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Coming In Drucken E-Mail
Liebeskomödie die sich bei der Message verstolpert Kategorie: Filme - Autor: Michael Spieler - Datum: Donnerstag, 23 Oktober 2014
 
 
Coming In
Originaltitel: Coming In
Produktionsland/jahr: Deutschland 2014
Bewertung:
Studio/Verleih: Summerstorm Coming In/Warner Bros.
Regie: Marco Kreuzpaintner
Produzenten: U.a. Christian Angermayer, Gabriela Bacher & Christoph Müller
Drehbuch: Marco Kreuzpaintner, Jane Ainscough & Christoph Müller
Filmmusik: -
Kamera: Daniel Gottschalk
Schnitt: Hansjörg Weißbrich
Genre: Komödie
Kinostart Deutschland: 23. Oktober 2014
Laufzeit: 104 Minuten
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
Trailer: YouTube
Kaufen: Soundtrack
Mit: Kostja Ullmann, Ken Duken, Aylin Tezel, Katja Riemann, Frederick Lau, Mavie Hörbiger u.a.



Kurzinhalt: Berlins bekanntester Friseur, Tom Herzner, vergrößert seine Marke und hat ein Shampoo am Start - ein Shampoo nur für Männer. Die Firma, die es herausbringt, will aber auch den viel größeren Markt für Frauen mit seinem Namen erobern. Das Problem: Tom ist schwul und hat keine Ahnung davon, was Frauen wollen. Er begibt sich ins finstere Neukölln, in den Kiezsalon von Heidi, um undercover zu recherchieren. Als unerwartete Gefühle füreinander aufkommen, wird es kompliziert…

Review: Szenenbild. Marco Kreuzpaintner, der seit 2008 ("Krabat") keinen Film mehr gedreht hat, versucht sich an einer Beziehungskomödie mit Twist. Kostja Ullmann ("Saphirblau") schlüpft in die Rolle des schwulen Salonbetreibers Tom, der - zusammen mit seinem Lebensgefährten Robert (Ken Duken, "Northmen - A Viking Saga") und einem Geschäftspartner - ein neues Shampoo unter seinem Label veröffentlicht. Als die Verkäufe nicht so gut laufen, fordert man von ihm, ein Shampoo für Frauen zu entwickeln, von denen er aber nach eigener Aussage keine Ahnung hat – soweit, so banal. Er kehrt in den Salon zurück, in dem er zuvor ein kleines PR-Desaster hatte und heuert als Aushilfe an – komplett mit Perücke und FC-Union-Shirt als Hetero-Verkleidung. Dort verguckt er sich nach und nach in die Besitzerin Heidi (Aylin Tezel, "Tatort") und sie sich in ihn. Als seine schwulen Freunde davon Wind bekommen, halten sie es für ihr Pflicht, die beiden auseinanderzubringen.

Ich kann mir schon vorstellen, was Kreuzpaintner hier wollte, einzig die Plumpheit mit der das passiert, versaut das Gesamtbild. Ich vermisse hier Fingerspitzengefühl. Der Film fördert leider genau das, was er eigentlich vorhatte aufzubrechen: Stereotype. Schwule Männer fühlen sich davon angegriffen und von einem der Ihren hintergangen, weil hier nicht nur die Hauptfigur "umgedreht" wird, sondern fast alle anderen schwulen Figuren furchtbar unsympathisch sind. Andererseits sehen sich Heteros, die sich immer schon gedacht haben: "Der hat ja nur noch nicht die richtige Frau getroffen", bestätigt und bekommen die Message: "Mensch liebt Mensch, nicht Geschlecht", überhaupt nicht mit. Die geht im lauten Drumrum und Schnulzengetöse unter. Jeder noch zu abgedroschene Witz wird gemacht, jedes noch so überalterte Klischee wird bedient und man ist am Ende sehr weit weg von dem modernen Selbstbild, dass hier rüberkommen soll. "Coming In" ist nicht super schlecht darin Bisexualität zu thematisieren und der Angst des schwulen Mannes vor ihr, "Coming In" ist ganz einfach als Komödie nicht besonders einfallsreich. Vieles ist nur bedingt wirklich komisch. Das fängt mit dem unglaublich überkandidelten Setting an, dass vielleicht nach Los Angeles passt, aber nicht nach Berlin. Keine Fashion Week macht so einen Trara, wie hier für das Shampoo eines Schnöselfrisörs veranstaltet wird.

Szenenbild. Ken Duken und Kostja Ullmann haben keine Chemie (auch wenn sie mal küssend für die GQ posierten). Da sind zwei heterosexuelle Männer die schwul spielen, und das merkt man. Die gemeinsame Vergangenheit, die sie miteinander haben sollen spürt man nicht. Als er in den Kiezsalon "Bel Hair" kommt, hat man fast das Gefühl, er käme in sein natürliches Habitat, weil er da die Regeln kennt. Es kommt zum althergebrachten Hin und Her zwischen den Geschlechtern, das die einzige Triebfeder für deutsche Komödien zu sein scheint. Klar gibt es da ab einen bestimmten Punkt diese Verzweiflung über die die Unsicherheit mit der eigenen Sexualität, aber auch die wird nicht richtig ergründet, sondern von außen übertönt. Die Szenen im Salon sind teilweise ganz putzig, auch gefällt mir die Art und Weise wie er gedreht wurde, er wirkt vom Stil her sehr amerikanisch. Leider steht er da, mit Berlin als Drehort, etwas auf Kriegsfuß. Die weiblichen Nebenrollen sind hier das Highlight des Films – Katja Riemann als Chefin in Toms Salon und Andreja Schneider als russische Kundin z.B. - beide viel zu kurz dabei.

Vor dem Film dachte ich auch: "Ich habe überhaupt keinen Bock auf den Film, das klingt schon so, als würde ich ihn nicht mögen." Direkt danach – ohne groß darüber nachzudenken - fand ich mich eigentlich gut unterhalten und habe genau den Punkt gesehen, von dem ich denke, den der Film machen möchte – er wird ja sogar von einem der Charaktere ausgesprochen. Leider ist der Weg dahin recht schwierig und die Darstellung recht einseitig. Die schwulen Klischees, insbesondere diese seltsame Haltung der schwulen Männer im Film gegenüber Frauen, war mir völlig unklar. "Ich hab doch keine Ahnung von Frauen", liest sich da sehr schnell als "Ihgitt, Frauen!" Als würde man keine Frauen in sein Leben lassen, nur weil man nicht mit ihnen schläft. Ich weiß es doch auch nicht. Ich mochte den Film, so wie ich ihn mir zurechtinterpretiert habe, kann aber jede Kritik absolut nachvollziehen. Alles was "Sommersturm" seinerzeit an Subtilität mitbrachte geht "Coming In" völlig ab. Diese Ernsthaftigkeit, mit der hier v.a. Salvatore (August Zirner, "Ein Fall für zwei") ans Werk geht, ist eher erschreckend, als komödiantisch.

Fazit: "Coming In" möchte ich mögen für den Versuch, der darin schlummert. Leider ist die Ausführung zur Hälfte unglücklich ausformuliert und zur Anderen ergeht man sich im ABC der Kennenlernstufen, wie sie in jedem Liebesfilm vorkommen (natürlich hat sie irgendwann regennasses Haar, natürlich machen sie romantische Fotos im Hipsterfotoautomaten). Ich bin tatsächlich hin- und hergerissen. Die Idee mag ich, die Darsteller an sich auch, ebenso den Filmstil und die ganze Ausstattung – halt was fürs Herz. Andererseits ist das Gesamtbild nicht stimmig, denn eigentlich drückt man sich davor, tatsächlich mit dem Thema - Coming Out eines Bisexuellen – umzugehen. Das Wort fällt nicht einmal, nein es heißt dann plakativ "Wenn Schwule Männer Frauen lieben".

Wertung:5 von 10 Punkten
Michael Spieler
(Bilder © 2014 Warner Bros.)


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