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Starship Rising Drucken E-Mail
Amateurhafte Billigst-SF mit Trash-Garantie Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Freitag, 09 Dezember 2016
 
Advents-SPECiAL

 
Starship Rising
Originaltitel: Starship: Rising
Produktionsland/jahr: USA 2014
Bewertung:
Studio/Verleih: Morphius Film/EuroVideo
Regie: Neil Johnson
Produzenten: Philip Burthem, Neil Johnson & Megan Kay
Drehbuch: Neil Johnson
Filmmusik: Charles-Henri Avelange
Kamera: Kyle Wright
Schnitt: Dave Edison
Genre: Science Fiction
DVD-Premiere Deutschland: 28. Mai 2015
Kinostart USA: 21. August 2014
Laufzeit: 91 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 12
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu-Ray 3D, Blu-Ray, DVD
Mit: Darren Jacobs, Emii, Brooke Lewis, Claudia Wells, E.J. De la Pena, Ralph Guzzo, Rajia Baroudi, Marilyn Ghigliotti, Christina Marie Moses, Lynn Ayala, Breck Gallini, Christian Anderson, Joshua Paul Miller, Neil Johnson u.a.


Kurzinhalt: Seit Jahren befinden sich zwei mächtige Sternenimperien, die Föderation und die Terra Nostra, im Krieg. Als die Kommandantin von Starship One, dem mächtigsten Raumschiff der Föderation den Befehl erhält, einen ganzen Planeten zu vernichten, meutert ihr erster Maat John Worthy, und übernimmt das Kommando. Daraufhin nimmt man automatisch an, dass er auf Seiten der Terra Nostra stehen würde – vielmehr fühlt er sich jedoch keinem der beiden bösen Imperien verbunden – was ihn und das Schiff zur Zielscheibe beider Seiten macht…

Review: Szenenbild. Dank einem guten Freund habe ich dieses Jahr einen neuen, kleinen, höchst empfehlenswerten DVD-Shop in Wien gefunden: Das DVD-Paradies in der Kandlgasse im 7. Wiener Bezirk (so viel Werbeeinschaltung wird ja wohl hoffentlich noch erlaubt sein). Als ich das erste Mal dort war, schnappte ich mir nicht nur die Blu-Ray von "Piranha", sondern stolperte bei den gebrauchten Blu-Rays, die für gerade mal drei Euro über den Ladentisch gingen, über einen recht jungen SF-Film, von dem ich noch nie gehört hatte. Nun bin ich eigentlich nicht der Mensch für impulsive Blindkäufe, auch wenn der Preis verlockend war. Bevor ich das Geld auslegte, wollte ich aber erst schauen, ob der nicht vielleicht eh nicht irgendwo gratis gestreamt wird. So verschlug es mich auf die Produktseite von amazon.de, wo ein Ein-Stern-Review das nächste jagt. Nun gut, amazon.de-Rezensenten in allen Ehren, aber die schreiben durchaus auch mal viel Quatsch, wenn der Tag lang ist (nichts für ungut), insofern ist das für mich kein vertrauenswürdiges Qualitätskriterium. Also die IMDB angeworfen, und nach dem Film gesucht. User-Wertung: 2.1/10. Ok, reden die Rezensenten vielleicht ausnahmsweise doch mal keinen Mist.

Der – in Ermangelung eines besseren Wortes – "normale" Filmfan hätte die Blu-Ray daraufhin in den Korb zurückgelegt und wäre sich mit der Hand über die Stirn gestrichen, glücklich darüber, dieser filmischen Katastrophen-Kugel gerade noch so ausgewichen zu sein. Leider bin ich nur halt kein "normaler" Filmfan. Wenn die Wertungen so im durchschnittlichen oder leicht negativen Bereich gewesen wären, hätte ich die Blu-Ray sicher auch zurückgelassen, aber die vernichtenden Rezensionen in Verbindung mit dem 2.1-Rating übten auf das ständig wachsende Trash-Zentrum in meinem Gehirn eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Und so habe ich für diesen Schund doch tatsächlich drei Euro hingelegt. Finanzielle Vernünftigkeit sieht definitiv anders aus. Hat es sich also wenigstens gelohnt? Nun, nur insofern, als ich jetzt immerhin das Vergnügen habe, einen Verriss zu schreiben. Der Film selbst wäre nicht einmal drei Cent wert gewesen – und schien auch nicht signifikant mehr gekostet zu haben. Womit wir auch gleich beim ersten Punkt angekommen sind: In meinem Vorschautext schrieb ich von Billigst-SF. Das billigst ist dabei wirklich ganz bewusst gewählt, und ist keine künstlerische Ausschmückung oder Übertreibung, sondern trifft in diesem Fall wirklich auf den Punkt. Ich habe "Star Trek"-Fanfilme gesehen, die hochwertiger aussahen, als das hier. Wobei "Starship Rising" mich durchaus an den einen oder anderen dieser Amateur-Fanfilme erinnert hat – mit dem Unterschied, dass die Wahnsinnigen für den Dreck doch tatsächlich Geld verlangen, während die besagten Fanfilme gratis verfügbar sind. Selbst der ebenfalls für lau entstandene "Star Wreck: In the Pirkinning" wirkt im Vergleich wie eine Hochglanzproduktion aus Hollywood.

Szenenbild. Nun gut, man bekommt als Filmemacher nun mal bedauerlicherweise nicht immer das Geld, dass man gerne hätte, um eine Geschichte zu erzählen (und gelegentlich ist es mindestens ebenso bedauerlich, wenn es die Filmemacher doch bekommen – aber das ist eine andere Geschichte). Und auch wenn man "Starship Rising" das mangelnde Budget an allen Ecken und Enden ansieht, insbesondere an der Vielzahl an digitalen Bluescreen-Sets und Hintergründen, sowie der Art und Weise, wie man bei den wenigen Szenen die im Freien gedreht wurden verzweifelt versucht, zu kaschieren, dass es sich um die Erde handelt (in dem man so gut wie nichts vom Hintergrund zeigt, und die Kamera immer möglichst nah an den Gesichtern, Figuren bzw. generell dem Geschehen hält), hätte ich ja noch akzeptieren können. Gleiches gilt auch für die teils laienhaften darstellerischen Leistungen, da du für wenig bis gar kein Geld halt meist nicht den nächsten Al Pacino bekommst (ja üblicherweise nicht einmal den nächsten Freddie Prinze Jr.). Und so billig die Produktion insgesamt wirkt, so muss ich doch offen und ehrlich zugestehen, dass die CGI-Weltraumaufnahmen durchaus ansehnlich und beachtlich sind.

Was "Starship Rising" jedoch letztendlich das Genick bricht, ist die dilettantische Umsetzung, die sich praktisch durch alle Bereiche des Films zieht. Das beginnt schon beim Drehbuch, wo ich letztendlich trotz der amateurhaften Umsetzung sogar den größten Knackpunkt des Films verorte. So wird man im Gegensatz zu einigen offenkundigen Vorbildern – wie "Star Wars" – bei "Starship Rising" ohne jegliche Vorbereitung in den Film hineingeworfen. World Building? Vorstellung der wichtigsten Figuren und Fraktionen? Charaktermotivation? Leider soweit es Neil Johnson betrifft alles Fremdwörter. Figuren tauchen plötzlich auf und sind ebenso plötzlich wieder verschwunden, die Handlung springt völlig unmotiviert zwischen viel zu vielen Handlungsorten und Charakteren herum, und insgesamt ist der Film einfach nur ein völlig wirres und inkohärentes Durcheinander, ohne erkennbaren narrativen Faden oder auch einem Mindestmaß an Spannung. Ich verstand weder die Handlung, noch die Figuren, oder auch einfach nur die Welt. Dies ging so weit, dass ich den großen Twist am Ende erst kapiert habe, als ich mich für dieses Review ein bisschen eingelesen habe. In so einem Fall hast du als Filmemacher halt dann echt völlig versagt. Weitere Schwachpunkte waren die ungemein künstlich aussehende Hauptdarstellerin Emii, bei der ich teilweise dachte, das wäre ein CGI-Charakter (sie wirkt echt wie aus einem Videospiel entnommen), das völlig unnötige Gefluche mit dem man versucht, sich ja von anderen Filmen abzuheben und verkrampft einen auf "edgy" tut, die teils grauenhaften Dialoge ("You may not be ready, but the situation is ready for you." "I did what was right, but I was wrong." "I don't want to die out here, it's cold!"), sowie die überflüssigen Sexszenen ohne jegliche nackte Haut, die nicht nur deshalb völlig peinlich wirken. Wie letztendlich auch der gesamte Film. Einzig ein gewisses Mindestmaß an Charme, dass sich aus dem gezeigten Dilettantismus aller Beteiligten ergibt, sowie die unverkennbaren Ambitionen der Macher, verhindern die Tiefstwertung – sind letztendlich aber auch bei weitem nicht genug, um ihn auch nur ansatzweise empfehlenswert zu machen.

Fazit: Szenenbild. Alles in allem erwies sich "Starship Rising" als echte Trash-Granate, die sich auch gut im SchleFaz-Programm machen würde. Abseits der ansehnlichen CGI-Effekte haben wir hier eine Billigst-Produktion vor uns, der man das mangelnde Budget auch an allen Ecken und Enden – insbesondere dem exzessiven Einsatz digitaler Bluescreen-Hintergründe – ansieht. Die "Schauspieler" agieren laienhaft, die Inszenierung ist dilettantisch, ein Spannungsaufbau quasi nicht vorhanden. Am meisten krankt es jedoch am Drehbuch, das zu viele verschiedene Figuren zusammenwirft, ohne so je ihre Ziele und Motive klar zu machen. Wie der Film generell jegliches World-Building scheut wie der Teufel das Weihwasser. Stattdessen wird man völlig unvorbereitet und ohne essentielle Hintergrundinformationen in den Film hineingeworfen, und zumindest ich verstand dann letztendlich nicht einmal die Hälfte von dem, was hier vor sich ging. Der diesbezügliche Höhepunkt war zweifellos der große Twist am Ende, den ich ohne nachträgliche Internet-Recherche nicht kapiert hätte. Zugegeben, aus der Diskrepanz zwischen den offenkundigen Ambitionen der Filmemacher und ihrem nicht minder offenkundigen Scheitern bezieht "Starship Rising" einen gewissen perversen Reiz. Selten haben die Worte "Gewollt, aber nicht gekonnt" einen Film so treffend beschrieben, wie hier. Ich weiß echt nicht, was schlimmer ist: Dass der Film, anstatt seine Geschichte fertig zu erzählen, in einen überaus frechen und auch höchst optimistisch wirkenden "To be continued…"-Cliffhanger mündet – oder dass es diese Fortsetzung tatsächlich gibt. Und das Allerschlimmste an dem Ganzen ist wohl, dass ich mich gut genug kenne um zu wissen: Wenn ich sie eines Tages für € 3,- in der Ramschkiste finden sollte, werde ich mich wohl abermals nicht zurückhalten können.

Wertung:2 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2015 EuroVideo)


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