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German Angst Drucken E-Mail
Empfehlenswerte Horror-Anthologie aus Deutschland Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 07 Mai 2015
 
 
German Angst
Originaltitel: German Angst
Produktionsland/jahr: Deutschland 2014
Bewertung:
Studio/Verleih: Kosakowski Films/Neue Pierrot Le Fou
Regie: Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski & Andreas Marschall
Produzenten: U.a. Michal Kosakowski, Michael Landgrebe & Aleksandra Leszczynska
Drehbuch: Jörg Buttgereit, Goran Mimica & Andreas Marschall
Filmmusik: -
Kamera: Sven Jakob-Engelmann
Schnitt: Michal Kosakowski & Andreas Marschall
Genre: Horror
Kinostart Deutschland: 07. Mai 2015
Laufzeit: 112 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 18
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu-Ray, DVD
Mit: Katja Bienert, Andreas Pape, Matthan Harris, Annika Strauss, Daniel Faust, Denis Lyons, Martina Schöne-Radunski, Milton Welsh, Kristina Kostiv, Désirée Giorgetti, Rüdiger Kuhlbrodt u.a.


Kurzinhalt: In "Final Girl" lebt ein junges Mädchen mit ihren Meerschweinchen in einem verwahrlosten Apartment, und terrorisiert in regelmäßigen Abständen ihren Vater. In "Make a Wish" nimmt ein Neonazi-Angriff auf ein gehörloses polnisches Paar eine unerwartete Wendung, als ein altes Amulett dazu führt, dass Täter und Opfer die Körper tauschen. Und in "Alraune" trifft ein Fotograf auf eine verführerische junge Dame, die ihn dazu verleitet, Mitglied eines exklusiven Geheimclubs zu werden. Doch nach einem alptraumhaften Erlebnis dort, droht ihm seine Entscheidung schon bald zum Verhängnis zu werden…

Review: Szenenbild. Für "German Angst" haben sich die drei Regisseure Jörg Buttgereit, Michal Kosakoswki und Andreas Marshall zusammengetan, um Deutschland das Fürchten zu lehren. Wie bei solchen Horror-Anthologien üblich, schwankt dabei die Qualität der einzelnen Segmente ein wenig – insgesamt ist "German Angst" jedoch eine durchaus gelungene – und für Genre-Fans empfehlenswerte – Kurzfilm-Sammlung. Den Anfang macht "Final Girl" von Jörg Buttgereit. Ein solider, gefälliger Start in die Anthologie, der in erster Linie von seiner trostlosen Stimmung steht, die vor allem durch das triste Setup sowie die zahlreichen Nahaufnahmen erreicht wird. Sehr positiv fand ich zudem, dass Buttgereit vor Gewalt nicht zurück schreckt, dabei jedoch zugleich darauf achtet, nicht zu viel zu zeigen, und somit die Phantasie des Zuschauers die Lücken füllen zu lassen. Weniger gut fand ich den Voiceover-Kommentar, der zwar vom Grundgedanken her ganz nett war und auch recht vielversprechend beginnt, sich mit der Zeit aber abnutzt und zuletzt sogar ein bisschen zu nerven beginnt. Vor allem aber hätte ich auf die letzte Einstellung, mit dem Mann im Fenster, lieber verzichtet. Denn entweder hab ich da was falsch verstanden, oder sie stellt den kompletten Kurzfilm in Zweifel. Und sowas mag ich halt doch eher weniger.

"Make A Wish" von Michal Kosakowski war in meinen Augen dann das problematischste Segment. Zugegebenermaßen hat es wohl kaum geholfen, dass ich das Körpertausch-Genre ziemlich verabscheue und mit dieser Idee wenig bis gar nichts anfangen kann. Wobei ich sagen muss, dass es "Make A Wish" insofern gelungen ist, mich mit dem Konzept zu versöhnen, als Kosakowski es wirklich clever einsetzt, in dem er Opfer und Täter die Rollen tauschen lässt. Das war schon ein genialer Einfall – und somit auch nicht das Problem. Interessant fand ich auch seine Entscheidung, sich dafür zu entscheiden, die Opfer gehörlos zu machen – womit man zwar bei der Opferrolle bzw. der Hilflosigkeit schon fast wieder übers Ziel hinaus schießt, aber… wann sieht man solche schon mal als Hauptprotagonisten eines Films? Insofern gehört er dafür – und auch, wie er ihre Zeichensprache mit Hilfe von Untertiteln auch für den Zuschauer verständlich gemacht hat – in meinen Augen zweifellos gelobt (wenn es auch noch schöner gewesen wäre, hätte er auch wirklich Gehörlose in den Rollen besetzt). Und auch die schauspielerischen Leistungen haben mir gut gefallen, wobei in erster Linie Andreas Pape hervorsticht, der nach einem etwas unsicheren Beginn dann spätestens nach dem Rollentausch eine sehr gute bis phantastische (letzteres bezieht sich in erster Linie auf die Szene vor der Kammer) Leistung zeigt. Vor allem aber ist "Make A Wish" aufgrund der Thematik zweifellos das wichtigste und bedeutsamste Segment. Leider aber fand ich die Umsetzung nicht sonderlich gelungen. Die Rückblenden leiden ein bisschen unter den übertriebenen Splattereinlagen, die dem ganzen teilweise schon fast einen unfreiwillig komischen Touch zu geben drohen. Die Figur der "Bitch" hat für mich leider überhaupt nicht funktioniert, da sie von Martina Schöne-Radunski einfach viel zu übertrieben dargestellt wurde – was ich allerdings weniger ihr als vielmehr dem Regisseur zu Last lege. Hier wäre weniger mehr gewesen; denn so hatte das ganze mehr von einem "Harley Queen"-Demoband und riss mich eher aus dem Film heraus. Mein größter Kritikpunkt ist aber, dass das Segment viel zu laut und hysterisch ist. Schon klar: Ein derart brutaler Nazi-Angriff soll natürlich unangenehm sein. Es wäre mir nur lieber gewesen, wenn sich Kowasowski hier mehr auf den Inhalt verlassen hätte, als zu meinen, durch die Inszenierung da immer noch eins drauf zu setzen – was letztendlich die Wirkung des Segments für mich eher reduzierte.

Szenenbild. Klugerweise hat man sich das Beste für den Schluss aufgehoben (war doch die Reihenfolge der letzten beiden Kurzfilme ursprünglich umgekehrt): "Alraune" war von Anfang bis Ende fantastisch. Auf mich wirkte es fast wie eine Verbeugung vor Dario Argento – nur dass der in den letzten Jahren ja leider verlernt hat, wie man solche Filme macht. Zugleich erotisch, beängstigend, sinnlich und verstörend, bot "Alraune" eine herrliche Achterbahnfahrt der Gefühle – wobei es mir vor allem der rasche tonale Wechsel am Ende angetan hat, wo zuerst das Monster selbst herrlich trashig umgesetzt war, und ich mich somit köstlich amüsierte – ehe der Schlag in die Magengrube folgte. Das war wirklich meisterlich gemacht. Die schauspielerischen Leistungen konnten mir ebenfalls gefallen, seien es Milton Welsh, Rüdiger Kuhlbrodt, oder auch die beiden wunderschönen, sexy Frauen Kristina Kostiv und Désirée Giorgetti. Die größte Stärke von "Alrauna" war aber die visuelle Gestaltung, sah er doch mit seiner kräftigen, mit Bedacht gewählten Farbgebung einfach nur großartig aus – wie ein wilder, filmgewordener Alptraum. Zusammen mit der Musik, der wunderbaren Atmosphäre und der netten Story, die sich eines doch eher unverbrauchten Mythos bedient, ergab das insgesamt ein phantastisches Segment, dass ich mir auch gut als Langfilm hätte vorstellen können.

Fazit: Wie bei Horror-Anthologien nicht unüblich, schwanken die einzelnen Kurzfilme ein bisschen in ihrer Qualität – wobei man darüber, was denn nun das beste und das am wenigsten gelungene Segment ist, sicherlich auch geteilter Ansicht sein soll. "Final Girl" empfand ich dabei als durchaus netten Einstieg, der mich vor allem mit den zahlreichen Nahaufnahmen, seiner netten, bedrückenden Stimmung sowie seiner Brutalität überzeugt hat. "Make a Wish" konnte mir zwar von der Idee her sehr gut gefallen, die Umsetzung war mir persönlich aber zu laut, zu aufgeregt und zu hysterisch – was in meinen Augen auf Kosten seiner Wirkung und Aussagekraft ging. "Alraune" war dafür ein phantastischer kurzer Horrorfilm, der mich von Anfang bis Ende mit seiner herrlichen Atmosphäre, seinem Achterbahn-Charakter, dem sowohl erotisch-sinnlichen als auch beängstigend-verstörenden Ton, insbesondere aber der phantastischen, imposanten Optik begeistert hat. Jedenfalls ist Andreas Marshalls Beitrag für "German Angst" in meinen Augen allein schon den Preis der Kinokarte wert. Insgesamt kann ich Horrorfans diese Anthologie jedenfalls absolut empfehlen.

Wertung:7 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2015 Kosakowski Films)


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