinhalt: Die stumme Elisa Esposito arbeitet in den 60ern als Reinigungskraft in einer streng geheimen Einrichtung des US-Militärs. Eines Tages bringt man dort ein Wesen ins Labor, bei dem es sich um eine Art Fischmann zu handeln scheint. Elisa fühlt sich dem Amphibienmann, an dem alle möglichen schrecklichen Experimente durchgeführt werden, verbunden. Als sie beginnt, sich in ihren Mittagspausen ins Labor zu schleichen um ihn zu besuchen, entsteht langsam ein zartes Band zwischen ihnen. Als sie mitbekommt, dass der Amphibienmann in Kürze in ein anderes Labor verlegt und dort exhumiert werden soll, wagt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Zelda sowie ihrem schwulen Mitbewohner Giles einen Rettungsversuch…

Review von Christian Siegel: Szenenbild. Ich hatte das Glück, "The Shape of Water" bereits auf der letztjährigen Viennale zu sehen, und auch wenn ich jetzt nicht unbedingt in Begeisterungsstürme verfallen bin, so war ich von Guillermo del Toros jüngsten Werk doch sehr angetan. Was dabei für mich am deutlichsten hervorstach war, wie er gesellschaftliche Außenseiter ins Rampenlicht rückt, und zu den Helden des Films macht. Egal ob die stumme Elisa, ihre afroamerikanische Freundin, ihr homosexueller Zimmergenosse, oder auch der Amphibienmensch, bei ihnen allen handelt es sich um Figuren, die am Rande der Gesellschaft stehen, und von anderen oftmals ignoriert und unterschätzt werden. Vor allem mit letzterem spielt "Shape of Water" nach dem erfolgreichen Rettungsversuch ungemein geschickt. Strickland steht hier insofern repräsentativ für die Gesellschaft, als er zwar alle möglichen Erklärungen für die Flucht des Fischmannes in Betracht zieht – insbesondere eine Gruppe russischer Spione – aber dass Elisa & Co. dafür verantwortlich sein könnten, scheint sein Vorstellungsvermögen zu übersteigen. Die Anzeichen sind zwar da, und er mag einen gewissen Verdacht hegen, letztendlich kann er sich jedoch nicht dazu durchdringen, dies ernstlich als Erklärung in Betracht zu ziehen. Und so machen sich Elisa und ihre Freunde etwas eigentlich sehr trauriges zu Nutze.

Im Mittelpunkt des ganzen steht dabei die wundervolle Sally Hawkins, der es mit ihrer charmanten Performance auch ganz ohne Stimme gelingt, den Zuschauer zu verzaubern. Auch Michael Shannon zeigt als Strickland eine großartige Leistung. Es gibt aktuell wenige Darsteller, denen es so leicht fällt, zwischen pro- und antagonistischen Rollen hin- und herzuschwenken, und in beiden gleichsam zu überzeugen. Hier gibt er wieder einmal den Bösewicht, und verleiht seinem rohen und hasserfüllten Charakter eine derartige Bedrohlichkeit, dass ich doch sehr enttäuscht war, dass bei stolzen 13 Oscar-Nominierungen für den Film keine für ihn herausgeschaut hat. Richard Jenkins ist zwar ebenfalls sehr gut, aber jetzt mal ehrlich, Shannon hätte es sich mehr verdient. Nichtsdestotrotz will ich Jenkins nicht schlecht reden, sowohl er als auch Octavia Spencer tragen in ihren unterstützenden Rollen ebenfalls viel zum Gelingen des Films bei. Gleiches gilt auch für Guillermo del Toro und seinen Kameramann Dan Laustsen. Zugegebenermaßen erwartet man sich von einem del Toro-Film gar nichts anderes, als dass er optisch bestechend ist, dennoch darf man so etwas nie als selbstverständlich ansehen. Bei "Crimson Peak" mag der "Eyegasm" im direkten Vergleich zwar größer gewesen sein, dennoch ist auch "Shape of Water" wieder wunderschön anzusehen. Und auch der Soundtrack von Alexandre Desplat sticht hervor. Ich habe seinen Stil sofort erkannt, und finde, dass dies sein bester Score seit einer ganzen Weile ist. Seine zärtlichen Töne fangen den romantisch-träumerischen Charakter des Films perfekt ein. Was "Shape of Water" ebenfalls auszeichnet, ist das historische Setting. Dies ist ja etwas, dem sich del Toro gerne bedient, und wie schon bei "The Devil's Backbone", "Pan's Labyrinth" und "Crimson Peak" verleiht dies seinem Film, zusammen mit der märchenhaften Handlung, eine bestechende Zeitlosigkeit.

Szenenbild. Im Zentrum des Films stellt aber natürlich die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Elisa und dem Amphibienmann. Wie diese beiden Außenseiter hier langsam zusammenwachsen und Gefühle füreinander entwickeln, fand ich schon sehr schön anzusehen. Das Ganze ist dabei einerseits herrlich romantisch, hat jedoch teilweise auch einen ordentlichen erotischen Einschlag, da sich del Toro was nackte Tatsachen betrifft nicht zurückhält. Das mit dem Märchen für Erwachsene ist somit in diesem Fall wortwörtlich gemeint. Womit wir auch die Brücke zu jenen Elementen geschlagen hätten, die mich nicht ganz so überzeugen konnten. So ist "Shape of Water" teilweise was den Ton betrifft schon ein ziemlich eigenwilliger Film. Die meiste Zeit ist er so harmlos dass man ihn fast ab 6 Jahren freigeben würde, dann jedoch wird dieser märchenhafte Charakter immer wieder durch brutale Momente durchbrochen, die für mich dann auch das FSK 16-Rating voll und ganz rechtfertigen. Zwar grundsätzlich eine interessante Kombination, aber ob die Gewalteinlagen unbedingt notwendig waren, darüber kann man geteilter Meinung sein. Zudem ist der Film teilweise sehr vorhersehbar, was auf die Spannung drückt. Letztere fristet hier ohnehin zugunsten der im Mittelpunkt stehenden Romanze ein Schattendasein; und Horror sollte man sich schon gar keinen erwarten. Und was die Story betrifft, ist "Shape of Water" abseits des Fokus auf Außenseiter jetzt auch nicht unbedingt was Besonderes. Ein schöner und rundum gelungener Film ist er aber allemal.

Fazit: Mit "Shape of Water" präsentiert uns Guillermo del Toro eine zauberhafte und außergewöhnliche Liebesgeschichte. Als besonders positiv empfand ich an seinem modernen Märchen für Erwachsene, wie er jene Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ins Rampenlicht rückt und zu den Helden seiner Geschichte macht. Zudem verleiht ihm das historische Setting eine herrliche Zeitlosigkeit. Wie für einen Film von del Toro gewohnt, ist "Shape of Water" auch optisch brillant (was man jedoch, auch wenn man sich nichts anderes mehr erwartet, nie als selbstverständlich hinnehmen darf). Aber auch die schauspielerischen Leistungen – insbesondere von der bezaubernden Sally Hawkins sowie dem bedrohlichen, ausdrucksstarken Michael Shannon – stechen hervor. Alexandre Desplat reichert den Film zudem um eine wunderschöne, stimmige musikalische Untermalung an. Zugegebenermaßen ist der Film story-technisch jetzt nicht unbedingt etwas Besonders. Zudem mag sich der eine oder andere am etwas eigenwilligen Ton stören, da der Film zwar überwiegend harmlos ist (es gibt kaum wirklich spannende Momente, von Horror-Elementen ganz zu schweigen), jedoch vereinzelt weder mit nackten Tatsachen noch mit brutalen Gewaltszenen geizt. Diese doch etwas eigenwillige Kombination muss man schon mögen. Insgesamt ist "Shape of Water" aber eine wundervolle Fabel über Außenseiter und die Macht der Liebe, das neben der Wahl der Helden vor allem mit dem historischen Setting und ein paar wundervollen, romantischen, berührenden Szenen besticht.

Wertung:8 von 10 Punkten


Christian Siegel
Review von Michael Spieler: Szenenbild. Es tut mir Leid, aber ich weiß nicht, woher die 13(!) Nominierungen für "Shape of Water" kommen. Sicher, es ist ein süßer kleiner Film. Aber auch eher nischig und vom Gefühl eher eine Monster-der-Woche-Akte-X-Episode, auf zwei Stunden aufgeblasen. Die verpflichteten Schauspieler spielen ohne Zweifel auf gewohnt hohem Niveau, aber oscar-würdig? Die Story an sich ist wenig kompliziert und schnell erzählt. Es wird hauptsächlich durch Elisa (Sally Hawkins) süß und verträumt. Natürlich spricht der Film große Themen, wie Gleichheit und Gerechtigkeit an, was mir aber ein Spur zu künstlich, durch die Stummheit dieser Hauptfigur, erhoben wird. Die Frau ohne Stimme spricht am Lautesten und die Wahrheit. Als wäre ihre Stummheit ein eingebauter Oscargarant. Für mich hat sich "Shape of Water" nicht groß von anderen Werken von Guillermo Del Toro unterschieden, von denen ich zugegebener Maßen auch großer Fan bin. Immer wieder musste ich an "Pans Labyrinth" denken, dass sich eine spezifische Ära als Hintergrund vornimmt - eine Ära voller Gewalt - und ein fantastisches Element oben drauf setzt. Genau dasselbe Muster verfolgt auch "Shape of Water" mit dem detailreich und liebevoll herbeigezauberten Amerika der 1960er Jahre, mit all seinen politischen und gesellschaftlichen Unzulänglichkeiten, auf das das fantastische Element des Gottes aus dem Amazonas gesetzt wurde.

Das hat alles ganz hohes Niveau, aber es fühlt sich an wie das völlig überhypte "Stranger Things" auf Netflix. Als wäre es daraufhin programmiert, genau alle diese Knöpfe zu drücken. Elisas schwuler Nachbar & Werbezeichner Giles, gespielt von Richard Jenkins, und Elsias Kollegin Zelda, gespielt von "Hidden Figure" Octavia Spencer, leihen Elisa für den Zuschauer ihre Stimme und sind dabei natürlich ganz zauberhaft. Auf der anderen Seite ist da Michael Shannon, der mal wieder den Bösewicht spielen darf und zwar ohne jede Hemmung. Richtig fies, unmenschlich und arschlöchrig – jemanden den das Publikum sofort leidenschaftlich hassen kann. Und darin liegt für mich das Problem, dass ich mit "Shape of Water" habe – diese stumpfen Gegenpole langweilen mich einfach und luden auch hier zum Gähnen ein. Außerdem fand ich Shannon in seiner Rolle des Verhörers Richard Strickland viel zu übertrieben. Doug Jones, der schon in "Hellboy" die Wasserkreatur Abe Sapien spielen durfte und zuletzt Commander Saru in "Star Trek: Discovery", schlüpft in die Rolle des "Monsters", in das sich Elisa verliebt. Leider darf der nur durch Körpereinsatz glänzen und beeindruckt durchaus damit, dass er durch unfassbar viel Make-up noch Emotionen auf seinem Gesicht zeigen kann. Aber nicht nur die Figuren sind überhöhte Klischees: Vieles ist an den Haaren herbeigezogen und soll irgendwie magisch wirken. Dieses Märchen für Erwachsene strotzt aber auch vor zu realer Gewalt, Blut und Sex, was mir diesen Abstand zum Märchen raubte. Da ist auf einer Seite das Hyperreale – weil Del Toro einfach nicht widerstehen kann, einen Gewaltexzess zu inszenieren – und auf der Anderen das Verspielte, Verträumte, Magische. Was beim erwähnten "Pans Labyrinth" noch zusammenging, hat mich als Zuschauer von "Shape of Water" aus dem Film gerissen.

Szenenbild. Die Romanze zwischen Elisa und der Kreatur kommt aus dem Nichts und wird allein durch ihre jeweilige Verschiedenheit zu allen anderen begründet. Außerdem erscheint Elisa als dauergeile Nymphomanin, was sie ein ums andere Mal - in meinen Augen - als zutiefst egoistische Person darstellt. Alexandre Desplats Filmmusik kann sich allerdings wieder einmal hören lassen. Gerade das Hauptthema ist wunderschön geworden. Die anderen Stücke sind wie aus der Zeit gefallen und fangen die 60er auch großartig ein. Wie schon erwähnt, hat auch hier die Ausstattung Großes geleistet und die Film-60s glaubhaft umgesetzt. Del Toro sollte das mit der Romantik in seinen Filmen aber noch einmal überdenken. Das hat für mich vorn und hinten nicht funktioniert und war schlimmer, als jede französische Schmonzette. Das einzige Fantastische war die Kreatur, die hier sprichwörtlich "out of water" war - der eine entsprechend fantastische Umgebung fehlte. Schade. Ich habe "Shape of Water" nicht gehasst, aber ich finde ihn auch nicht supergrandios. "Die Schöne und das Biest" war hier spannender und magischer, als diese seltsame Kopie. Es tut mir echt Leid, aber Setting, Spionage-Plot und süße Darsteller, tragen dann auch nur ein paar Sterne weit. Dem Hauptplot konnte ich wenig abgewinnen, so dass mich die Nebenerzählstränge viel mehr interessierten.

Fazit: "Shape of Water" ist eine sehr einfach gestrickte Die-Schöne-und-das-Biest-Romanze in einer sehr harschen Umgebung, mit einer Spur zu viel Wahnsinn, Gewalt und zu hohen Erwartungen. Es ist ein süßer kleiner Film, der gern mehr bzw. größer wäre, als er ist. Da hat "Black Panther" diese Woche deutlich mehr fürs Eintrittsgeld zu bieten.

Wertung:5 von 10 Punkten
Michael Spieler
(Bilder © 2017 20th Century Fox)


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