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Der Herr der Ringe - Die Gefährten Drucken E-Mail
Peter Jacksons Fantasy-Meisterwerk - Teil 1 Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 01 Dezember 2011
 
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Der Herr der Ringe - Die Gefährten
(The Lord of the Rings - The Fellowship of the Ring, USA/NZ 2001)
 
Der Herr der Ringe - Die Gefährten
Bewertung:
Studio/Verleih: New Line Cinema/Warner Bros.
Regie: Peter Jackson
Produzenten: U.a. Peter Jackson, Barrie M. Osborne, Tim Sanders, Fran Walsh, sowie Bob & Harvey Weinstein
Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens & Peter Jackson, nach dem Roman von J.R.R. Tolkien
Filmmusik: Howard Shore
Kamera: Andrew Lesnie
Schnitt: John Gilbert
Genre: Fantasy
Kinostart Deutschland: 19. Dezember 2001/td>
Kinostart USA: 19. Dezember 2001
Laufzeit: 178 Minuten
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
Trailer: YouTube
Kaufen: Blu Ray (SEE-Trilogie), Blu Ray (Kinofassung), DVD (SEE), DVD (Kinofassung), Soundtrack, Soundtrack (Complete Recordings), Romanvorlage
Mit: Elijah Wood, Ian McKellen, Sean Astin, Billy Boyd, Dominic Monaghan, Viggo Mortensen, Sean Bean, Orlando Bloom, John Rhys-Davies, Hugo Weaving, Liv Tyler, Cate Blanchett, Christopher Lee, Ian Holm u.a.


Kurzinhalt: Einst schuf der dunkle Herrscher Sauron die Ringe der Macht. Drei gingen an die Elben, sieben an die Zwerge, und neun wurden den Menschen gegeben. Doch ohne das Wissen der anderen Völker schuf Sauron einen Meisterring: "Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben, und ewig zu binden". Dieser Ring gibt ihm die Macht, über ganz Mittelerde zu herrschen. Ein Bündnis zwischen Elben und Menschen schafft es zwar schließlich nach einem langen Krieg, ihn zu besiegen, der Ring der Macht jedoch geht verloren… bis er viele Jahrtausende später von einem Hobbit namens Bilbo Beutlin in der Höhle des gar schrecklichen Geschöpfes Gollum gefunden wird. Der Zauberer Gandalf erkennt erst viele Jahre später, was es mit dem Ring auf sich hat. Nun gilt es, schnell zu handeln, ehe der dunkle Herrscher (der dank des Rings seine Niederlage in körperloser Gestalt überlebt hat) den Ring findet, ihn an sich nimmt, und Mittelerde erneut an den Rand der Vernichtung treibt. Und so begibt sich Bilbo's Neffe Frodo zusammen mit seinen Freunden Sam, Merry und Pippin auf eine Reise, die sie schließlich nach Bruchtal führt. Dort kommt es zu einer Versammlung der freien Völker Mittelerdes, bei der die Gemeinschaft des Ringes gebildet wird. Ihre Aufgabe: Den Ring in die Feuer des Schicksalsberges zu werfen, da dies die einzige Möglichkeit ist, ihn zu zerstören. Doch eben dieser Schicksalsberg befindet sich tief im Lande Mordor, dem Reich Saurons. Auf ihrem beschwerlichen Weg lauern unzählige Gefahren auf die Gemeinschaft des Ringes – von außerhalb, jedoch auch von innerhalb. Denn der Ring beginnt schon bald, Zwietracht unter den Gefährten zu säen…

Review: ImageIm Großen und Ganzen hat man es als junger Filmfan heutzutage ja recht gut: Es gibt Heimkinos, mit denen man das Filmerlebnis zu Hause auf recht hohem Niveau genießen kann. Es gibt DVD's und Blu Ray's, die nicht nur eine bestechende und den früheren VHS-Kassetten weit überlegende Bild- und Tonqualität bieten, sondern es dem geneigten Filmfan zudem erlauben, seine Filme auf Wunsch auch im Originalton zu erleben, oder mit informativem Zusatzmaterial einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und einen Einblick in die Produktion des Films zu erhalten. Zudem erscheinen mittlerweile die meisten Blockbuster wenn schon nicht zeitgleich dann doch zumindest zeitnah auch in unseren Lichtspielhäusern. Und durch Internet und soziale Medien war es noch nie so einfach, sich mit gleichgesinnten, und manchmal sogar den Filmemachern selbst, auszutauschen. Doch bei all diesen modernen Errungenschaften unserer technologisierten Welt, hatte die Generation vor mir "meiner" Generation (der 80er-Geborenen) nichtsdestotrotz eines voraus: Star Wars.

Krieg der Sterne war vor knapp 35 Jahren ein einzigartiges Phänomen, welches das Kino nachhaltig revolutioniert hat. Es war etwas völlig neues, eine neue Art von Kino, und ein Film, der weltweit eine bis dato ungeahnte und unvergleichliche Begeisterung ausgelöst und viele erst zu richtigen Fans dieses Mediums gemacht hat. Als jemand, der die ursprünglichen Kinoveröffentlichungen verpasst hat, habe ich mich oft gefragt, was da damals als Kino-Fan nur für ein Gefühl gewesen sein muss. In einer riesigen Schlange stehen, sich mit anderen über den Film unterhalten, ihn sich immer wieder anzusehen, und in diese faszinierende Welt einzutauchen und Teil eines großartigen, weltweisen Kino-Phänomens zu sein. Die Veröffentlichung der Special Editions Ende der 90er bot zwar auch mir endlich die Gelegenheit, die Filme so zu erleben wie sie von George Lucas ursprünglich gedacht waren – nämlich auf der großen Kinoleinwand –, und selbst bei diesen Vorstellungen lag eine ganz eigene Faszination in der Luft, dennoch war es wohl nicht das Gleiche, als sie bereits damals erleben zu können. Sie zum ersten Mal zu erleben, und schließlich der nächsten Fortsetzung entgegenzufiebern… und zu wissen, dass man Teil eines ganz besonderen, möglicherweise einzigartigen, Phänomens ist. Um eben diese Erfahrung habe ich die "Star Wars"-Generation lange beneidet – genau gesagt bis zum 18. Dezember 2001. Denn danach gab es dafür – Peter Jackson sei Dank – keinen Grund mehr…

ImageEs mag in der Geschichte des Films sowohl davor als auch danach immer wieder Hypes und sehr erfolgreiche Vertreter dieser Unterhaltungsform gegeben haben. Man braucht sich ja nur die Popularität der aktuellen "Twilight"-Filme ansehen, um zu erkennen, dass derartige Phänomene weder mit "Krieg der Sterne" begonnen noch mit "Herr der Ringe" aufgehört haben. Immerhin hat sich mit "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 ja z.B. auch erst dieses Jahr eine ebenfalls faszinierende und beliebte phantastische Kino-Saga, deren erster Teil sogar noch ein paar Wochen vor "Die Gefährten" seine Kinopremiere gefeiert hat, von uns verabschiedet. Und doch glaube ich, dass die von Peter Jackson geschaffene Trilogie etwas Besonderes ist, und eine Begeisterung quer über alle Altersgrenzen, Bildungsschichten und auch die beiden Geschlechter hinaus wecken konnte, welche seither nach wie vor unerreicht ist.

Nach der Veröffentlichung von "Die Gefährten" mag es einige kritische Stimmen gegeben haben, die sich sicher waren, dass man sich zwar immer an die Romane erinnern würde, die Filme jedoch schon bald in Vergessenheit geraten würden. Dass sie ihren Erfolg und ihren Ruhm nur der Vorlage von J.R.R. Tolkien zu verdanken hätte. 10 Jahre später kann mit Fug und Recht behauptet werden: Sie lagen falsch. Die Faszination der von Peter Jackson geschaffenen Filmtrilogie ist meines Erachtens nach wie vor ungebrochen. Immer noch laufen Fans in Scharen für Sondervorstellungen ins Kino (zuletzt bei der Premiere der erweiterten Fassungen im Sommer dieses Jahres)– obwohl sie wohl alle die Trilogie mindestens 1x auf DVD und/oder Blu Ray gekauft und im Regal stehen haben. Konzerte, in denen die Filmmusik von Howard Shore gespielt wird – egal ob als Symphonie oder als Live-Musik zu einer Projektion des Films – erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, wie auch verschiedenste Attraktionen und Ausstellungen rund um den Globus, oder auch die beeindruckenden Landschaften Neuseelands, die bei dieser Trilogie für Mittelerde Pate gestanden sind. Zugegeben, natürlich ist das Interesse seit der Veröffentlichung des letzten Teils der Trilogie naturgemäß zurückgegangen, dennoch sind die Filme weit davon entfernt, in Vergessenheit zu geraten. Und in der Zeit zwischen "Die Gefährten" und "Die Rückkehr des Königs" wurde Mittelerde für mich – und viele andere – ohnehin wie eine zweite Heimat. In diesen zwei Jahren hat "Der Herr der Ringe" die Filmwelt absolut dominiert – und das völlig zu Recht.

ImageIch habe es vor knapp 10 Jahren gesagt, und ich sage es auch heute noch: "Der Herr der Ringe – Die Gefährten" ist ein unvergleichlicher Triumph des (Unterhaltungs-)Kinos, der für mich selbst "Krieg der Sterne" noch (knapp) in den Schatten stellt – in erster Linie, da die Herausforderung, diese Geschichte würdig auf die Kinoleinwand zu bringen, eine unvergleichlich größere war. Jeder, der die Romane bereits gelesen hatte, bevor "Die Gefährten" in den Kinos gestartet ist, hat diese Geschichte wohl für unverfilmbar gehalten – mich eingeschlossen. Doch Peter Jackson, der bis dahin noch eher ein Nobody war und hierzulande wenn überhaupt in erster Linie mit seiner Horror-Komödie "The Frighteners" ein wenig Aufmerksamkeit erregen konnte – dort jedoch nicht erkennen ließ, warum gerade er für ein solches Mammut-Projekt der Richtige sein sollte – hat uns alle eines Besseren belehrt.

"Der Herr der Ringe – Die Gefährten" war einer der seltenen Momente meines Cineasten-Daseins, wo ein Film dem ihm vorauseilenden Hype (der in diesem Fall jedoch kaum künstlich geschürt, sondern im erster Linie vom begeisterten Publikum bzw. langjährigen, treuen Tolkien-Fans getragen wurde) gerecht werden konnte. Ein Hype, dem auch ich mich damals naturgemäß nicht entziehen konnte, weshalb ich die komplette "Herr der Ringe"-Trilogie kurz vor dem Kinostart von "Die Gefährten" zum ersten Mal in meinem Leben gelesen habe. Etwas, dass ich schon bald zu bereuen begann. Nicht etwa, weil "Die Gefährten" als Verfilmung des Buches so enttäuschend wäre – auch wenn es nach wie vor viele gibt, die eben dies behaupten – sondern da einem ein Film natürlich wenn man schon genau weiß, was passiert, einfach nicht so packen kann. Bitte nicht falsch verstehen: Wie dem Review wohl schon bisher zu entnehmen ist, war und bin ich von "Die Gefährten" absolut begeistern – trotzdem fragte ich mich danach unweigerlich, um wie viel besser mir der Film noch gefallen hätte, hätte ich nicht schon genau gewusst, was passieren würde. Jedenfalls achte ich seither penibelst darauf, mir Romane, bei denen ich von einer Verfilmung weist, erst zu lesen, nachdem ich den Film gesehen habe – schade nur, dass ich diese Lektion nicht schon zuvor bei einem weniger begeisternden Film lernen konnte…

ImageWie soeben erwähnt, halte ich "Die Gefährten" bzw. die komplette "Herr der Ringe"-Trilogie, trotz aller – absolut notwendiger – Kürzungen und Änderungen für eine gelungene, würdige Verfilmung des Fantasy-Epos von J.R.R. Tolkien Natürlich kann man als Tolkien-Purist den Verlust von zahlreichen Nebenhandlungen, Schauplätzen, Momenten und Figuren bedauern. Bei einer solch komplexen Vorlage ist es einfach unvermeidbar, dass wir alle den einen oder anderen Moment, der gerade uns in den Büchern besonders angesprochen hat, vermissen werden. Für mich ist es z.B. weniger Tom Bombadil, sondern jener Moment, als den Gefährten die Augen verbunden werden sollen, ehe man sie nach Lothlorien bringt – und Legolas darauf besteht, dass man ihm ebenfalls die Augen verbindet, auch wenn man ihn als Elben hätte passieren lassen. Aber, ganz ehrlich… essentiell für die Geschichte ist es nicht.

Das Kriterium für eine gelungene filmische Umsetzung eines Romans ist in meinen Augen nicht, dass jede Figur, jeder Schauplatz, jede Nebenhandlung vorkommt – was ich ohnehin grundsätzlich für unmöglich halte, nicht nur bei solch einen Epos wie "Herr der Ringe" – sondern, dass die Aussage des Buchs wiedergegeben wird, dass es keine großen Änderungen bei der Handlung gibt, der Kern der Geschichte erhalten bleibt, und sich die Charaktere auch wirklich so verhalten, wie man es aus den Büchern gewohnt ist. Kurz: Dass die "Seele" des Romans erhalten bleibt. Und eben das ist bei "Die Gefährten" meiner Ansicht nach der Fall. Natürlich hat es Kürzungen gegeben, doch die wirklichen Änderungen halten sich in Grenzen. Ja, auch ich fand die "Flucht" nach Bruchtal im Buch gelungener, da Frodo dort erstmals einen Hauch von Mut und Stärke bewiesen hat, als er weggeritten ist, um die schwarzen Reiter von seinen Gefährten wegzulocken. Aber ehrlich… keine der vorgenommenen Änderungen ist schlimm genug, um Peter Jackson's Kopf zu fordern und diesen Film zu verteufeln. Peter Jackson hat es geschafft, die Atmosphäre des Romans perfekt einzufangen und in seinem Film wiederzugeben, und das ist mir allemal wichtiger, als ob Tom Bombadil den 4 Hobbits ein paar Geschichten erzählt, oder eben nicht. Jedenfalls… wer wissen will, wie eine wirklich unwürdige, zerstückelte filmische Version von "Herr der Ringe" aussieht, braucht nur den Bakshi-Zeichentrickfilm anzusehen. Wie man sich nachdem man diesen gesehen hat noch ernsthaft über Jackson's Interpretation beschweren kann, ist mir wahrlich ein Rätsel…

Image"Der Herr der Ringe" ist eine ungemein komplexe Geschichte. Es gibt praktisch 13 Hauptpersonen, deren Namen man sich merken sollte, und noch mindestens 7 weitere wichtige Figuren. Dann gibt es noch viele Schauplätze, eine ganz eigene Mythologie und Vergangenheit… und all das wird dem Zuschauer in drei Stunden vermittelt, ohne dass darunter der Unterhaltungswert des Films leiden würde. Wie es Peter Jackson und seinem Team – allen voran seinen Drehbuch-Koautorinnen Phillipa Boyens und Fran Walsh – gelungen ist, diese komplexe Geschichte auch völligen Neulingen begreiflich und schmackhaft zu machen, ist ungemein beeindruckend. Sie schultern die Komplexität der Handlung mit einer Leichtigkeit, die bestechend und beachtlich ist. Diesbezüglich sticht für mich vor allem auch immer wieder der Prolog hervor, wo es binnen weniger Minuten gelingt, die wichtigsten Hintergründe zu erzählen, so dass man erkennt, was auf dem Spiel steht, und der nachfolgenden Handlung folgen und dabei mitfiebern kann.

Betrachtet man eben diese nachfolgende Handlung genauer, stellt man fest, dass diese einfach alles hat, was man sich von eine guten Geschichte erwarten kann: Nervenzerreißende Spannung, Humor, ruhig-nachdenkliche Momente, interessante und sympathische Figuren, dramatische Situationen, ein Hauch von Tragik… und sogar eine kleine Romanze. Keines dieser Elemente sticht dabei irgendwie als besonders dominant hervor, oder würde sich mit den anderen spießen – alles wirkt wie aus einem Guss. Eben diese grandiose Handlung wird dann von Peter Jackson nicht einfach "nur" derart packend erzählt, dass die drei Stunden praktisch wie im Flug vergehen, sondern noch dazu mit zahlreichen beeindruckenden Einstellungen und imposanten, wunderschönen Bildern geschmückt. Hinzu kommt noch eine ganz eigene, magische Atmosphäre, die man nicht wirklich beschreiben und/oder erklären kann. Denn diese ist wohl nicht auf ein einziges Kriterium zurückzuführen, sondern entsteht aufgrund des "Gesamtkunstwerks". Denn es ist ja nicht nur die Handlung und die Inszenierung, die aus diesem Film ein wirklich beeindruckendes Filmerlebnis werden lassen. Egal ob die Kostüme, die Ausstattung, die Schauplätze… alles ist mit so viel Liebe zum Detail geschaffen worden, dass man wirklich das Gefühl hat, in eine andere, aber eben nichtsdestotrotz echte Welt einzutauchen. "Der Herr der Ringe" wirkt weniger wie Fantasy, denn wie ein historischer Film über eine längst in Vergessenheit geratene Zeit – genau so, wie es ja auch von J.R.R. Tolkien gedacht war.

ImageHier profitiert der Film auch davon, dass Peter Jackson zwar digitale Effekte nutzt, wo es notwendig ist, im Großen und Ganzen aber versucht, so viel wie möglich wirklich real mit Hilfe von Modellen zu erschaffen. Doch auch wenn Peter Jackson für die eine oder andere Szene auf den PC zurückgreift, ist das Resultat wirklich hervorragend gelungen und absolut überzeugend. Während ILM sich zur Jahrtausendwende mit ihren CGI-Effekten ja nicht immer mit Ruhm bekleckert haben (siehe die beiden Star Wars-Prequels "Die dunkle Bedrohung" und "Angriff der Klonkrieger") zeigen WETA Digital hier, wie man es richtig macht: Seien es Erweiterungen zu den Sets oder auch Figuren wie der Höhlentroll, die CGI-Effekte wirken so realistisch wie bei keinem anderen Film zuvor. Auch die Herausforderung rund um die unterschiedlichen Größenverhältnisse hat man – mit einer einzigen kurzen Ausnahme, bei der die Illusion für mich verloren ging – mit Bravour gemeistert. Einfach phantastisch…

Bei allem berechtigten Lob für alle anderen Aspekte der Produktion – es wäre wahrlich ein unverzeihliches Versäumnis, nicht auch ein paar Worte über die SchauspielerInnen zu verlieren. Denn die darstellerische Leistung aller Beteiligten steh den anderen Aspekten der Filmproduktion in Sachen Perfektion in nichts nach: Alle füllen ihre Rollen so perfekt aus, dass man nicht das Gefühl hat, Schauspieler zu beobachten, sondern wirklich nur die Figuren sieht, die sie verkörpern. Auch wenn die Performance aller wirklich phänomenal ist, muss an dieser Stelle aber doch einer gesondert hervorgehoben und erwähnt werden, nämlich Ian McKellen, der hier eine – vor allem für dieses von "ernsthaften" Schauspielern oftmals belächelte Genre – absolut außergewöhnliche Leistung zeigt. Ich kann die Kommentare vieler Kritiker nur zitieren: Er spielt Gandalf nicht, er IST Gandalf. Die Stimme, die Mimik, seine Bewegungen etc… alles ist absolut perfekt, vom freudestrahlenden, fröhlichen Gesicht im Auenland bis zum Mitleid ausdrückenden Blick in Bruchtal, als sich Frodo gerade dazu bereit erklärt hat, den Ring nach Mordor zu bringen. Und auch wenn ich es persönlich schade und auch irgendwie als eine Schande empfinde, dass seine Leistung bei der Oscarverleihung übergangen wurde, "nur" weil sie in einem Fantasy-Film erbracht wurde, so hat es Ian McKellen wenigstens – als einziger aus der illustren und hochkarätigen Besetzung – geschafft, zumindest nominiert zu werden. Das allein ist für dieses Genre eigentlich schon beachtlich genug, so sehr ich ihm persönlich bei der Oscar-Verleihung 2002 auch den Sieg gegönnt hätte. Aber die wahren Gewinner sind ohnehin wir, die Fans, die nicht nur Gandalf, sondern allen Figuren dabei zusehen können, wie sie vor unseren Augen zum Leben erwachen.

ImageWenn die Handlung, die Inszenierung, die schauspielerischen Leistungen, die Ausstattung und die Effekte allesamt überzeugen können, fehlt nur mehr ein Aspekt, um ein perfektes Filmereignis komplett zu machen: Die Filmmusik. Und auch dieser gelingt es mit Leichtigkeit, das hohe Niveau der anderen Aspekte der Filmproduktion nicht einfach nur zu halten, sondern sogar noch einmal eins draufzusetzen, und einen ohnehin schon großartigen Film noch einmal besser zu machen. Howard Shore hat sich in meinen Augen (oder Ohren) mit seinem Soundtrack zu "Die Gefährten" selbst übertroffen. Ungemein vielschichtig, mit zahlreichen grandiosen, eingängigen musikalischen Themen, die teilweise immer wieder neu interpretiert und dargebracht werden, überzeugt er mit einem abwechslungsreichen, atmosphärischen und stimmigen Score. Mit seinen Kompositionen erweckt er den Film und damit auch Mittelerde erst so richtig zum Leben. Er trifft bei jedem Schauplatz, bei jeder Figur, bei jeder Szene immer genau den richtigen Ton. Für mich ist seine Leistung bei der "Herr der Ringe"-Trilogie jedenfalls wohl die Krone der filmmusikalischen Schöpfung. Besser geht es schlicht und ergreifend nicht…

Doch "Der Herr der Ringe – Die Gefährten" ist nicht "nur" in seiner Gesamtheit grandios, sondern hat auch unzählige phantastische, denkwürdige Einzelmomente und Szenen zu bieten. Bevor ich jetzt nochmal über mehrere Absätze hinweg die komplette Handlung des Films durchgehe, belasse ich es lieber bei einer "kurzen", nicht vollständigen Aufzählung der meines Erachtens besten Szenen des Films; nicht wenige davon absolut magische Gänsehaut-Momente: Der Drache während des Feuerwerks; Gandalfs Abschied von Bilbo; Frodo, Sam, Pippin und Merry fliehen auf die Fähre; die Nazgul kommen in Bree an; Aragorn rettet die Hobbits auf der Wetterspitze; Kamerafahrt von der Spitze des Orthanc-Turms bis tief in die Höhlen hinein, Arwen reitet den neun schwarzen Reitern davon; Die Bildung der Gemeinschaft des Ringes; Der "Die Gefährten"-Shot aus dem ersten Teaser; Der Ring verführt Boromir auf dem Caradhras; Saruman auf der Spitze des Orthanc, wie er den Sturm heraufbeschwört; Gandalfs Gespräch mit Frodo in Moria; Balin's Grab und die Trommeln in der Tiefe; Hunderte Orks klettern in Moria die Pfeiler herunter in Richtung der Gefährten; Gandalf's Kampf gegen den Balrog, sein nachfolgender Sturz und die Flucht der trauernden Gefährten, als diese Moria verlassen; Gimli wird in Lothlorien von den Elben überrascht; die Argonath; Aragorn lässt Frodo ziehen; Boromir's Horn erklingt, und die Kamera folgt den Gefährten bzw. den Uruk's ohne Schnitt, bis man schließlich Boromir kämpfen sieht; Boromir's aufopfernder Kampf, um Merry und Pippin zu retten; (Achtung, Spoiler!) sein bewegender Tod (Spoiler Ende); der treue Sam, der darauf besteht, Frodo auf seinem beschwerlichen Weg zu begleiten… und noch soooo viele mehr.

ImageAuch das Ende hat man perfekt hinbekommen; es macht einerseits Lust auf mehr, und deutet andererseits schon an, was uns bei "Die zwei Türme" erwartet: Auf der einen Seite haben wir Legolas und Gimli, die unter Aragorns (der mit "Lasst uns Orks jagen!" einen der besten letzten Sätze einer Figur in der Filmgeschichte von sich geben darf) die drei Jäger bilden, um Merry und Pippin zu befreien. Und auf der anderen Seite Frodo, über den sich ob der Bürde die er zu tragen hat und der fast unmöglichen Aufgabe, der er sich stellen muss, Düsternis und Melancholie legt – und der von Sam wieder aufgerichtet wird. Mit "May it be" von Enya entlässt man uns dann schließlich in den Abspann, und auch wenn ich generell zu jenen gehöre, die wenn sie zu Hause eine DVD/Blu Ray einlegen üblicherweise auch den Abspann auslaufen lassen – bei "Der Herr der Ringe" habe ich ihn noch nie abgebrochen, und bin auch bei den Kinovorstellungen immer so lang als möglich sitzen geblieben – einfach, um der wundervollen Musik zu lauschen und den Film damit ausklingen zu lassen.

Trotz aller Begeisterung möchte ich aber auch noch auf ein paar Kritikpunkte eingehen. Dass diese absolut marginal ausfallen und daher fast schon kleinlich wirken, macht nur ein weiteres Mal deutlich, wie großartig der Film eigentlich ist – da man einfach schon sehr genau suchen muss, um überhaupt etwas Negatives zu finden. Oben bereits kurz erwähnt: Beim Gespräch von Frodo und Galdalf in Beutelsend gibt es eine Szene, als die Kamera um die beiden herumschwenkt, während Frodo Tee einschenkt, wo die "erzwungene Perspektive" – zumindest bei mir – nicht funktioniert. Nachdem Frodo sich dazu bereit erklärt, den Ring zu nehmen, gibt es einen zu harten Schnitt; in einem Moment streitet sich Gandalf noch mit den anderen, im nächsten wendet er sich bereits mit traurigem Blick Frodo zu. Auch den eigentlich toten, sich aber wenn Aragorn zu Boromir rennt dennoch bewegenden Uruk-Hai kann man nicht mehr übersehen, wenn man ihn einmal entdeckt hat. Und wo wir schon bei Boromir sind: Seien Läuterung nach dem "Sturz" kommt mir doch etwas zu plötzlich. Das sind jedoch alles Kleinigkeiten, die mich nicht weiter stören; mein einziger "echter" Kritikpunkt ist Sam's "Ein wahrer Augenöffner, gar keine Frage" in der großen Halle von Moria. Es ist solch ein erhebender Moment, mit absolut beeindruckenden Bildern, ergänzt durch die tolle, gänsehauterzeugende Musik von Howard Shore… und dann platzt Sam auf einmal mit diesem unpassenden und deplatzierten Kommentar herein, und zerstört irgendwie die Wirkung der Szene. Hier wäre es besser gewesen, Peter Jackson hätte einfach auf die Bilder und die Musik vertraut, und Sam nicht dem Zuschauer vorsagen lassen, was er fühlen soll. Ich will jetzt aber auch ein zu großes Aufhebens darum machen, immerhin reden wir von ganzen drei Sekunden in einem dreistündigen Film. Sich daran aufzuhängen wäre – vor allem angesichts der Perfektion in den restlichen 10.797 Sekunden – einfach nur pingelig.

ImageZuletzt muss auch noch die Synchronisation lobend erwähnt werden. Ich weiß ja, es wird immer ein paar O-Ton-Puristen geben, denen man es nicht recht machen kann, die jede Synchronisation als Verfälschung des Kunstwerks Film verdammen und somit ablehnen. Aber verstehen kann ich es, gerade im vorliegenden Fall, nicht. Denn so sehr auch manche Synchronisationen ordentlich in die Hose gehen, die von "Die Gefährten" ist wirklich sensationell gut gelungen. Man merkt, dass das Synchronstudio sich hier wirklich bemüht hat, von der (an die von Fans bevorzugten Carroux-Ausgabe angelehnte) Übersetzung über die Wahl der Sprecher bis zur Performance eben dieser ist alles wirklich erstklassig. Für mich ist jedenfalls die Qualität dieser Synchronisation, wie auch alle anderen Aspekte dieses Meisterwerks, der Maßstab, an dem sich alle kommenden Filmprojekte messen müssen.

Bevor wir uns dem Fazit zuwenden, möchte ich abschließend noch ein paar Worte zur erweiterten Fassung des Films verlieren. Diese verfügt über einige wirklich tolle Szenen, die ich in der Kinofassung zwar schon vermisse, und macht insgesamt einen etwas runderen Eindruck, dennoch würde ich sie nicht notwendigerweise als besser einstufen. Vieles davon hat doch eher den Charakter von Füllmaterial, welches in erster Linie dazu dient, die – auch in der Kinofassung schon gut gezeichneten Figuren – noch etwas schärfer zu konturieren. Meine persönlichen Highlights sind das Gespräch von Gandalf und Frodo vor den Mauern von Moria (in der Gandalf erneut seine Wertschätzung für die Hobbits im Allgemeinen und Frodo im Besonderen zeigen darf), die Erweiterungen beim Rat von Elrond sowie der folgende erweiterte Aufbruch der Gemeinschaft, die zusätzlichen Szenen beim Kampf in Moria, Sam's Trauerlied für Gandalf, vor allem aber natürlich die Abschieds- und Geschenkszene in Lothlorien. Vor allem die Szene, als Gimli Legolas von dem Geschenk erzählt, dass er von Galadriel erhalten hat, ist einfach nur großartig. Der Großteil der anderen Erweiterungen stört mich zwar nicht, ich würde sie jedoch auch nicht vermissen, wenn sie nicht da wären. Am Unschlüssigsten bin ich, was den neuen Beginn des Films betrifft. Grundsätzlich gefallen mir die neuen Szenen mit Bilbo, der gerade die Einleitung für sein Buch schreibt, ja sehr gut. Aber irgendwie fehlt mir doch der Beginn aus der Kinofassung: Frodo, wie er friedlich vor sich hin lesend an einem Baum liegt. Für mich persönlich war dies der perfekte Einstieg in die Welt des Herrn der Ringe…

Fazit: Image"Der Herr der Ringe – Die Gefährten" ist ein 3-stündiges Epos ohne einen Funken Langeweile, in dem mich nur ein einziger, winziger Augenblick stört. Das allein, so sollte man meinen, ist eigentlich schon Kompliment genug, doch die Wahrheit ist: Mit welchen Superlativen man den Film auch bedenkt, sei es "phänomenal", "einzigartig", "außergewöhnlich", "beeindruckend", "phantastisch" etc., man wird der großartigen Leistung, die hier von allen Beteiligten erbracht wurde, einfach nicht gerecht. Er ist ohne jeden Zweifel ein Meisterwerk, eine Sammlung purer filmischer Magie, der Filmfans aus aller Welt im letzten Jahrzehnt inspiriert, begeistert und verzaubert hat – und dies wohl noch viele weitere Jahrzehnte lang tun wird. Ganz egal, wie oft ich ihn sehe – und mittlerweile dürfte ich mich wohl der 20. Sichtung annähern – er büßt für mich nichts von seiner Faszination und seinem Unterhaltungswert ein; ich komme jedes Mal aufs Neue ins Staunen ob seiner Brillanz. Für mich war und ist die "Der Herr der Ringe"-Trilogie im Allgemeinen und "Die Gefährten" im Besonderen jedenfalls ein einzigartiges Kinoerlebnis, das mich so packen, faszinieren und verzaubern konnte wie kein Film zuvor. Er war der erste wirklich großartige Film des neuen Jahrtausends, und zählt für mich nach wie vor unbestreitbar zu den besten Filmen aller Zeiten.

Wertung:10 von 10 Punkten


Christian Siegel
(Bilder © Warner Bros.)


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Weiterführende Links:
Advents-Special 2011
Review zu "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2







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