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Ein neues Meisterwerk von Alfonso Cuarón Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 10 Oktober 2013
 
Oscar-SPECiAL


 
Gravity
Originaltitel: Gravity
Produktionsland/jahr: USA 2013
Bewertung:
Studio/Verleih: Heyday Films/Warner Bros. Pictures
Regie: Alfonso Cuarón
Produzenten: U.a. Alfonso Cuarón & David Heyman
Drehbuch: Alfonso Cuarón & Jonás Cuarón
Filmmusik: Steven Price
Kamera: Emmanuel Lubezki
Schnitt: Alfonso Cuarón & Mark Sanger
Genre: Drama/Science Fiction/Thriller
Kinostart Deutschland: 03. Oktober 2013
Kinostart USA: 04. Oktober 2013
Laufzeit: 91 Minuten
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu Ray 3D, Blu Ray, DVD, Soundtrack
Mit: Sandra Bullock, George Clooney, Ed Harris, Orto Ignatiussen, Paul Sharma, Amy Warren u.a.


Kurzinhalt: Die Ingenieurin Ryan Stone befindet sich auf ihrer ersten Weltraummission. Zusammen mit dem Astronauten-Veteranen Matt Kowalski versucht sie ein Problem am Hubble-Teleskop zu reparieren. Da kommt auf einmal von der Missionskontrolle die Warnung, dass sie in Kürze in das Trümmerfeld eines zerstörten Satelliten eintreten werden. Dabei verliert Ryan die Verbindung zum Shuttle – und treibt hilflos durchs All…

Review: Die Weltraumszenen in 'Gravity' sind zum Heulen schön.Es kommt nicht oft vor, dass man aus dem Kino kommt behaupten kann, etwas völlig neues gesehen zu haben. Filme, die mit den üblichen Konventionen brechen und ein völlig neues Erlebnis bieten. Die das Kino revolutionieren bzw. die Grenzen dessen, was wir unter Film- bzw. Kinounterhaltung verstehen, durchbrechen. "Gravity" ist einer dieser Filme. Ich kann euch nicht versprechen, dass ihr von ihm ähnlich begeistert sein werdet wie ich. Aber ich garantiere euch: So etwas habt ihr in eurem ganzen Leben noch nicht gesehen. "Gravity" bietet eine völlig neue (Film-)Erfahrung, und es ist lange her, dass ich derart beeindruckt aus dem Kino gekommen bin. Ich bin normalerweise niemand, der mit Übertreibungen wie "Der beste Film des Jahres" um sich wirft; besonders lustig finde ich solche Werbezeilen vor allem immer dann, wenn sie einen Film beschreiben, der im Frühjahr herauskommt. In diesem Fall wage ich aber, eine Ausnahme zu machen, und behaupte: "Gravity" ist wenn schon nicht der Film dann doch zumindest das Kino-Event des Jahres – und damit ein Muss für alle Cineasten.

Nach seinem modernen SF-Meisterwerk "Children of Men" hat sich Alfonso Cuarón, der mir erstmals mit dem meines Erachtens immer noch besten der Harry Potter-Filme, "Der Gefangene von Askaban", aufgefallen ist, mit seinem nächsten Filmprojekt recht lange Zeit gelassen – doch das Warten hat sich absolut gelohnt. Ein Hauptgrund für die lange Wartezeit ist nach Aussage des Regisseurs, dass die Technologie die zur Realisierung von "Gravity" verwendet wurde teilweise neu entwickeln werden musste – insbesondere was die Simulation der Schwerkraft betrifft. Wenn man den Film inklusive seinen ganzen Kameratricks und den makellosen Spezialeffekten sieht, glaubt man das gerne. Wie gesagt: So etwas hat man einfach bisher auf der Kinoleinwand noch nie betrachten dürfen. Und so ist die größte Stärke des Films – ohne damit sagen zu wollen, dass die restlichen Aspekte nicht auch gut wären – die visuelle Gestaltung. Optisch ist "Gravity" nämlich absolut atemberaubend. Die Effekte sind phänomenal, und wirken absolut (photo)realistisch. Fast noch beeindruckender fand ich jedoch die Kameraführung. Wie schon bei "Children of Men" gibt es auch bei "Gravity" wieder zahlreiche längere Einstellungen ohne (erkennbaren) Schnitt. Die längste davon gibt es gleich zu Beginn zu bestaunen, wo die Kamera schwerelos im Weltraum schwebt und sich langsam zwischen den Protagonisten hin und her bewegt. In der gleichen Einstellung kommt es dann auch schon zur besagten Katastrophe, die dafür sorgt, dass Ryan vom Shuttle getrennt wird und hilflos durchs All treibt – und der Kinozuschauer ist "live" dabei. Kurz darauf schwebt die Kamera sogar scheinbar in Ryans Visier hinein und lässt uns das Geschehen kurzfristig aus ihrer Perspektive verfolgen. Die Kameratricks die Cuarón hier – wieder mit Kameramann Emanuel Lubezki – auf die Leinwand zaubert, sind einfach nur beeindruckend. Beide erweisen sich diesbezüglich als virtuose Künstler, die ihren Kollegen meilenweit voraus sind.

'Gravity' beinhaltet einige der packendsten und beängstigendsten Szenen des Kinojahres.Doch diese lange Einstellung ohne Schnitt, die visuelle Gestaltung sowie die Kameratricks wie eben z.B. die kurze Szene aus der Ich-Perspektive sind nicht einfach nur dazu da, um anzugeben. Vielmehr dienen sie dazu, den Zuschauer so richtig in den Film hineinzuziehen – was ihm bei mir auch voll und ganz gelungen ist. Nach diesen ersten 15 Minuten, mit einem eher geruhsamen Einstieg und dann der besagten großen Katastrophe, entspinnt sich eine packende Handlung, in der Ryan und die anderen Astronauten ums Überleben kämpfen. Was genau danach passiert, soll jeder Kinobesucher selbst herausfinden und sei an dieser Stelle nicht verraten. Jedenfalls gelang es Cuarón mit seiner Inszenierung, mich praktisch von der ersten Minute an zu fesseln – und diese Spannung dann auch, mit nur wenigen kurzen Szenen in denen man sich entspannen konnte, beizubehalten. Wer also Angst davor hat, dem Film könnten schnell die Ideen ausgehen, den kann ich beruhigen. Alfonso und Jonás Cuarón finden immer wieder neue Möglichkeiten, um Spannung zu erzeugen, und das Ergebnis war für mich einer der packendsten Filme des bisherigen Kinojahres.

Von bestimmten künstlerischen Freiheiten abgesehen (so gibt es ja aktuell kein Space Shuttle-Programm; auch die chinesische Raumstation wurde frei erfunden; am schwersten wiegt aber wohl, dass das Szenario welches zur Katastrophe führt, doch ein wenig weit hergeholt scheint) bemüht sich "Gravity"– sofern es die dramaturgischen Erfordernisse des Films erlauben – um möglichst große wissenschaftliche Akkuratesse. Dies zeigt sich nicht nur darin, dass man nur kontemporäre Technologie zeigt, sondern z.B. auch insofern, als auf Geräusche weitestgehend verzichtet wird, da sich im Vakuum des Weltalls ja kein Schall ausbreiten kann. Auf dem ersten Blick mag es etwas ungewohnt sein, wenn etwas explodiert und man sieht nur die daraus resultierende Zerstörung, hört sie aber nicht. Letztendlich steigert dies aber die Plausibilität, und hebt "Gravity" eben auch von anderen Weltraumfilmen ab. Angesichts dieser Entscheidung liegt jedoch eine noch größere Last auf den Schultern von Steven Price, der mit seiner Filmmusik das – abseits der Stimmen – akustische Vakuum mit seinen Klängen und seiner Musik auffüllen muss. War er (bzw. seine Arbeit) mir wie ich gestehen muss bislang nicht so recht aufgefallen, erweist er sich im Fall von "Gravity" der Herausforderung gewachsen, und schafft rund um die Geschehnisse eine Klangkulisse, welche die Emotionen des jeweiligen Moments perfekt einfängt und verstärkt. Eine wunderbare, eindringliche Filmmusik, die zweifellos zu den markantesten und besten des heurigen Filmjahres zählt. Zumal es 2013 wohl keinen anderen Soundtrack gibt, der für den filmischen Genuss derart relevant und wichtig ist, wie Prices Kompositionen für "Gravity".

Trotz allem Spektakels: Die Figuren stehen beim 'Gravity' immer im Zentrum des Geschehens.Spezialeffekte, Kameraführung, visuelle Gestaltung, Filmmusik… letztendlich ist all das oberflächlich, und auch wenn diese Aspekte grundsätzlich jeden Film aufwerten können – für ein echtes Meisterwerk müssen auch die "inneren Werte" stimmen. Das Drehbuch für "Gravity" zählt zwar zweifellos nicht zu den komplexesten der Filmgeschichte, aber dennoch ist der Film kein hohles, gänzlich oberflächliches Vergnügen. Denn auch die hier erzählte Geschichte weiß durchaus zu gefallen, und beschäftigt sich mit einigen urmenschlichen Themen wie unseren Ängsten, wie wir mit Verlust umgehen, und dem unbändigen Willen zu Überleben. Insofern ist der Titel "Gravity" durchaus mehrdeutig zu verstehen: Es geht nicht nur um die Schwerkraft, die uns an die Erde bindet – und um die Schwerelosigkeit des Alls – sondern auch um all die Lasten, die wir mit uns herumschleppen, und die uns "herunterziehen". Die Katastrophe im Weltall zwingt Ryan Stone dazu, sich diesen Lasten zu stellen – was schließlich in einer wunderbaren Szenen kulminiert, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Auch das eigentliche Ende ist dann einfach nur phantastisch, und auch durchaus bewegend.

Womit wir beim letzten Aspekt angelangt wären, den es gegenüber "Gravity" zu besprechen gibt: Die schauspielerischen Leistungen. Ja, George Clooney liefert wichtige unterstützende Arbeit. Und dass die Missionskontrolle just von Ed Harris gesprochen wird, ist ein netter Wink zu zwei anderen wichtigen Weltraumfilmen, "Apollo 13" und "Der Stoff aus dem die Helden sind". Dennoch: "Gravity" gehört in erster Linie Sandra Bullock. Auf ihren Schultern lastet die Aufgabe, den Film zu tragen – und dies über weite Strecken auf sich allein gestellt. Ich gebe zu: Als ich das erste Mal von "Gravity" gehört hatte, war Natalie Portman für die Hauptrolle im Gespräch, und als großer Fan von ihr war ich ob dieser Meldung Feuer und Flamme. Dementsprechend enttäuscht war ich, als sie zuerst – vermeintlich wegen ihrer Schwangerschaft – ausgestiegen ist, und schließlich von Sandra Bullock ersetzt wurde. Ich zähle mich zwar nicht zu ihren Kritikern, und sie hat in ihrer Karriere einige gute Leistungen gezeigt – sah ihre Stärken bislang aber doch eher im komödiantischen Bereich, und traute es ihr nicht wirklich zu, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Es stellt sich heraus: Es gab keinen Grund, mir Sorgen zu machen. Ryan Stone ist jene Rolle, mit der Sandra Bullock endlich zeigen kann, was sie drauf hat – und sie stürzt sich mit vollen Elan auf diese Gelegenheit, und zeigt eine phänomenale Leistung, die es ihren Kritikern sehr schwer machen dürfte, ihre negative Meinung ihr gegenüber beizubehalten. Eine grandiose Performance, nach der ich mir umso mehr wünschte, die Academy hätte Geduld bewiesen, und ihr nicht für "The Blind Side" quasi einen Lebenswerk-Oscar zugeschanzt; denn in "Gravity" zeigt sie die mit Abstand beste Leistung ihrer Karriere.

Fazit: Sandra Bullock zeigt in 'Gravity' die Performance ihres Lebens."Gravity" ist in seiner erzählerischen Dichte, den wegweisenden Spezialeffekten, der grandiosen visuellen Gestaltung und generell der künstlerischen Umsetzung einfach nur überwältigend und atemberaubend. Er ist nicht einfach nur ein Film – er ist ein Erlebnis. "Gravity" ist einer jener seltenen Filme, die etwas bieten, das man so noch nie zuvor gesehen hat. Alfonso Cuaróns Inszenierung ist einfach nur zum Träumen und Schwärmen, und beschert dem geneigten Kinobesucher zahlreiche magische, unvergessliche Momente. Die Spezialeffekte sind einfach nur eine Wucht, und das 3D war selten so natürlich und den Filmgenuss aufwertend wie hier. In gewisser Weise fürchte ich mich schon davor, ihn mir das erste Mal zu Hause auf vergleichsweise kleinem Fernseher und in 2D anzuschauen. Die erzählerische Wucht, die packende Handlung sowie die phantastische schauspielerische Leistung von Sandra Bullock werden dort zwar immer noch genauso gut zur Geltung kommen – doch so beeindruckend wie im Kino wird "Gravity" dort sicherlich nicht mehr ausfallen. Weshalb ich euch allen nur raten kann: Lasst euch dieses unvergleichliche, triumphale Filmerlebnis nicht entgehen, sondern pilgert ins Kino, und sucht euch die größte Leinwand die ihr finden könnt (meine Empfehlung: IMAX!). Denn genau für solche Filme wie "Gravity" wurde die große Leinwand gemacht.

Wertung:10 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2013 Warner Bros. Pictures)


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Weiterführende Links:
Oscar-SPECiAL 2014
Review zu "Harry Potter und der Gefangene von Askaban"
Review zu "Children of Men"




Kommentare (6)
RSS Kommentare
1. 12.10.2013 17:32
 
Bei mir läuft der nur in 3D, worauf ich so gar keinen bock habe (habe mich aber zumindest bei Man of Steel und Star Trek nochmal breitschlagen lassen, aber nicht noch mal) und außerdem wohne ich in einer Gegend, wo es kein IMAX gibt (außerdem war ich noch nie in einem). Tja!
 
2. 12.10.2013 22:51
 
Also das 3D von Gravity ist mit "Star Trek" und "Man of Steel" nicht zu vergleichen. Ich würde mich davon nicht abschrecken lassen - im Gegenteil, "Gravity" profitiert meines Erachtens sogar davon.
 
3. 12.10.2013 23:02
 
Wird wohl aber trotzdem daraus nichts deswegen. Vielleicht kommt noch 2D, hab aber keine großen Hoffnungen.
 
4. 18.10.2013 02:31
 
Live dabei @ 2001 2.0 - Jeder sollte diesen Film des Jahrzehnts im Kino geniessen. Super Review
 
Chris
5. 14.01.2014 12:13
 
Den Rummel um "Gravity" fand ich ehrlich gesagt immer etwas übertrieben. Für mehr als 7/10 hat es bei mir nicht gereicht. Da wurde mir persönlich einfach zuviel von Story und Physik zugunsten der Narration geopfert. Dazu die etwas zu kitschige Hintergrundgeschichte der Hauptfigur und das für mich eher dürftige Spiel der Bullock, das konnte auch die schönste Optik nicht wettmachen. 
 
Andererseits gönne ich natürlich jedem SF-Film den Ruhm und jedem Kinobesucher seinen Spaß. Aber hätte "Moon" seinerzeit nicht auch soviel Aufmerksamkeit bekommen können? Den fand ich noch um Einiges schöner anzuschauen. Und brillant gespielt!
 
c-schroed
6. 14.01.2014 22:34
 
@c-schroed: Ich kann verstehen, wenn man manchmal eines gewissen Hypes überdrüssig wird, und falls ich zu diesem beigetragen haben sollte, tut mir das leid. Ich war nur halt einfach von ihm begeistert, bei all meinen drei Kinobesuchen. Und was andere von ihm halten bzw. über ihn schreiben, und inwiefern sie ihn ebenfalls so über den grünen Klee loben wie ich, kann ich ja nicht beeinflussen ;)
 
"Moon" war natürlich auch grandios, gar keine Frage. -> http://www.fictionbox.de/index.php/content/view/8924/88888942/
 

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