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Big Bad Wolves Drucken E-Mail
Großartiger Thriller voller pechschwarzem Humor Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 26 Oktober 2013
 
Halloween-SPECiAL

 
Big Bad Wolves
Originaltitel: Big Bad Wolves
Produktionsland/jahr: Israel 2013
Bewertung:
Studio/Verleih: United Channel Movies/Magnet Releasing
Regie: Aharon Keshales & Navot Papushado
Produzenten: Tami Leon, Chilik Michaeli & Avraham Pirchi
Drehbuch: Aharon Keshales & Navot Papushado
Filmmusik: Haim Frank Ilfman
Kamera: Giora Bejach
Schnitt: Asaf Korman
Genre: Thriller/Drama/Komödie
Kinostart Deutschland: noch nicht bekannt
Kinostart Israel: 15. August 2013
Laufzeit: 110 Minuten
Altersfreigabe: noch nicht bekannt
Trailer: YouTube
Kaufen: noch nicht erhältlich
Mit: Guy Adler, Lior Ashkenazi, Dvir Benedek, Gur Bentwich, Doval'e Glickman, Tzahi Grad, Rotem Keinan, Nati Kluger, Kais Nashif, Menashe Noy, Ami Weinberg u.a.


Kurzinhalt: Die Polizei findet die Leiche eines kleinen Mädchens. Sie ist nur das letzte Opfer eines brutalen, sadistischen Kindermörders, der in einer israelischen Stadt sein Unwesen treibt. Die Polizei verhört einen Verdächtigen, seines Zeichens Schullehrer, muss ihn jedoch mangels Beweisen wieder freilassen. Als im Internet ein Video auftaucht, das zeigt, wie einer der Polizisten bei dem Verhör auf Gewalt zurückgreift, bleibt dem Polizeichef nichts anderes übrig, als ihn vorübergehend zu suspendieren. Statt den Fall nun ruhen zu lassen, heftet er sich vielmehr an die Fersen des Lehrers. Auch der Vater des letzten Opfers, ein früherer General, hat es auf diesen abgesehen. Gemeinsam entführen sie den vermeintlichen Täter, und sperren ihn in den Keller eines abgelegenen Hauses. Dort wollen sie ein Geständnis aus ihm herausbekommen und sich für seine Taten rächen – mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Doch haben die beiden auch wirklich die richtige Person geschnappt?

Review: Der Vater des letzten Opfers mit seinem bevorzugten Folterwerkzeug.Nach dem Screening des Films beim Festival in Busan, Südkorea, bezeichnete Quentin Tarantino "Big Bad Wolves" als den (bislang) besten Film des Jahres. Wenn man ihn gesehen hat, ist leicht zu verstehen warum – erinnert er doch an so manches Werk von Tarantino. Denn obwohl sich der Film um ein so ernstes, düsteres, deprimierendes Thema wie dem Kindesmissbrauch dreht, hat "Big Bad Wolves" mehr mit "Inglorious Basterds" als mit beispielsweise "Schindlers Liste" gemein. Soll heißen: Er nimmt sich zwar dieses ernsten Themas an, erzählt die Geschichte dann aber mit einer gehörigen Portion an pechschwarzen, makaberen Humors. Insofern lässt es sich auch schwer einschätzen, ob ihr vom Film ähnlich begeistert sein werdet wie Tarantino und meiner einer (auch wenn er auf meiner Bestenliste des heurigen Jahres zugegebenermaßen nicht ganz oben stehen würde). Kann/darf man einen Film über Kindesmissbrauch, Folter und Selbstjustiz lustig finden? Ich kann natürlich nur für mich sprechen, und festhalten, dass ich 2013 im Kinosaal selten so viel gelacht habe, wie bei "Big Bad Wolves".

Was jedoch nicht heißt, dass der Film eine Komödie wäre. Denn was ihm wirklich phantastisch gelingt und ich für seine seiner größten Stärken halte, ist dass "Big Bad Wolves" trotz allen Humors nicht den geringsten Funken an Spannung und/oder Schrecken einbüßt. In einer Szene habe ich noch gelacht, und in der nächsten saß ich ob einer bevorstehenden Folterszene (die hier im Vergleich zu so manchem Torture-Porn-Horror aus Amerika ihre gewünschte Wirkung nicht verfehlen) angespannt und mit schmerzverzerrtem Gesicht im Kinosessel. Wie die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Aharon Keshales und Navot Papushado (die davor mit "Rabies" den ersten israelischen Horrorfilm überhaupt abgeliefert haben) hier Humor mit Spannung, Entsetzen und Tragik kombinieren, ist wahrlich meisterlich. Besonders gut gefällt mir dabei, dass sich im zentralen Thema rund um Selbstjustiz, Rache und dem Wunsch nach Gerechtigkeit auch einiges an politischer Aussagekraft finden lässt. So kann man – ohne zu wissen, ob dies wirklich die Absicht der Filmemacher war – "Big Bad Wolves" durchaus auch als Analogie auf den Nahost-Konflikt verstehen. Die scheinbar nicht enden wollende Spirale der Gewalt, wie eine brutale Tat die nächste hervorruft. Vor allem auch der Ausgang des Geschehens erweist sich hierbei als sehr aussagekräftig. Insgesamt war "Big Bad Wolves" jedenfalls, trotz allen Humors, einer der spannendsten Filme, die ich heuer im Kinojahr gesehen habe. Aharon Keshales und Navot Papushado schaffen es, dass sich der Zuschauer – so wie auch zunehmend die Protagonisten – fragen, ob der Lehrer denn auch wirklich der Täter ist. Aus dieser zentralen Frage und den damit einhergehenden moralischen Implikationen des Geschehens zieht "Big Bad Wolves" viel von seiner Spannung und seinem Schrecken.

Dem suspendierten Polizisten kommen zunehmend Zweifel an der Schuld des Lehrers.Wie bereits kurz erwähnt, gingen mir die Folterszenen in "Big Bad Wolves", bei denen die Filmemacher meines Erachtens genau die richtige Balance aus expliziter Gewaltdarstellung und dem Überlassen der Phantasie des Zuschauers finden, wirklich unter die Haut. Es gab einige Momente, die mich – weniger aufgrund dessen, was passiert, als aufgrund der generellen Umsetzung des Films – selbst als mittlerweile recht abgebrühter Horror-Konsument zusammenzucken ließen. Und im nächsten Moment kann man sich dann schon wieder vor Lachen nicht halten. Es ist eben genau dieses Wechselbad der Gefühle – wobei einem darüber hinaus so mancher Lacher im Hals steckenbleibt – das "Big Bad Wolves" für mich ausgezeichnet hat. Und auch der Ausgang des Geschehens ist für mich eine wesentliche Stärke des Films – denn das Geschehen kulminiert schließlich in einem meines Erachtens perfekten Ende, das bei mir zudem noch lange nachgehallt hat.

Neben dem sehr abwechslungsreichen Ton des Films ist die Inszenierung von "Big Bad Wolves" generell positiv hervorzuheben. Aharon Keshales und Navot Papushado erzählen ihre Geschichte in teils wunderschönen Bildern, wobei vor allem der Einstieg mit dem Versteckspiel der Kinder besticht. Aber auch danach gibt es noch ein paar schöne und teils auch clevere Einstellungen (siehe auch das Ende). Die Musik von Haim Frank Ilfman trägt ebenfalls viel zur Stimmung des Films bei. Trotz allen Lobs für das Regisseur- und Drehbuchautoren-Duo sollen jedoch auch die Schauspieler nicht vergessen werden. Dabei fällt mir leider – mangels einer Inhaltsangabe mit Figurennamen und/oder Bildern der Darsteller auf IMDB – eine genaue Zuordnung im Nachhinein schwer, da ich die Rollennamen nicht mehr genau im Kopf habe. Dementsprechend kann ich sie leider auch nicht namentlich hervorheben, sondern kann nur insgesamt feststellen, dass die drei Hauptakteure – der General, der Polizist, der Lehrer – jeweils eine phantastische Leistung zeigen, wobei für mich letzterer sogar am stärksten hervorgestochen ist. Dank seiner Performance ist man sich nämlich bis zuletzt nicht sicher, ob hier ein unschuldiges Opfer oder vielmehr ein mehrfacher Kindermörder im Stuhl sitzt. Neben diesen drei Darstellern war vor allem auch der Großvater phantastisch. Das wahre Highlight des Films sind aber sein abwechslungsreicher Ton und zahlreiche phantastische, grandiose Szenen, die mir noch lange nach dem Kinobesuch in Erinnerung geblieben sind – und in dieser wohl auch nicht so schnell verblassen werden.

Fazit: Auf 100 Minuten Humor und Anspannung folgt dann das großartige, nachhallende Ende."Big Bad Wolves" war für mich das absolute Highlight des diesjährigen /slash Filmfestivals. Was diesen israelischen Film in erster Linie auszeichnet, ist eine gehörige Portion pechschwarzen Humors. Bei keinem anderen Film während des Festivals (ja nicht mal "Sharknado") habe ich ansatzweise so viel gelacht – wobei das Lachen in diesem Fall teilweise herrlich weh tat – und wenn ich auf das heurige Kinojahr zurückblicke fällt es mir irgendwie generell schwer, einen Film zu finden, der mich mehr zum Lachen gebracht hätte. Dennoch ist "Big Bad Wolves" bei weitem keine Komödie, sondern beschäftigt sich mit einem sehr ernsten Thema. Brutal, schwarzhumorig, ungemein spannend und packend, mit vielen originellen Szenen und denkwürdigen Momenten, einem faszinierenden politischen Subtext der sich auf Wunsch des Zuschauers hineininterpretieren lässt, und zudem (im Gegensatz zu vielen anderen Filmen des Festivals, die meines Erachtens zum Ende hin etwas nachgelassen haben) mit einem Hammer-Finale, das zumindest bei mir noch einige Zeit nachgehallt hat, kann ich euch "Big Bad Wolves" gar nicht genug ans Herz legen. Daher: Unbedingt vormerken und bei nächster Gelegenheit ansehen!

Wertung:9 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2013 Magnet Releasing)


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Weiterführende Links:
Halloween-SPECiAL 2013





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