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Schulkinder im brutalen Kampf um Leben und Tod Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Freitag, 07 April 2017
 
 
Battle Royale
Originaltitel: Batoru rowaiaru
Produktionsland/jahr: Japan 2000
Bewertung:
Studio/Verleih: Toei Company/Alive Film und Marketing
Regie: Kinji Fukasaku
Produzenten: U.a. Kenta Fukasaku & Kinji Fukasaku
Drehbuch: Kenta Fukasaku, nach dem Roman von Koushun Takami
Filmmusik: Masamichi Amano
Kamera: Katsumi Yanagijima
Schnitt: Hirohide Abe
Genre: Thriller/Drama
Kinostart Deutschland: 07. April 2017
Kinostart Japan: 16. Dezember 2000
Laufzeit: 122 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 18
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu-Ray, DVD
Mit: Tatsuya Fujiwara, Aki Maeda, Tarô Yamamoto, Takeshi Kitano, Chiaki Kuriyama, Sôsuke Takaoka, Takashi Tsukamoto u.a.


Kurzinhalt: Nach der Jahrtausendwende wurde in Japan das Battle Royale-Gesetz verabschiedet. Dieses sieht vor, dass jedes Jahr eine Schulklasse Fünfzehnjähriger ausgewählt wird, um in einer großen Schlacht gegeneinander anzutreten. Allen SchülerInnen wird ein elektronisches Halsband angelegt, dass ihre Lebensfunktionen überprüft, und auch eine Bombe beinhaltet. Diese explodieren, wenn man sich zu lange in einer der stündlichen wechselnden Sperrzonen aufhält. Zudem darf es am Ende der Schlacht, die drei Tage dauert, nur einen Überlebenden geben, sonst werden die Halsbänder aller noch lebenden SchülerInnen gezündet. Per Zufallsprinzip werden den Kandidaten Waffen zugewiesen, die von Handfeuerwaffen über Messer bis hin zu einem Mülldeckel reichen. Solcherarts ausgestattet auf einer einsamen, verlassenen Insel ausgesetzt, entbrennt schon bald ein bitterer und brutaler Kampf auf Leben und Tod…

Review: Szenenbild. Nach seiner Veröffentlichung erlangte "Battle Royale" zwar quasi weltweit den Ruf eines Skandalfilms – aufgrund der Art und Weise, wie er schonungslose und brutale Gewalt unter Teenagern darstellt – in Deutschland hatte Kinji Fukasakus Verfilmung des gleichnamigen Romans jedoch eine ganz besonders schweren Weg vor sich. Nach seiner Premiere beim Japanese Film Festival im April 2002 wurde im darauffolgenden Sommer eine stark geschnittene Fassung veröffentlicht – doch selbst die war vor der BPjS nicht gefeit und landete auf dem Index. Ungeschnitten war der Film im deutschsprachigen Raum bislang nur in Österreich zu bekommen, wobei eine entsprechende Blu-Ray-Veröffentlichung aus dem Jahr 2013 in Deutschland sogar kurzzeitig als beschlagnahmt galt. Nun hat der deutsche Verleih "Alive" eine Neuprüfung beantragt, woraufhin "Battle Royale" in der ungeschnittenen Fassung eine FSK18-Freigabe erhielt und vom Index genommen wurde – womit einer Veröffentlichung auf DVD und Blu-Ray in Deutschland nun nichts mehr im Wege steht. Zur Feier dieses Anlasses bekommt der Film zudem vorab einen limitierten Kinorelease. Doch ist "Battle Royale" denn heutzutage, gerade auch nach der in vielerlei Hinsicht ähnlichen "The Hunger Games"-Reihe, überhaupt noch relevant und sehenswert?

In meinen Augen ist die Antwort auf diese Frage ein klares und entschiedenes "Ja!". Und das, obwohl ich selbst ein großer Fan der "Hunger Games"-Reihe bin (die "Battle Royale" jedoch zweifellos Tribut schuldet), und "Battle Royale" bislang immer verpasst hatte. Was ihn aber u.a. so hervorstechen lässt, und gerade auch im Vergleich zu den "Tributen von Panem" auffällt, ist seine schonungslose Darstellung der Gewalt. Wie gesagt, ich mochte die auf Suzanne Collins Romantrilogie basierenden Filme grundsätzlich ja wirklich gerne, aber einen Kritikpunkt, den sich die "Hunger Games" zweifellos gefallen lassen müssen, ist die kommerziell motivierte Verharmlosung der Gewalt. Denn auch wenn es ein paar harte Entwicklungen gab, aber bei einem PG-13 bzw. FSK12-Film war der Brutalität der Kampfszenen von vornherein enge Grenzen gesetzt. "Battle Royale" hält sich hingegen in dieser Hinsicht in keinster Weise zurück, und zeigt schonungslos, was es heißt, wenn man rund vierzig Teenager in einem blutig-brutalen Kampf auf Leben und Tod aufeinander loslässt. Es ist eben diese Kompromisslosigkeit, die "Battle Royale" so auszeichnet und von thematisch ähnlichen Filmen abhebt. Zusätzlich an Reiz, Härte und Aussagekraft gewann er für mich dann dadurch, dass er nicht einfach "nur" fünfzehnjährige Teenager aufeinander hetzt, sondern eine Schulklasse – und damit Jugendliche, die sich kennen. Nun gibt es zugegebenermaßen in jeder Klasse eine Gruppendynamik, Cliquen die sich bilden, etc. Ich will damit sagen: Hätte man meine alte Schulklasse für so ein Spiel ausgewählt (mal abgesehen davon, dass ich wohl ohnehin eins der ersten Opfer gewesen wäre), wäre es mir bei manchen nicht ganz so schwer gefallen, sie umzubringen, wie bei anderen. Man mag halt nun mal nicht jeden. Und doch zwingen die Regel der Battle Royale auch Freunde und teilweise sogar Verliebte dazu, gegeneinander anzutreten, wenn sie überleben wollen.

Szenenbild. In weiterer Folge wird die Insel zu einem Mikrokosmos, der nicht nur diese spezielle Schulklasse, sondern letztendlich die gesamte – und meines Erachtens nicht nur japanische – Zivilisation abbildet, da jeder mit dieser Extremsituation anders umgeht. Manche können den Druck und die Gewissheit ihres bevorstehenden Schicksals nicht ertragen und wählen den Freitod. Andere versuchen – mehr oder weniger erfolgreich – gegen das System dass sie unterdrückt aufzubegehren und aus dem Gefängnis, in dem sie sich befinden, auszubrechen. Manche üben sich in Vogel-Strauß-Politik, halten sich soweit als möglich zurück und scheinen die Augen davor zu verschließen, was sie erwartet, wenn sie diesen Kurs beibehalten. Dann gibt es jene, die versuchen, sich trotz all des Wahnsinns der sie umgibt ihre Menschlichkeit zu bewahren. Und dann sind ja auch noch jene, die in dieser Situation förmlich aufzublühen scheinen, und diese Gelegenheit nutzen, um endlich aus den Konventionen der Gesellschaft auszubrechen und ihren inneren Psychopathen herauszulassen. Und die zentrale Frage, die bei alldem über dem Geschehen schwebt, und den Film für mich unter anderem so faszinierend macht, ist: Wie würde man selbst in dieser Situation reagieren? In welche Kategorie würde man fallen? Was wäre man bereit, für das eigene Überleben zu tun und/oder zu opfern? Wie weit würden wir gehen?

Aufgrund der Fülle an SchülerInnen die hier aufeinander losgelassen werden war es natürlich nicht möglich – und wäre auch nicht zielführend gewesen – allen die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Stattdessen konzentriert sich "Battle Royale" auf eine wenige, die wir dafür – teilweise auch dank Rückblenden – auch wirklich gut kennenlernen. Schön auch, dass man sich was diesen Fokus betrifft nicht nur auf die "Guten" konzentriert, sondern auch ein paar der wahnsinnigeren Figuren Aufmerksamkeit schenkt. Auch die Inszenierung weiß zu gefallen. Die Kämpfe sind abwechslungsreich, zugleich ist "Battle Royale" aber kein Film, wo man sich an diesen aufgeilen und mitjubeln soll. Vielmehr stockt einem angesichts der Brutalität, in der sich diese Jugendlichen gegenseitig umbringen, der Atem. Zusätzlich verstärkt wird die erschütternde Wirkung der Bilder durch den Kontrast, der sich teilweise durch das Einspielen schöner klassischer Musikstücke ergibt. Wobei ich auch die eigens für den Film komponierte Musik von Masamichi Amano, die sich stimmig in die klassischen Werke einfügte, sehr gelungen fand. Und insgesamt war der gesamte Film einfach ungemein packend und unterhaltsam. Gänzlich ohne Schwächen ist "Battle Royale" dann jedoch auch wieder nicht. So ist der Ausgang des Geschehens keine große Überraschung. Eine bestimmte Wendung zum Ende hin schien mir zudem eine bewusste Finte in Richtung Zuschauer zu sein, aus handlungsinterner-logischer Sicht aber keinen Sinn zu ergeben. Eine gewisse Toleranz gegenüber dem teils etwas übertriebenen Stil japanischer Filme sollte man auch mitbringen. Mein größter Kritikpunkt ist aber der quasi in die Klasse geschmuggelte Kämpfer, der sich rasch als der Haupt-Bösewicht herausstellt. Nicht nur war mir der Profikämpfer unter den SchülerInnen vom Konzept her schon ein Dorn im Auge (mir wäre es dann doch lieber gewesen, wenn sie – mit Ausnahme des einen Veteranen – alle nur "Amateure" gewesen wären), er war auch enorm klischeehaft, und als Figur zudem viel zu eindimensional und uninteressant. Sein offenkundiger Charakter als Haupt-Bösewicht machte zudem die Kämpfe mit ihm nicht wirklich spannend. Einen ganz normalen Schüler, der durch die Ereignisse hier wahnsinnig wird, oder auch einfach die Gelegenheit genießt, endlich seinen inneren Psychopathen rauszulassen, hätte ich vorgezogen.

Fazit: Szenenbild. Auch wenn Hollywood mit der "Hunger Games"-Reihe eine beliebte und gelungene Variation des Themas abgeliefert hat, lohnt sich auch heute noch ein Blick auf die verrückt-abgefahren-brutale japanische Inspirationsquelle "Battle Royale", die ab heute in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen ist, und nach Wegfall der Indizierung Ende April endlich (wieder) ungeschnitten in Deutschland auf DVD und Blu-Ray verfügbar sein wird. Der Film hat dabei in den letzten 15+ Jahren nichts an Wirkung und Faszination eingebüßt. Im Gegensatz zur glattgebügelten Hollywood-Variante zeigt Kinji Fukasaku die blutigen Folgen eines solchen Gemetzels mit schonungsloser Kompromisslosigkeit. Die Action bei "Battle Royale", so gut inszeniert sie auch sein mag, ist nie cool, sondern immer abschreckend. Das interessante Konzept und der weitere Handlungsverlauf zwingen zudem den Zuschauer förmlich dazu, sich zu fragen, wie man selbst in so einer Situation handeln würde – und genau in dieser Frage, sowie der Art und Weise, wie sich "Battle Royale" den unterschiedlichen Möglichkeiten widmet, bezieht der Film enorm viel an Reiz. Der Bösewicht mag mir – gerade auch für diesen Film – zu 08/15 und eindimensional gewesen sein, und damit die Höchstwertung verhindern. Zudem hilft es sicherlich, davor schon den einen oder anderen japanischen Film gesehen und mit ihrer teils bewusst überzogenen und überdramatisierten Machart vertraut zu sein. Schafft man es, sich auf ihn einzulassen, wird man diesen brutalen und knallharten Überlebenskampf aber sicherlich so rasch nicht vergessen.

Wertung:9 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2017 Alive Film und Marketing GmbH)


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