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Französisches Kino der Oberklasse Kategorie: Filme - Autor: Michael Spieler - Datum: Donnerstag, 13 Oktober 2016
 
 
Frantz
Originaltitel: Frantz
Produktionsland/jahr: F/D 2016
Bewertung:
Studio/Verleih: Mandarin Production/X Verleih AG
Regie: François Ozon
Produzenten: U.a. Eric Altmayer, Nicolas Altmayer, Stefan Arndt & Uwe Schott
Drehbuch: François Ozon & Philippe Piazzo
Filmmusik: Philippe Rombi
Kamera: Pascal Marti
Schnitt: Laure Gardette
Genre: Drama
Kinostart Deutschland: 29. September 2016
Kinostart Frankreich: 07. September 2016
Laufzeit: 113 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 12
Trailer: YouTube
DVD
Mit: Pierre Niney, Paula Beer, Ernst Stötzner, Marie Gruber, Johann von Bülow, Anton von Lucke u.a.


Kurzinhalt: Nach dem 1. Weltkrieg lebt Anna, die einstige Verlobte des im Krieg gefallenen Frantz Hoffmeister, mit im Haus seiner Eltern. Sie trauert auch nach Jahren noch um ihren Liebsten und ignoriert die Avancen anderer Männer im Ort. Eines Tages bemerkt sie, wie ein Franzose Blumen am Grab niederlegt – und wird neugierig…

Review: Szenenbild. François Ozons Filme habe ich von Mitte der 1990er bis Mitte der 2000er Jahre geliebt und verschlungen, bis er mich jedoch 2005 mit "Die Zeit die bleibt" verlor. "Sitcom", "8 Frauen" und "Swimming Pool" gehören sicher mit zum Besten was der französische Film zu bieten hat. "Frantz" wird sich nun dazugesellen. Er ist aber auch ein deutscher Film, denn da wäre zunächst einmal der Hauptdrehort in und um Quedlinburg in Sachsen-Anhalt und die durchgehende Zweisprachigkeit des Films. "Frantz" ist ein Remake von Ernst Lubitschs "Broken Lullaby", dessen deutschen Titel ich hier vorenthalte und euch bitte, nicht in der IMDB nachzuschlagen, wenn ihr nicht gespoilert werden wollt. Dieses Original von 1932 ist nämlich sehr viel direkter im Umgang mit der Thematik und schon Titel und Inhaltsangabe würden verraten, worum es auch in "Frantz" geht.

"Frantz" ist zur Hälfte Deutsch und zur Hälfte Französisch, wobei hier natürlich die auf Französisch gesprochenen Passagen untertitelt sind. Ebenso gibt es die zwei Hauptfiguren, Anna, die Deutsche und Adrien, den Franzosen. Sie erleben im jeweils anderen Land mit, wie das Volk mit dem Ende des Krieges umgeht und auch mit Ihnen. Adrien wird von allen in Quedlinburg verachtet und der trauernde Vater von Frantz, weißt ihn, einen Freund aus Paris, zunächst ab. Nur Anna ist fasziniert und Adrien hartnäckig - so sieht langsam die Familie, die scheinbaren Gemeinsamkeiten zum gefallenen Sohn und Verlobten. Sie beginnen damit, Adrien zu vereinnahmen, der mehr und mehr überfordert und gequält scheint. Die 21jährige Paula Beer ("4 Könige") übernimmt die Rolle der Anna, deren Lebenslust geschwunden ist und die nur noch für die Trauer lebt. Eine Trauer so stark, dass sie alle Farbe wortwörtlich aus der Welt verbannt hat. In den Momenten, in denen sich ihre Stimmung wandelt, kehrt die Farbe in die Welt und auf die Leinwand zurück. Ein wunderbar einfaches und effektives Stilmittel, dass mich positiv überrascht hat. Pierre Niney, der 2014 im gleichnamigen Film Yves Saint Laurent verkörperte, spielt Adrien. Das tut er gerade sanftmütig genug, um die Gedanken des Publikums in eine ganz spezielle Ecke zu dirigieren und man glaubt, die ganze Geschichte zu kennen.

Szenenbild. Abgesehen von den persönlichen Schicksalen beiderseits der Deutsch-Französischen-Grenze, wird die unterliegende Message sehr eindringlich vermittelt und sie ist aktueller denn je. Populismus und Rassismus sind keine neuen Erfindungen, und wohin diese führen und welche Ressentiments auf niederster Ebene geschürt werden, zeigt "Frantz", ohne belehrend zu wirken. Ozon ist hier ein ganz hervorragendes Stück Kino gelungen, auch wenn es sich um eine Art Remake handelt. Die Zurückhaltung mit der er seine Figuren in dieser Zeit präsentiert ist bezaubernd und leider müsste man wirklich spoilern um hier mehr zu verraten. Wer sich den Mut fasst, "Frantz" zu sehen wird ganz sicher nicht enttäuscht – ich war gefangen von den Bildern und der Erzählweise allein. Die Geschichte selbst entzieht sich in großartiger Weise nämlich einer Vorhersehbarkeit und macht "Frantz" damit zu einer Perle von 2016.

Fazit: "Frantz" verzaubert, stimmt nachdenklich und spielt mit der Erwartungshaltung der Zuschauer. Er ist wundervoll ruhig inszeniert und aufgenommen. Er zeigt anhand des Schicksals einer Familie die Sinnlosigkeit von Krieg und was er in den Überlebenden zurücklässt. Wirklich Kino der Oberklasse.

Wertung:9 von 10 Punkten
Michael Spieler
(Bilder © 2016 X Verleih AG)


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