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Das ewige Leben Drucken E-Mail
Jetzt ist schon wieder was passiert… Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 19 März 2015
 
 
Das ewige Leben
Originaltitel: Das ewige Leben
Produktionsland/jahr: AUT 2014
Bewertung:
Studio/Verleih: Dor Film Produktionsgesellschaft/Luna Filmverleih
Regie: Wolfgang Murnberger
Produzenten: U.a. Danny Krausz & Kurt Stocker
Drehbuch: Josef Hader, Wolfgang Murnberger & Wolf Haas, nach dem gleichnamigen Roman
Filmmusik: Sofa Surfers
Kamera: Peter von Haller
Schnitt: Evi Romen
Genre: Krimi/Drama/Komödie
Kinostart Deutschland: 19. März 2015
Kinostart Österreich: 05. März 2015
Laufzeit: 121 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 12
Trailer: YouTube
Kaufen: Soundtrack, Romanvorlage
Mit: Josef Hader, Tobias Moretti, Nora von Waldstätten, Roland Düringer, Margarete Tiesel, Christopher Schärf u.a.


Kurzinhalt: Jetzt ist schon wieder was passiert: Da sein Antrag auf Frühpension abgelehnt wird, zieht der abgebrannte Brenner – sehr zu seinem Missfallens – zurück nach Graz, wo er ins ehemalige Haus seiner Mutter einzieht. Ein Schritt, der ihn nicht nur dazu bringt, vermehrt über die Vergangenheit zu sinnieren, sondern auch zum Wiedersehen mit seinen Jugendfreunden, dem Altwarentandler Köck und dem Polizeichef Aschenbrenner, führt. Nach einem besonders schweren Migräneanfall findet sich Simon Brenner plötzlich mit einem Kopfschuss im Krankenhaus wieder. Polizei und Ärzte gehen von einem Selbstmordversuch aus, aber das will der Brenner einfach nicht glauben. Er ist davon überzeugt, dass der Polizeichef versucht hat, ihn umzubringen, um so die Geister der Vergangenheit zum Schweigen zu bringen. Als kurz darauf der Köck ermordet aufgefunden wird – mit einem angeschlagenen Brenner danebenliegend – nimmt er in eigener Sache die Ermittlungen auf. Seine Spur führt ihn dabei immer tiefer in ihre gemeinsame Vergangenheit…

Review: Szenenbild. So wie die Brenner-Krimis von Wolf Haas den ganz großen Highlights der österreichischen Literaturszene angehören, zählen auch die Verfilmungen der Bücher mit zum Besten, dass der österreichische Film in den letzten Jahr(zehnt)en zustande gebracht hat. Auch "Das ewige Leben" bildet hier keine Ausnahme; im Gegenteil, aus meiner Sicht haben wir hier sogar vielmehr den bisher besten, da irgendwie rundesten, Brenner-Film vor uns. Als einziges Wort der Warnung sei dabei mitgegeben, dass "Das ewige Leben" weniger als klassischer Whodunit-Krimi funktioniert, da an der Frage, wer was getan hat, zumindest bei der Handlung in der Gegenwart kein Zweifel besteht. Das gibt dem ganzen einen gewissen "Columbo"-Charme. "Das ewige Leben" bezieht seine Spannung und/oder Faszination somit nicht nach dem Entgegenfiebern einer Aufklärung, als vielmehr dem Verfolgen von Brenners Ermittlungen. Die wenigen offenen Fragen beschränken sich praktisch ausschließlich auf die Ereignisse in der Vergangenheit.

Interessant fand ich dabei vor allem das Wechselspiel zwischen den Informationen, die uns als Zuschauer vorliegen, und jenen, die den Protagonisten bekannt sind. Brenner, Aschenbrenner und Köck wissen im Gegensatz zu uns natürlich ganz genau, was damals vorgefallen ist. Was die aktuellen Ereignisse in Graz betrifft, haben allerdings wiederum wir als Zuschauer ihnen gegenüber einen Informationsvorsprung, da wir als einzige das Gesamtbild kennen. Eben dies mag den einen oder anderen, der sich einen klassischen Krimi mit der Suche nach dem Mörder erwartet, vielleicht irritieren. Ich muss gestehen, nachdem ich vor einem halben Jahr ein Testscreening vom Film gesehen habe – wo die Frage, wer denn nun den Schuss abgegeben hat, nach dem Simon Brenner mit einem Loch im Kopf auf dem Boden liegt, noch offen gehalten wurde – hat auch mich dieser Zugang überrascht, rückwirkend kann ich aber (an)erkennen, was Murnberger, Haas und Hader hier beabsichtigt haben. Und zumindest mich hat dieser Zugang nicht gestört, da ich es spannend genug fand, zu sehen, wie der Brenner und die anderen Figuren die (uns bekannten) Puzzleteile zusammenfügen. Und mit der Frage nach den Ereignissen in der Vergangenheit bot man dem Zuschauer ja trotzdem ein Mysterium, das langsam aufgelöst wurde und dabei die eine oder andere nette bzw. überraschende Wendung bereithält. Ich fand den Aufbau jedenfalls sehr interessant und clever. Und gerade auch die Art und Weise, wie alles, was in der Gegenwart passiert, auf Missverständnisse bzw. die Schatten der Vergangenheit zurückzuführen ist, fand ich großartig.

Szenenbild. Die Besetzung ist wieder einmal grandios, wobei ich sogar so weit gehen würde, "Das ewige Leben" als den bislang am hochkarätigsten besetzten Brenner-Film einzuschätzen, hat er doch mit Josef Hader (eh klar), Tobias Moretti und Roland Düringer gleich drei österreichische Schauspiel-Schwergewichte aufzufahren – ergänzt u.a. durch weitere bekannte Gesichter wie Nora von Waldstätten ("Oktober November"), Christopher Schärf ("SOKO Donau") und Margarete Tiesel ("Paradies: Liebe"). Vor allem Tobias Moretti erweist sich dabei dank seines Charismas als toller Gegenspieler für den eher lethargischen Josef Hader. Generell wirkt der Aschenbrenner – der ähnliche Name kommt wohl nicht von ungefähr – teilweise wie ein Spiegelbild des Hauptprotagonisten: Zwar beruflich erfolgreich und wohlhabend, aber moralisch verkümmert. Eben dieser Widerspruch macht die beiden zu einem interessanten Duo – wie sich Moretti und Hader (die bislang noch nie gemeinsam in einem Film zu sehen waren; was "Das ewige Leben" wohl in gewisser Weise zu einem österreichischen "Heat" macht), generell vor der Kamera perfekt ergänzen.

"Das ewige Leben" ist der wohl düsterste und deprimierendste Film der Brenner-Reihe, der die Melancholie der gequälten österreichischen Seele perfekt einfängt und auf die Leinwand überträgt. Was nicht heißen soll, dass es beim jüngsten Brenner-Film nicht auch wieder einiges zu Lachen gäbe. Vor allem alle, die dem (typisch österreichischen) schwarzen, makaberen Humor zugetan sind, sollten auch bei "Das ewige Leben" wieder voll auf ihre Kosten kommen. Die wirklich leichtfüßigen Momente, wie die Polizeikontrolle oder das Baum-Malheur, halten sich aber eher im Grenzen; meistens ist es eher so das Lachen, dass einem ein bisschen im Hals stecken bleibt. Typisch österreichisch gestaltet sich dann auch der Showdown, der als Antithese zum "Höher, schneller, weiter"-Kino aus Hollywood verstanden werden kann. Da jagen sich die beiden Kontrahenten dann zwar quer durch Graz, da die Verfolgungsjagd jedoch u.a. mit einem Mofa bestritten wird, ist man selbst in diesen Momenten vom hektisch-übertriebenen Highspeed-Kino aus Übersee weit entfernt. Und vor allem auch die Verfolgung zu Fuß gestaltet sich dann angesichts der Tatsache, dass die beiden nicht mehr die jüngsten und zudem auch noch gesundheitlich angeschlagen sind, mit ureigener österreichischer Gemütlichkeit. Wie das Finale am Schlossberg generell eine wunderbar unaufgeregte, lethargische Stimmung verströmt. Das Tüpfelchen auf dem "i" ist dann schließlich die Inszenierung der Rückblenden. Wo diese sonst oftmals in schwarz/weiß oder zumindest ausgewaschenen Farben gehalten sind, schlägt "Das ewige Leben" genau die gegenteilige Richtung ein, und präsentiert sie in satten, kräftigen Farben – womit die nostalgische Sehnsucht nach der romantisierten "guten alten Zeit" auf bestechende Art und Weise visualisiert wird.

Fazit: Szenenbild. So wie sich alle bisherigen "Brenner"-Filme mit ihrer eigenen Identität ausgezeichnet haben, ist auch "Das ewige Leben" wieder anders als die früheren Einträge – was die Reihe ungemein abwechslungsreich macht. So ist "Das ewige Leben" auf der einen Seite ernster, deprimierender und melancholischer als die bisherigen Filme; was nicht heißt, dass sich im Film kein Humor finden würde, aber noch mehr als bei den bisherigen Teilen der Reihe ist dieser überwiegend schwarz wie die Nacht. Zudem spielt der Kriminalfall in der Gegenwart eine eher untergeordnete Rolle – ein klassisches Whodunit sollte man sich von "Das ewige Leben" jedenfalls nicht erwarten. Das was sich an offenen Fragen im Film befindet, betrifft alles die Vergangenheit der Figuren, die für uns langsam aufgerollt wird. Interessant fand ich dabei u.a. den unterschiedlichen Informationsstand zwischen dem Zuschauer und den Protagonisten. Auch, wie die Schatten der Vergangenheit hier nun, zusammen mit einigen Missverständnissen, die Protagonisten in der Gegenwart ins Chaos stürzen, konnte mir gefallen. Es gibt zahlreiche großartige Momente, die Dialoge sind gewohnt pointiert geschrieben, die schauspielerischen Leistungen durch die Bank phantastisch, und die Inszenierung von Wolfgang Murnberger gewohnt grandios und mit einigen interessanten Einfällen gespickt. Die herrliche lethargische Stimmung, die sich durch den gesamten Film zieht, der starke Anfall von Melancholie, sowie die zahlreichen ureigensten österreichischen Eigenschaften machten "Das ewige Leben" für mich dann schließlich zum bisher rundesten, stimmigsten und insgesamt besten der "Brenner"-Filme. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass man uns nicht wieder ganze sechs Jahre auf seinen nächsten Leinwand-Fall warten lässt!

Wertung:9 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2015 Luna Filmverleih)


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