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Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger Drucken E-Mail
Visuell beeindruckender Religionsunterricht Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 23 Februar 2013
 
Oscar-SPECiAL

Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger
(Life of Pi, USA 2012)
 
Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger
Bewertung:
Studio/Verleih: Rhythm and Hues/20th Century Fox
Regie: Ang Lee
Produzenten: U.a. Gil Netter, David Womark & Ang Lee
Drehbuch: David Magee, nach dem Roman von Yann Martel
Filmmusik: Mychael Danna
Kamera: Claudio Miranda
Schnitt: Tim Squyres
Genre: Drama/Abenteuer/Fantasy
Kinostart Deutschland: 26. Dezember 2012
Kinostart USA: 21. November 2012
Laufzeit: 127 Minuten
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu Ray, DVD, Soundtrack, Romanvorlage
Mit: Suraj Sharma, Irrfan Khan, Adil Hussain, Tabu, Gérard Depardieu, Rafe Spall u.a.


Kurzinhalt: Pi bekommt Besuch von einem Schriftsteller, dem er die unglaubliche Geschichte seines Lebens erzählt. Aufgewachsen in Indien, im Zoo seiner Eltern, verließ die Familie schließlich als er 16 Jahre als war das Land, um in Kanada ein neues Leben zu beginnen. Doch der Frachter gerät bei der Überfahrt in ein schweres Unwetter, und sinkt. In letzter Not kann sich Pi auf eines der Rettungsboote flüchten – doch er ist nicht allein. Auch "Richard Parker", der Tiger des Zoos, hat sich auf das Rettungsboot begeben. Pi ist klar, dass er versuchen muss, ihn zumindest ansatzweise zu dressieren und mit dem Tiger eine Art Übereinkunft treffen muss, wenn beide, sowohl Mensch als auch Tier, überleben wollen. Und so begeben sie sich auf eine unglaubliche, phantastische und gefährliche Reise…

Review: Die visuelle Gestaltung des Films ist zweifellos seine größte Stärke.Wie die Wertung schon verrät, hat mich "Life of Pi" nicht vollständig überzeugt. Dennoch hat er zweifellos seine Stärken, und die mit Abstand größte davon ist Ang Lees Inszenierung. "Life of Pi" kann mit zahlreichen optisch beeindruckenden Szenen aufwarten, die mich begeistern konnten, und mir noch lange nach dem Kinobesuch in Erinnerung geblieben sind. Er erzählt die Geschichte in teils wundervollen, ja fast magisch wirkenden Bildern, und unterstützt damit den phantastischen Eindruck, den die Geschichte hinterlässt. Besonders beeindruckend war natürlich die Szene in der Nacht, als das Boot von hell leuchtenden Quallen umgeben ist, und schließlich ein riesiger Wal aus dem Wasser hervortritt. Doch auch bevor Pi und Richard Parker im Rettungsboot landen, gab es den einen oder anderen visuell bestechenden Moment, und vor allem auch der Untergang des Schiffes war ungemein packend inszeniert. Ang Lee kann jedenfalls – mit einer Ausnahme – am wenigsten dafür, dass mich "Life of Pi" nicht so recht begeistern konnte.

Eine weitere wesentliche Stärke sind auch die Spezialeffekte. Von Making Of-Berichten weiß ich, dass man für die Szenen mit Richard Parker teilweise auf echte Tiger, überwiegend aber auf CGI zurückgegriffen hat – und ich hätte euch während des Films nicht sagen können, welche Szenen davon mit echten Tigern und welche davon mit CGI waren. Natürlich gibt es Szenen wo dir den Hirn mitteilt, dass diese am Computer entstanden sein müssen, da sich Suraj Sharma sonst ja in Lebensgefahr befunden hätte – aber die Augen selbst hätten auch in diesen Szenen nicht bemerkt, dass der Tiger nicht echt ist. Wirklich absolut phantastisch. Der Soundtrack von Mychael Danna hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Die schauspielerischen Leistungen sind zwar nicht unbedingt überragend, und vor allem Suraj Sharma hat mich jetzt nicht gerade umgehauen, aber es gibt durchaus ein paar Szenen, wo das schauspielerische Talent der Darsteller durchblitzt – allen voran dann, wenn sich Irrfan Khan an die "zweite Geschichte" erinnert. Letztere war einer der größten Kritikpunkten von vielen – ich sehe ihn hingegen als eine weitere wesentliche Stärke des Films, da mir die erste Geschichte zu phantastisch war und es mir schwer fiel, sie zu akzeptieren. Zugleich wäre ich aber nie auf die Idee gekommen, sie als Metapher zu verstehen – sondern hätte sie vielmehr als spirituellen Quargel abgetan. So gesehen empfand ich es als sehr positiv, dass man uns spät aber doch eine zweite Interpretationsmöglichkeit in die Hand gibt – und es zudem den Zuschauern überlässt, welche Variante sie bevorzugen. Denn so wie der Autor wird am Ende in gewisser Weise auch der Zuschauer gefragt: Welche Geschichte ist dir lieber? Und im Gegensatz zu den meisten entschloss ich mich hier klar und deutlich für die zweite Version.

Pi und Richard Parker auf ihrer im wahrsten Sinne des Wortes unglaublichen Reise.Womit wir auch schon die Brücke zu jenen Aspekten geschlagen hätten, die mich an "Life of Pi" gestört haben, bzw. mit denen ich weniger anfangen konnte. So finde ich z.B., dass die zweite Geschichte einen deutlich spannenderen und interessanteren Film abgegeben hätte, als jene Erzählung, auf die man sich während des überwiegenden Teils von "Life of Pi" konzentriert hat. Ich konnte einfach nicht anders, als am Ende zu denken, dass ich die andere Story viel lieber gesehen hätte. Womit wir schon beim nächsten Punkt sind: Anstatt uns auch die zweite Variante zu zeigen, bekommen wir sie wirklich nur erzählt, während die Kamera langsam auf Suraj Sharma zoomt. Das fand ich dramaturgisch dann doch nicht unbedingt so optimal, und ist mein erster von zwei Kritikpunkten an Ang Lees Inszenierung. Mein zweiter ist die Tatsache, dass es für meinen Geschmack bis zum titelspendenden Schiffbruch viel zu lange gedauert hat – weshalb ich das erste Drittel doch überwiegend als langweilig und öde empfand.

Am meisten Probleme bereitete mir aber der predigende Ton des Films, der dazu führte dass ich mich teilweise des Eindrucks nicht erwehren konnte, in einer zweistündigen Religionsstunde zu sitzen. Mich störte vor allem, wie berechnend alles wirkt. Das beginnt schon bei der Tatsache, dass man versucht, möglichst jeden Zuschauer mit ins Boot zu holen – egal welcher Glaubensgemeinschaft er angehört. Eben deshalb darf Pi im ersten Drittel in alle Religionen kurz reinschnuppern. Und für alle Ungläubigen gibt es den Schriftsteller als Identifikationsfigur. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie fand ich diesen Zugang anstößig, auch wenn es sicherlich weder vom Romanautor noch vom Regisseur so gedacht war. Ich empfand es aber einfach als zu konstruiert und bemüht. Und auch mit der nachfolgenden Religiosität, die versucht, den Wert von Glauben zu vermitteln, konnte ich einfach weniger anfangen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Spiritualismus in Filmen – sonst hätte ich ja z.B. auch "Cloud Atlas" nicht zum zweitbesten Film des letzten Jahres küren können. Aber ich mag es nicht, wenn uns dieser a) mit dem Holzhammer eingeprügelt wird, und b) er zu stark religiös geprägt ist. "Life of Pi" macht leider beides – und eben das sorgte dazu, dass ich mit ihm wenig bis gar nichts anfangen konnte. Er war hübsch anzuschauen, keine Frage, aber wenn ein Film nicht zu mir spricht und nicht etwas in mir auslöst, hilft die ganze schöne Optik nichts. So sehr man sich durch den Einstieg der alle Religionen abklappert auch bemüht hat, möglichst jeden anzusprechen – bei mir ist ihm dies eben nun mal leider nicht gelungen…

Fazit: 'Und das eine Mal, im Ferienlager…'"Life of Pi" ist zweifellos hübsch anzusehen; eine Geschichte, die in teils wundervollen, phantastischen und beeindruckenden Bildern erzählt wird. Mein Problem ist aber leider die erzählte Geschichte selbst. Mich störte der lange Einstieg, der das erste Drittel doch etwas zäh machte, und wo man krampfhaft zu versuchen scheint, alle Zuschauer – egal welchen Glaubens – ins Rettungsboot zu holen. Und während ich Spiritualität in einem Film durchaus zu schätzen weiß, war mir der Ansatz in "Life of Pi" doch zu aufdringlich, und auch zu religiös geprägt. Das größte Manko ist aber, dass er mich völlig kalt gelassen hat. Gerade für solch einen Film, der inspirieren und bekehren will, ein unverzeihliches Vergehen – und doch eines, dass ich ihm nur subjektiv, aber nicht objektiv, vorwerfen kann, da es selbstverständlich von der eigenen Person, der eigenen Einstellung abhängig ist. Ich freue mich für jeden, den "Life of Pi" berührt und verzaubert hat. Nur gehörte ich eben leider nicht dazu.

Wertung:6 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2012 20th Century Fox)


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Weiterführende Links:
Oscar-SPECiAL 2013






Kommentare (2)
RSS Kommentare
1. 24.02.2013 04:37
 
Würde den auch nicht zum Meisterwerk krönen, fand ihn aber mit 7/10 minimal besser. Zumindest der Kritikpunkt mit dem Schiffbruch hätte nicht sein müssen, denn der Film heißt ja eigentlich nur Life of Pi, während das "Schiffbruch mit Tiger" nur dank der deutschen Titelpolitik hinzukam. ;)  
 
Fandest du eigentlich auch die Pinkelszene ziemlich deplatziert? Wundert mich, dass ausgerechnet die nicht erwähnt wird.
 
2. 24.02.2013 12:57
 
Welche Schiffbruch-Kritik meinst du? Wegen des langen Einstiegs? Den kritisiere ich ja nicht wegen des deutschen Sub-Titels, sondern einfach, weil er zu lang, lahm und zäh war ;)
 
An die Pinkelszene konnte ich mich gar nicht mehr erinnern. Jetzt wo du's sagst. Wirklich gestört hat sie mich aber nicht, sonst wäre sie mir in Erinnerung geblieben ;).
 

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