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Another Earth Drucken E-Mail
Independent-Science Fiction zum Träumen Kategorie: Filme - Autor: Siegel | Spieler | Wetzel - Datum: Donnerstag, 10 November 2011
 
Advents-SPECiAL

 
Another Earth
Bewertung:
Studio/Verleih: Artists Public Domain/Fox Searchlight
Regie: Mike Cahill
Produzenten: U.a. Mike Cahill, Hunter Gray, Brit Marling & Nicholas Shumaker
Drehbuch: Mike Cahill & Brit Marling
Filmmusik: Fall On Your Sword
Kamera: Mike Cahill
Schnitt: Mike Cahill
Genre: Science Fiction
Kinostart Deutschland: 10. November 2011
Kinostart USA: 22. Juli 2011
Laufzeit: 92 Minuten
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
Trailer: YouTube
Kaufen: Soundtrack
Mit: William Mapother, Brit Marling u.a.


Kurzinhalt: Rhoda Williams ist eine junge, hochbegabte Frau, die auf dem besten Weg ist, Astrophysikerin zu werden. Eines Abends jedoch, verursacht sie eine schreckliche Tragödie und wirft damit nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das des Komponisten John Burroughs, aus der Bahn. Am selben Tag entdeckten Forscher etwas Fantastisches am Himmel: eine zweite Erde. Der Planet, ein Spiegelbild des unseren, taucht wie aus dem Nichts auf und erobert sich einen Platz am Firmament. Ein Ort im Kosmos, an dem es uns alle ein zweites Mal gibt. Nach vier Jahren wird Rhoda aus der Haft entlassen und versucht die Vergangenheit aufzuarbeiten, da sie für sich keine Zukunft sieht. Sie will John um Verzeihung bitten, aber plötzlich hat sie Angst und lügt. Sie hofft sie könnte sein Leben ein bisschen besser machen, fängt an sein desolates Haus aufzuräumen und denkt, dadurch sich selbst das Recht zu erkaufen, weiterzuleben. Beide finden über die am Himmel stehende zweite Erde zueinander, einen Fixpunkt außerhalb ihrer zerrissenen Leben. Als sich die Möglichkeit einer Reise durch den zerbrochenen Spiegel ergibt, sieht Rhoda für sich, den letzten Ausweg und Neuanfang in dieser seltsamen Laune des Universums. Doch John erfüllt schon der Anblick eher mit Misstrauen und Furcht vor dem Unbekannten…

Review von Christian Siegel: Szenenbild. Als großer Fan des Genres der trotz aller Liebe für das klassische Blockbuster-Kino gerade auch die etwas ungewöhnlicheren Einträge, die von der Masse abweichen, sehr schätzt und auch dem Indie-Sektor durchaus zugetan ist, sollte man eigentlich meinen, dass "Another Earth" genau mein Ding sein müsste. Ich selbst hatte mir das auch gedacht, als ich ihn mir in der Vorweihnachtszeit des Jahres 2011 vorgeknöpft habe – oder sagen wir besser, es versuchte. Nach einer halben Stunde hatte ich damals jedoch in einer Mischung aus "überzeugt mich nicht wirklich" und "ich hab eigentlich grad eh keine Zeit für sowas" abgebrochen, und fühlte danach irgendwie nie wieder den Drang, das begonnene fortzusetzen. Nach einigen Gesprächen in meinem filmfanatischen Freundes- und Bekanntenkreis, wo der Film immer wieder mal zur Sprache kam, und viele nicht verstehen konnten, warum ich ihn immer noch nicht gesehen hatte – eben weil es nun mal eigentlich genau mein Scheiß sein müsste – beschloss ich dann aber, ihm heuer eine weitere Chance zu geben. Und auch wenn der Film in der Tat ziemlich kurz nach jener Halbstunden-Marke, an der ich einst unterbrochen hatte, langsam in Fahrt kam – wirklich begeistert hat er mich leider auch diesmal wieder nicht.

Bei der Erstsichtung hatte mir vor allem der Einstieg Probleme beschert. Weil nach dem Unfall konnte ich mir einfach nicht mehr. Für "Another Earth" ist es wichtig, dass man zumindest ansatzweise sympathisiert. Und ja, ich weiß schon, wir alle haben mal mehr oder weniger große Dummheiten begangen, waren unachtsam oder vielleicht sogar unverantwortlich, und können froh sein, wenn die daraus entstandenen Konsequenzen nicht so schlimm waren wie in ihrem Fall. Und immerhin, im Wissen darauf, was mich erwartet, worauf ich mich einlasse, bzw. was sie am Anfang tut, fiel es mir diesmal eine Spur leichter. Dennoch, mein Verständnis für betrunken Auto fahren hält sich in Grenzen, und dann noch den Kopf für eine derart lange Zeit aus dem Fenster zu lehnen und raufzuschauen anstatt einfach rechts ranzufahren und anzuhalten… damit tat ich mir auch diesmal wieder schwer. Immerhin, der Film macht nicht nur klar, dass sie ihre Zeit abgesessen hat und somit aus Sicht des Justizwesens ihre Strafe verbüßt hat, sondern dass diese Tat auch immer noch schwer auf ihrem Gewissen lastet, was es mir erlaubte, mit der Zeit dann doch noch halbwegs eine Verbindung zu ihr aufzubauen (was bei der Erstsichtung noch nicht der Fall war, da hatte ich einfach zu früh abgedreht, bzw. hatte ich mich über diese Dummheit einfach noch mehr geärgert, da sie mich damals halt völlig unvorbereitet erwischt hatte). Leider aber ist das nicht der einzige Kritikpunkt, den ich ihm gegenüber ins Feld führen würde. So sehr ich grundsätzlich auch SF-Filme schätze, die innerhalb des Genrekontexts eine sehr "menschliche" Geschichte erzählen, blieb mir persönlich die faszinierende Idee rund um die zweite Erde leider zu sehr im Hintergrund. Vom Aufbau her folgt er leider allzu sklavisch dem typischen RomCom-Aufbau, sprich einer der beiden hat ein großes Geheimnis, welches dann natürlich nachdem sie zusammengekommen sind ans Tageslicht kommen muss. Und vor allem auch mit ihrer "Entscheidung", doch tatsächlich mit ihm zu schlafen, tat ich mir ungemein schwer. Der Unfall mag "nur" extreme Fahrlässigkeit gewesen sein. Aber das war Vorsatz. Da hatte ich ihr gerade ansatzweise vergeben, und dann macht sie so etwas. Das warf meine Sympathien für sie leider gleich noch einmal ordentlich zurück.

Szenenbild. Immerhin, so unvermeidlich und damit typisch die Geständnis-Szene gewesen sein mag, aufgrund des Aufbaus des Films sowie des extrem starken Schauspiels von Brit Marling war sie dennoch zweifellos das Highlight des Films für mich, und mit Abstand dessen stärkster Moment, der mir persönlich eine echte Gänsehaut bescherte. Ich mochte auch die weitere Entwicklung, die der Film danach nahm. Generell gelingt es ihm nach dem sehr gemächlichen Einstieg, ab ca. der Hälfte eine nette Grundspannung aufzubauen, die sich daraus ergab, dass ich kurzzeitig – abseits des RomCom-Aspekts – keine Ahnung hatte, wo sich das ganze hinbewegen wird. Und auch jene (für meinen Geschmack halt zu spärlichen) Szenen, die sich mit der zweiten Erde befassten, konnten mir gefallen. Das Ende fand ich dann grundsätzlich ebenfalls ganz nett, denke aber letztendlich, dass es eine weniger klare Antwort gibt, als man auf den ersten Blick meinen mag, und die Filmemacher vielleicht auch beantwortet haben. Aber um hier genauer ins Detail zu gehen, müsste ich zu viel spoilern. Insgesamt kann man sagen: Trotz aller Kritikpunkte hat es sich letztendlich doch noch gelohnt, ihm eine zweite Chance zu geben. Aber sein größter Fan werde ich zu meinem eigenen Bedauern wohl nicht mehr.

Fazit: Man sollte meinen, diese Art von sehr menschlichem Indie-SF-Drama müsste eigentlich genau mein Ding sein. Leider tat ich mir mit Rhoda nach ihrer ersten Aktion (Mischung aus Dummheit und Fahrlässigkeit) enorm schwer, und der weitere Pfad den sie beschritt (Stichwort Anbandeln) machte es um nichts leichter. Die unvermeidliche "Karten auf den Tisch"-Szene war zwar ungemein stark, vom Aufbau her war's aber so typisch, dass ich mir eigentlich gewünscht hätte, er hätte es nie erfahren. Für meinen Geschmack ging's auch zu wenig um Earth II (eine ungemein faszinierende Idee, fast vollständig verschwendet), und das Ende mag zwar eine gewisse Bedeutung implizieren, lässt sich aber auch ganz anders deuten, und lässt somit letztendlich alles offen. Dank der netten Idee, dem Fokus auf emotionale (statt wissenschaftliche) Themen, einzelner starker Momente, der wundervollen Brit Marling sowie meinem Herz für Indie-SF gibt es zwar immerhin noch eine durchschnittliche Wertung. Aber in die Lobeshymnen kann ich zu meinem eigenen, großen Bedauern leider nicht einstimmen.

Wertung:5 von 10 Punkten
Christian Siegel


Review von Michael Spieler: Szenenbild. Another Earth ist etwas Eigenwilliges und ganz Besonderes in diesem Spätherbst. Der beim Sundance Film Festival ausgezeichnete Film von Mike Cahill ("Boxers and Ballerinas") und Brit Marling hat eine komplett eigene Handschrift und verwebt die leisen Töne eines sehr persönlichen Dramas, mit hochkonzeptuellen philosophischen Fragestellungen vor der Kulisse eines fantastischen Ereignisses. Das Ereignis, das die beiden Hauptcharaktere für immer miteinander verbinden wird, wird zum Ausgangspunkt, ab dem die Zeit für beide still zu stehen scheint. Alles danach verschwindet für sie im eindringlich gefilmten grauen Winterwetter Neuenglands. John Burroughs (William Mapother, Ethan Rom in "LOST") hat ebenso mit den physischen Nachwirkungen eines Komas zu kämpfen, wie mit einem psychischen Trauma. Er hat seine Musik aufgegeben und verlässt sein Haus kaum noch. William Mapother, den man vor allem von seinen TV-Rollen als böse guckender Zwielichtiger kennt, verkörpert diesen traumatisierten Künstler mit außerordentlicher Energie und lernte extra auf einer Säge zu spielen. Rhoda Williams (Brit Marling, "Sound of My Voice") sucht sich nach ihrer Entlassung einen Job als Schul-Hausmeisterin; eine Tätigkeit, die wenig Interaktion mit anderen Menschen erfordert. Ihre Familie kann sie nicht aus ihrer Welt, die vor vier Jahren aufhörte sich zu drehen, herausreißen. Beide kapseln sich von ihrer Umgebung ab.

Als sie sich dazu entschließt, bei John für das Unverzeihliche um Verzeihung zu bitten, verlässt sie auf der Schwelle der Mut und sie beginnt unter Vorgabe eine Reinigungskraft zu sein, sein vermülltes Haus und gleichsam sein Leben aufzuräumen. Im Grunde erhofft sie sich Absolution durch die Hilfe, die sie ihm zu Teil werden lässt. Dabei durchbrechen sie irgendwann gegenseitig ihre Kokons und verlieben sich ineinander. Über der zerbrechlichen Beziehung der beiden schwebt immer noch das Unausgesprochene, die gemeinsame Vergangenheit, mit der sie sich befassen müssen. Als der Tag naht, an dem sich für Rhoda die Möglichkeit zur Reise zur bekannten und doch fremden Welt über ihren Köpfen ergibt, kommt es zur Auseinandersetzung und die sonst theoretisch-philosophische Frage: "Was würdest Du tun, wenn Du Dich selbst treffen könntest?", wird zu einer echten Möglichkeit. Brit Marling übernimmt bei "Another Earth" wie auch in ihrem Film "Sound of My Voice", nicht nur die weibliche Hauptrolle, sondern war daran auch als Koautorin und Produzentin beteiligt. Sie spielt, wie die Geschichte gefilmt ist: mit einer wunderbaren Zurückhaltung und vor allem durch Körpersprache und Gesichtsausdrücke. Die Dialoge sind mit Bedacht gewählt und verzichten auf unnötige Plattitüden. Der Film gleitet nie ins Melodramatische ab.

Szenenbild. Ich bin tatsächlich hin und weg von diesem Film. Er ist kein Science-Fiction-Film im Sinne von Raumschlachten und außerordentlicher Technologie oder Außerirdischen. Er stellt sich, mit Hilfe eines Science-Fiction-Elements, den großen philosophischen Fragen mit der Möglichkeit, diese tatsächlich beantworten zu können. Ein Gedankenspiel, das für die Protagonisten - in der Realität des Films – wahr werden kann. Dabei wird das abgehobene Konzept durch eine zutiefst menschliche Geschichte die aus einem Drama hervorgeht geerdet. Der zerbrochene Spiegel bedeutet im Film, die Möglichkeit, dass sich mit dem Moment der Entdeckung von "Erde 2", die Leben auf beiden Welten unterschiedlich weiterentwickelt haben. Eine parallele Welt, die die selbe kollektive Vergangenheit teilt, aber – und hier kommt die Geschichte um Rhoda und John ins Spiel – dort oben eine ganz andere Wendung genommen haben kann. Eine echte Chance auf einen Neuanfang, eine Chance zu sehen, wie das eigene Leben mit anderen Entscheidungen verlaufen sei könnte. Da gerät man doch ins Tagträumen.

Fazit: Der Film hat mich eine ganze Weile nach dem Kinobesuch beschäftigt und das ist von den Machern auch so beabsichtigt. Zunächst weiß man einfach nicht was einen erwartet und ob der Genremix tatsächlich funktioniert. Im Gegensatz zu "Tree of Life" tut er das für mich. Er findet genau die richtige Sprache und setzt die Science Fiction im Drama genau in den richtigen Dosen ein, um dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, die eigene Fantasie einzuschalten. Gerade wegen der eindringlichen und wahrhaftigen Geschichte zwischen zwei Menschen, macht der Film die vermittelten Konzepte zugänglich. Dazu kommen ein paar der schönsten Bilder in einem Film, die ich je gesehen habe. Rhoda auf dem Steg am Atlantik und am Horizont hinter Wolken die andere Erde. Man verlässt das Kino auch nicht mit dem dringenden Gefühl, das Gesehene müsse zwangsweise wissenschaftlich auf sicheren Beinen stehen (denn das würde es nicht, ein Himmelskörper von der Größe der Erde, so nah an/in unserer Umlaufbahn, hätte vermutlich katastrophale Auswirkungen auf die Gezeiten – wenn die gegenseitigen Anziehungskräfte, beide Planeten nicht sogar zerreißen würden). Schaut ihn euch an und träumt.

Wertung:9 von 10 Spiegeln
Michael Spieler


Inhalt & Review von Marcel Wetzel: Szenenbild. Rhoda Williams (Brit Marling) hat alles, was sich eine junge Frau wünschen kann. Sie ist erfolgreich, beliebt und wurde gerade am M.I.T. angenommen, womit sie ihrem Ziel Astrophysikerin zu werden ein großes Stück nähergekommen ist. Nach der Party um dies zu feiern begeht sie den Fehler, sich betrunken an das Steuer ihres Autos zu setzen. Als dann noch der Moderator im Radio während ihrer Fahrt von der Entdeckung eines Planeten in Erdnähe berichtet, verursacht sie, während sie ihn am Nachthimmel sucht, einen fatalen Unfall, bei dem zwei Menschen, eine Mutter und ihr Sohn, ums Leben kommen. Der Fahrer und Vater John (William Mapother) überlebt knapp, liegt dafür aber im Koma. Als John nach vier Jahren erwacht hat Rhoda die gegen Sie verhängte Haftstrafe zwar verbüßt, allerdings fühlt sie sich noch immer schuldig. So beginnt für sie ein langer Weg auf der Suche nach Vergebung. Sie gibt sich als Reinigungskraft aus und nimmt so mit dem inzwischen alkohol- und medikamentenabhängigen John Kontakt auf und während sich die beiden näher kommen, schafft es Rhoda, den völlig zerstörten Familienvater in das normale Leben zurückzuholen.

Wie sich herausstellt, ist "Erde 2" eine exakte Kopie unserer Welt, deren Synchronität bis zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung bestand und auf der von jeder Person eine weitere Version vorhanden ist. Demnach könnten dort Doppelgänger sein, bei denen die Dinge anders abgelaufen sind. Und so wird die Frage, die sich wohl jeder schon mal gestellt hat, nämlich "Was wäre, wenn ich mich anders entschieden hätte" von einer hypothetischen zu einer ganz realen. Wie würde mein Leben aussehen, wenn ich statt des einen das andere getan hätte? Ist das andere Ich besser als dieses Ich? Der Film lässt den Zuschauer mit genau diesen Fragestellungen zurück und führt so dazu, dass man sich noch Tage später mit ihm beschäftigt. So stellt sich auch John diese Fragen, da seine Familie dort oben vielleicht tatsächlich noch am Leben sein könnte. Aber auch Rhoda könnte die andere Welt und die Möglichkeit, diese vielleicht zu besuchen, nutzen, um eine zweite Chance zu bekommen und ihrem alten Leben, in dem sie vorgestraft als Hausmeisterin statt Astrophysikerin arbeitet, zu entfliehen. Zwar vermitteln die Trailer zu Another Earth einen anderen Eindruck, aber der Film nutzt die Entdeckung einer zweiten Erde lediglich als Aufhänger. Eigentlich dreht sich die Geschichte um die beiden Charaktere und das Drama, welches zu der Verknüpfung der beiden Schicksale geführt hat zusammen mit der Möglichkeit, das "Was wäre wenn" tatsächlich erleben zu können.

Szenenbild. Stilistisch führte das kleine Budget des Films dazu, das auf teure Special Effects verzichtet wurde, wobei sowieso fraglich ist, ob sie hier überhaupt gepasst hätten. Stattdessen wird die Stimmung vielmehr durch ungewöhnliche Kameraperspektiven und dem Einsatz von grobkörnigen Handkameras, Nahaufnahmen und dem eingesetzten Licht erzeugt. Beispielsweise ändert sich die anfangs allgegenwärtige kühle Blautönung des Films im Laufe der Zeit, während sich John und Rhoda näherkommen, hin zu wärmeren Tönen und unterstreicht auf diese Weise das Annähern der beiden Charaktere sowie deren Zurückfinden in die normale Welt. Brit Marling, die den Film zusammen mit Mike Cahill geschrieben hat, gelingt es, die verletzte und verwirrte Rhoda so überzeugend mit Leben zu füllen und den Zuschauer ihren Schmerz während des gesamten Films spüren zu lassen, dass man sich fragt, warum diese Schauspielerin noch nicht längst größere Rollen gespielt hat. Und auch William Mapother ("Lost") kann in seiner Rolle als Professor und Komponist, aber auch als am Boden zerstörter Familienvater, der alles verloren hat was ihm auf dieser Welt etwas bedeutete, überzeugen.

Fazit: In seinem Regiedebüt schafft es Mike Cahill, der hier auch ebenfalls Kamera und Schnitt übernimmt, mit einem kleinen Budget eine großartige Geschichte zu verfilmen, die trotz ihres philosophischen Tiefgangs niemals langweilig wird und ein weiteres Beispiel dafür abliefert, dass man keine bombastischen Effekte, sondern nur ein paar gute Ideen braucht, um einen fesselnden Film zu erschaffen. Klare Empfehlung für alle Freunde von Dramen, die mit kleinen Independent-Filmen etwas anfangen können.

Wertung:8 von 10 Punkten
Marcel Wetzel
(Bilder © 2011 Fox Searchlight)


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Kommentare (7)
RSS Kommentare
1. 23.12.2016 23:53
 
Nur 5 von 10?
Lieber Christian, 
 
ueber deine Bewertung zu diesem Film bin ich (aehnlich wie deine Freunde) doch etwas ueberrascht. Ich lese deine Kritiken sehr gerne und teile zumeist deine Einschaetzungen und Filmvorlieben.  
 
In diesem Fall allerdings nicht. Der Film hatte mich von Anfang an gepackt und mich bis zum Ende auch nicht enttaeuscht. Die Hauptdarstellerin war durchaus faszinierend, die berechtigte Schuld machte sie umso interessanter und die Traurigkeit und Melancholie war in jeder Szene zu spueren. 
 
Wohl wahr, die Aufloesung der Geschichte rund um sie und John war zwar vorhersehbar, aber durch die ehrliche und beruehrende Darstellung dennoch "erfrischend".  
 
Weiter waren die Bilder wunderschoen anzusehen und die Sci-Fi-Story war genau im richtigen Verhaeltnis eingesetzt. Schliesslich sollte sie nur das Innere unserer Hauptperson wiederspiegeln, der Wunsch den Fehler wieder gut zu machen und sich zu fragen "was waere wenn"... 
 
Was mich doch brennend interessieren wuerde, in welcher anderen Art und Weise kann das Ende noch interpretiert werden? Bei mir kam wohl doch zu sehr die meiner Meinung nach klare Botschaft rueber. 
 
Beste Gruesse 
Think
 
2. 04.01.2017 22:53
 
Nur 5 von 10?
Hallo ThinkTwice! 
 
Bin ja eigentlich noch im Urlaub, allerdings hat mich ein Kollege auf deinen Kommentar aufmerksam gemacht, und da dieser mittlerweile auch wieder 2 Wochen alt ist wollte ich mich nur kurz melden und dich wissen lassen, dass in den nächsten Tagen eine längere Antwort von mir kommt. Bis dann! :)
 
3. 15.01.2017 17:43
 
Nur 5 von 10?
Bin leider später dran als ich das sein wollte, kam aber einfach eher nicht dazu. Ich hoffe, meine Antwort erreicht dich noch! 
 
Zuerst mal danke für das Lob und generell für eine Nachricht; es freut mich immer, von treuen Lesern etwas zu hören :). Wie im Review schon gesagt, war ich selbst wohl am meisten überrascht darüber, dass mich der Film nicht so recht ansprechen konnte, da er eigentlich genau mein Ding sein müsste. Warum er das nicht war, habe ich eh oben im Review schon dargelegt. Ich freue mich jedenfalls für alle, die er mehr überzeugen konnte :).  
 
---------- SPOILERWARNUNG! ---------- 
 
Was nun das Ende betrifft: Im ersten Moment dachte ich, die Tatsache, dass ihr Gegenstück rübergeflogen ist müsste bedeuten, dass der Unfall dort auch stattgefunden hat. Nachdem ich etwas darüber nachgedacht habe bin ich mir da aber nicht mehr so sicher. Immerhin war sie auf ihrem Weg zum MIT, und ich schließe nicht aus, dass sie es auch als Teil des wissenschaftlichen Teams geschafft haben könnte, an der Mission teilzunehmen. Oder aber, der Unfall hat wirklich stattgefunden, dann muss jedoch seither etwas anderes passiert sein, sonst wäre ja John vor ihr gestanden. Andere mögen eben diesen ganzen Interpretationsspielraum schätzen und sich nun ihr eigenes Ende zusammenreimen. Und es gibt viele ähnliche Enden, die ich selber sehr schätze. In diesem Fall und als Abschluss dieses spezifischen Films war mir das allein jedoch zu wenig, und als Ende zu offen.  
 
Wie siehst DU das Ende denn?
 
4. 24.01.2017 18:29
 
Nur 5 von 10?
Hallo Christian, 
 
ja, ich lese deine Reviews sehr gerne und sollte vielleicht auch mal positive Rückmeldungen hinterlassen und nicht nur wenn ich mit deiner Meinung nicht einverstanden bin ;) 
 
Nun noch mal zum Ende von Another Earth.  
 
---------- SPOILERWARNUNG! ----------  
Mein erster Gedanke ging genau in die andere Richtung als deiner. Für mich war hier klar die Aussage, dass der Unfall auf der anderen Erde nicht stattgefunden hat. Wie du schon richtig sagtest, wenn der Unfall dort stattgefunden hätte, wäre nicht sie sondern John geflogen. Also wird sie auf andere Art und Weise an den Flug gekommen sein. Weiter wurde auch zwischen den Zeilen einiges vermittelt, dass mich zu dieser Meinung kommen ließ. Es war die Art wie ihr Gegenpart auftrat, wie sie gekleidet war, der Blick in ihrem Gesicht… Sie wirkte auf mich wie jemand, der nicht so etwas Schlimmes durchmachen musste. Klar, es könnte auch anders sein und lässt somit auch Freiraum zur Spekulation. Für mich sind die Anzeichen aber absolut ausreichend. Auch das hat mich an dem Film so beeindruckt. Ich habe all das in dem Ende gesehen, obwohl kein Wort gesprochen und die Szene nur eine Minute andauerte. 
 
Soviel zu meinem Standpunkt dazu. Danke für deine Rückmeldung. 
 
P.S.: Hast du dich schon mit der Serie Black Mirror beschäftig bzw. sagt sie dir zu?
 
5. 05.02.2017 22:57
 
Nur 5 von 10?
______ S P O I L E R ______ 
 
Interessant. Es zeigt für mich aber irgendwie erst recht sehr schön auf, wie offen und ungeklärt das Ende letztendlich ist. In den IMDB-Message Boards findet sich auch eine nette Diskussion dazu (zumindest noch, leider werden die ja in Kürze abgedreht und scheinbar auch vollständig gelöscht :cry ), wo wiederum jemand theoretisiert, dass der Unfall zwar stattgefunden hat, es dort jedoch John erwischt hat (weshalb sie ihm dort auch nicht ihr Ticket überlassen konnte), und die Familie daher dort nun wieder glücklich vereint ist. Zweifellos alles interessante Gedanken und Interpretationen - mir persönlich war nur halt der kurze Blick auf ihr zweites Ich und das darauffolgende Abblenden nicht aussagekräftig genug (wie ja eben die Diskussion auch zeigt ;)
 
Und wegen positiver Rückmeldung: Kein Ding, ich kenn das. Ich bin selbst ebenfalls eher dazu geneigt, meinen Senf abzugeben, wenn ich mit dem entsprechenden Artikel nicht übereinstimme. ;)  
 
Wegen Black Mirror: Interessanter Zufall. Vor knapp 14 Tagen hatte ich tatsächlich mal wieder Zeit für eine neue Serie. Black Mirror war in der engeren Auswahl, letztendlich fiel meine Wahl aber auf "The O.A.", was ja wiederum das neue Projekt von Brit Marling war. Rückwirkend betrachtet wäre ich mit Black Mirror wohl besser beraten gewesen :? . Jedenfalls, ich habe definitiv vor, mir Black Mirror demnächst mal anzuschauen, es wird aber wohl noch bis zum Frühjahr dauern. Wenn du magst, kann ich mich dann ja ev. gern hier nochmal kurz dazu melden. :)
 
6. 15.02.2017 18:00
 
Nur 5 von 10?
Nun gut, das Ende lässt uns wohl spekulieren und kann für jeden anders ausgelegt werden. Die von dir angesprochene Diskussion habe ich auch kurz überflogen, allerdings ist der Gedanke, dass es in der anderen Welt John und nicht seine Familie erwischt hat, nichts weiter als fanfiction. Entbehrt aus meiner Sicht jeglicher Logik. 
 
The O.A. habe ich noch nicht gesehen, Black Mirror hat aufjedenfall genau meinen Geschmack getroffen. Ich haben ein Faible für gutgemachte, „realistische“ Zukunftsszenarien, welche uns über unsere Gesellschaft nachdenken lassen und die Wege, welche wir beschreiten.  
 
Ich würde mich freuen wenn wir uns hier wieder austauschen können, sobald du die Zeit für die Serie gefunden hast. 
 
Bis dahin 
 
Beste Grüße 
Think
 
7. 29.03.2017 15:54
 
Nur 5 von 10?
Ich habe Black Mirror gesehen! Auf jede einzelne Folge einzugehen würde den Rahmen sprengen, insgesamt hat mir diese Anthologie-Serie aber sehr gut gefallen, insofern nochmal vielen Dank für den Tipp (ich hatte sie zwar eh schon auf meiner Watchlist, ohne deine nachdrückliche Empfehlung hätte ich mir aber wohl noch etwas mehr Zeit gelassen). Mein Favorit war San Junipero, aber eigentlich haben mir eh die meisten Folgen sehr gut gefallen. Es gelingt den Machern sehr gut, was Technologie betrifft aktuelle Trends abzuleiten und logisch (?) weiterzudenken, und aufzuzeigen, wo dies hinführen konnte. Daraus wird dann meist ein - effektives - cautionary tale, aber vermutlich stach San Junipero eben gerade deshalb aus der Masse hervor, da sie Technologie mal rein positiv dargestellt hat. Trotzdem waren auch die anderen Episoden sehr interessant und boten zahlreiche überaus originelle und interessante Einfälle, wobei mir neben den gleich drei Technologien aus White Christmas vor allem noch die düster-deprimierende Zukunftsvision aus Nosedive in Erinnerung geblieben ist. Einzig die beiden sehr politisch geprägten Episoden - The National Anthem und The Waldo Moment - fielen für mich etwas ab, und die bislang letzte Folge war einfach zu lang; das gab die Story nicht her. Bin aber sehr froh, die Serie nun gesehen zu haben, und freue mich schon auf die nächste Staffel. 
 
Wie ist deine Meinung zu Black Mirror?
 

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